Gaumenschmerzen: Ursachen und Therapie

Sebastian
Unter dem Begriff Gaumenschmerzen werden Beschwerden im Bereich der oberen Mundhöhlenwand bezeichnet. Unterschieden wird dabei zwischen dem vorderen (harten) und hinteren (weichen) Gaumen, die verschiedene Aufgaben wie z.B. die Trennung von Mund- und Nasenhöhle oder bestimmte Lautbildungsprozesse übernehmen.

Akut einsetzende Beschwerden haben oft relativ harmlose Gründe wie z.B. eine Verbrennung durch heißes Essen oder eine Erkältung und heilen dementsprechend meist schnell wieder ab. Neben dem kann ein Schmerzgefühl im Gaumen aber auch im Rahmen verschiedener Erkrankungen auftreten. In Frage kommen hier z.B. eine Allergie, Zahnfleisch- oder Mandelentzündung, möglich sind in selteneren Fällen auch bestimmte Formen von Nervenschmerzen (Neuralgien), Abszesse oder ein bösartiger Tumor in der Mundhöhle. Bleiben die Schmerzen über mehrere Tage bestehen, sollte dementsprechend immer vorsichtshalber ein Arzt aufgesucht werden, um den Auslöser genau abzuklären und keine gesundheitlichen Risiken einzugehen.

Der Gaumen: Definition und Aufbau

Mit dem Begriff „Gaumen“ (lateinisch: palatum) wird die obere Wand bzw. das „Dach“der Mundhöhle, bezeichnet, wodurch diese von der Nasenhöhle und vom Rachen abgegrenzt wird. Der vordere Teil („harter Gaumen“) wird aus dem Oberkieferknochen (Maxilla) und dem so genannten Gaumenbein (Os palatinum) gebildet. Die Mundschleimhaut ist in diesem Bereich unbeweglich, fest mit der Knochenhaut verwachsen und erstreckt sich etwa bis zu den Weißheitszähnen (med.:„dritte Molaren“). Hier erfolgt der Übergang in den hinteren, weichen Gaumen (Palatum molle), der aus dem „Gaumensegel“ und dem mittig gelegenen Gaumenzäpfchen (Uvula) gebildet wird. Dieser besteht aus einer Bindegewebsplatte, in welche verschiedene Muskeln (wie z.B. der Gaumensegelspannermuskel) einstrahlen und ist dadurch im Gegensatz zum vorderen Teil beweglich.

Während des Schluckvorgangs zieht der weiche Gaumen das Gaumensegel nach oben, wodurch die Mundhöhle vom Nasenrachenraum getrennt wird und keine Nahrung in die Nase gelangen kann. Das „Zäpfchen“ spielt hingegen vor allem bei der Lautbildung eine wichtige Rolle. Denn ohne die Uvula wäre zum Beispiel die Buchstabenkombination „Ch“ nicht möglich, ebenso könnte der Konsonant „r“ nicht richtig gesprochen werden, da das Zäpfchen für dieses notwendigerweise gegen die Hinterzunge „flattert“.

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Bei anhaltenen Beschwerden am Gaumen sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. (Bild: Dan Race - fotolia)
Bei anhaltenen Beschwerden am Gaumen sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden. (Bild: Dan Race – fotolia)

Vom Gaumensegel aus gehen nach rechts und links zwei Schleimhautfalten nach unten, die zur seitlichen Rachenwand und zum Zungengrund führen. Zwischen diesen so genannten „Gaumenbögen“ befinden sich die „Gaumenmandeln“ (Tonsilla palatina), welche aus lymphatischem Gewebe bestehen und als Teil der Immunsystems der Abwehr von Krankheitserregern dienen. Der Übergang vom vorderen zum hinteren Teil wird besonders gut erkennbar, wenn der Mund weit geöffnet und „Ah“ gesagt wird. Dementsprechend wird die Grenze zwischen den beiden Bereichen auch als „Ah-Linie“ bezeichnet.

Ursachen von Gaumenschmerzen

Häufig entstehen Schmerzen im Bereich des Gaumens durch vergleichsweise harmlose Ursachen. In vielen Fällen sind beispielsweise zu heißes Essen oder Getränke wie z.B. ein Stück Pizza, Kaffee oder Tee der Auslöser, durch welche es zu Verbrennungen bzw. Verbrühungen an der Zunge oder der empfindlichen Schleimhaut des Gaumens kommt. In der Folge kommt es Rötungen, Schwellungen, kleinen Brandbläschen und oft starken Schmerzen, die meist vor allem im vorderen Bereich auftreten.

Neben dem können verschiedene Infektionskrankheiten der Auslöser für die Beschwerden sein. In Frage kommt hier zum Beispiel ein grippaler Infekt oder eine Entzündung der Mandeln (Tonsillitis), welche bei geöffnetem Mund teilweise links und rechts hinter dem Gaumenzäpfchen zu erkennen sind. Hervorgerufen wird eine Mandelentzündung meist durch Bakterien (vor allem Streptokokken der Gruppe A) oder Viren, die durch Tröpfcheninfektion z.B. beim Husten, Küssen oder Sprechen von Mensch zu Mensch übertragen werden. Darüber hinaus kann eine akute Entzündung begleitendes Symptom einer anderen Erkrankung wie z.B. dem Pfeifferschen Drüsenfieber (Epstein-Barr-Virus) oder einer Pilzinfektion durch Candida albicans (Soorangina) sein.

Entzündungen der Mandeln und /oder des Gaumens können für die Schmerzen verantwortlich sein. Bild: rob3000 - fotolia
Entzündungen der Mandeln und /oder des Gaumens können für die Schmerzen verantwortlich sein. Bild: rob3000 – fotolia

Typischerweise treten bei einer akuten Mandelentzündung (Angina) vor allem starke Halsschmerzen auf, die z.B. beim Sprechen auf den gesamten Rachenbereich, Gaumen oder sogar bis in die Ohren ausstrahlen können. Hinzu kommen meist starke Schluckbeschwerden, eine Lymphknotenschwellung am Hals sowie allgemeine Krankheitszeichen wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Fieber. Die Mandeln sind gerötet und geschwollen, liegt eine bakterielle Infektion vor, zeigen sich hier zudem weiß-gelbe Punkte (Eiterstippchen). Die chronische Form (Tonsillitis chronica) äußert sich hingegen eher selten durch akute Symptome, teilweise kommt es jedoch auch hier zu leichten Schluckbeschwerden, Mundgeruch, einer verminderten Konzentrationsfähigkeit sowie einem allgemeinen Schwächegefühl. In einigen Fällen führt die dauerhafte Entzündung des Mandelgewebes auch zu einem ständigen Wiederaufflammen der akuten Tonsillitis (chronisch-rezidivierender Verlauf).

Als Begleiterscheinung während der Behandlung, durch den Einsatz ungeeigneter bzw. falsch dosierter Medikamente oder eine zu spät begonnene Therapie, kann sich als Komplikation bei einer Mandelentzündung ein Abszess bilden. Während die Entzündung bei einer Angina nur die Mandeln betrifft, dringt diese im Falle des so genannten „Peritonsillarabszesses“ in das umgebende Bindegewebe ein und verursacht dort eine Eiteransammlung. Die Symptome eines Mandelabszesses ähneln denen der Angina, indem es unter anderem zu Fieber, Halsschmerzen, starken Schluckbeschwerden sowie teilweise zu einer erschwerten Mundöffnung (Kieferklemme) kommt. Neben dem zeigt sich durch die starke Schwellung der Mandeln bei einigen Betroffenen eine ungleichmäßige Vorwölbung des vorderen Gaumens, welche häufig zu Missempfindungen oder Druckschmerzen in diesem Bereich führt.

Eine weitere mögliche Ursache ist eine akute Rachenentzündung (Pharyngitis), die eine der häufigsten Krankheiten im Bereich von Hals, Nasen und Ohren darstellt. Bei dieser handelt es sich um eine Entzündung der Rachenschleimhaut, die in den meisten Fällen durch eine Infektion mit Viren (z.B. Grippe-Erregern), seltener aber auch durch Bakterien wie A-Streptokokken oder Pneumokokken hervorgerufen wird. Kennzeichnend für eine akute Pharyngitis (auch „akuter Rachenkatarrh“) sind Schluckbeschwerden und starke Halsschmerzen, die sich in den gesamten Rachen-Mund-Bereich ausbreiten und dementsprechend auch zu einem schmerzenden Gaumen führen können. Hinzu kommen meist ein kratzender, trockener Hals, eine gerötete Rachenschleimhaut und angeschwollene Halslymphknoten sowie im Falle einer Virusinfektion meist Fieber und Kopfschmerzen.

Weiterhin kommt ein so genannter „Zoster oticus“ in Frage. Dieser stellt eine Sonderform der Gürtelrose (Herpes Zoster) dar, bei welcher sich die Herpes-typischen Bläschen auf der Ohrmuschel und dem äußeren Gehörgang festsetzen. Dies führt zu starken Schmerzen, die auf den gesamten Bereich des Gesichts übergehen können, zudem treten Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Je nach dem, wo der Zoster genau lokalisiert ist, sind zudem weitere Beschwerden wie Störungen des Gleichgewichtssinns, Schwindel und Schwerhörigkeit möglich, wodurch bei ausbleibender Behandlung dauerhafte Hörbeeinträchtigungen oder sogar Taubheit eintreten können.

Ursache Neuralgien

Ursächlich können verschiedene Arten von Nervenschmerzen (Neuralgien) wie z.B. die so genannte „Glossopharyngeusneuralgie“ sein. Bei dieser sehr seltenen Erkrankung handelt es sich um attackenförmige Schmerzen im Bereich des Rachens, Gaumens, der Zunge und des Zungengrundes, welche zum Teil bis in den äußeren Gehörgang ausstrahlen. Die Schmerzen werden dabei meist als scharf, stechend und einschießend, teilweise sogar als „vernichtend“ erlebt und können sowohl spontan auftreten als auch durch einen „Trigger“ wie z.B. kalte Getränke, Kauen, Gähnen oder Husten ausgelöst werden. Beim überwiegenden Teil der Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache finden (ideopathische Glossopharyngeusneuralgie), häufig zeigt sich jedoch (im Kernspintomographen) eine auffällige Kompression des Nervs durch den Druck einer Arterie (neurovaskuläre Kompression). Seltener können auch ein Tumor oder entzündliche Veränderungen bzw. Verletzungen der Nerven der Grund für die Neuralgie sein.

Auch die ebenfalls sehr selten vorkommende „Laryngeus-superior-Neuralgie“ kann der Grund für Gaumenschmerzen sein. Bei dieser handelt es sich um einen Schmerz des oberen Kehlkopfnervs (Nervus laryngeus superior), welcher oft auf den unteren Kieferbereich und Gaumen sowie teilweise bis in die Schultern und Ohren ausstrahlt. Die Beschwerden werden dabei z.B. durch Sprechen, Husten oder Singen ausgelöst und treten typischerweise unvermittelt und in massivster Form auf.

Schmerzen am Gaumen bei Allergie

Ein weiterer möglicher Grund ist ein allergischer Schnupfen (allergische Rhinitis). Bei diesem handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Nase, die sowohl über einen bestimmten Zeitraum begrenzt als auch permanent und ganzjährig auftreten kann. Die häufigsten Auslöser sind dabei Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare und Schimmelpilzsporen, wobei Schadstoffe wie z.B. Ozon oder Feinstaub sowie histaminhaltige Nahrungsmittel (Hartkäse, Tomaten, Meeresfrüchte, geräuchertes Fleisch etc.) die Beschwerden verstärken können.

Der allergische Schnupfen entsteht durch eine überempfindliche Reaktion der Abwehrzellen auf die normalerweise „harmlosen“ Stoffe (Allergene), welche meist bereits innerhalb weniger Minuten nach dem Einatmen eintritt. In der Folge kommt es zu einer Schwellung der Nasenschleimhaut, ständigem Niesen und einem starken Juckreiz in Nase, Augen und Ohren, ebenso beginnt oft der Gaumen zu jucken und zu schmerzen. Darüber hinaus leiden viele Allergiker unter einer dauerhaft laufenden Nase, tränenden, geröteten Augen, Konzentrationsschwierigkeiten und Müdigkeit, häufig treten außerdem begleitende Erkrankungen wie eine Nasennebenhöhlenen- oder Bindehautentzündung (Konjunktivitis) auf. Allergien gelten mittlerweile als „Volkskrankheit“, von der laut dem Allergiezentrum des Universitätsklinikums Erlangen bundesweit mittlerweile jeder Dritte in mehr oder weniger schwerer Form betroffen ist.

Beschwerden am Gaumen bei Zahnschmerzen

Hintergrund können Zahnschmerzen sein, die sich auf den gesamten Mund-Rachen-Bereich ausdehnen und damit auch den Gaumen betreffen können. Hier kommen wiederum ganz unterschiedliche Ursachen in Betracht, häufig sind jedoch Karies, Zahnfleischentzündungen (Gingivitis) oder eine bakterielle Entzündung des Zahnbetts (Parodontitis) verantwortlich für die Beschwerden. Auch nach einer zahnärztlichen Behandlung wie z.B. dem Legen einer Füllung oder einer Wurzelbehandlung kann es durch die starke Reizung zu Rötungen, Schwellungen und Schmerzen am Gaumen kommen.

Sind die Schmerzen sehr stark ausgeprägt und werden von einem drückenden, pulsierenden Gefühl am Zahn begleitet, kann auch eine Entzündung des Zahnmarks (Pulpitis) vorliegen. Bei dieser ist das Gewebe im Zahninnenraum betroffen, welches von Zahnschmelz, Zahnbein und Wurzelzement umgeben wird. Hervorgerufen wird eine Pulpitis häufig durch Kariesbakterien, die sich bei ausbleibender bzw. zu spät begonnener Behandlung nach und nach durch die einzelnen Schichten des Zahns bis ins Innere der Pulpa „fressen“. Ebenso können z.B. mechanische Ursachen wie Zähneknirschen oder Verletzungen (Sturz auf den Zahn o.ä.), Zahnbehandlungen, unregelmäßig gewachsene Weisheitszähne oder eine nicht bzw. nicht ausreichend abgeheilte Parodontitis die Auslöser sein.

Gaumenkrebs

Eine weitere mögliche Ursache ist ein bösartiger Tumor in der Mundhöhle, zu welcher unter anderem die Lippen, der Mundboden, die bewegliche Zunge, das Zahnfleisch, die Wangen, der harte Gaumen sowie die Vorderfläche des weichen Gaumens gehören. Die Mundhöhle erfüllt verschiedene Funktionen, indem hier zum Beispiel die Verdauung der Nahrung beginnt und Krankheitserreger durch natürliche Bakterien abgewehrt werden. Zudem spielt z.B. die Zunge eine unerlässliche Rolle für die Sprache und sorgt durch bestimmte Sinneszellen für die Wahrnehmung von verschiedenen Geschmacksrichtungen.

An einem Tumor in diesem Bereich erkranken laut der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. hierzulande jährlich etwa 10 000 Menschen, wobei circa drei Viertel davon männlich sind. Damit liegt diese Krebsform bei Männern an Platz sieben aller bösartigen Tumore, gleichzeitig sind aber auch mehr und mehr Frauen betroffen. Am häufigsten tritt die Erkrankung demnach bei Männern zwischen 55 und 65 Jahren und bei Frauen zwischen 50 und 75 Jahren auf.

Die Erkrankung kann z.B. in Form von Lippen-, Zungen- oder Gaumenpilz prinzipiell in jedem Bereich der Mundhöhle auftreten, zudem ist es möglich, dass mehrere Stellen zugleich betroffen sind (multilokuläres Tumorwachstum). Erste Hinweise auf einen Krebs können länger anhaltende zunächst schmerzlose Veränderungen der Mundschleimhaut sein, weshalb diese immer vorsichtshalber von einem Arzt begutachtet werden sollten. Hierzu zählen beispielsweise raue, erhabene oder verhärtete Stellen, die an eine Druckstelle oder Bissverletzung erinnern. Typisch sind zudem gerade zu Beginn weiß-gräuliche Flecken, die scheinbar mit der Schleimhaut „verwachsen“ sind und sich nicht abwischen oder weg kratzen lassen (Leukoplakie). Möglich sind aber auch leuchtende, dunkelrote Schleimhautveränderungen, die schnell anfangen zu bluten (Erythroplakie). Ein wichtiges Anzeichen können auch Schleimhautdefekte sein, die sich beispielsweise in Form von wunden Stellen und nicht verheilenden Wunden zeigen.

Im weiteren Verlauf treten häufig Schluck- und Kaubeschwerden, Heiserkeit, Husten und blutiger Speichel auf, typisch sind zudem Schmerzen, die bis in die Ohren, den Kopf und in den Nacken ausstrahlen können. Hinzu können unter anderem eine Lymphknotenschwellung am Hals, Zahnlockerungen, Taubheitsgefühle an Zunge, Zähnen oder Lippen, vermehrter Speichelfluss und Sprachschwierigkeiten kommen. Einige Betroffene leiden auch unter starkem Mundgeruch infolge des Zerfalls von Tumorteilen (Mundfäule). Darüber hinaus zeigen sich in fortgeschrittenem Stadium bei den meisten Patienten allgemeine Krebs Anzeichen und Symptome wie z.B. Abgeschlagenheit und Erschöpfung, Leistungsabfall und Appetitlosigkeit.

Die Ursachen für einen Krebs in der Mundhöhle sind bislang nicht vollständig geklärt. Angenommen wird jedoch, dass bestimmte Lebensgewohnheiten eine Entstehung begünstigen können. Tabak und Alkohol gelten dabei vor allem in Kombination als Hauptrisikofaktoren, da mehr als 75 Prozent aller HNO-Karzinome bei Personen diagnostiziert werden, die regelmäßig rauchen und trinken. Da die Erkrankung jedoch auch abstinent lebende Nichtraucher betrifft, werden auch andere Einflussfaktoren wie z.B. Ernährung oder erbliche Faktoren vermutet.

Behandlung: Was hilft bei Gaumenschmerzen?

Vielfach liegen den Beschwerden relativ unbedenkliche Gründe wie ein leichter grippaler Infekt oder eine Reizung der Mundschleimhaut durch scharfes Essen, heißen Kaffee o.ä. zugrunde. Dementsprechend gehen die Schmerzen im Normalfall nach einigen Tagen von selbst zurück und benötigen keine spezielle medizinische Behandlung. Häufig eignen sich allerdings Hausmittel bzw. alternative Heilverfahren sehr gut, um die Genesung auf natürliche Weise zu unterstützen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.

Sind die Schmerzen jedoch auch nach einigen Tagen noch spürbar und/oder verstärken sich, sollte zur Klärung des Auslösers unbedingt zeitnah ein Arzt konsultiert werden. Denn Beschwerden im Bereich des Gaumens können ebenso auf eine Reihe von Erkrankungen hinweisen, die eine rechtzeitige und angemessene Behandlung bedürfen, um keine Komplikationen oder Folgeerkrankungen zu riskieren. Das konkrete Vorgehen richtet sich dementsprechend nach der diagnostizierten Ursache und kann verschiedenste Medikamente, Verfahren und Maßnahmen umfassen.

Ist z.B. ein allergischer Schnupfen der Grund, besteht der zentrale Schritt der Therapie darin, den Kontakt mit den entsprechenden Allergenen zu vermeiden (Karenz). Da dies jedoch nur in den seltensten Fällen vollständig gelingt, werden normalerweise zusätzlich Medikamente verschreiben, welche dazu führen, dass die Beschwerden gelindert werden bzw. gar nicht erst auftreten. Hier kommen bei Schnupfen, geschwollener Nasenschleimhaut und Bindehautentzündung vor allem Antihistaminika (wie z.B. Azelastin, Cetirizin oder Clemastin) zum Einsatz, die in verschiedenen Darreichungsformen z.B. als Augentropfen, Nasenspray oder Tabletten erhältlich sind. Darüber hinaus berät der HNO-Arzt normalerweise in Hinblick auf eine mögliche Immuntherapie (Hyposensibilisierun), bei welcher das Immunsystem langsam an die Allergie-Auslöser gewöhnt wird.

Im Falle einer akuten, viral bedingten Rachenentzündung kommen normalerweise fiebersenkende und schmerzstillende Mittel (wie z.B. Paracetamol, Ibuprofen) sowie Halstabletten mit lokal betäubender Wirkung zum Einsatz. Tritt zusätzlich eine bakterielle Infektion auf oder sind Bakterien von vornherein der Auslöser für die Entzündung, wird hingegen meist eine Antibiotika-Therapie empfohlen.

Liegt den Beschwerden im Ernstfall eine Krebserkrankung zugrunde, kann die Behandlung je nach Einzelfall ebenfalls auf verschiedene Art durchgeführt werden. Die Wahl der konkreten Therapiemethode ist dabei abhängig von der Lage, Größe, Art und lymphatischen Ausbreitung des Tumors. Zudem werden das Alter und die Operationsfähigkeit des Patienten berücksichtigt. Kleinere Tumore werden meist mittels einer Operation oder Bestrahlung behandelt. Im fortgeschrittenen Stadium ist hingegen oft ein kombiniertes Verfahren angezeigt. Möglich ist hier z.B. eine Operation plus vor- und nachträgliche Bestrahlung oder die Verbindung von Strahlen- und Chemotherapie. Möglich ist seit einigen Jahren zudem eine Behandlung von Mundhöhlenkrebs mit dem Antikörper, „Cetuximab“, welche dem Wachstum und der Vermehrung der Tumorzellen entgegenwirkt. Wird der Antikörper zur Therapie eingesetzt, erfolgt auch dies normalerweise in Kombination mit einer Bestrahlung oder einer Chemotherapie.

Hausmittel bei Gaumenschmerz

Ist eine leichte Verbrennung (z.B. durch heiße Pizza) der Auslöser für die Beschwerden, ist in den meisten Fällen kein Arztbesuch nötig. Stattdessen heilt der angegriffene Gaumen normalerweise von selbst wieder ab, wobei verschiedene Hausmittel eine hilfreiche Unterstützung leisten können. Wohltuend gegen Schmerzen, Schwellungen und kleine Brandbläschen ist z.B. ein Eiswürfel, den der Betroffene an der betroffenen Stelle im Mund zergehen lässt. Verstärkt wird der Effekt, wenn der Würfel aus Kamillentee besteht, denn der „Tausendsassa“ der Pflanzenheilkunde hemmt unter anderem Entzündungen, fördert die Wundheilung und tötet Bakterien und Pilze ab. Dementsprechend empfiehlt es sich, immer einen kleinen Vorrat an Kamille-Würfeln im Eisschrank zu haben, um bei einer Verbrennung, aber auch z.B. bei einem Bluterguss oder Insektenstich ein wirksames erste-Hilfe-Mittel zur Hand zu haben. Darüber hinaus hat sich die eisige Kamille in vielen Fällen als Hausmittel gegen Pickel bewährt.

Alternativ kann auch kaltes Wasser zur Kühlung verwendet werden, ebenso eignet sich zum Gurgeln eine Lösung aus warmem Wasser und einigen Tropfen Teebaumöl. Hier sollte jedoch beachtet werden, dass der Mund anschließend sorgfältig ausgespült und das Öl keinesfalls verschluckt wird. Darüber hinaus können kalte Milch, Buttermilch oder Joghurt schmerzlindernd wirken, wenn diese für einige Zeit im Mund belassen werden. Auch ein Teelöffel Honig hilft oft, wenn er langsam im Mund zerlassen wird. Ausgenommen sind hier allerdings Kinder unter zwölf Monaten, da Honig bei Säuglingen in Einzelfällen schwere Vergiftungen hervorrufen kann (Säuglingsbotulismus).

Empfehlenswert ist es außerdem, während des Heilungsprozesses auf saure, scharfe und salzige Nahrungsmittel wie Zitrusfrüchte, Tomaten, Essig, Chilis etc. zu verzichten, um die betroffene Stelle nicht noch zusätzlich zu reizen. Gleiches gilt für Lebensmittel mit scharfen Kanten wie z.B. Chips oder Brot, da diese schnell zu weiteren kleinen Verletzungen des sensiblen Gewebes führen. In den meisten Fällen heilt eine Verbrennung im Mund recht schnell aus. Bleiben die Beschwerden jedoch länger als drei bis vier Tage bestehen oder verstärken sich, sollte in jedem Fall immer vorsichtshalber ein Arzt aufgesucht werden.

Sind Probleme mit den Zähnen der Grund für die Gaumenschmerzen, sollte in jedem Fall zunächst ein Zahnarzt aufgesucht werden, damit bei Bedarf rechtzeitig die notwendigen Behandlungsschritte eingeleitet werden können. Parallel oder als Sofortmaßnahme im Notfall können aber auch hier eine Reihe natürlicher Heilmittel für eine Linderung der Beschwerden sorgen. Wie im Falle von Ohrenschmerzen kann z.B. die Zwiebel aufgrund ihrer antientzündlichen Wirkung sehr hilfreich sein. Diese wird klein gehackt und in ein Baumwolltaschentuch o.ä. gefüllt, anschließend wird der Wickel von außen sanft an die betroffene Stelle gedrückt. Weitere bewährte Hausmittel gegen Zahnschmerzen stellen z.B. Kamillepäckchen oder das Ölziehen dar, zudem hat sich in vielen Fällen das Beißen auf eine Gewürznelke bewährt.

Treten die Gaumenbeschwerden im Zusammenhang mit einer Rachenentzündung oder Erkältung auf, können verschiedene Hausmittel gegen Halsschmerzen eine wohltuende Hilfe leisten. Hier kommen beispielsweise kalte Halswickel, regelmäßiges Gurgeln mit einer Salbei-Kamillen-Lösung oder ein Tee von der Bibernellwurze in Betracht. Ebenso eignen sich Beeren wie z.B. Sanddorn, schwarze Johannisbeeren oder Hagebutten durch ihren hohen Vitamingehalt als natürliches Heilmittel bei Erkältungsbeschwerden.

Naturheilverfahren bei Gaumenschmerzen

Die Naturheilkunde bietet bei einer infektiösen Ursache z.B. antibakteriell wirkende Heilpflanzen an, die aufgrund ihrer vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten immer mehr an Popularität gewinnen. Zu diesen zählen unter anderem Kamille, Lindenblüten und Thymian, die beispielsweise in Form eines Tees direkt an den betroffenen Stellen am Gaumen wirken können.

Kamille lindert Entzündungen und Schmerzen. (Bild: Sonja Birkelbach - fotolia)
Kamille lindert Entzündungen und Schmerzen. (Bild: Sonja Birkelbach – fotolia)

Beispielsweise bei einer Mandelentzündung können Schüssler Salze eingesetzt werden. In Frage kommen hier unter anderem Ferrum Phosphoricum (Nr. 3), Kalium Chloratum (Nr. 4), Natrium Phosphoricum (Nr. 9) und Kalium bromatum (Nr. 14), wobei höchstens drei verschiedene Salze zum gleichen Zeitpunkt eingenommen werden sollten. Häufig empfehlen Heilpraktiker auch das Salz Nr. 12 (Calcium sulfuricum), zu dessen typischen Fähigkeiten die Linderung eitriger Prozesse gehört. Dementsprechend kann dieses Mittel sehr wirkungsvoll bei einer Angina, aber z.B. auch im Falle einer Nebenhöhlenvereiterung eingesetzt werden.

Liegt ein grippaler Infekt oder allergischer Schnupfen vor, ist vor allem eine starke Abwehr wichtig. Dabei spielt eine vitalstoff- und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse eine zentrale Rolle, zudem sollte jederzeit auf ausreichendes Trinken (mindestens 2 Liter Wasser am Tag) und möglichst viel Bewegung an der frischen Luft geachtet werden. Ebenso stellen bei Stress und starker Anspannung verschiedene Entspannungstechniken wie autogenes Training, Yoga oder Meditation in vielen Fällen wirkungsvolle Übungen dar, die das Immunsystem stärken. Zudem können je nach individuellem Bedürfnis eine Reihe weiterer Maßnahmen zum Stressabbau wie z.B. Anwendungen aus dem Bereich der Hydrotherapie (Bäder, Wechselduschen etc.), Massagen, Akupunktur oder eine Psychotherapie helfen, das innere Gleichgewicht (wieder) zu finden und damit die eigene Körperabwehr zu stärken. (nr)