Hodenschwellung – Ursachen und Therapie

Geschwollen Hoden können im Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen stehen und sollten schnellstmöglich organisiert werden. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)
Fabian Peters

Geschwollene Hoden

Eine Hodenschwellung ist keine eigenständige Erkrankung, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann. Wichtig dabei ist, die verantwortliche urologische Grunderkrankung zeitnah zu diagnostizieren. Betroffene sollten deshalb bei einer Hodenschwellung unbedingt einen Arzt aufsuchen. Erkrankungen, die mit einer Schwellung der Hoden einhergehen, sind die Hodentorsion, Nebenhodenentzündungen, Hydrozelen, ein Hodentrauma, Hodentumor oder eine Hodenentzündung.

Definition

Eine Hodenschwellung wird hervorgerufen durch eine Flüssigkeitsansammlung im Bereich der Hoden oder der Nebenhoden, welche einen oder auch beide Hoden gleichzeitig betrifft. Letztere sind dabei vergrößert, was von Schmerzen begleitet, jedoch auch schmerzfrei sein kann. Die Haut des Hodensacks ist in der Regel gespannt, eventuell gerötet und heiß.

Geschwollen Hoden können im Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen stehen und sollten schnellstmöglich organisiert werden. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)
Geschwollene Hoden können im Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen stehen und sollten schnellstmöglich organisiert werden. (Bild: GordonGrand/fotolia.com)

Ursachen

Einer Hodenschwellung können verschiedene urologische Ursachen zugrunde liegen. Um diese herauszufinden, ist der Gang zu einem Urologen dringend erforderlich.

Verdrehter Hoden (Hodentorsion)
Eine Hodentorsion, auch Hodenverdrehung genannt, ist ein urologischer Notfall: Hoden und Samenstrang drehen sich um die eigene Achse. Dabei entsteht ein hoch akutes Krankheitsbild, wobei durch die Drehung die Blutzufuhr zum Hoden teilweise oder aber auch komplett abgeschnürt wird. Das Blut staut sich in den Venen – der Hoden ist geschwollen, rot und extrem druckempfindlich. Hinzu kommen plötzlich eintretende, massive Hodenschmerzen, die in den Unterbauch ausstrahlen, sowie Übelkeit und Erbrechen. Im schlimmsten Fall kann der Hoden aufgrund der ungenügenden Blutversorgung absterben. Bei Verdacht auf eine Hodentorsion muss der Patient so schnell wie möglich in eine Klinik. Bei einer diagnostizierten Hodenverdrehung muss der Betroffene spätestens vier bis sechs Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome operiert werden. Je schneller eine Operation erfolgt, desto eher kann der Hoden gerettet werden.

Diese Erkrankung tritt vor allem bei Säuglingen, Kleinkindern und Jugendlichen und jungen Männern bis zum Ende der Pubertät auf. Später ist eine Hodentorsion möglich, die Wahrscheinlichkeit nimmt jedoch mit zunehmendem Alter ab.

Nebenhodenentzündung (Epididymitis)
Der Nebenhoden liegt auf der Rückseite des Hodens. Dort werden die Samen gespeichert. Eine Nebenhodenentzündung ist meist einseitig. Dabei entstehen intensive Schmerzen, die in den Leistenkanal ausstrahlen, Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl. Begleitet wird dies noch von einer Hodenschwellung und einer Rötung. Meist gehen der Erkrankung Beschwerden voraus, die an einen Harnwegsinfekt erinnern: Harndrang mit häufigen Blasenentleerungen und Brennen beim Wasserlassen. Kommt Schüttelfrost hinzu, beseht der Verdacht auf eine Abszessbildung.

Die Nebenhodenentzündung kann sich aus einem Harnwegsinfekt entwickeln. Aber auch Erreger einer sexuell übertragbaren Erkrankung, wie Chlamydien oder Gonokokken, können dazu führen. Für die nicht bakterielle Form sind eventuell Viren, Pilze oder Parasiten verantwortlich. Eine weitere mögliche Ursache ist eine bereits bestehende Harnabflussstörung, wie dies zum Beispiel bei einer Prostatavergrößerung oder einer Harnröhreneinengung der Fall ist.

Bei einer Epididymitis ist der Weg zum Arzt unumgänglich. Der Patient benötigt Bettruhe, Kühlung und Hochlagerung des Hodensacks, Medikamente mit antiphlogistischer Wirkung und eventuell noch Antibiotika. Sind die Schmerzen sehr stark, kann eine lang anhaltende Lokalanästhesie des Samenstrangs helfen. Eine Nebenhodenentzündung muss unbedingt komplett ausgeheilt werden, da die Gefahr der Chronifizierung und einer damit verbunden Fertilitätsstörung besteht.

Bei einer Hydrozele sammelt sich Flüssigkeit in den Hodenhüllen, was mit einer deutlichen Schwellung einhergeht. (Bild: joshya/fotolia.com)
Bei einer Hydrozele sammelt sich Flüssigkeit in den Hodenhüllen, was mit einer deutlichen Schwellung einhergeht. (Bild: joshya/fotolia.com)

Hydrozele
Eine Hydrozele wird auch Wasserbruch genannt. Dabei entsteht eine in der Regel schmerzlose Hodenschwellung , die ohne Grund oder aber auch als Folge von Hodenerkrankungen, wie zum Beispiel der Hodentorsion, auftreten kann. Ist die Hydrozele sehr groß, entstehen Druck- und Spannungsgefühl.

Vor oder bald nach der Geburt wandern die Hoden aus der Bauchhöhle in den Hodensack hinab. Dabei bleibt ein kleiner Spalt im Bauchfell, der sich normalerweise bis zum Ende des ersten Lebensjahres schließt. Passiert dies nicht, kann sich in diesem Spaltraum Flüssigkeit ansammeln und daraus eine Hydrozele entstehen. Diese kann sowohl ein- als auch beidseitig auftreten und bildet sich meistens spontan wieder zurück. Wird der Spalt nicht geschlossen, besteht die Gefahr eines Leistenbruchs.
Weitere mögliche Ursachen für eine Hydrozele sind Hodenentzündungen, Nebenhodenentzündungen oder Traumen. Ein Wasserbruch ist eigentlich harmlos, jedoch sollte dieser, wenn er länger besteht, operiert werden.

Hodentrauma
Hodentraumen entstehen meist durch stumpfe Gewalt, in Verbindung mit Kämpfen, Tritten, Sportverletzungen oder Verkehrsunfällen. Neben massiven Schmerzen ist auch häufig eine Hodenschwellung festzustellen. Ein Hodentrauma kann zu einer Zerreißung der Hodenhüllen führen. Dabei entstehen massive Hämatome (Blutergüsse). Häufig ist hier eine Operation nötig.

Hodenkrebs ist eine mögliche Ursache für Schwellungen im Hodenbereich. Die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung stehen heutzutage jedoch relativ gut. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)
Hodenkrebs ist eine mögliche Ursache für Schwellungen im Hodenbereich. Die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung stehen heutzutage jedoch relativ gut. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Bösartige Hodentumore
Hodentumore können gut- aber auch bösartig sein, wobei die Gutartigen sehr selten vorkommen. Auffälligstes Symptome eines Hodentumors ist eine schmerzlose Hodenschwellung. Beim Tasten fällt eine Verhärtung auf. Betroffene berichten auch über Schweregefühl und Schmerzen, Blutbeimengung im Sperma oder eine Schwellung der Brustdrüsen (durch die Hormonveränderung). Dies Alles kann auf einen bösartigen Hodentumor hinweisen. Für Hodenkrebs sind die Heilungschancen jedoch mittlerweile sehr gut. Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser auch hier die Erfolgschancen. Bei Verdacht auf einen Hodentumor sollte daher zeitnah ein Arzt aufgesucht werden.

Hodenentzündung
Eine Hodenentzündung, in der Fachsprache Orchitis genannt, hat meistens eine virale Ursache. Bakterien als Auslöser sind möglich, jedoch seltener anzutreffen. Auch kann sich eine Orchitis durch ein Trauma, z.B. im Rahmen eines Unfalls, entwickeln.

Bei den viralen Erkrankungen, wie Mumps, Pfeifferschem Drüsenfieber, Windpocken, Syphilis und auch Malaria kann eine Hodenentzündung als Begleiterkrankung auftreten. Die bakterielle Form entwickelt sich aus einer Harnröhren- oder einer Prostataentzündung.

Die Betroffenen leiden unter einer Hodenschwellung, Druckempfindlichkeit der Hoden, starker Rötung des Skrotums (Hodensack), starkem Krankheitsgefühl und hohem Fieber. Die Erkrankung erfordert unbedingt Bettruhe, Hochlagern und Kühlen der Hoden. Dazu bekommen die Patienten noch schmerzlindernde und entzündungshemmende Medikamente. Bei bakteriellem Befall ist eine Antibiose nötig. Häufig tritt gleichzeitig mit der Hodenentzündung eine Nebenhodenentzündung auf.

Da die Orchitis zu einer Fertilitätsstörung führen kann, sollte bei kleinen Jungs eine Impfung gegen Mumps in Erwägung gezogen werden. Dies wird in der Regel mit dem Kombi-Impfstoff Masern-Mumps-Röteln durchgeführt.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine Hodenschwellung, auch wenn sie ohne Schmerzen und ohne weitere begleitende Symptome verläuft, so schnell wie möglich bei einem Urologen abgeklärt werden muss. Eventuell kann die Erkrankung chronisch werden, zu einer Fruchtbarkeitsstörung führen oder auch im schlimmsten Fall ein bösartiger Tumor übersehen werden. (sw)

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