Hexenschuss: Ursachen, Behandlung und Hausmittel

Fabian Peters

Hexenschuss – akuter Schmerz am Rücken

Die umgangssprachliche Bezeichnung Hexenschuss steht für plötzlich auftretende akute Rückenschmerzen (meist im Bereich der Lendenwirbelsäule), die oftmals mit erheblichen Bewegungsbeeinträchtigungen verbunden sind. In der Regel verschwinden die Beschwerden genau so plötzlich, wie sie aufgetreten sind, was vermutlich auch zur Begriffsbildung beigetragen hat. Der akute Rückenschmerz wurde in der mittelalterlichen Gesellschaft auf den Pfeilschuss beziehungsweise Zauberspruch eines magischen Wesens wie zum Beispiel einer Hexe zurückgeführt.

Definition

Ein Hexenschuss beschreibt die medizinischen Beschwerdebilder des sogenannten Ischiassyndroms (Ischialgie) und des Lumbalsyndroms (Lumboischialgie). In der Fachwelt wird der Hexenschuss auch als Lumbago bezeichnet.

Muscle cramp or backache on naked woman's back
Mit einem Hexenschuss gehen plötzlich einsetzende Schmerzen und Bewegungseinschränkungen einher. (Bild: Stasique/fotolia.com)

Ursachen

Während Rückenschmerzen beziehungsweise Kreuzschmerzen zahlreiche Ursachen haben können, sind die möglichen Auslöser für einen Hexenschuss eher begrenzt. Am häufigsten werden Kompressionen (Quetschungen) des Ischiasnervs genannt. Verspannungen der Muskulatur, Verschiebungen der Wirbelkörper oder der Bandscheiben führen zu Verengungen der Nervenbahnen und entsprechenden Ischiasschmerzen.

Ist der Ischiasnerv eingeklemmt klagen die Betroffenen häufig über Begleitsymptome wie Gesäßschmerzen und Schmerzen im hinteren Bereich des Oberschenkels.

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Unter Umständen führen ruckartige Drehungen, zu hohe Belastungen, Verkühlungen und Unfallverletzungen ebenfalls zu einer Quetschung des Ischiasnervs und einem Hexenschuss. Wird der Nerv eingeklemmt, bedingt dies in der Regel ein automatisches Anspannen beziehungsweise Verspannen der Rückenmuskulatur.

Schädigungen des Ischiasnervs durch Tumore, die auf das umliegende Gewebe drücken oder Infektionen mit Herpes Zoster-Viren (Erreger der Windpocken und Gürtelrose) können das Auftreten eines Hexenschusses bedingen. Des Weiteren kommt das sogenannte Piriformis-Syndrom (Kompression des Nervus ischiadicus zwischen Beckenknochen und Musculus piriformis) als Ursache für die Beschwerden in Betracht.

Symptome bei Hexenschuss

Typisch für einen Hexenschuss ist der massive, plötzlich einsetzende, ziehende Schmerz im Bereich der Lendenwirbelsäule (auch Lumbalwirbelsäule). Dieser ist in der Regel mit einer deutlichen Bewegungseinschränkung verbunden und kann mit einer Schiefstellung des unteren Rückens und des Beckens einhergehen.

Bei drehenden, bückenden Bewegungen nehmen die Schmerzen deutlich zu. Das Aufrichten aus gebeugter Haltung ist für die Betroffenen oft besonders schmerzhaft. Allgemein sind die Beschwerden bei einem Hexenschuss häufig positionsabhängig. Lokalisiert ist der Hexenschuss meist zwischen dem untersten Lendenwirbel und dem Kreuzbein.

Das Aufrichten aus der gebeugten Haltung bereitet bei einem Hexenschuss besonders starke Schmerzen. (Bild: Antonioguillem/fotolia.com)

Viele Hexenschusspatienten haben auch beim Sitzen und Liegen erhebliche Schmerzen. Sie wachen nachts vermehrt auf und leiden unter entsprechender Müdigkeit, können im Büro nicht lange sitzen und auch abends auf der Couch nicht wirklich entspannen.

Was tun bei Hexenschuss

Zwar sind die Betroffenen durch einen Hexenschuss im Alltag massiv eingeschränkt, doch glücklicherweise gehen die Beschwerden in der Regel genauso plötzlich wieder vorbei, wie sie gekommen sind. Dies ist allerdings nicht immer der Fall.

Halten die Schmerzen längere Zeit an, strahlen in andere Körperregionen aus oder werden sie von Taubheitsgefühlen und Problemen beim Urinieren beziehungsweise beim Stuhlgang begleitet, sollte dringend eine genauere ärztliche Untersuchung folgen, da unter Umständen schwerwiegendere Erkrankungen Auslöser der Beschwerden sind.

Diagnose

Oftmals sind bei einem Hexenschuss Muskelverhärtungen im Umfeld der Lendenwirbelsäule ertastbar. Die Beschreibung des Beschwerdebildes liefert weitere Hinweise auf die Ursachen der Schmerzen. Auch einige einfache Bewegungsübungen können bei der Eingrenzung der Diagnose helfen. Im Rahmen der Diagnosestellung ist es besonders wichtig, schwerwiegendere Erkrankungen wie einen Bandscheibenvorfall oder gar eine Krebserkrankung als Auslöser der Beschwerden auszuschließen. Dies geschieht im Zweifelsfall mit Hilfe bildgebender Verfahren wie der Computertomographie oder der Magnetresonanztomographie.

Behandlung

Grundsätzlich ist den Betroffenen Ruhe zu empfehlen. Sie sollten ihren Rücken schonen. Ein umfassender Behandlung ist bei einem gewöhnlichen Hexenschuss nicht erforderlich, da die Beschwerden nach wenigen Tagen normalerweise von alleine wieder verschwinden. Allerdings können verschiedene Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden beitragen. Dies ist insbesondere bei Patienten geboten, die aufgrund der Schmerzen eine Schonhaltung einnehmen, welche ihrerseits zu weiteren Beeinträchtigungen führen kann.

Erste Hilfe bei Hexenschuss: Beine hochlegen!

  1. Legen Sie sich auf den Rücken
  2. Die Beine werden im 90-Grad-Winkel gebeugt und auf einem Hocker bzw. Stuhl abgelegt
  3. Versuchen Sie, aus dem Bauch heraus zu atmen, d.h. unter Einsatz des Zwerchfells
  4. Bleiben Sie für 15 Minuten in dieser Haltung, um die Wirbelsäule und vor allem die Bandscheiben zu entlasten

Muskelentspannende, entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente werden in der Schulmedizin häufig angewandt, um den Hexenschusspatienten einen weitgehend beschwerdefreien Alltag zu ermöglichen. Da Wärme eine entspannende Wirkung auf die Muskulatur zugeschrieben wird, kommen auch Wärmekompressen, Wärmflaschen, Wärmesalben und Anwendung von Rotlicht bei der Behandlung zum Einsatz.

Eine wohltuende Sofortmaßnahme bei einem Hexenschuss ist eine Wärmflasche auf dem Rücken. (Bild: absolutimages/fotolia.com)

Krankengymnastik und Massagen sind weitere Möglichkeiten zur Lumbago-Therapie. Das Rolfing und die Osteopathie bieten spezielle Ansätze zur manuellen Behandlung. Die Chiropraktik setzt ebenfalls auf eine manuelle Hexenschuss-Behandlung. Weitere Behandlungsoptionen sind Akupunktur und Akupressur.

Liegen dem Hexenschuss schwerwiegendere Erkrankungen zu Grunde, kann trotz der Vielzahl an Behandlungsoptionen unter Umständen nur noch eine Operation helfen. So lässt sich beispielsweise ein Bandscheibenvorfall in der Regel mit Hilfe konventioneller Methoden erfolgreich behandeln, doch bei einigen Betroffenen wird bis heute ein operativer Eingriff erforderlich.

Ist der Hexenschuss nicht durch ernsthafte Erkrankungen bedingt, verschwindet er in der Regel nach wenigen Tagen von alleine, so dass sich die Frage stellt, inwieweit die genannten Behandlungsoptionen überhaupt einen Effekt entfalten können. Oft ist der Hexenschuss bereits wieder verschwunden, bevor ein Termin beim Facharzt frei wird. Die erwähnten Mittel zur äußerlichen Anwendung können jedoch auch unmittelbar nach Einsetzen der Beschwerden in Eigenregie zu Hause angewandt werden.

Hexenschuss und Naturheilkunde

Für die äußerliche Anwendung eignen sich Umschläge mit verdünnter Arnikatinktur oder Schwedenbitter sowie Salben, die Bienengift oder Cayennepfeffer enthalten. Den Extrakten von Brennnesseln, Teufelskralle und Weidenrinde, dem „natürlichen Aspirin“, wird ebenfalls eine vielversprechende Wirkung zugeschrieben. Auch ein Tee auf Basis der genannten Pflanzen, kann dem naturheilkundlichen Behandlungsansatz zufolge zur Linderung der Beschwerden beitragen.

Als physikalische Therapie werden wärmende Anwendungen, z.B. als Rotlichtbestrahlung oder Fangopackung empfohlen. Medizinische Vollbäder wirken besonders, wenn dem Wasser ein Heublumenextrakt beigegeben wird (s.a. Anwendung bei Ischiasschmerzen).

Wohltuendes Heublumen-Bad

  1. Setzen Sie 500 Gramm Heublumen mit ca. zwei Litern kaltem Wasser an
  2. Bringen Sie die Mischung langsam zum Kochen
  3. 30 Minuten ziehen lassen, dann abseihen
  4. Geben Sie den Sud in das warme Badewasser (ca. 38 Grad)
  5. Baden Sie etwa 20 Minuten darin und halten Sie anschließend Bettruhe

Natürliche Hilfe bei Hexenschuss und Kreuzschmerzen können Warmsteinmassagen (Hot-Stone), Neuraltherapie, Körper- und Ohr-Akupunktur sowie die klassischen Ausleitverfahren wie das Schröpfen und die Baunscheidttherapie bieten.

Durch eine Massage mit warmen Steinen („Hot Stone Massage“) können die Lumbago-Beschwerden gelindert werden. (Bild: WavebreakmediaMicro/fotolia.com)

Um die Selbstheilung des Organismus zu unterstützen, sollte zeitweise auf salz- und eiweißarme Kost umgestellt werden. Bei guter Verträglichkeit kann auch reine Rohkost die Heilung ankurbeln. Unter Umständen kommt eine Ernährungstherapie in Betracht, die nicht nur zum Ausgleich des Säure-Basen-Haushalts beitragen, sondern allgemein das Immunsystem stärken soll.

Weitere naturheilkundliche Ansatzpunkte zur Hexenschuss-Therapie bieten die Steinheilkunde, die Homöopathie und der Einsatz der Schüssler Salze. Bekannte homöopathische Mittel gegen Beschwerden im Lendenwirbelbereich sind zum Beispiel Arnica, Agaricus und Carboneum sulfuricum.

Im Zuge der Mineralstofftherapie mit Schüßler-Salzen finden häufig die Salze Nr. 4 und Nr. 7 Anwendung.(tf, fp, nr; zuletzt aktualisiert am 14.6.2017)