Herzschmerzen – Ursachen und Therapie

Fabian Peters

Als lebenswichtiges Hohlmuskelorgan sichert das Herz durch rhythmische Kontraktionen die Blutzirkulation und die ausreichende Durchblutung sämtlicher Organe. Die Kontraktion des Herzmuskels ist dabei als Puls messbar. Störungen der Herzfunktion, die sich unter anderem in Herzschmerzen äußern können, haben oftmals schwere bis lebensbedrohliche gesundheitliche Folgen.

Inhaltsverzeichnis

Verschiedene Formen
Ursachen für Herzschmerzen
Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Ursache
Herzschmerzen durch seelische Belastungen
Diagnose
Risikofaktoren von Herz-Beschwerden
Psychische Ursachen der Herzschmerzen
Herzschmerzen bei jungen Menschen
Naturheilkunde Behandlung

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Verschiedene Formen der Herzschmerzen

Herzschmerzen sind häufig Anzeichen ernsthafter gesundheitlicher Gefährdungen und sollten daher dringend ärztlich untersucht werden. Ein Kardiologe kann die Ursachen der Beschwerden meist relativ eindeutig bestimmen und entsprechende Gegenmaßnahmen einleiten. Die umgangssprachlich auch als Herzschmerz bezeichneten seelischen Leiden zum Beispiel nach einer Trennung oder bei Liebeskummer sollen an dieser Stelle nur am Rande thematisiert werden, obwohl auch die psychischen Belastungen durchaus Ursache der körperliche Beschwerden sein können. Der Fokus dieses Beitrags liegt auf den Herzschmerzen als Ausdruck körperlicher Beschwerden, möglichen Ursachen, der Diagnose und den Behandlungsansätzen bei Schmerzen des Herzens.

Herzschmerzen äußern sich meist als Ziehen, schmerzhaftes Druckgefühl, Brennen oder Stechen in der Brust. Da die Beschwerden durchaus Anzeichen einer schwerwiegenden Erkrankung sein können, sollte spätestens bei wiederholtem Auftreten dringend ein Arzt aufgesucht werden. Ohnehin sind die meisten Betroffenen bei Schmerzen am Herz jedoch sensibilisiert und zu einem frühzeitigen Arztbesuch bereit, da sie einen Herzinfarkt oder ähnlich gravierende gesundheitliche Beeinträchtigungen befürchten.

Herzschmerzen können aber müssen nicht mit dem Herzen zusammenhängen. Oftmals verbergen sich auch muskuläre Verspannungen dahinter. (Bild: freshidea/fotolia)
Herzschmerzen können aber müssen nicht mit dem Herzen zusammenhängen. Oftmals verbergen sich auch muskuläre Verspannungen dahinter. (Bild: freshidea/fotolia)

Das Ziehen in der Brust muss jedoch nicht immer mit Erkrankungen unmittelbar am Herz einhergehen. So können die Brustkorbschmerzen auch auf eine Störung der Lungenfunktion hinweisen und gelegentlich werden Zwerchfellkrämpfe von den Betroffenen ebenfalls als eine Art Herzstechen wahrgenommen. Auch der sogenannte Reflux – bei dem Magensäure zurück in die Speiseröhre fließt – wird häufig als Stechen im Brustkorb wahrgenommen, so dass die Betroffenen auch hier leicht an eine Erkrankung des Herzens denken. Zudem werden die eher oberflächlich wahrzunehmenden Schmerzen bei einem Rippenbruch gelegentlich mit Herzschmerzen verwechselt. Gleiches gilt für Nervenirritationen, Muskelverspannungen und das sogenannte Tietze-Syndrom – eine schmerzhafte Schwellung im Bereich des Brustbeinansatzes der Rippen. Mit Hilfe ärztlicher Unterstützung lassen sich derartige Ursachen der vermeintlichen Herzschmerzen jedoch meist relativ schnell identifizieren.

Ursachen

Den originären Herzschmerzen liegen Erkrankung des Herzens beziehungsweise Herz-Kreis-Laufsystems zu Grunde, die in den meisten Fällen eine medizinische Versorgung der Betroffenen erfordern. So werden in der Fachliteratur zum Beispiel Koronare Herzkrankheiten (KHK), Herzmuskelentzündungen, Angina pectoris (Durchblutungsstörung des Herzens) und Herzinfarkte als Ursachen von Herzschmerzen genannt. Die direkten Herzschmerzen sind deutlich von den allgemeinen Schmerzen im Brustkorb (Thorax) zu unterscheiden, deren Ursache auch andere Erkrankungen wie Lungenfunktionsstörungen, Lungenembolien, Muskelverspannungen, Zwerchfellkrämpfe, Speiseröhrenerkrankungen (z. B. Reflux oder Bewegungsstörungen der Speiseröhre), Magenschleimhautentzündungen, Wirbelsäulen- oder Gelenkbeschwerden sein können. Zwar fällt den betroffenen die Unterscheidung oftmals schwer, da bei Ziehen, Stechen oder Druckgefühl im Brustkorb unweigerlich an Beschwerden des Herzens gedacht wird, doch mit ärztlicher Unterstützung lassen sich die tatsächlichen Herzschmerzen meist relativ eindeutig gegen andere Brustkorbschmerzen abgrenzen.

Durch die Subjektive Wahrnehmung der Herzschmerzen ist die Diagnose-Findung allerdings mitunter deutlich erschwert. Sollten keine körperlichen Erkrankungen als Ursache der Herzschmerzen festzustellen sein, obwohl die Betroffenen offensichtlich unter starken Beschwerden leiden und einen Herzinfarkt befürchten, ist unter Umständen auch eine sogenannte Herzneurose (Cardiophobie) Auslöser der Herzschmerzen. Hier bedingt die Angst vor einer bedrohlichen Herzerkrankung oder einem Herzinfarkt selbst funktionelle Störungen des Herz-Kreislauf- und Atemsystems, die sich als Schmerzen im Brustkorbbereich äußern können.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Ursache

Zu den körperlichen Ursachen für Herzschmerzen zählen zahlreiche Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wie zum Beispiel Bluthochdruck (Hypertonie), Koronare Herzkrankheit mit Angina pectoris oder Herzrhythmusstörungen. Auch können die Herzschmerzen durch Entzündungen der Herzinnenhaut (Endokarditis), Herzbeutelentzündungen (Perikarditis),
Herzmuskelentzündungen (Myokarditis), Herzklappenfehler, Aneurysmen (Arterienerweiterungen) und eine Herzschwäche ausgelöst werden. Zudem kann ein akut lebensbedrohlicher Herzinfarkt Ursache der Herzschmerzen sein, wobei in diesem Fall oftmals gleichzeitig erhebliche innere Unruhe, massive Übelkeit, Schweißausbrüche und Atemnot auftreten. Herzschmerzen sollten in jedem Fall von einem Facharzt untersucht werden und bei Verdacht auf einen Herzinfarkt ist dringend ein Notarzt zu informieren.

Herzschmerzen durch seelische Belastungen

Betroffene der Herzschmerzen verspüren diese häufig bei besonderer körperlicher oder seelischer Belastung. Das Ziehen, Stechen und Engegefühl im Brustkorb strahlt dabei unter Umständen auch in den Rücken, den Bauch, die Arme und Schultern aus (meist links). Zudem werden die Herzschmerzen oftmals von Herzstolpern, Herzrasen und Atemnot begleitet. Nicht selten empfinden die Betroffenen angesichts der Symptome Todesangst, wobei sich im Zuge der panikartigen Angst die Beschwerden häufig noch verstärken. Sind bei den Betroffenen bereits Erkrankungen wie zum Beispiel eine Angina pectoris bekannt, sollten umgehend die entsprechenden Notfallmedikamente eingenommen werden, um eine Ausweitung der Beschwerden zu vermeiden. Im Fall der Angina pectoris wären dies Nitroglyzerinsprays oder -kapseln, die Patienten mit Koronaren Herzkrankheiten (KHK) von ihren Ärzten verordnet bekommen.

Als Notfallmedikamente sind die Nitroglyzerin-Präparate von den KHK-Patienten möglichst immer mitzuführen. Zeigen die Medikamente jedoch keine Wirkung, so wird dieser Zustand als instabile Angina pectoris bezeichnet, welche auch als mögliches Anzeichen für einen Herzinfarkt zu bewerten ist. Die Beschwerden sollten daher äußerst ernst genommen und umgehend ein Notarzt alarmiert werden. Symptome, die auf eine instabile Angina pectoris oder einen Herzinfarkt hindeuten können, sind neben der Wirkungslosigkeit von Nitroglyzerin-Präparaten zum Beispiel Herzschmerzen, die bei Belastung erstmals auftreten, immer schlimmer / häufiger werden, auch im Ruhezustand nicht zurückgehen und sich in ihrer Intensität oder Lokalisierung von bereits bekannten Herzschmerzen unterscheiden.

Diagnose

Neben den Sofortmaßnahmen, die zum Beispiel im Falle von Herzschmerzen durch eine instabile Angina pectoris oder einen Herzinfarkt ergriffen werden müssen, sollten sich die Betroffenen einer langfristigen therapeutischen Behandlung unterziehen, die bei den Ursachen der Herzschmerzen ansetzt. Hierfür ist jedoch zwingend eine präzise ärztliche Diagnose erforderlich. Dabei steht die Frage nach der Intensität, Lokalisierung und Dauer der Herzschmerzen am Anfang der Diagnose-Findung. Darüber hinaus wird den Betroffenen Blut für die Laboruntersuchung abgenommen, da sich auf diese Weise zum Beispiel die typischen Enzyme für einen Herzinfarkt (Herzenzyme) und mögliche Entzündungen im Bereich des Herzens feststellen lassen. Auch werden die Betroffenen in der Regel mit Hilfe eines Elektrokardiogramms (EKG) untersucht, um die Diagnose eines Herzinfarkts als Ursache der Herzschmerzen auszuschließen oder schlimmstenfalls zu bestätigen. Als weitere Untersuchungsmethoden dienen zum Beispiel das Belastungs-EKG, das die Herzparameter unter Belastung erfasst, ein Langzeit-EKG und Ultraschalluntersuchungen des Herzens. Auch spezielle Verfahren der Computertomographie (CT)- und Magnetresonanztomographie (MRT) können zur Ermittlung der Herzschmerzen-Ursachen eingesetzt werden. Zudem bieten Röntgenuntersuchung der Herzkranzgefäße und die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) weitere Möglichkeiten zur Diagnose-Findung. Abhängig von den Ursachen, die im Zuge der Untersuchungen als Auslöser der Herzschmerzen festgestellt werden, bieten sich unterschiedlich therapeutische Ansätze an, um die Beschwerden zu bekämpfen.

Risikofaktoren von Herz-Beschwerden

Dabei steht an erster Stelle die Vermeidung von Risikofaktoren für Herzerkrankungen, wie zum Beispiel Alkohol- oder Tabakkonsum, ungesunder Ernährung und Übergewicht. Die Betroffenen sind häufig dazu aufgefordert ihre Lebensgewohnheiten deutlich umzustellen, um langfristig das Auftreten der Herzschmerzen zu vermeiden. Eine ausgewogene Ernährung, der Verzicht auf Alkohol und Tabak sowie ausreichend körperliche Bewegung werden insbesondere Patienten, bei denen Herz-Kreislauf-Erkrankungen Ursache der Herzschmerzen sind,empfohlen. Abhängig von den zu Grunde liegenden Erkrankungen werden auch Medikamente zur Behandlung der Herzschmerzen eingesetzt, wobei diese jedoch vom Arzt explizit auf die jeweiligen Beschwerden abgestimmt werden müssen. Während zum Beispiel bei einer Angina pectoris die Nitroglyzerin-Präparate zum Einsatz kommen, werden bei Herzrhythmusstörungen frequenzregulierende und -stabilisierende Medikamente wie beispielsweise Adenosin, Ajmalin, Atropin, oder sogenannte Betablocker, deren Einsatz jedoch nicht unumstritten ist, verwendet. Sind Entzündungen im Bereich des Herzens wie zum Beispiel eine bakterielle Endokarditis Ursache der Schmerzen, werden diese in der Regel mit Antibiotika behandelt. Bei verschiedenen anderen Ursachen der Herzschmerzen wie beispielsweise Herzklappenfehlern, Aneurysmen oder Aortendissektionen (Riss der Aorta) kommen auch chirurgische Eingriffe am Herzen in Betracht.

Psychische Ursachen

Allerdings lassen sich längst nicht alle Ursachen der Herzschmerzen durch herkömmliche therapeutische Maßnahmen beheben. Dies gilt insbesondere für die psychisch bedingten Beschwerden wie zum Beispiel die sogenannten Herzneurosen. So erfordern die psychisch bedingten Herzschmerzen häufig eine andere Herangehensweise an die Therapie. Zum Beispiel kommen bei dem sogenannten „Broken-Heart-Syndrom“ angst- und stressreduzierende Medikamente zum Einsatz, da vermutet wird, dass ein Überschuss an Stresshormonen für die Beschwerden verantwortlich ist. Typischerweise tritt das Broken-Heart-Syndrom nach besonderen Stresssituationen, wie dem Verlust eines besonders nahestehenden Menschen auf und äußert sich beim EKG beziehungsweise den Laboruntersuchungen ähnlich wie ein Herzinfarkt. Dass hier Liebeskummer und emotionale Betroffenheit oftmals als Herzschmerz bezeichnet werden, scheint somit durchaus berechtigt. Denn die psychischen Probleme können tatsächlich organische Beschwerden im Bereich der Herzens mit sich bringen.

Bild: Adam Gregor, fotolia

Herzschmerzen bei jungen Menschen

Insgesamt sind Herzschmerzen keine Seltenheit, stehen jedoch bei weitem nicht immer im Zusammenhang mit schweren Erkrankungen. Dabei sind Herzschmerzen und die ihnen zu Grunde liegenden Erkrankungen wie beispielsweise Herzrhythmusstörungen, heute auch vermehrt bei jüngeren Menschen zu beobachten. Allerdings sind Personen im Alter über 60 Jahren deutlich häufiger betroffen. Bei den jungen Patienten ist zudem meist ein exzessiver Lebensstil mit übermäßigen Alkohol-, Tabak- oder auch Drogenkonsum Ursache der Beschwerden, während bei den Senioren eher Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Gefäßkrankheiten und Erkrankungen des Herzens Ursache der Herzschmerzen sind. Anhaltender Stress und emotionale Belastungen gelten unabhängig von dem Lebensalter als genereller Risikofaktor für das Auftreten von Herzbeschwerden. Stressvermeidungs- beziehungsweise -bewältigungsstrategien können demnach auch bei der Vorbeugung von Herzschmerzen ein positive Wirkung entfalten.

Naturheilkunde Behandlung

Mit Hilfe naturheilkundlicher Verfahren lassen sich vor allem Schmerzen im Brustkorbbereich behandeln, die nicht auf eine unmittelbare Erkrankung des Herzens zurückgehen. Beispielsweise kann durch Osteopathie und Rolfing auf mechanischer Ebene die Bewegung im Brustbereich verbessert werden, um so zum Beispiel Muskelverspannungen und dem sogenannten Tietze-Syndrom entgegen zu wirken. Dabei wird der gesamte Körper und seine Statik im Rahmen der Behandlung mit einbezogen. Der Brustkorb und seine Strukturen werden im Rahmen der Therapie in Beziehung zum Rest des Körpers gesetzt und die Spannungsverteilung im Organismus analysiert. An dieser Stelle berücksichtigt beispielsweise die Osteopathie auch Beschwerden, die zusätzlich zu den Herzschmerzen auftreten, wie Kiefergelenkbeschwerden, Rückenschmerzen, Fußschmerzen oder andere Gelenkbeschwerden.

Durch psychische Beschwerden hervorgerufene Herzschmerzen können ihrerseits auf eine regelmäßige Anwendung von Heilpflanzenrezepturen, die das vegetative Nervensystem beruhigen und gleichzeitig eine herzkräftigende Wirkung haben, durchaus positiv ansprechen. So wird an dieser Stelle zum Beispiel mit Kräutertee aus Weißdornblüten, Baldrianwurzel, Melisse, Rosmarinblättern und Arnikablüten naturheilkundlich gegen die psychisch bedingten Herzschmerzen vorgegangen. Allein das Ritual der Zubereitung und die damit einhergehenden Auszeiten sorgen für eine Beruhigung des Nervensystems. Zudem werden Salben mit ähnlichen Inhaltsstoffen zur äußerliche Anwendung genutzt, wobei das regelmäßige Einreiben ebenfalls eine beruhigende Wirkung entfalten soll. Auch homöopathische Mittel, werden in niedrigen Potenzen bei der naturheilkundlichen Behandlung psychisch bedingter Herzschmerzen eingesetzt, wobei vorzugsweise Coffea (Kaffee), Convallaria (Maiglöckchen) oder Valeriana (Baldrian) verwendet werden. Zudem nutzt die Naturheilkunde die Methode des sogenannten Biofeedback, um die psychisch bedingten Beschwerden positiv zu beeinflussen. Dabei wird mit Hilfe von Atemtechniken, Imagination, Meditation oder inneren Suggestionen gegen die Beschwerden angegangen. Besteht der Verdacht auf tieferliegende psychische Probleme als Ursache der Herzschmerzen, können diese auch mit Hilfe der moderne Hypnosetherapie aufgearbeitet werden. (fp)