Häufiges Nasenbluten – Ursachen, Therapie und Symptome

Chronisches Nasenbluten: Wenn die Nase häufig blutet. Bild: drubig-photo - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Die Nase blutet, wenn ein Blutgefäß in der Nase platzt. Das kann spontan geschehen durch ein Trauma ausgelöst werden. Häufiges Nasenbluten gefährdet selten das Leben und stoppt gewöhnlich von selbst – bisweilen sind aber gefährliche Erkrankungen die Ursache.

Blut in der Nase kann fürchterlich aussahen, lässt sich aber meistens mit Hausmitteln behandeln. Jeder kann betroffen sein, am verbreitetsten ist es aber unter kleinen Kindern, alten Menschen, schwangeren Frauen, Menschen, die Aspirin oder Blutverdünner einnehmen, oder Menschen mit Bluterkrankungen.

Chronisches Nasenbluten: Wenn die Nase häufig blutet. Bild: drubig-photo - fotolia
Chronisches Nasenbluten: Wenn die Nase häufig blutet. Bild: drubig-photo – fotolia

Die Anatomie der Nase

Die Nase besteht aus Hohlräumen in einem Gerüst aus Knochen und Knorpelplatten. Darin liegen die beiden Nasenhöhlen, getrennt durch einen Scheidewand und verbunden mit der Stirnhöhle, der Kiefer- und Keilbeinhöhle.

Die Nasenmuscheln, drei Knochenleisten ragen in jeweils eine der beiden Nasenhöhlen. Hinten in der Nase beginnt der oberere Rachenraum.

Die empfindliche Riechschleimhaut bedeckt die obere Nasenmuschel bis zur Nasenscheidewand. Hier nehmen wir den Geruchsreiz auf, die Schleimhäute senden die Informatiion weiter zu den Riechkolben. Die sind wiederum über den Riechstrang mit dem Riechhirn verbunden.

Welche Rolle spielen die Schleimhäute?

Innen liegt die Schleimhaut der Atemwege, bedeckt von Härchen, die Schleim und Fremdstoffe in den Rachen bringen.

Diese Schleimhäute sind stark durchblutet. Ihre Drüsen sondern Flüssigkeit ab, um die Atemluft zu befeuchten. Blutgefäße versorgen die Schleimhaut, und sie schwillt schnell an. Werden diese Gefäße verletzt oder gereizt, sind Blutungen die Folge.

Wie häufig ist Nasenbluten?

Nasenblutungen sind die zweithäufigsten spontanen Blutungen. Jedem dritten Kind unter 5 Jahren blutet mindestens einmal die Nase, jedes zweite bis zu 10 Jahren hatte schon einmal Nasenbluten. Selten hingegen blutet die Nase bei Kleinkindern und unregelmäßig nach der Pubertät.

Die Nase blutet häufiger in den späten Herbst- und Wintermonaten, wenn die Wohnungsheizungen für eine trockene Luft sorgen. Nasenbluten ist auch weiter verbreitet bei Kindern, die in trockenem Klima leben.

Zweierlei Nasenbluten

Das Blut stammt entweder aus dem vorderen oder dem hinteren Teil der Nase. Blutungen im vorderen Teil sind die ungefährlichsten und häufigsten, besonders bei Kindern: Erkältungen, Allergien, abrupte Wechsel der Temperatur und trockene Hitze schaden den Schleimhäuten. Wiederholtes Niesen und schnäuzen lässt kleine Blutgefäße platzen.

Dieses leichte Bluten lässt sich einfach stoppen, indem sich die Betroffenen die Nasenlöcher zu halten oder sich ein Taschentuch auf die Nase drücken.

Blut im oberen Bereich kann ernster sein und ist zudem schwerer zu verorten und zu kontrollieren. Meist sind ältere Menschen betroffen und Krankheiten wie Arteriosklerose können die Ursache sein.

Ursachen

Die verbreitetste Ursache für eine blutende Nase sind durch Gewalt ausgelöste Verletzungen. Menschen mit Allergien, Heuschnupfen und Sinusinfektionen schwellen die Nasenmembranen, sie werden empfindlicher und bluten deshalb leichter.

Schäden an der Nase durch Stürze, Sport oder Schlägereien führen ebenfalls zu Blutungen. Vorsicht, wenn die Nase blutet, nachdem sie sich am Kopf verletzten: Es kann sich um einen Schädelbruch handeln.

Chemische Substanzen wie Reinigungsmittel, Sprays und Farben können die Nase reizen und zu Nasenbluten führen. Das gilt auch für manche Drogen wie Kokain: Werden diese geschnupft, entzündet sich die Nase und diese blutet.

Wechsel von kalter zu warmer Luft oder von trocken zu feucht belasten die Nasenschleimhäute und machen sie verwundbar. Alte Menschen sind häufiger von Nasenbluten im Winter betroffen, weil ihre Schleimhäute nicht mehr elastisch sind und trockene Luft die Blutgefäße in der Nase zum Platzen bringt.

Erkältungen und andere Erkrankungen, die die Schleimhäute belasten, sind ebenfalls im Winter häufiger. Sie beanspruchen die Nasenkanäle und fördern auch deshalb Verletzungen.

Bei welchen Krankheiten blutet die Nase?

Blutet die Nase, dann kann das auch auf eine Krankheit hindeuten, zum Beispiel auf Hämophilie. Bluthochdruck, Leberkrankheiten, Leukämie und Tumore in Nase und Gehirn gehen ebenfalls mit einer blutenden Nase einher.

Lebererkrankungen, die die Nase bluten lassen, sind Hepatitis, Leberdytrophie oder Lebenrzirrhose.

Auch einige Medikamente lösen Blutungen aus. Blutverdünner wie Warfarin und Heparin, Aspirin und Ibuprofen führen bisweilen ebenso zu Blut im vorderen wie hinteren Bereich der Nase. Nasenspray im Übermaß löst ebenfalls Nasenbluten aus.

Zu den üblichen Verdächtigen unter den Arzneimitteln gehören:Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure und Antikoagulanzien, Cumarinderivate und Heparine.

Auch Alkoholmissbrauch bedingt Nasenbluten: Alkohol verhindert die Blutgerinnung und schädigt die Wände der Blutgefäße.

Kindern blutet häufig die Nase, weil sie in der Nase bohren und so direkt die Blutgefäße verletzen. Manchmal führen Kinder sich auch Gegenstände in die Nase ein: Die können nicht nur die Nasenschleimhäte verletzen, sondern auch das Atmen erschweren. Bisweilen muss ein Arzt diese Objekte entfernen.

Sehr selten hingegen sind Nasentumore, Leukämie oder Deformationen der Nase die Ursache für blutende Kindernasen – ebenso diverse Blutstörungen. Deformationen zeigen sich zum Beispiel, wenn die Nasenscheidewand von der normalen Lage abweicht, oder Löcher hat.

Eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung führt ebenso zu Nasenbluten wie Fehlbildungen der Blutgefäße oder Polypen in der Nase.

Generell gilt: Innere Erkrankungen, die die Blutgerinnung hemmen, zeigen sich auch als Blut in der Nase.

Die “Wegener-Granulomatose” trifft meist Männer ab 30 Jahren. Sie beginnt mit Entzündungen in Nase und Rachen, chronisches Nasenbluten gehört zu ihren Symptomen.

Die “Osler-Krankheit” hat eine genetische Basis, dabei erweitern sich die Hautgefäße auch in der Nasenschleimhaut. Die erweiterten Gefäße reißen schnell und die Nase blutet.

Symptome

Das Hauptsymptom von Nasenbluten ist Blut, das aus der Nase läuft. Das Blut kommt entweder aus beiden Nasenlöchern, oder aber meistens aus einem. Wenn der Blutfluss stark ist, füllt er ein Nasenloch aus und läuft über die Region, die beide Seiten der Nase verbindet, in das andere Nasenloch. Das Blut kann auch zurück fließen in die Kehle oder hinunter in den Magen. Die Betroffenen spucken oder erbrechen dann Blut.

Verlieren die Betroffenen viel Blut führt das zu Verwirrung und Benommenheit. Das kommt bei Nasenbluten aber sehr selten vor.

Nasenbluten während der Schwangerschaft

Nasenbluten ist verbreitet während der Schwangerschaft, besonders nach den ersten Monaten. Einer von fünf Schwangeren blutet die Nase, aber nur einer von sechzehn Frauen, die nicht schwanger sind.

Schwangere sind deshalb so häufig betroffen, weil in der Schwangerschaft der Pegel der Hormone Progesteron und Östrogen steigt, und das führt dazu, dass die Blutgefäße sich weiter öffnen. Zugleich treibt der erhöhte Blutdruck mehr Blut als sonst in die empfindlichen Venen der Nase.

Vor allem während einer Schwangerschaft ist Nasenbluten häufig. Bild: Syda Productions - fotolia
Vor allem während einer Schwangerschaft ist Nasenbluten häufig. Bild: Syda Productions – fotolia

Schwangere können Nasenbluten vorbeugen, indem sie viel Flüssigkeit zu sich nehmen. Je mehr Flüssigkeit sie zu sich nehmen, um so weniger trocken sind die Nasenschleimhäute, und damit senkt sich das Risiko, das Blutgefäße platzen. Atmen durch den Mund ist ebenfalls eine Möglichkeit, Druck von der Nase zu nehmen.

Gels für die Nase befeuchten die Nasenschleimhäute, und ist der beste Weg, Nasenbluten während der Schwangerschaft zu verhindern.

Eine blutende Nase während der Schwangerschaft ist zwar lästig, aber kein Grund, sich Sorgen zu machen.

Welcher Krebs verursacht Nasenbluten?

Wieder kehrendes oder chronisches Nasenbluten kann auf ein weit ernsteres Problem hindeuten – nämlich auf Krebs. Wenn einmal im Monat die Nase blutet, ist das indessen noch kein Warnsignal.

Ständiges Nasenbluten gehört hingegen zu den Symptomen eines Tumors in der Nasenhöhle. Die Nasenhöhle besteht aus Knochen und Knorpeln, Blutgefäßen und verbindendem Gewebe sowie einer Haut, die die Zellgefäße bedect. Jeder dieser Zelltypen kann sich genetisch verändern zur Form eines Tumors.

Blut in der Nase ist ein frühes Symptom von Nasenkrebs, deshalb sollten Betroffene bei ständigem Bluten einen Arzt aufsuchen – in dieser Phase lässt sich der Krebs nämlich relativ gut heilen. Bei Nasenkrebs fließt das Blut gewöhnlich aus einem Nasenloch.

Nasenkrebs blockiert außerdem oft eine Nasenseite,der Nasenschleim wird flüssiger und läuft aus dem Nasenloch. Schreitet der Krebs fort, leiden die Betroffenen außerdem unter Sehstörungen und Kopfschmerzen.

Ständiges Nasenbluten kann aber auch Symptom eines ganz anderen Krebses sein – nämlich von Leukämie. Leukämie schädigt die weißen Blutkörperchen. Inbesondere die lyphotische Leukämie führt zu schwerem und ständigem Nasenbluten.

Krebs an den Lymphknoten lässt die Lymphknoten im Körper anschwellen. Oft sind die Lymphknoten im Nacken und Ellbogen am stärksten angeschwollen. Dieser Krebs entsteht durch abnormale weiße Blutkörperchen, die in den Lymphknoten treiben. Patienten, die an diesem Krebs leiden, bluten heftig aus der Nase. Ein wichtiger Hinweis sind zusätzliche Blutstörungen in anderen Teilen des Körpers.

Wann müssen Sie einen Arzt rufen?

Wenn Sie intensiv in der Nase bohren und irgend wann Blut am Finger sehen, ist das kein Grund, einen Arzt zu informieren. Wenn die Nase aber plötzlich blutet und dazu noch heftig, rufen Sie sofort den Notarzt.

Betroffene brauchen Ruhe, weil jede Erregung die Blutungen verschlimmert.

Wenn jemand ständig unter einer blutenden Nase leidet, steht eine systematische Untersuchung an. Ärzte sollten nicht fahrlässig damit umgehen, weil Nasenbluten meist harmlos ist. Wenn der Blutfluss jedoch stark ist, deutet das auf ernste Erkrankungen.

Die Behandlung von Nasenbluten

Blutungen im vorderen Teil der Nase lassen sich meist durch direkten Druck beheben. Medikamente wie Oxymetazolin oder Neosynephrin helfen ebenso wie Vaseline, die die Betroffenen täglich mit einem Q-Tip in die Nasenöffnung einführen. Außerdem sollten Patienten die Nase ruhig halten und jeden Druck vermeiden – dazu gehört auch heftig Schnäuzen.

Nasenbluten bei Kindern. Bild: Henrie - fotolia
Nasenbluten bei Kindern. Bild: Henrie – fotolia

Schwämme und ähnlich saugfähiges Material in der Nase stoppen zwar die Blutung, Betroffene empfinden dies aber als unangenehm. Auch Medikamente wie Warfarin müssen jedoch in Pads in die Nase eingeführt werden, um ihre Wirkung zu entfalten. Die Betroffenen verbringen dann einige Tage im Krankenhaus, bis der Arzt die Pads entfernt und die Blutungen enden.

Heute können die Ärzte mit moderner Technik die Wunde innerhalb der Nase finden und verschließen. Diese direkte Behandlungs toppt das Nasenbluten schnell.

Hausmittel – Waschen mit heißem Wasser

Gegen Nasenbluten hilft, das Nasenloch unter einen Wasserhahn zu halten und mit warmem bis heißem Wasser auszuwaschen. Das ist sogar wirksamer als die “Tampons”, die das Blut aufsaugen.

Auch Ärzte behandeln schwere Blutungen des Nase mit dieser heißen Spülung. Sie betäuben zuerst den Bereich rund um die Nase, dann führen sie einen Ballonkatheder ein und spülen die Nasenhöhle drei Minuten lang mit 50 Grad Celsius heißem Wasser. Die meisten Blutungen stoppen dann nach circa zehn Minuten.

Was sie tun und nicht tun dürfen

1) Legen Sie den Kopf nicht in den Nacken, sondern beugen Sie sich über ein Waschbecken, um das Blut aufzufangen.

2) Schlucken Sie das Blut nicht hinunter, das kann zu einem Brechreiz führen

3) Kühlen Sie den Nacken zum Beispiel durch feuchte Umschläge

4) Pressen Sie die Nasenflügel zusammen – mit nur leichtem Druck.

5) Spülen Sie die blutende Nase mit warmem Wasser aus.

Nasenbluten vorbeugen

Nasenbluten vorbeugen lässt sich, wenn wir vorsichtig schnäuzen, sanft in der Nase bohren und Schlägereien vermeiden, bei denen wir die Nase verletzen könnten.

Außerdem sollten wir im Winter, wenn die Heizung die Luft und damit die Schleimhäute austrocknet, Luftbefeuchter im Raum aufstellen.

Wie können Nasenöle, Nasenspülungen und Nasensalben einsetzen, die die Nasenschleimhäute elastisch halten. Mit Nasensprays und Nasentropfen sollten wir hingegen behutsam umgehen, da beide auf Dauer die Nasenschleimhäute austrocknen können. Wenn wir viel trinken, befeuchten wir indirekt unsere Schleimhäute. (Dr. Utz Anhalt)

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