Hängende Schulter

Hängende Schultern

Hängende Schultern

Eine Abweichung des Schultergelenks in der Frontalebene, also beim Betrachten von vorn, aber auch in der Sagittalebene (Ansicht von der Seite) zeigt sich häufig als hängende Schulter. Das betroffene Schultergelenk ist nach unten (kaudal) und nach vorn (ventral) verlagert. Dabei kann die Gelenkpfanne des Oberarmknochens (Humerus) nicht in der etwa drei- bis viermal kleineren Gelenkfläche des Schulterblatts (Clavicula) von den umgebenden Strukturen (Muskeln und Bänder) zentriert werden.

Hängende Schultern:
Ursachen für hängende Schultern
Gesundheitliche Folgen
Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

 

Ursachen für hängende Schultern

Das Hängen einer Schulter kann verschiedene Ursachen haben: Zum einen lässt sich die beschriebene Haltungsabweichung als Folge einer Formveränderung der Wirbelsäule wie z.B. bei der ideopatischen Skoliose beobachten. Hierbei führt eine Störung im Knochenwachstum zu Deformierung und in Folge dessen zu Statikveränderungen an Knochen, Muskeln, Sehnen und Bändern. Meist handelt es sich hierbei um eine Verschiebung der gesamten Schultergürtelsachse.

Des weiteren, kann der Verlagerung des Schultergelenks einer Störung des Nervensystems zu Grunde liegen. Hierbei ist eine pathologische Veränderung sowohl im zentralen (z.B. Schädelhirntrauma), als auch im peripheren Nervensystem (z.B. Schnitt oder Quetschung) möglich. Die Muskulatur, die benötigt wird um die Gelenkpartner gegen die Schwerkraft zu stabilisieren kann nicht mehr willkürlich angesteuert werden, es kommt zur Lähmung (Parese). Nicht selten kommt es in Folge dessen zum immer wiederkehrenden Auskugeln des Schultergelenks (habituelle Luxation)

Zum anderen kann die veränderte Gelenkstellung Folge muskulärer Dysbalancen sein. Die durch das Wirken der Schwerkraft an den Menschen gestellte Anforderung, den Körperschwerpunkt über der Unterstützungsfläche zu halten, führt zu muskulärer Aktivität. So kommt es beim langen Verharren in einer Position zur Veränderung im Spannungszustand der Muskulatur (Muskeltonus). Sitzen und Arbeiten am Schreibtisch führt zu einer gesteigerten Anforderung besonders an die Brust-, Schulter- und Nacken-Muskulatur. Wird diese regelmäßig beansprucht neigt diese zur Verkürzung. Die Rückenmuskulatur wird „überdehnt“, wenn sie ermüdet und die Last des Brustkorbs nicht mehr ausreichend gegen die Schwerkraft aufrichten kann. Ein häufigen einnehmen unphysiologischer Positionen führt zu Veränderungen der Hebel- und Kräfteverhältnisse am menschlichen Körper und bringt eine Verlagerung von Muskeln, Sehnen, Bädern, später sogar von Knorpel und Knochen mit sich. So kann ein erlerntes Haltungs- oder Bewegungsmuster dazu führen, das sich die Position der artikulierenden Gelenkpartner zueinander verändert und so die Gelenke nicht achsengerecht belastet werden. Durch die Neuverteilung der Kräfte- und Hebelverhältnisse gelingt es der Muskulatur im Schulterbereich nicht, das aus fünf kleinen Gelenken bestehende Schultergelenk, ausreichend zu stabilisieren. Dabei sind verschiedenen Muskelgruppen zu unterscheiden, die im besonderen Maße Einfluss auf die Stabilität des Schultergelenks haben:

Die Rotatorenmanschette:
Musculus supraspinatus
Musculus infraspienatus
Musculus teres minor
Musculus subscapularis

Die longitudinale Muskulatur:
Musculus biceps brachii
Muskulus triceps brachii
Musculus coracobrachialis

Muskeln die das Schulterblatt am Rumpf fixiert:
Musculus serratus anterior
Musculus subclavius
Muskulus levator scapulae
Muskulus rhomboideus minor und major

Gesundheitliche Folgen

Gesundheitliche Folgen
Die Folgen dieser Haltungsabweichung können sehr unterschiedlich sein, je nach Zeitpunkt der Entstehung und Ausprägung der Fehlhaltung. Alle umliegenden Strukturen können durch die Belastungsveränderung im Gelenk in Mitleidenschaft gezogen werden. Schultergelenkserkrankungen sind meist sehr schmerzhaft und schränken den Bewegungsradius der oberen Extremität erheblich ein.

Schleimbeutel:
Schleimbeutel sind im Gelenk für das Umlenken von Sehnen zuständig, mit dem Ziel Reibung zu mindern und günstige Hebelverhältnisse zu schaffen.
Eine mögliche Folge der Fehlstellung der Gelenkpartner der Schulter kann zur Reizung eines Schleimbeutels führen.

Bänder:
Bänder begrenzen die Beweglichkeit eines Gelenks und sie bilden dessen Kapsel. Die Gelenkkapsel der hängenden Schulter wird langfristig gedehnt und verliert so an Stabilität.

Sehnen:
Sehnen haben die Aufgabe Bewegung zu führen und das Gelenk zu sichern. Durch Veränderung der Druck- und Zugverhältnisse im Gelenk können Sehnen Kalk einlagern und so die umliegenden Strukturen reizen oder an Durchmesser verlieren und reißen.

Muskulatur:
Eine nicht achsengerechte Gelenkbelastung führt zu Tonusveränderungen der umliegenden Muskulatur und bedingt unausgewogenen Kräfteverhältnisse, die Verspannungen, Myogylosen und Durchblutungsstörungen zur Folge haben können. Neben dem Bewegen beider Gelenkpartner sind die kurzen und langen Muskeln des Gelenks maßgeblich für dessen Stabilität verantwortlich. So kann eine hängende Schulter beziehungsweise die ungleichmäßige Belastung der Muskulatur außerdem erhebliche Beeinträchtigungen der Stabilität des Schultergelenks mit sich bringen.

Knorpel und Knochen:
Der Ernährungszustand des Gelenkknorpels und des darunter liegenden Knochens ist von dem physiologischen Verhältnis der Be- und Entlastung abhängig. Können sich die Kräfte nicht mehr gleichmäßig auf den Gelenkflächen verteilen, wird langfristig der Knorpel und später sogar der Knochen beschädigt (Athrose).

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Es handelt sich bei der hängenden Schulter um eine Fehlhaltung, die zunächst häufig keine beziehungsweise kaum Schmerzen verursacht. Dennoch sollte die Betroffenen einen Mediziner wie z.B. einen Orthopäden, Physiotherapeuten oder Osteopathen zu Rat ziehen, da durch die dauerhafte Fehlbelastung erhebliche gesundheitliche Folgeschäden auftreten können.

Die hängende Schulter kann beispielsweise durch physikalische Maßnahmen, in Verbindung mit Trainingstherapie behandelt werden, wobei das gezielte Dehnen und Kräftigen einzelner Muskelgruppen im Vordergrund steht. Als physikalische Maßnahmen eignen sich tonussenkende Techniken wie Massagen, Wärmeanwendungen und Bewegungsbäder. Weiter ist es wichtig, dass die betroffene Person im Verlauf der Behandlung ein gutes Körpergefühl entwickelt, das selbstständige Einnehmen einer aufrechten Körperhaltung erlernt und in seinen Alltag überträgt. (Philipp Schulz, Physiotherapeut)


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Bild: Harry Hautumm / pixelio.de