Fersenschmerzen – Ursachen und wirksame Behandlung

Nina Reese

Schmerzen an der Ferse

Als Fersenschmerzen werden Beschwerden im hinteren Teil des Fußes bezeichnet, die meist sehr unangenehm sind, da einfaches Gehen bereits große Schwierigkeiten bereiten kann. Die Ferse trägt den größten Teil des Körpergewichts und ist somit ohnehin stark belastet. Bei körperlicher Überbelastung reagiert die Ferse daher schnell mit Schmerzen, wobei sich die Belastung sowohl auf Fuß-, Knie- und Hüftgelenke als auch auf die Lenden und Nackenwirbelsäule ausweiten kann. Schmerzen im Fersenbereich sind ein häufiges Fußproblem, welches in den meisten Fällen durch Entzündungen der Achillessehne, einen Fersensporn oder eine Schleimbeutelentzündungen hervorgerufen wird, sich aber im Regelfall mit relativ einfachen Maßnahmen schnell und effektiv lindern lässt.

Symptome und Beschwerden

Schmerzen in der Ferse treten in unterschiedlicher Form auf. Typisch ist der so genannte „Anlaufschmerz“, der morgens oder nach längerem Liegen oder Sitzen auftritt, nachdem der Fuß eine Weile nicht bewegt wurde. Diese Form von Fersenschmerz lässt häufig im Laufe der Bewegung zunächst nach, kehrt jedoch nach einer weiteren Ruhephase zurück.

Hacken Schmerzen - schwarzwei mit Zielscheibe
Fersenschmerzen können zu erheblichen Beeinträchtigungen beim Gehen führen. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Zum Teil verläuft der Schmerz so stark, dass das erste Gehen nahezu unmöglich ist und eine Gehhilfe erforderlich wird. Darüber hinaus zeigen sich Fersenschmerzen beispielsweise als starker Druckschmerz an den Sehnenansätzen oder als stechender Schmerz innen bis mittig im Sohlenbereich der Ferse. Andere Betroffene berichten von eher dumpfen Fußschmerzen im Bereich der Ferse, die auch im Ruhezustand auftreten können.

Funktionelle Ursachen von Schmerzen an der Ferse

Der häufigste Grund für Schmerzen in der Ferse besteht in einer Überlastung der Achillessehne. Diese kann zum Beispiel durch ein Muskelungleichgewicht, eine Bänderschwäche an den Sprunggelenken oder Verformungen des Fußes hervorgerufen werden. Besteht eine dauerhafte Überbelastung kommt es in vielen Fällen zu einer chronischen Entzündung (Tendinitis), durch welche Gewebeschäden und Teilrisse entstehen können. In schweren Fällen kann dies sogar zu einem Sehnenriss führen.

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Auslöser für eine dauerhafte Überlastung der Sehne sind zumeist sportliche Aktivitäten, bei denen gelaufen oder gesprungen wird. Denn arbeiten die Muskeln z.B. durch Verspannungen oder Verkürzungen nicht ausgeglichen, hat das eine einseitige und damit ungünstige Belastung der Achillessehne zur Folge. Hinzu kommen – gerade beim Sport – weitere Faktoren, die Achillessehnenschmerzen begünstigen können. Hierzu zählen unter anderem schlecht sitzende Schuhe, fehlende Aufwärmübungen und eine falsche Technik bei der Ausübung der Sportart.

Oft entstehen Schmerzen im Fersenbereich durch eine Überlastung der Achillessehne. Dazu kommt es schnell, z.B. durch zu kleine Turnschuhe oder eine falsche Technik beim Ausüben des Sports. (Bild: underdogstudios/fotolia.com)

Im Falle der Entzündung der Sehne treten im Zusammenhang mit körperlichen Belastungen (Gehen, Laufen, Springen etc.) stechende Schmerzen sowie sichtbare Schwellungen im Bereich der Sehne auf, die zumeist im Laufe der Aktivität intensiver werden. Besteht bereits eine dauerhafte Entzündung, so zeigen sich die Beschwerden meist bereits beim Aufstehen, werden dann erst einmal weniger, um nach der nächsten Ruhephase zurückzukehren. In diesem Fall ist die Sehne bereits an einigen Stellen verdickt und an den betroffenen Stellen äußerst druckempfindlich.

Entzündung am Achillessehnenansatz

Eine weitere Ursache kann ein entzündeter Achillessehnenansatz sein, welcher häufig in Kombination mit einer Schleimbeutelentzündung und einem Knochenauswuchs, einem so genannten „Fersensporn“ auftritt.

Auch eine Entzündung am Sehnenansatz hat Schmerzen beim Anlaufen zur Folge, insbesondere bei Anstiegen. Hier zeigt sich ein drückender Schmerz eher punktuell innen, außen oder hinten in der Fersenmitte. Bei einer Schleimbeutelentzündung hingegen wird meist von starken örtlichen Schmerzen berichtet.

Entzündung der Sehnenplatte

Häufig ist eine Entzündung der Sehnenplatte an der Fußsohle (auch „Plantarfasziitis“ genannt) für Schmerzen in der Ferse verantwortlich. Bei dieser Form der Entzündung zeigen sich Veränderungen im Bindegewebe der Sehne, feine Einrisse, Verkalkungen sowie Schwellungen.

Die Ursache für die Plantarfasziitis ist noch nicht geklärt. Einigkeit besteht unter Experten jedoch dahingehend, dass Laufsport eine Entzündung der Sehnenplatte begünstigen kann. Zum anderen werden Fehlstellungen des Fußes (z.B. Senk- oder Knick-Senk-Fuß, Spreiz-Senk-Fuß), eine verkürzte Wadenmuskulatur, rheumatische Beschwerden, Übergewicht oder Berufe, in denen viel gelaufen oder gestanden wird, als Risikofaktoren betrachtet.

Auch hier kann parallel ein Fersensporn entstehen, was bei jedem zweiten Betroffenen zutrifft. Im Vergleich zu den Fersenspornen, die im Zuge einer Entzündung des Ansatzes der Achillessehne auftreten können, handelt es sich hierbei jedoch um einen unteren bzw. vorderen Sporn fussohlenseitig, welcher häufiger auftritt als ein oberer Sporn.

Kennzeichnend für eine Plantarfasziitis sind Fußsohlenschmerzen im Fersenbereich, die in den meisten Fällen morgens bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen auftreten und sich im Laufe weiterer Bewegung intensivieren. Die Schmerzen können dabei nicht nur in den ganzen Fuß, sondern auch in den Unterschenkel ausstrahlen. Oft treten diese auch am Innenrand des Fußes auf, die häufig vorkommenden Fersensporne sorgen zudem für einen stechenden Schmerz in der Ferse beim Gehen und Stehen.

Weitere Ursachen für Schmerzen im Fersenbereich

Auslöser der Beschwerden kann ein so genanntes Überbein sein, ebenso kommen genetische Veranlagung und Verschleiß bzw. eine nachlassende Gewebequalität in Betracht. Zum Teil sind jahrelang zurückliegende Verletzungen der Grund für die Schmerzen in der Ferse. Weitere mögliche Gründe sind rheumatische Beschwerden sowie bestimmte Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen wie Diabetes oder Gicht.

Ursache für Fersenschmerzen können Beinfehlstellungen wie die so genannten X- oder O-Beine sein. (Bild: MichaelJBerlin/fotolia.com)

Bänderschwächen am Fuß oder eine Sprunggelenksarthrose, Fußfehlstellungen (Knick-Senkfuß oder Spreizfuß etc.) sowie Fehlstellungen der Beine in Form so genannter X-Beine und O-Beine können zu Fersenschmerzen führen. Gleiches gilt für falsches, unpassendes Schuhwerk. Weiterhin kommt Übergewicht als Auslöser in Betracht, da die Füße in diesem Fall einer dauerhaft stärkeren Belastung ausgesetzt sind.

Diagnose

Im Falle einer Entzündung der Sehne bzw. der Sehnenscheide lässt sich üblicherweise im unteren Teil der Achillessehne (ca. zwei bis sieben Zentimeter oberhalb des Sehnenansatzes) mittels des so genannten Zangengriffs ein Druckschmerz auslösen, außerdem zeigt sich beim Bewegen des Fußes ein Schmerz. Wird der Fuß bewegt, können an der Sehne Verdickungen ertastet werden, in manchen Fällen lässt sich dabei sogar ein leises Knirschen hören.

Bei einer Entzündung des Sehnenansatzes entsteht bei der Druckausübung auf diesen ein starker Schmerz, welcher beim Zangengriff am Sehnenrand zwischen Sehne und Fersenbeinhöcker auftritt. Das Dehnen der Sehne, zum Beispiel durch das Hochziehen des Fußes nach oben intensiviert die Schmerzen deutlich.

Bei Anwendung von Ultraschall zeigen sich bei Sehnenbeschwerden in vielen Fällen Verkalkungen, entzündliche Verdichtungen oder Risse. Mithilfe der so genannten Magnetresonanztomografie können sogar minimale Defekte der Sehne erkannt werden. Weiterführende Informationen zum Krankheitsbild können Röntgenaufnahmen des Fußes (Ferse, oberes Sprunggelenk) geben, wobei hier auch ein Fersensporn erkannt werden würde.

Ist eine entzündete Fußsohlenplatte für die Beschwerden verantwortlich, löst Druckausübung auf die betroffenen Stellen Schmerzen aus, welche stärker werden, wenn der Betroffene die Zehen nach oben zieht und sich durch diesen Vorgang die Sehnenplatte anspannt. Mittels Ultraschall können Verdickungen in der Sehnenplatte sichtbar gemacht sowie Fersensporne nachgewiesen werden.

Behandlungsoptionen bei Fersenschmerzen

Fersenschmerzen, die durch eine akute Überbelastung hervorgerufen wurden, können in den meisten Fällen mit einfachen, nicht-chirurgischen Maßnahmen effektiv behandelt werden. Hierzu gehören in erster Linie eine konsequente Schonung des Fußes durch Vermeidung längerer und anspruchsvoller Tätigkeiten wie Laufen, Joggen oder Sport und das Tragen von „gesunden“, d.h. nicht zu kleinen oder zu hohen Schuhen.

Weitere sinnvolle Maßnahmen sind beispielsweise eine Behandlung der Ferse mit Kälte, indem Kühlpads oder in ein Handtuch gewickelte Eiswürfel für etwa fünf Minuten auf die schmerzende Stelle aufgelegt werden. Im Falle von Übergewicht ist eine konsequente Gewichtsreduktion ratsam.

Durch orthopädische Schuheinlagen können Fußfehlstellungen ausgeglichen und die Fersenschmerzen gelindert werden. (Bild: pix4U/fotolia.com)

Zu den klassischen Therapiemaßnahmen gehören zum einen das Tragen von individuell angepassten Einlagen, die unterstützend wirken, indem falsche Fußfunktionen korrigiert werden und dadurch eine Schmerzlinderung eintritt. Zum anderen wird ein regelmäßiges, tägliches Training in Form von Dehnungsübungen empfohlen, um Wadenmuskeln und Achillessehnen zu strecken und dadurch Fersenschmerzen minimieren und effektiv vorbeugen zu können.

Wadendehnung gegen Fersenschmerz:

  1. Setzen Sie sich auf den Boden und stecken Sie die Beine lang aus
  2. Legen Sie ein Tuch bzw. Handtuch um den betroffenen Fuß
  3. Ziehen Sie den Fuß damit nach hinten in Richtung ihres Körpers
  4. Halten Sie die Dehnung etwa 15 Sekunden
  5. Lockern Sie anschließend den Fuß
  6. Wiederholen Sie die Übung 10 Mal

Tipp: Alternativ kann die Übung mit gebeugtem Knie durchgeführt werden, um die Achillessehne zu dehnen.

Bei bestehenden Beschwerden ist es wichtig, die Übungen regelmäßig, d.h. mindestens zwei Mal am Tag und über einen längeren Zeitraum durchzuführen. Sind die Schmerzen stark ausgeprägt oder halten bereits länger an, sollte zuallererst unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Treppen-Übung bei Fersenbeschwerden:

  1. Stellen Sie sich mit den Fußballen auf eine Treppenstufe
  2. Senken Sie langsam eine Ferse oder beide Fersen nach unten ins Leere, bis sich ein Dehnungsgefühl in der Wadenmuskulatur einstellt
  3. Halten Sie diese Position 10 Sekunden lang
  4. Wiederholen Sie die Übung 20 Mal

Weitere Unterstützung bieten Fersenkissen oder Fersenpolster, durch welche eine wirksame Druckentlastung erreicht werden kann. Alternativ eignen sich so genannte Fußmanschetten, die nicht nur die Ferse, sondern den gesamten Fuß entlasten.

Orthopädische Hilfen für den Fuß sowie konsequente Krankengymnastik sind gerade bei chronischen Beschwerden besonders wichtig. Hier gibt es vielfältige Angebote, von speziellen Bindegewebsmassagen, über Fuß- und Wadengymnastik, spezielle Einlagen und Schuh-Korrekturen (z.B. eine Absatzerhöhung), welche unterschiedliche Beinlängen ausgleichen kann.

Sind bereits größere Schäden entstanden, lässt sich in einigen Fällen ein operativer Eingriff nicht umgehen. Bei diesem wird das betroffene Gewebe entfernt und bei Bedarf ein körpereigenes Sehnentransplantat zur Stabilisierung eingesetzt. Im Anschluss an die OP wird Schritt für Schritt und meist über Wochen, mithilfe krankengymnastischer Übungen und einem orthopädischen Spezialschuh mit erhöhter Ferse die „Normal-Funktion“ des Fußes wieder hergestellt.

Naturheilkunde bei Fersenschmerz

Neben dem schulmedizinischen Ansatz bietet die Naturheilkunde Hilfe bei Fersenschmerzen: Bei der transkutanen elektrischen Nervenstimulation (TENS) werden beispielsweise über ein Gerät elektrische Impulse erzeugt und durch die Haut auf die Nerven übertragen, wobei diese Impulse die körpereigenen, schmerzhemmenden Systeme anregen und das gereizte Nervensystem wieder beruhigen. In der Folge verlieren die Schmerzen an Intensität und es werden meist weniger Medikamente zur Behandlung notwendig. Das TENS-Gerät ist dabei praktisch ohne Risiko für den Betroffenen und kann nach einer Einweisung durch den Behandelnden gut von zu Hause aus genutzt werden.

Neben der transkutanen elektrischen Nervenstimulation bietet die Homöopathie verschiedene Mittel zur natürlichen Behandlung der Beschwerden. Bei allgemeiner Überbeanspruchung, Berührungsempfindlichkeit und Schmerzen (auch zur äußerlichen Anwendung) wird Arnica empfohlen. Nach sportlicher Überbeanspruchung (auch zur äußerlichen Anwendung) kommt Ruta graveolens (Gartenraute) in Betracht, bei bohrenden, periodisch auftretenen Schmerzen oder Taubheitsgefühl kann hingegen Hekla lava (vulkanische Asche des Hekla-Vulkans) das Mittel der Wahl sein.

In der Homöopathie wird bei Fersenschmerzen durch sportliche Überanstrengung vor allem die Gartenraute (Ruta graveolens) eingesetzt. (Bild: Maren Winter/fotolia.com)

Die Osteopathie wird von Patienten mit Fersenschmerzen häufig als Alternative oder Ergänzung zu schulmedizinischen Behandlungsmethoden genutzt. In diesem Konzept der manuellen Diagnostik und Behandlung wird üblicherweise über die Ferse hinaus betrachtet, wie die allgemeine Körperspannung sowie die Statik des Betroffenen beschaffen sind. Ausgehend davon wird anschließend beispielsweise nach der Methode des Rolfing versucht, verklebte Bindegewebsstrukturen durch sanften, aber gezielten Druck zu lösen und dadurch eine insgesamt bessere, aufrechtere Körperhaltung zu vermitteln.

In der Osteopathie wird davon ausgegangen, dass auch eine Reizung der versorgenden Nerven schon an der Wirbelsäule oder auf dem Weg zur Ferse die Schmerzen verursachen kann. Dementsprechend wird bei der Behandlung abgeklärt, ob Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen, Gesäßschmerzen oder Vorerkrankungen wie beispielsweise Wirbelgleiten oder den Morbus Bechterew bestehen bzw. bestanden haben. (nr; zuletzt aktualisiert am 8.3.2017)