Herpes im Mund

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Susanne Waschke
Umgangssprachlich wird meist nur der Begriff „Herpes“ gebraucht, wobei sich dahinter zahlreiche Viren verbergen können. Bei Herpes im Mund ist in der Regel das Herpes-simplex-Virus, Typ I gemeint. Die Durchseuchungsrate in Deutschland ist sehr hoch, circa 85 bis 90 Prozent, jedoch zeigen sich Symptome nur bei etwa 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung.

Inhaltsverzeichnis

Herpes-Simplex-Viren
Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus I
Ursachen für Herpes im Mund
Das Virus wird aktiv
Symptome bei Herpes im Mund
Herpes vorbeugen
HSV-1 kann auch andere Körperstellen befallen
Vorsicht bei Schwangerschaft
Besondere Anfälligkeit für Herpes
Herpes Therapie

Herpes-Simplex-Viren

Zwei miteinander verwandte Viren existieren. Der Herpes-simplex Typ 1 (HSV-1) und der Herpes-simplex Typ 2 (HSV-2). HSV-1 wird als oraler Stamm bezeichnet, der sich vor allem mit Bläschen an der Lippe, aber auch an der Mundschleimhaut manifestiert. HSV-2 hingegen breitet sich vor allem im genitalen Bereich aus. Für Herpes im Mund ist also der HSV-1 verantwortlich.

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Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus I

Eine Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus I führt zu dem sogenannten Herpes labialis, der vor allem die Lippenregion befällt. Doch kann sich dieser auch im inneren des Mundes, in der Mundschleimhaut, ausbreiten.

Meist tritt die Primärinfektion vor dem fünften Lebensjahr ein, und dies häufig absolut symptomfrei. Die Übertragung erfolgt hier durch engen körperlichen Kontakt. So zum Beispiel, wenn die Eltern eine akute Herpesvirusinfektion im Mund oder im Lippenbereich haben, das Kind küssen oder gar den Schnuller ablecken.

Die Inkubationszeit bei einer Infektion mit dem Herpes-Simplex-Virus I beträgt zwischen drei und neun Tagen, kann aber unter Umständen auch sechs Wochen dauern. Selten äußert sich die Erstinfektion bei den Kindern in Form einer sogenannten Mundfäule (Stomatitis aphtosa, Stomatitis herpetica, Gingostomatitis herpetica). Dabei können die kleinen Patienten neben der schmerzhaften Entzündung der Mundschleimhaut noch an allgemeinem Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit und hohem Fieber leiden. Nach dem ersten Kontakt mit dem Erreger, bleibt dieser ein Leben lang im Körper. Er verweilt dann nicht in den Schleimhautzellen, in denen er sich am liebsten breitmacht, sondern sucht andere Zellen auf, und zwar im Bereich des Trigeminus (5. Hirnnerv).Dort existieren viele sogenannte Ganglien (Nervenzellknoten), in denen sich die Herpesviren einnisten, allerdings ohne sich hier zu vermehren. Dies wird als Latenzphase (inaktive Phase) bezeichnet.

Ursachen für Herpes im Mund

Herpes im Mund ist hoch ansteckend. Entweder wird das Virus durch Tröpfcheninfektion beispielsweise beim Niesen und Husten oder durch direkten Kontakt beim Küssen übertragen. Auch das gemeinsame Trinken aus demselben Glas kann zur Ansteckung führen. Ist der Körper schon in ganz jungen Jahren mit dem Virus in Kontakt gekommen, kann dieser jeder Zeit wieder zum Leben erweckt werden.

Das Virus wird aktiv

Nach Zeiten des Dämmerschlafes können die Herpesviren wieder aktiv werden. Dies geschieht zum Beispiel durch intensive Sonnenbestrahlung, Fieber, Stress, massive körperliche Belastungen, hormonelle Veränderungen oder ein geschwächtes Immunsystem. Aber auch Ekel, Schreck oder Angst können Auslöser für das Entstehen von Herpes im Mund sein. Die Viren wandern von den Neuronen über die Axone wieder ins „Umland“ und lösen dort die Symptome aus. Diese äußern sich als Bläschen an der Lippe oder an der Mundschleimhaut. Da Herpes häufig in Verbindung mit fieberhaften Krankheiten auftritt, werden diese im Volksmund auch „Fieberbläschen“ genannt.

Symptome bei Herpes im Mund

Bei Herpes im Mund entwickeln sich schmerzhafte Aphten auf der Mundschleimhaut, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind, welche hoch kontagiös ist. Diese Herde können ulzerieren (Geschwüre bilden) und vor allem das Trinken und Essen enorm beeinträchtigen. Die schmerzhafte Entzündung dauert zwischen drei und sieben Tagen, je nach Ausprägung. Damit die Herpes Bläschen so schnell wie möglich abheilen, sollte schon bei den ersten Anzeichen eine Behandlung erfolgen.

Herpes vorbeugen

Um Herpes im Mund vorzubeugen, ist ein intaktes Immunsystem das Wichtigste. Dazu gehören eine gesunde, vitaminreiche Kost, ausreichend Bewegung an der frischen Luft und genügend Schlaf. Eventuell benötigt der Körper noch zusätzliche Vitamine in Form einer Nahrungsergänzung. Entspannungsübungen tragen dazu bei, dass der Stress nicht überhand nimmt. Leidet der Partner gerade an Herpes, sollte nicht aus dem selben Glas getrunken werden.

Eine ausführliche Mundhygiene ist wichtig. Dazu gehören das Zähneputzen, mindestens zweimal täglich und das Ausspülen des Mundes nach den Mahlzeiten. Aus der indischen Lehre, der Ayurveda, ist mittlerweile das Öl ziehen und das Zunge schaben bekannt. Beim Ölziehen wird circa ein Teelöffel voll gutem, kaltgepressten Sesam- oder Sonnenblumenöl im Mund, mehrere Minuten lang gekaut. Danach muss das Ganze ausgespuckt werden. Das Öl nimmt Bakterien und Viren auf. Ein Abschaben der Zunge, nach dem Zähneputzen, rundet die Mundhygiene ab.

HSV-1 kann auch andere Körperstellen befallen

Der HSV-1 kann sich auch an Nase, Augenlid, Wangen und anderen Körperstellen bemerkbar machen. Dies geschieht durch Verschleppen der Viren, zum Beispiel beim Verreiben des Bläscheninhalts der Lippe in die Nasenregion.

Vorsicht bei Schwangerschaft

Leidet eine Schwangere zur Zeit der Geburt an Herpes, sollte sie sich unbedingt, solange die Entzündung nicht abgeklungen ist, mit dem Küssen des Säuglings zurückhalten. Auch ist das Ablecken den Schnullers absolut zu vermeiden.

Besondere Anfälligkeit für Herpes

Eine besondere Anfälligkeit für Herpes und generell für alle Entzündungen der Schleimhäute ist bei Diabetes gegeben. Diese haben nicht nur Probleme mit dem Stoffwechsel, sondern meistens auch ein geschwächtes Immunsystem. Häufig leiden Diabetiker unter einer besonders trockenen Mundschleimhaut, die Entzündungen noch leichter entstehen lässt.

Herpes Therapie

Verantwortlich für den Ausbruch der Herpes-Erkrankung oder die Ansteckung ist häufig ein instabiles Immunsystem. Diesem sollte deshalb das größte Augenmerk zu Teil werden. Maßnahmen, die das Immunsystem stärken, kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Eine gesunde Ernährung, die reich an frischem Obst und Gemüse und arm an Tierischem ist, stellt die Basis für ein gesundes Immunsystem dar. Die Einnahme eines Echinacea-Präparates (Sonnenhut) stimuliert die Abwehrkräfte. Außerdem ist hier die Taigawurzel zu erwähnen. Bekannt ist diese auch unter dem Namen Eleutherococcus oder Sibirischer Ginseng. Der Pflanze wird eine antivirale Wirkung nachgesagt. Zudem unterstützt sie den Körper darin, mit Stress besser umgehen zu können.

Einen weiteren Ansatz zur naturheilkundlichen Behandlung von Herpes bildet die Melisse, welche sowohl innerlich verabreicht, als auch äußerlich, zum Betupfen der entzündeten Stellen, verwendet wird. Ein altes Heilmittel – wieder entdeckt – ist die Myrrhe. Als Tinktur, aufgetragen auf die Herpes-Bläschen im Mund, kann diese gute Dienste leisten. Bei massivem Befall verschreibt die Schulmedizin ein Virostatikum. Auch werden die verschiedensten Mundspüllösungen eingesetzt. Gels, die meistens ein Lokalanästhetikum, wie das Lidocain, enthalten, nehmen für eine gewisse Zeit den Schmerz. Auch existieren Salben, die eine Art Film bilden, damit die entzündete Stelle etwas geschützt ist, was vor allem bei Nahrungsaufnahme recht nützlich sein kann.

Betroffene Personen sollten, solange das Herpes Virus aktiv zu Gange ist, Besteck und Gläser nicht mit anderen Menschen teilen. Dies ist vor allem wichtig im Umgang mit Säuglingen oder Kleinkindern. (sw)

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