Ellenbogenschmerzen

Nina Reese

Schmerzen am Ellenbogen

Der Ellenbogen wird bei vielen Sportarten aber auch bei Tätigkeiten im Alltag wie beim Tragen von Taschen, beim Tennis- und Tischtennisspielen sowie beim Schrauben stark beansprucht. Zudem ist er aufgrund seines massiven Herausstehen auch bei Stürzen und Stößen für Verletzungen anfällig. Knochenbrüche beispielsweise des Oberarms mit Beteiligung des Ellenbogens treten sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern nicht selten auf. Zu den häufigsten Ursachen von Ellenbogenschmerzen gehören sogenannte Tendinosen, schmerzhafte Verschleißerkrankungen der Muskelsehnen wie beispielsweise beim „Tennis-Ellenbogen“. Weitere Auslöser von Ellenbogenscherzen sind Insertionstendopathien beziehungsweise Enthesiopathien, Sehnenleiden, die an den Ansatz- und Ursprungspunkten der Muskelsehnen an den Knochen oder deren Vorsprüngen auftreten.

Inhaltsverzeichnis:
Definition
Symptom
Risikofaktoren
Diagnose
Behandlungsoptionen
Naturheilverfahren

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Definition

Als Ellenbogenschmerzen werden allgemein Schmerzen im Bereich des Ellenbogens bezeichnet. Die Ursache kann auf das Ellenbogengelenk, seine Sehnen, Muskeln und Bänder, aber auch den Bereich des Oberarmes, der Wirbelsäule oder auf Entzündungen zurückzuführen sein. Schmerzen am Ellenbogen reichen von gelegentlichen leichten Beschwerden bis hin zu permanenten starken Schmerzen. Die Schmerzen können punktuell, großflächiger mit Ausstrahlen in den Unterarm, und nadelstichartig bei bestimmten Bewegungen und Belastungen auftreten.

Durch eine einseitige Belastung kann es zum sogenannten Tennisarm bzw Tennisellenbogen kommen.
Durch eine einseitige Belastung kann es zum sogenannten Tennisarm bzw Tennisellenbogen kommen. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Symptom

Der Ellenbogen besteht aus drei Knochen (Oberarm, Elle und Speiche), deren Enden im Ellenbogengelenk zusammenlaufen, sowie aus Sehnen, Bändern, Gelenkknorpel, Gelenkflüssigkeit und weiteren Gelenkstrukturen. Ein Scharnier- und Kugelgelenk im Ellenbogen ermöglicht die Beugung und Streckung des Unterarms. Ein Zapfengelenk ist für die Drehung von Unterarm und Hand verantwortlich.

Da das Ellenbogengelenk im Alltag, bei der Arbeit und bei sportlichen Aktivitäten häufig stark beansprucht wird, kann es bei Überlastung, falscher Belastung und Unfällen leicht zu Verletzungen und Beschwerden kommen. Betroffene können unter akuten, bei bestimmten Bewegungen und Belastungen auftretenden oder permanenten (chronischen) Ellenbogenschmerzen leiden. Die Intensität reicht von leichten bis zu starken Schmerzen, die je nach Ursache ziehend, stechend oder drückend erscheinen. Häufig leiden Betroffene zudem an einer Bewegungseinschränkung des Ellenbogengelenks. Bei Entzündung können Schwellungen und warme Rötungen auftreten.

Zu den häufigsten Ursachen zählen der Tennis-Ellenbogen (Tennisarm, Epicondylitis humeri lateralis) sowie der Golfer-Ellenbogen (Epicondylitis humeri medialis). In beiden Fällen liegt eine Entzündung oder degenerative Veränderung im Bereich des Ellenbogens vor, die beim betroffenen Arm zur Einschränkung der Gebrauchsfähigkeit führt. Seinen Namen verdankt das Schmerzsyndrom dem Umstand, dass Tennisspieler und Golfer häufig betroffen sind. Meist sind jedoch Belastungen bei der Arbeit, die bei intensiver Computerarbeit oder handwerklichen Tätigkeiten auftreten, Auslöser eines Tennis- oder Golfer-Ellenbogens.

Beim Tennis-Ellenbogen klagen Betroffene bei Berührungen oder Druck über Schmerzen am äußeren seitlichen Knochenvorsprung des Ellenbogens. Auch das Anheben von Gegenständen mit gestrecktem Arm und das Schließen einer Faust können schmerzhaft sein. Armstreckungen und Handgriffe werden im Allgemeinen als beschwerlich und unangenehm empfunden. Häufig gehen die Beschwerden nach einer Phase der Schonung von selbst zurück. In einigen Fällen kann sich ein chronisches Krankheitsbild entwickeln, dass andauert, wiederkehrt und sich verschlimmert.

Beim Golfer-Ellenbogen treten Schmerzen im Bereich des inneren Ellenbogens auf. Dabei ist der Ellenbogenbereich am Ansatz der Hand- und Fingerbeuger, ellenseitig betroffen. Häufig treten Schmerzen beim Beugen des Handgelenks, beim Heben schwerer Gewichte und bei Drehungen des Unterarms gegen einen Widerstand auf. Da das Schmerzsyndrom bei Speerwerfern auftritt, wird es auch als Werfer-Ellenbogen bezeichnet.

Eine weitere häufig auftretende Tendinose ist der Kletter-Ellenbogen, bei dem Überlastungsschmerzen an den gelenknahen Sehnenansätzen des Ellenbogengelenkbeugers (Brachialis-Muskel) an der oberen Elle auftreten. Dieser Bereich wird vor allem beim Klettern stark beansprucht.

Ellenbogenschmerzen
Entzündungen des Ellenbogens gehen in der Regel mit Schmerzen einher. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Entzündungen des Ellenbogengelenks führen häufig zu Ellenbogenschmerzen. Dabei kann eine Arthritis (Gelenkentzündung) unterschiedliche Ursachen haben. Sowohl eine Infektion mit Bakterien als auch Stoffwechselerkrankungen wie Gicht können eine Entzündung der Gelenke auslösen. Ist nur ein Gelenk wie das Ellenbogengelenk betroffen, sprechen Mediziner von einer Monarthritis, beim Befall mehrerer Gelenke von einer Polyarthritis.

Zu den häufigsten Formen der Arthristis zählt die rheumatoide Arthritis. Dabei können bei Betroffenen ebenfalls Ellenbogenschmerzen auftreten, wobei der Ellenbogen seltener als andere Gelenke betroffen ist. Ursache der Erkrankung ist eine fehlgesteuerte Immunabwehr, so dass die eigenen Gelenke und Gewebe angegriffen und zerstört werden. Rheumatoider Arthritis zählt zu den Autoimmunerkrankungen. Meist tritt sie symmetrisch durch Schwellungen beider Ellenbogen, Hand- oder Fußgelenke auf. Patienten klagen häufig über Morgensteifigkeit und bewegungsabhängige Schmerzen.

Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich im Ellbogenbereich durch einen sogenannten Gicht-Tophus bemerkbar machen kann. Dabei handelt es sich um eine Ansammlung von Harnsäurekristallen, die nicht abgebaut wurden. Harnsäure ist ein Stoffwechselprodukt, das auch bei gesunden Menschen anfällt. Normalerweise wird die Harnsäure durch den Stoffwechsel ausreichend entsorgt. Aufgrund von Stoffwechselstörungen kann es jedoch dazu kommen, dass sie sich im Körper ablagert und Tophi bildet. Entstehen die Gicht-Tophi an gelenknahen Knochen, kann das zur Verformung und Schädigung der Gelenke führen. Lagert sich Harnsäure bei einem akuten Gichtanfall in den Gelenken und Schleimbeuteln ab, treten durch die Entzündungen heftige Schmerzen, Rötungen an der Haut über den betroffenen Stellen und Fieber auf. Als sogenannte Pseudogicht wird die Ablagerung von Pyrophosphatkristallen bezeichnet, die ebenfalls zur Reizung oder Entzündung des Ellenbogengelenks und anderer Gelenke oder gelenknaher Strukturen führen kann.

Schmerzen am Ellenbogen werden häufig durch eine Schleimbeutelentzündung (Bursitis olecrani) ausgelöst, die auch durch mechanische Belastung und Dauerreizung hervorgerufen werden kann. Beispielsweise verursacht ständiges Aufstützen des Ellbogens bei der Arbeit oder bestimmte sportliche Aktivitäten eine Bursitis olecrani. Zudem kann sich der direkt unter der Haut liegende Schleimbeutel durch Infektionen oder Verletzungen entzünden und stark anschwellen.

Arthrose (Gelenkverschleiß) kann ebenfalls zu Schmerzen am Ellenbogen führen, wenn sie hier auch seltener als an anderen Gelenken auftritt. Häufig, aber nicht ausschließlich, sind ältere Menschen davon betroffen. Tritt Arthrose bereits bei jüngeren Menschen auf, geht dem Gelenkverschleiß meist eine Verletzung, eine berufsbedingte Schädigung oder eine Überbeanspruchung voraus. Beispielsweise kann Arthrose bei Kraftsportler durch übermäßiges Gewichtheben auftreten. Arthrose-Patienten leiden zum Teil an starken Schmerzen und einer zunehmenden Bewegungseinschränkung.

Ellenbogenschmerzen bei Kindern und Jugendlichen können auf Mobus Panner (Osteochondrosis dissecans) zurückzuführen sein. Vor allem Jungen im Alter von sechs bis zehn Jahren sind von der Knochennekrose des Ellenbogengelenks betroffen. Es kommt zur Bildung einer sogenannten Gelenkmaus, eines freien Knorpel-Knockenteils aufgrund von Durchblutungsstörungen, Überlastung oder unbekannter Ursache. Setzt sich der Gelenkkörper in das Gelenk ab, kann es zu Einklemmungen, Schädigungen am Knorpel und im späteren Verlauf zu Arthose kommen.

Bei Beschwerden, die einseitig bis in den Ober- und/oder Unterarm und die Finger ausstrahlen, sollte eine Nervenschädigung vom Arzt ausgeschlossen werden. Diese kann beispielsweise bei einem Wurzelkompressionssyndrom bei einem Bandscheibenvorfall auftreten, wenn Nervenwurzeln am Rückenmark eingeengt oder zusammengequetscht werden. Die Schmerzen haben dann einen engen Bezug zum Verlauf der Neven und/oder zum geschädigten Bereich. Dabei wird von segmentalen Schmerzen gesprochen. Betroffene leiden zudem häufig an einer Muskelschwäche oder -lähmung sowie einem Kribbeln und Taubheitsgefühlen. Ähnliche Symptome treten bei Erkrankungen des Schultergelenks und Nervenkompressionen im Schulterbereich auf, deren Schmerzen ebenfalls in den Oberarm ausstrahlen können.

Weitere Ursachen für Ellenbogenschmerzen können Knochenbrüche, Muskelverspannungen, Fibromyalgie, bakterielle Knochenentzündungen, Zysten, Tumore, angeborene Fehlbildungen des Ellenbogens oder der Knochen des Ober- und Unterarms, Reizung des Ellennervs (Nervus ulnaris) am sogenannten Musikantenknochen, Gelenkausrenkung (Luxation), Überbein (Ganglion), Osteoporose, Durchblutungsstörungen, Hauterkrankungen mit Beteiligung des Ellenbogengelenks (Psoriasis) u. a. sein.

Risikofaktoren

Häufig führen Überlastungen beispielsweise durch intensive Computerarbeit oder handwerkliche Tätigkeiten zu Schmerzen am Ellenbogen. Berufsbedingt sind viele dieser Bewegungen und Belastungen nicht zu vermeiden. Deshalb sollten Betroffene versuchen, bei einseitigen, immer wiederkehrenden Belastungen die Hand zu wechseln, wenn das möglich ist. Für die Arbeit am Computer sollten Bürostuhl und Schreibtisch individuell einstellbar sein. Eine spezielle Ablage für den Arm kann ebenfalls hilfreich sein sowie in Pausen das sanfte Dehnen und Bewegen des Hand- und Ellenbogengelenks, Schulterkreisen und Körperstrecken.

Sportliche Aktivitäten wie unter anderem Tennisspielen, Golfen, Gewichtheben und Speerwerfen können ebenfalls zu Überlastungen des Ellenbogens führen.

Diagnose

Ellenbogenschmerzen können unterschiedliche Ursachen haben. Häufig gehen die Beschwerden nach einer Zeit der Schonung von selbst zurück wie beispielsweise bei einer kurzzeitigen Überlastung. Sollten die Schmerzen jedoch länger anhalten, sich eine Bewegungseinschränkung bemerkbar machen und/ oder Schwellungen auftreten, ist es ratsam einen Arzt zu konsultieren.

Um der Ursache der Ellenbogenschmerzen auf die Spur zu kommen, muss zunächst geklärt werden, welche Beschwerden auftreten und wo sie sich bemerkbar machen. Zudem fragt der Arzt nach Vorerkrankungen und Verletzungen, die möglicherweise Einfluss auf das Ellenbogengelenk haben. Bei einer Untersuchung des Ellenbogens wird die Beweglichkeit getestet sowie überprüft, ob eine Schwellung oder ein Gelenkerguss vorhanden ist. Beim Verdacht auf bestimmte Ursachen oder Erkrankungen wird der Arzt weitere Untersuchungen veranlassen wie Röntgenaufnahmen, Blutuntersuchungen beispielsweise auf Entzündungswerte, Gelenkspiegelungen (Arthroskopie), Kernspintomographien (MRT), Ultraschalluntersuchungen (Sonographie) oder eine Gelenkpunktion bei einem Gelenkerguss.

Behandlungsoptionen

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Beschwerden. Während akute Schmerzen häufig von selbst verschwinden, kann bei andauernden Ellenbogenschmerzen wie beim Tennis-Ellenbogen oder Golfer-Ellenbogen die Ruhigstellung mittels Gipsschiene erforderlich sein. Schmerzmittel mit entzündungshemmender Wirkung können in Form von Tabletten- oder Salben zur Anwendung kommen. Reichen diese Maßnahmen nicht aus, können Gelenkinjektionen und Gelenkspülungen mit kortisonhaltigen oder schmerzstillenden Medikamenten erfolgen, um die Ellenbogenschmerzen zu lindern.

Je nach Ursache kann Wärme oder Kühlung, Schonung oder Bewegung als Therapie in Frage kommen. So ist bei Schmerzen am Ellenbogen aufgrund einer längeren Ruhigstellung meist Physiotherapie nötig. Ein spezielles Muskeltraining zur Kräftigung und Dehnung des Gelenks kann ebenfalls sinnvoll sein. Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Methoden wie die Stoßwellentherapie, Elektrotherapie und Ultraschallbehandlung, Wasser- und Bädertherapie, Bandagen, Wärmebehandlung oder Kältebehandlung u.a.

Manchmal ist auch ein operativer Eingriff notwendig. Häufig wird dann mit einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) die Ursache der Ellenbogenschmerzen beseitigt. Bestehen die Beschwerden aufgrund einer Arthrose, kann der Arzt mittels einer gelenknahen Osteotomie die Knochen durchtrennen oder ein Knochenstück entfernen. Ist die Verletzung oder die Schädigung des Gelenks stärker, kann als letztes Mittel die Versteifung des Ellenbogens oder das Einsetzen eines künstlichen Ellenbogengelenkersatzes (Prothese) in Betracht gezogen werden.

Naturheilverfahren bei Ellenbogenschmerzen

Bei Ellenbogenschmerzen können diagnoseabhängig Naturheilverfahren entweder alternativ oder ergänzend zur Schulmedizin zum Einsatz kommen. Beispielsweise kann eine Therapie mit Eis nicht nur die Schmerzen lindern sondern gleichzeitig die Kraft der Entzündung mindern.

Weiderinden-Extrakt fördert den Aufbau der Gelenke. Auch die Heilpflanze Afrikanische Teufelskralle sowie eine Kombination aus Zitterpappelblättern oder -rinde, Echtem Goldrutenkraut und Eschenrinde kann bei Gelenkschmerzen zum Einsatz kommen. Äußerlich angewendet können Arnika, Hafer, Johanniskraut-Extrakt oder -Öl Linderung verschaffen. Darüber hinaus können mit der Misteltherapie gute Erfolge erzielt werden, indem Mistelzubereitungen unter die Haut gespitzt werden. Abhängig von der Ursache der Ellenbogenschmerzen kann Akupunktur Schmerzlindernd wirken. (nr)