Gesichtsäderchen

gesichtsaederchen
Fabian Peters

Couperose / Teleangiektasien im Gesicht

Sichtbare rötliche Gesichtsäderchen sind nicht nur ein kosmetischer Makel, sondern können auch Ausdruck unterschiedlicher Erkrankungen sein, die unter Umständen einer Behandlung bedürfen. Ein Arztbesuch ist daher bei vermehrtem Auftreten der Gesichtsäderchen dringend zu empfehlen.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Symptomatik
Ursachen
Morbus Osler oder Louis-Bar-Syndrom
Rosacea, Lebererkrankungen und Basaliomen
Diagnosestellung
Therapie bei Gesichtsäderchen
Naturheilkunde bei Gesichtsäderchen

Definition

Als Gesichtsäderchen werden mit dem bloßen Auge erkennbare, irreversibel Erweiterungen der Blutgefäße der Haut im Gesichtsbereich bezeichnet. Der medizinische Fachbegriff für die Gefäßerweiterungen der Kapillaren allgemein lautet Teleangiektasie. Bezogen auf die Gesichtspartie ist auch von einer sogenannten Couperose die Rede. Eine besondere Form der Teleangiektasien, die auch im Gesicht auftreten kann, sind die sogenannten Spinnennävi (Naevus araneus), welche als rötliche Flecken, umgeben von winzigen roten Äderchen, erkennbar werden.

Symptomatik

Zunächst zeigen sich die Gesichtsäderchen meist im Bereich der Nase oder Wangen als vorübergehende stecknadelkopfgroße Rötungen. Das Blut staut sich in den sogenannten Kapillaren. Bei wiederholtem Blutstau in den winzigen Blutgefäße werden diese erweitert, es bilden sich Ausstülpungen und Verzweigungen. Auch neue Blutgefäße entstehen. Die Gesichtsäderchen bleiben dauerhaft als Rötungen bestehen und es bilden sich vermehrt weitere Teleangiektasien. Die Gesichtsäderchen können abhängig von ihren Ursachen auf ein Zentrum ausgerichtet sein oder ein großflächigeres Netz bilden.

(Bild: rob3000/fotolia.com)
Die Couperose ist nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern sie kann auf ernsthafte Beschwerden wie beispielsweise Lebererkrankungen oder Basalzellenkrebs hinweisen. (Bild: rob3000/fotolia.com)

Ursachen

Die möglichen Auslöseren der sichtbaren Gesichtsäderchen reichen von harmlosen Gefäßmissbildungen bis zu Erbkrankheiten und erworbenen Erkrankungen. Als Erbkrankheiten, die zu Teleangiektasien im Gesicht führen können, sind zum Beispiel Morbus Osler und das Louis-Bar-Syndrom bekannt. Erworbene Erkrankungen, die Gesichtsäderchen bedingen, sind zum Beispiel die sogenannte Acne rosacea (auch Rosacea oder umgangssprachlich Kupferrose), Lebererkrankungen mit sogenannten Leberhautzeichen (Spinnennävi) und Basaliome (Basalzellenkrebs).

Folge von Morbus Osler oder Louis-Bar-Syndrom

Morbus Osler wird autosomal-dominant vererbt und verursacht an unterschiedlichen Stellen des Körpers krankhafte Gefäßerweiterungen, die im Gesichtsbereich als Gesichtsäderchen sichtbar werden. Vor allem das Gesicht (Nase, Lippen, Mund) und die Magen- beziehungsweise Darmschleimhäute sind von den Teleangiektasien bei Morbus Osler betroffen. Die Gefäßerweiterungen im Magen-Darm-Trakt können Ursache wiederholter Blutungen sein, die zu einer dunklen Verfärbung des Stuhlgangs, sogenanntem Teerstuhl, führen. Meist macht sich Morbus Osler bereits im Jugendalter bemerkbar (Betroffene leiden vermehrt unter Nasenbluten), die Krankheit kann jedoch auch bis ins Erwachsenenalter unbemerkt verlaufen. Manifestieren sich die Gefäßerweiterungen im Zuge der Erkrankung im Gehirn oder der Lunge der Betroffenen, bringt dies ein deutlich erhöhtes Risiko eines Schlaganfalls oder Hirnabszesses mit sich. Begleitende Kopfschmerzen sind hier als mögliches Warnsignal zu bewerten.

Das Louis-Bar-Syndrom ist eine autosomal-rezessiv vererbte Systemerkrankung, bei der neben Gesichtsäderchen und Teleangiektasien der Bindehaut des Auges zahlreiche weitere Beschwerden zu beobachten sind. Die Betroffenen leiden bereits im Alter unter drei Jahren an Bewegungsstörungen (Ataxien), einem Substanzverlust im Kleinhirn, Störungen der Augenbewegungen sowie einem allgemeinen physischen Entwicklungsrückstand. Zudem bringt das Louis-Bar-Syndrom einen Defekt der T-Zellen mit sich, wodurch die Immunabwehr beeinträchtigt wird. Die Betroffenen sind anfälliger für Infektionskrankheiten und leiden vermehrt an Leukämie oder bösartigen Tumoren des Lymphsystems.

Rosacea, Lebererkrankungen und Basaliomen

Das Beschwerdebild der Rosacea tritt vor allem bei älteren Menschen auf und umfasst eine erhebliche Veränderung des Hautbildes mit Bildung einer Couperose, Rötungen, schuppigen Hautstellen sowie örtlichen, eitrigen Entzündungen in Form von Pusteln und Pappeln im späteren Krankheitsverlauf. Vor allem die Nase und Wangen sind von den Hautirritationen betroffen. Das Gewebe wird im Zuge der entzündlichen Prozesse zunehmend verändert und es zeigen sich knollenartige Gewebeverdickungen der Nase (Rhinophym), umgangssprachlich meist als „Knollnase“ oder mitunter auch als „Säufernase“ bezeichnet. Wobei letzteres im Prinzip nicht zutreffend ist, da kein Zusammenhang der Rosacea mit einem übermäßigen Alkoholgenuss vorliegen muss. Zwar wird Alkohol durchaus eine verstärkende Wirkung auf das Beschwerdebild (ebenso wie Kaffee, Tee, scharfen Gewürze oder übermäßigen Sonnenbädern) zugeschrieben, doch bleibt die eigentliche Ursache der Rosacea bis heute unklar. Vermutete wird eine Störungen in der Versorgung der Blutgefäße des Gesichts, aber auch Haarbalgmilben und neurogene Entzündungen werden als mögliche Ursachen diskutiert.

Chronische Lebererkrankungen haben oft eine deutliche Veränderung des Hautbildes zur Folge, welche als sogenannte Leberhautzeichen zusammengefasst werden. Gesichtsäderchen in Form sogenannter Spinnennävi zählen dabei zu den typischen Symptomen. Weitere Leberhautzeichen bilden zum Beispiel rötlich gefärbte Handinnenflächen oder eine sogenannte Lackzunge (verbunden mit entsprechendem Zungenbrennen beziehungsweise Mundbrennen). Auch die gelbliche Verfärbung der Haut (Ikterus) zählt zu den typischen Merkmalen einer chronischen Lebererkrankung.. Da die Lebererkrankungen im Spätstadium zu einer irreversiblen Schädigung des Organs führen können, die schlimmstenfalls den Tod der Patienten zur Folge hat, sollte hier dringend ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Basaliome zählen ebenfalls zu den möglichen Ursachen der Gesichtsäderchen. Sie zeigen sich im Gesichts meist als knotige Gewebeveränderungen, welche von Teleangiektasien umgeben sind, können jedoch auch die deutlich bösartigere Form eines sogenannten Ulcus terebrans annehmen. Letztere erscheint nicht als erhabene knotige Gewebeverdickung, sondern breitet sich eher in die Tiefe des Gewebes aus, wobei auch Muskeln und Knochen in Mitleidenschaft gezogen werden können und schwere irreversible Schädigungen drohen. Bei entsprechender Behandlung sind die Überlebenschancen der Patienten in der Regel recht hoch, da Basaliome nur äußerst selten Metastasen bilden, doch müssen die Patienten bei Basalzellenkrebs im Gesichtsbereich mit schweren Entstellungen rechnen.

Diagnosestellung

Anhand des Hautbildes und einer gründlichen Anamnese verschaffen sich die behandelnden Ärzte einen ersten Eindruck zu den möglichen Auslösern der Gesichtsäderchen. Das klinische Gesamtbeschwerdebild bildet beispielsweise bei Morbus Osler oder und Rosacea in der Regel die Basis der Diagnose. Auch das Louis-Bar-Syndrom lässt sich anhand der Symptome relativ eindeutig bestimmen, eine endgültige Diagnose erfolgt hier normalerweise jedoch auf Basis moderner bildgebender Verfahren (Computertomographie, Magnetresonanztomographie), mit deren Hilfe der Substanzverlust (Atrophie) im Kleinhirn nachgewiesen werden kann. Bei Blutuntersuchungen zeigen die Patienten zudem verringerte Immunglobulin-Werte. Lebererkrankungen lassen sich ebenfalls anhand von Blutuntersuchungen und bildgebenden Verfahren recht eindeutig diagnostizieren. Basaliome können anhand ihres Erscheinungsbildes meist bereits als solche identifiziert werden. Im Zweifelsfall bringt eine Gewebeprobe die erforderliche Diagnosesicherheit.

Therapie bei Gesichtsäderchen

Zunächst ist die Behandlung grundsätzlich an den Ursachen der Gesichtsäderchen auszurichten, doch besteht insbesondere bei den Erbkrankheiten in der Regel keine Möglichkeit einer Heilung. Hier konzentriert sich die Therapie auf die Linderung der Beschwerden und gegebenenfalls die Beseitigung der Gesichtsäderchen mittels Laserbehandlung. Dabei werden die winzigen Blutgefäße verödet und anschließend vom Organismus selbstständig abgebaut.

Bei einer Rosacea ist eine intensive Hautpflege mit milden Reinigungsmitteln allgemeine Grundlage der Therapie. Darüber hinaus werden häufig orale und/oder äußerlich anzuwendende Antibiotika verschrieben, welche bakterielle Sekundärinfektionen verhindern sollen. Dem Vitamin-A-Säure-Derivat Isotretinoin wird ebenfalls eine positive Wirkung gegen die Kupferrose zugeschrieben. Der bei vielen Hautkrankheiten verbreitete Einsatz von Kortison führt indes zu einer Verstärkung der Beschwerden. Auch bei einer Rosacea können die Gesichtsäderchen mit Hilfe einer Laserbehandlung beseitigt werden. Die knollenartigen Gewebeverdickungen der Nase lassen sich auf operativem Wege abgetragen.

Gehen die Gesichtsäderchen auf eine chronische Erkrankung der Leber zurück, sind die Behandlungsmöglichkeiten oftmals äußerst begrenzt. Zunächst steht die Vermeidung jeglicher Lebergifte (Alkohol, bestimmte Medikamente) an erster Stelle. Auch kann eine Entgiftung der Leber angebracht sein. Gegen die einzelnen Formen viraler Leberentzündungen (Hepatitis) sind zwar spezielle Virostatika verfügbar, doch bleibt die Erfolgsquote der medikamentösen Therapie eingeschränkt. Haben die Leberschäden bereits das Ausmaß einer Leberzirrhose angenommen, sind die Beeinträchtigungen irreversibel und lediglich eine Lebertransplantation kann den Betroffenen noch helfen.

Bei Basalzellenkrebs ist eine chirurgische Entfernung des befallenen Gewebes bis heute die sicherste Behandlungsvariante. Die Heilungsaussichten sind dabei in der Regel relativ hoch. Erweisen sich die Basaliome als inoperabel, kann eine lokale Strahlenbehandlung oder Chemotherapie zum Tragen kommen. Auch die sogenannte Kryotherapie (Vereisungstherapie) wird gegen Basaliome eingesetzt. Des Weiteren stehen seit einigen Jahren Arzneien zur äußerlichen Behandlung der Basaliome zur Verfügung, die lokal eine Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte der Haut gegen die Tumorzellen erreichen sollen. Auch die sogenannte photodynamische Therapie wird gegen Basalzellenkrebs angewandt, wobei die Krebszellen zunächst medikamentös gegen Licht sensibilisiert und anschließend mit speziellem Rotlicht gezielt zerstört werden.

Naturheilkunde bei Gesichtsäderchen

Die Naturheilkunde bietet insbesondere gegen die Gesichtsäderchen im Rahmen einer Rosacea relativ vielversprechende Behandlungsansätze. So zeigen beispielsweise Gesichtsmassagen hier eine äußerst positive Wirkung. Auch Hautreinigungen – gegebenenfalls mit speziellen entzündungshemmenden, antibakteriell wirkenden Pflanzenextrakten – werden gegen die Kupferrose angewandt. Aus dem Bereich der Homöopathie kommen vor allem die Wirkstoffe Abrotanum, Kalium phosphoricum und Kalium sulfuricum gegen die Rosacea zum Zug. Da ein Zusammenhang der Erkrankung mit psychischen Belastungen beziehungsweise Stress vermutet wird, spielt außerdem die Stressregulation, beispielsweise durch Yoga oder Autogenes Training, im Rahmen der naturheilkundlichen Rosacea-Therapie oftmals eine besondere Rolle. Des Weiteren verspricht die Hydrotherapie mit kalten und warmen Wasseranwendungen eine Linderung der Beschwerden. Haben sich bereits dauerhafte Teleangiektasien im Gesicht der Betroffenen entwickelt, ist auf naturheilkundlicher Basis jedoch keine Beseitigung mehr möglich, sondern es lässt sich nur die Bildung zusätzlicher Gesichtsäderchen minimieren. (fp)

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