Herzflimmern – Anzeichen, Ursachen und Behandlung

Susanne Waschke
Das Herzflimmern gehört zu den sogenannten tachykarden Herzrhythmusstörungen. Diese sind dadurch gekennzeichnet, dass die Herzfrequenz auf über 100 Schläge pro Minute steigt. Normal wären bei Frauen 70 bis 75 Schläge und bei Männern 60 bis 70 Schläge pro Minute. Das Herzflimmern wird eingeteilt in Vorhofflimmern und Kammerflimmern.


Wenn die Herzfrequenz steigt

Wenn die Herzfrequenz immer mehr ansteigt, wird pro Herzschlag weniger Blut in den Kreislauf gepumpt. Das liegt daran, dass die Kammern nicht genügend Zeit haben, zu erschlaffen und sich neu zu füllen oder auch die Kontraktionen des Herzens zu schwach und unkoordiniert sind.

Herzflimmern kann in Form von Vorhofflimmern oder Kammernflimmern auftreten, was mit unterschiedlichen Gesundheitsrisiken verbunden ist. (Bild: Sonja Calovini/fotolia.com)

Vorhöfe und Kammern

Das menschliche Herz besteht aus vier Innenhöfen, auf jeder Seite des Herzens zwei: Ein kleiner, etwas muskelarmer Vorhof, der das Blut aus dem Körper oder der Lunge sammelt, und eine muskelstarke Kammer, die das Blut aus dem Vorhof ansaugt und dann wieder in den Körper, beziehungsweise in den Lungenkreislauf, hineinpresst. Einfach dargestellt kontrahieren zuerst die Vorhöfe, Blut strömt in die Herzkammern und im Anschluss daran ziehen sich die Kammern zusammen und das Blut wird in den Kreislauf gepumpt. Dies Alles wird durch spezielle Herzzellen koordiniert. Deren Aufgabe ist es, elektrische Signale in einer bestimmten Reihenfolge an die Herzkammern zu übertragen und zwar so, dass ein reibungsloses Zusammenarbeiten gewährleistet ist.

Bei dem Herzflimmern, hier das Vorhofflimmern gemeint, ist dieser Ablauf gestört. Wirksame Vorhofkontraktionen können nicht mehr stattfinden. Im Gegenteil – die Vorhöfe ähneln einem „Zucken“ beziehungsweise „Flimmern“. Auf diese Art und Weise können sie den Kammern nicht mehr richtig bei der Pumparbeit helfen.

Das Vorhofflimmern

Beim Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, kontrahieren die Vorhöfe zwischen 350 und 600 Mal. Diese völlig unregelmäßigen Aktionen werden auf die Kammern weitergeleitet, wobei diese dann ebenso unkontrolliert arbeiten. Das bedeutet, dass die Erregungen der Vorhöfe nur teilweise oder gar nicht bei den Kammern ankommen. Die Blutmenge, die die Kammern in die Blutgefäße pumpen, wird dadurch immer weniger. In der Ruhe verringert sich die Menge an Blut um circa fünfzehn Prozent, bei körperlicher Tätigkeit noch mehr. Dies macht sich dann durch Herzklopfen, Herzrasen und vor allem durch Atemnot bemerkbar.

Das Vorhofflimmern wird häufig gar nicht bemerkt und seine Auswirkungen werden daher unterschätzt. Diese Art des Herzflimmerns ist im Gegensatz zum Kammerflimmern allerdings nicht lebensbedrohlich. Wenn das Vorhofflimmern anfallsartig auftritt, ist dies in der Regel nur für kurze Zeit und wird entweder als Solches gar nicht wahrgenommen oder eben, wie bereits erwähnt, als Herzstolpern oder Herzklopfen beschrieben. Schwäche, Atemnot, Herzschmerzen und Angst gehören zu den Beschwerden. Je schneller das Herz schlägt, desto eher bemerken die Patienten dies und desto unangenehmer wird das für sie.

Ursachen

Zu den möglihen Ursachen für ein Vorhofflimmern zählen Bluthochdruck, der schon über einen längeren Zeitraum besteht, hohes Alter, eine Herzmuskelschwäche, Diabetes mellitus, eine koronare Herzkrankheit, eine Schilddrüsenüberfunktion, ein Herzklappenfehler und übermäßiger Konsum von Alkohol.

Bei Vorhofflimmern können sich gefährliche Blutgerinnsel bilden und anschließend zu einer Thrombose führen. (Bild: Axel Kock/fotolia.com)

Drohenede Komplikationen

Eine Komplikation beim Herzflimmern, hier speziell das Vorhofflimmern gemeint, ist die Thrombenbildung (Bildung von Blutgerinnseln). Wenn diese sich lösen, können sie eine arterielle Embolie in Form eines Schlaganfalls oder auch eine Durchblutungsstörung in einem anderen Organ auslösen. Hinzu kommt, dass das Schlaganfallrisiko mit zunehmendem Alter ansteigt. Besteht das Herzflimmern schon länger, werden die Vorhöfe größer und verändern ihre eigentliche Gewebestruktur. Des Weiteren droht eine Herzschwäche. Die meisten Betroffenen leben über Jahre hinweg mit Beschwerden wie Herzklopfen und Atemnot bei körperlicher Belastung. Hinzu kommt ein Pulsdefizit. Das bedeutet, dass nicht alle Pulswellen, die vom Herz ausgehen auch in der Peripherie, zum Beispiel in Hand- oder Fußarterie ankommen. Dies lässt sich in der Praxis durch Tasten der verschiedenen Pulse feststellen.

Diagnose

Bei Herzflimmern ist generell ein Facharzt, ein sogenannter Kardiologe, aufzusuchen. Dieser ertastet die Pulse und auskultiert das Herz. In der Regel gehört auch ein EKG (Elektrokardiogramm) dazu. Solch ein EGK muss nicht unbedingt abnormal sein. Vor allem dann, wenn das Vorhofflimmern sich in der Anfangsphase befindet, ist ein Langzeit EKG, das zwischen 24 und 48 Stunden angelegt wird, aussagekräftiger. Eine weitere Möglichkeit ist die Anwendung eines Eventrecorders. Dieser wird vom Patienten immer dann aktiviert, wenn Beschwerden auftreten. Die Ergebnisse wertet im Anschluss der Arzt mit Hilfe eines Computers aus.

Therapie

Um einer Gerinnselbildung, einer Komplikation bei Herzflimmern, entgegenzuwirken, wird in der Regel den Patienten ein Medikament verordnet, das die Blutgerinnung hemmt (Antikoagulanzien). Gegen die Rhythmusstörungen wird eine sogenannte medikamentöse Kardioversion durchgeführt, das heißt, die Betroffenen bekommen ein Antiarrhythmikum verordnet. Eine andere Möglichkeit stellt die elektrische Kardioversion dar. Dabei wird versucht, den normalen Herzschlag wieder herzustellen. Diese Therapie erinnert an einen „Elektroschock“ während einer Kurznarkose. Bevor sie zum Einsatz kommt, muss allerdings sichergestellt werden, dass sich beim Patient oder der Patientin in den Vorhöfen kein Blutgerinnsel gebildet hat. Dies wird mit einem speziellen Ultraschallverfahren überprüft.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Katheter Ablation. Dies ist ein Verfahren, bei dem mit Hilfe eines Katheters, der über die Leiste durch die Hohlvene bis zum Herzen vorgeschoben wird, ein bestimmter Bereich im linken Vorhof mittels Hochfrequenzstrom oder Kälte verödet wird.

Mit der sogenannten Frequenzkontrolle wird versucht, die Pulsfrequenz in Ruhe zu senken. Dies geschieht durch Gabe von Medikamenten, wie den Betablockern. Dies ist ein Therapieverfahren für ältere Patienten, mit geringeren Beschwerden.

Kammerflimmern ist grundsätzlich lebensgefährlich und muss gegebenfalls mit einem Defibrilator unterbrochen werden. (Bild: tunedin/fotolia.com)

Das Kammerflimmern

Ein lebensbedrohliches Herzflimmern ist das Kammerflimmern. Innerhalb kurzer Zeit, wenn unbehandelt, kann dies zum Herzkreislaufstillstand führen. Beim Kammerflimmern kontrahieren sich die Kammern zwischen 350 und 600 Mal pro Minute. Dabei ist keine geregelte Kammerkontraktion mehr möglich, was dazu führt, dass nur noch sehr wenig Blut in die Gefäße ausgeworfen wird. Eine Notfalltherapie mit Reanimation/Defibrillation muss so schnell wie möglich erfolgen.

Beim Kammerflimmern sind die speziellen Herzzellen immer noch mit von der Partie, jedoch sind die Kontraktionen nicht mehr harmonisch, wodurch ein „Zittern“, beziehungsweise „Flimmern“ des Herzmuskels entsteht. Ein normales Zusammenziehen ist nicht mehr möglich und somit pumpt die Herzkammer das Blut nicht mehr richtig weiter. Kommt die Hilfe nicht rechtzeitig, entwickelt sich eine sogenannte Asystolie – das Herz bleibt stehen.

Ursachen

Die häufigste Ursache für ein Kammerflimmern ist eine Schädigung des Herzmuskels, entstanden durch eine koronare Herzkrankheit (KHK) oder durch einen akuten Herzinfarkt. Weitere Ursachen sind eine Myokarditis (Entzündung des Herzmuskels), eine schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche) oder eine Erkrankung des Reiz-Leitungssystem des Herzens. Kalium und Magnesium sind äußerst wichtig für das reibungslose Funktionieren des Herzens. Sind diese beiden lebenswichtigen Mineralstoffe in ihrer Zusammensetzung sehr verändert, kann auch dies ein Grund für das lebensbedrohliche Herzflimmern sein. Gerade dann, wenn Patienten mit dem Vorliegen einer Herzschwäche Medikamente zur Entwässerung einnehmen, sollte unbedingt das Blut bezüglich der Mineralien engmaschig kontrolliert werden.

Ein Stromunfall kann ebenso ein Kammerflimmern auslösen. Für Patienten, die in ihrem Leben schon einmal Kammerflimmern hatten, besteht ein hohes Risiko, das sich dies wiederholt.

Beim Kammerflimmern fällt die Pumpleistung des Herzens lebensbedrohlich ab und es droht ein plötzlicher Kreislaufstillstand. (Bild: spkphotostock/fotolia.com)

Symptome

Innerhalb weniger Sekunden tritt Bewusstlosigkeit ein – ohne Puls und ohne Atemtätigkeit. Dies kann aus heiterem Himmel heraus, ohne Vorboten passieren. Eventuelle Warnzeichen sind folgende: Brustschmerzen auf der linken Seite, Schwindelanfälle, Ohnmachtsanfälle, Atemnot bereits bei geringer Anstrengung und spürbares Herzrasen. All diese Symptome müssen dringend von einem Arzt abgeklärt werden. Brustschmerzen, Engegefühl in der Brust, Todesangst, Atemnot – hier muss unbedingt ein Notarzt gerufen werden.

Diagnose

Das EKG macht das Kammerflimmern sichtbar. Unregelmäßige Zacken und eine Frequenz von mehr als 320 Schlägen pro Minute sind hier typische Hinweise

Therapie

Bei Kammerflimmern zählt jede Sekunde. Maßnahmen der Wiederbelebung müssen sofort eingeleitet werden. Je schneller das Kammerflimmern mit einem Defibrillator unterbrochen wird, um so größer ist die Überlebenschance. Haben Patienten ein hohes Risiko für dieses bedrohliche Herzflimmern und ist eine Behandlung mit Medikamenten unbefriedigend, wird eventuell ein Defibrillator implantiert. Dieser erkennt ein Kammerflimmern und unterbricht dies durch einen Elektroschock. (sw)