Diagnose der geschwollenen Beine

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Aufgrund der vielzähligen Ursachen, die zu Schwellungen an den Beinen führen können, ist eine eindeutige Diagnose mitunter äußerst aufwendig. Oft ergeben sich jedoch bereits aus dem Auftreten der ersten Schwellungen Hinweise auf die möglichen Ursachen der dicken Beine. Ist die Schwellung einseitig oder beidseitig? Tritt sie am Fuß, Knöchel, Unterschenkel, Knie, an der Hüfte oder am ganzen Bein auf? Sind die Schwellungen lang anhaltend oder eher kurzfristiger Natur? Welche Beschaffenheit hat das Gewebe? Leiden die Patienten gleichzeitig unter weiteren Symptomen? Mit Hilfe derartiger Fragen versucht sich der Therapeut ein erstes Bild von den Ursachen der Beinschwellungen zu machen. Anschließend kommen entsprechend den möglichen Auslösern der Erkrankung verschiedene Diagnoseverfahren zum Einsatz, wobei stets der bisherige Verlauf der Symptome Berücksichtigung finden sollte.

Diagnose von Venenerkrankungen

Venenleiden sind – ausgenommen der Krampfadern – oftmals relativ schwierig festzustellen. Besteht der Verdacht, dass Beeinträchtigungen der Venen Ursache der dicken Beine sind, können Venenerkrankungen im familiären Umfeld zusätzliche Hinweise auf eine mögliche erbliche Veranlagung liefern. Auch die Intensität und Lokalisierung der Beinschwellungen ermöglichen Rückschlüsse auf eine unter Umständen bestehende Venenerkrankung. Das Hautbild bietet dem Arzt dabei zusätzliche Anhaltspunkte zur Diagnose von Venenleiden. Auch werden die Arterien abgetastet und abgehorcht, um deren Zustand zu kontrollieren.

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Spezielle Ultraschalluntersuchungen und die sogenannte Farbduplex-Sonografie ermöglichen außerdem eine Überprüfung der Blutströmung in den Venen. Diese kann nicht nur Hinweise auf eine Beeinträchtigung der Venenfunktion liefern, sondern auch zur Feststellung einer Venenthrombose dienen. Des weiteren kann zur Bestimmung einer Venenthrombose im Zweifelsfall eine spezielle Röntgenuntersuchung mit einem Kontrastmittels durchgeführt werden, die zur Darstellung der tiefen Venen und ihrer Venenklappen dient. Zur Ermittlung des Blutzustroms beziehungsweise Blutrückflusses kann darüber hinaus eine sogenannte Verschlussplethysmografie durchgeführt werden, bei der die Volumenänderung im Gewebe festgestellt und analysiert wird. Eine Überprüfung des Venendrucks ist ebenfalls möglich. Um einen Venenthrombose zu diagnostizieren wird außerdem einen Untersuchung des Blutplasmas auf sogenannte D-Dimer im Labor durchgeführt. Erhöhte D-Dimer-Werte im Blutplasma sind eine Folge aktivierter Blutgerinnung und der Auflösung von Blutgerinnseln. Werden Werte von mehr als 0,5 Milligramm D-Dimer je Liter Blutplasma erreicht, ist dies ein möglicher Hinweise auf eine Wadenvenen- beziehungsweise Beinvenenthrombose.

Diagnose von Lymph- und Schilddrüsenerkrankungen

Die Diagnose von Lymphstörungen ist meist relativ eindeutig bereits anhand der zu verzeichnenden Ausprägung der Ödeme erkennbar. Die typische Schwellung der Zehen liefert hier einen klaren Hinweis auf eine möglicherweise bestehende Erkrankung der Lymphgefäße. Neben der Begutachtung der Schwellungen an Beinen und Händen ist weiterhin eine Untersuchung der Arterien, Lymphknoten, Venen und der Herz-Kreislauffunktion vorgesehen, um eine eindeutige Diagnose der Lymphstörungen zur ermöglichen. Auch Methoden der sogenannten Lymphszintigrafie (nuklearmedizinischen Verfahren zur Darstellung von Lymphbahnen und Lymphknoten) können bei der Feststellung von Lymphabflussstörungen und bösartigen Gewebeveränderungen helfen. Wird eine Infektion in Form eines Erysipels als Ursache der Lymphabflussstörungen vermutetet, lässt sich diese mittels einer Überprüfung der Entzündungswerte im Blut feststellen. Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung als Ursache der geschwollenen Beine können die Schilddrüsenwerte anhand einer Blutuntersuchung relativ einfach überprüft werden. Liefern die Blutproben Hinweise auf eine Unterproduktion der Schilddrüsenhormone, stehen weitere Diagnoseverfahren wie Ultraschalluntersuchung, die Entnahme von Gewebeproben und nuklearmedizinische Untersuchungsmethoden mit schwach radioaktiven Substanzen als Kontrastmittel zur Verfügung, um die Schädigung des Organs genauer zu analysieren. Diese Untersuchungen dienen auch dazu, eine mögliche Schilddrüsenkrebserkrankung auszuschließen.

Untersuchungen bei Verdacht auf Herzschwäche

Um eine chronische Herzschwäche als mögliche Ursache der geschwollenen Beine zu überprüfen, ist im ersten Schritt eine körperliche Untersuchung mit Abhören und Abklopfen des Brustkorbs, Abtasten des Körpers auf Ödeme sowie Puls- und Blutdruckmessungen vorgesehen. Auch lassen sich beim Abtasten des Körpers unter Umständen geschwollene Gefäße feststellen, wie beispielsweise bei einer Rechtsherzinsuffizienz im Bereich der Halsvenen. Zusätzlich sind bei Verdacht auf eine Herzschwäche Aufzeichnungen der Herzstromkurve über ein sogenanntes Elektrokardiogramm (EKG) angebracht. Auch eine Ultraschalluntersuchung des Herzens kann Aufschluss über eine möglicherweise bestehende Herzschwäche bringen. Des weiteren ist unter Umständen eine Magnet- oder Computertomografie des Herzens durchzuführen, um den Zustand des Organs und insbesondere der Herzkranzgefäße genauer zu untersuchen. Blutuntersuchungen können hier ebenfalls zur Diagnose einer chronischen Herzschwäche beitragen.

Feststellung einer Leber- oder Nierenerkrankung

Bei Verdacht auf eine Lebererkrankung ist eine gründliche körperliche Untersuchung angebracht, die neben einem Abtasten der Leber nach spürbaren Veränderungen, Blutuntersuchungen im Labor, Ultraschalluntersuchungen sowie unter Umständen eine Analyse von Gewebeproben der Leber (Leberbiopsie) vorsieht. Auch bildgebende Verfahren der Computertomografie (CT) und/oder Magnetresonanztomografie (MRT) können hier zum Einsatz kommen, nicht zuletzt um eine Erkrankung an Leberkrebs auszuschließen.

Wird eine Nierenerkrankung als Auslöser der geschwollenen Beine vermutet, lässt sich dies ebenfalls anhand von Blutproben überprüfen. Auch Urintests können hier Klarheit bringen. Dabei finden sich im Urin meist erhöhte Mengen spezieller Proteine und Blutkörperchen. Bei der Blutprobe lässt sich im Fall einer Nierenerkrankung in der Regel ein zu niedriger Spiegel des Proteins Albumin nachweisen. Des weiteren sind bei dem Verdacht auf Nierenerkrankungen Ultraschalluntersuchungen des Organs vorgesehen, auch um die Schädigungen der Niere genauer zu überprüfen. Zudem kann eine Gewebeprobe (Nierenbiopsie) hier zusätzliche Informationen zum Zustand der Nieren liefern. Im Rahmen der Diagnose stellt der Arzt auch fest, ob die Beeinträchtigungen der Niere eine akute Ursache haben oder durch chronische Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes oder eine Herzschwäche bedingt werden.

Weitere Diagnoseverfahren

Bei Beinschwellungen können die Diagnoseverfahren der Sonografie (Ultraschall) und der bildgebenden Untersuchungsmethoden (MRT, CT) auch genutzt werden, um andere Erkrankungen wie beispielsweise eine Baker-Zyste oder ein Lipödem zu diagnostizieren. Insgesamt sind die möglichen Herangehensweisen bei der ärztlichen Diagnose äußerst variabel, wobei jedoch in jedem Fall am Anfang der Diagnose eine ausführliche Amnese stehen sollte, um den bisherigen Beschwerdeverlauf der Patienten zu berücksichtigen und so Hinweise auf mögliche Ursachen der geschwollenen Beine zu gewinnen. Da den Beinschwellungen äußerst schwerwiegende Erkrankungen zugrunde liegen können, sollte in jedem Fall eine ärztliche Untersuchung erfolgen.