Ohrenjucken: Jucken im Ohr

Fabian Peters

Wenn das Ohr innen juckt: Ohrenjucken

Ständiges Jucken im Ohr ist lästig und unangenehm. Schnell wird da versucht, mit dem Fingernagel oder einem Wattestäbchen, den Juckreiz zu lindern. Auch Dinge, wie zum Beispiel Stricknadeln oder Büroklammern kommen zum Einsatz, um dem Jucken ein Ende zu bereiten. Doch ist dies äußerst gefährlich. Die Haut des Gehörgangs und vor allem das Innenohr sind sehr empfindlich und mit spitzen Gegenständen kann unter Umständen das Trommelfell durchstoßen werden.

Ohrenschmalz ist wichtig

Übertriebene Hygiene kann zu Jucken im Ohr führen. Grundsätzlich ist das Ohrenschmalz, diese etwas eklige, klebrige Masse, sehr wichtig. Diese schützt den Gehörgang und hält ihn geschmeidig. Ohrenschmalz, in der Fachsprachen Cerumen genannt, sorgt für den Säureschutzmantel im Ohr, der Krankheitserreger vom Eindringen abhält. Bei dem Einen oder Anderen wird jedoch etwas mehr an Ohrenschmalz produziert, und sie versuchen, dies mit Ohrenstäbchen oder gar noch spitzeren Gegenständen zu entfernen. Davon sollte jedoch unbedingt Abstand genommen werden. Das Cerumen kann dadurch weiter in den Gehörgang geschoben werden und damit einen richtigen Pfropfen bilden, der dann mitunter zu Hörproblemen, Schmerzen und Druck im Ohr führt. Eine Ohrspülung beim Arzt schafft hier Abhilfe. Normalerweise wird das Schmalz von den Flimmerhärchen im Ohr immer in Richtung Ohrmuschel transportiert. Dort lässt sich dies ganz leicht und unproblematisch entfernen.

Ist zu wenig Cerumen vorhanden, besteht die Gefahr von Jucken im Ohr, da der Säureschutzmantel nicht so ausgeprägt ist. Hier sollte der Gehörgang geschmeidig gehalten werden. Dabei hilft ein gutes, hochwertiges Olivenöl, von dem ab und zu ein Tropfen in den Gehörgang geträufelt wird. Dies ist jedoch nur erlaubt, wenn das Trommelfell absolut dicht ist.

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Das lästige Jucken im Ohr kann verschiedene Ursachen haben. Oft helfen einfache Hausmittel weiter. (Bild: vladimirfloyd/fotolia.com)
Das lästige Jucken im Ohr kann verschiedene Ursachen haben. Oft helfen einfache Hausmittel weiter. (Bild: vladimirfloyd/fotolia.com)

Ursachen

Jucken im Ohr kann die verschiedensten Ursachen haben. Häufig ist dies eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, ausgelöst durch Bakterien oder Pilze. Meist treten hier noch zusätzliche Beschwerden, wie Druckgefühl und Ohrenschmerzen auf. Vorsicht bei einer bestehenden Diabetes-Erkrankung: Die davon Betroffenen nehmen kleinere Verletzungen im Gehörgang oft nicht wahr und eingedrungene Erreger vermehren sich leichter, da bei Diabetikern das Immunsystem in Mitleidenschaft gezogen ist. Hier kann sich im schlimmsten Fall aus einer einfachen Gehörgangsentzündung eine schwere Form entwickeln.

Weitere mögliche Ursachen sind zugrundeliegende Erkrankungen, wie Neurodermitis oder Schuppenflechte, allergische Reaktionen zum Beispiel auf Duschgel oder Haarspray und übertriebene Hygiene oder Stress.

Ursache: Entzündung des äußeren Gehörgangs

Eine Entzündung des äußeren Gehörgangs, eine sogenannte Otitis externa, entsteht zum Beispiel aufgrund unsauberen Badewassers oder mechanischer Irritation durch Wattestäbchen, wobei Erreger meist Bakterien und seltener Pilze sind. Bei Bakterienbefall stehen Schmerzen im Vordergrund. Sind Pilze die Ursache, so leiden die Betroffenen unter einem massiven Juckreiz. Ein Abstrich aus dem äußeren Gehörgang erleichtert die Diagnose, Je nachdem, welche Erreger gefunden werden, wird das Ohr mit einem Salbenstreifen versorgt, der Alkohol, Antibiotika, Kortison oder ein Antimykotikum enthält.

Neurodermitis, Schuppenflechte

Neurodermitis und Schuppenflechte können den sensiblen Bereich der Ohren befallen, sowohl äußerlich, als auch innerlich. Dies kann mitunter zu massivem Juckreiz führen. Die Betroffenen leiden so darunter, dass sie sich blutig kratzen. Bei der Behandlung ist darauf zu achten, dass die empfindlichen Haut im Gehörgang nicht zu sehr austrocknet. Deshalb werden häufig Salben verordnet.

Allergische Reaktionen

Duschgel und Haarpflegemittel können zu einer allergischen Reaktion im Ohr und damit zu massivem Jucken führen. Das auslösende Allergen zu finden ist nicht immer einfach. Dies gilt es dann unbedingt zu meiden und den Juckreiz mit geeigneten Mitteln zu behandeln.

Ein Heuschnupfen zeigt sich häufig mit Juckreiz in Augen und Nase – Jucken im Ohr kann in seltenen Fällen allerdings auch dabei sein. Heuschnupfenmittel helfen auch hier. Die Naturheilkunde setzt indes an der Basis, das heißt bei der Ursache an und behandelt mit Ohrakupunktur, Eigenbluttherapie, Phytotherapie, Schüssler Salzen und Homöopathie.

Pilze im Gehörgang

Pilze im Gehörgang kommen nicht so häufig vor. Wenn, dann vor allem im Sommer, bei feuchtem Klima und/oder bei häufigem Schwimmbadbesuch. Wenn dann noch zusätzlich regelmäßig Ohrentropfen verwendet werden, die Antibiotika und/oder Kortison enthalten, verändert sich die gesunde Flora im Gehörgang und die Betroffenen sind anfälliger für eine Pilzbesiedelung. Deren Behandlung ist häufig recht langwierig. Pilze neigen dazu, immer wieder zu kommen. Hier sollte auch an eine Behandlung von innen heraus gedacht werden. (siehe Absatz „aus der Naturheilkunde“) Eine eventuell noch nicht erkannte Diabetes-Erkrankung kann die Ursache für häufigen Pilzbefall sein.

Reinigung des Gehörgangs

Häufiges Reinigen mit dem Wattestäbchen ist unbedingt zu unterlassen. Eigentlich muss der Gehörgang gar nicht gesäubert werden. Dafür besitzt der Mensch sogenannte Flimmerhärchen, die Schmutz und auch das Ohrenschmalz nach außen befördern. Ebenso ist das Reinigen mit Seife oder Shampoo nicht nötig. Das normalerweise im Gehörgang befindliche saure Milieu wird dadurch gestört und die Abwehr reduziert. Wie bereits erwähnt, sind vor allem Diabetiker hiervon betroffen. Diese sollten auf das eigenmächtiges „Putzen“ der Ohren verzichten und sich einer Ohrreinigung beim Arzt unterziehen.

Bei häufigem Tragen von In-Ear-Kopfhörern oder Ohrstöpseln sollten diese regelmäßig mit einer alkoholischen Lösung gereinigt werden, um das Einschleppen von Erregern in den Gehörgang zu vermeiden.

Ursache: Stress

Das klingt vielleicht absurd, aber auch durch Stress kann Jucken im Ohr entstehen. Ein Juckreiz ohne sonstige Beschwerden, ohne sichtbare Hautrötung, Schuppung oder Ähnliches, ist in stressigen Zeiten durchaus möglich. Hier helfen in erster Linie Entspannungsübungen, Meditation und Yoga. Mit Teesorten wie Lavendel, Melisse und Hopfen, gemischt oder einzeln getrunken, lässt sich der Alltag zudem etwas ruhiger gestalten. Sport und regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft tun Körper, Seele und Geist wohl und können Stress reduzieren und somit gegen das Jucken im Ohr helfen.

Apfelessig ist ein bewährtes Hausmittel gegen Jucken im Ohr. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)
Apfelessig ist ein bewährtes Hausmittel gegen Jucken im Ohr. (Bild: Heike Rau/fotolia.com)

Hausmittel

Bei massivem Jucken im Ohr kann mit in Alkohol getränkten Wattestückchen Abhilfe geschaffen werden. Diese sollte jedoch keinesfalls zu oft zum Einsatz kommen, da Alkohol austrocknend wirkt. Essig ist Juckreiz lindernd, abschwellend, antibiotisch und sorgt für einen guten ph-Wert im Gehörgang. Dazu wird abgekochtes Wasser mit einem guten Apfelessig im Verhältnis 10:1 vermischt und damit Watte befeuchtet und der Gehörgang abgetupft.

Gegen das unerträgliche Jucken im Ohr hilft auch eine Mischung aus Sesamöl und ätherischem Lavendelöl. Auf zehn Milliliter hochwertigem Sesamöl werden ein bis zwei Tropfen Lavendelöl gegeben. Ein Tropfen davon mit Hilfe einer Pipette in das betroffene Ohr und dies am besten im Liegen, nimmt den Juckreiz und pflegt die Haut im Gehörgang. Diese Mischung hilft auch gegen Pilzbefall. Aber Vorsicht – dieses Hausmittel ist nur erlaubt bei absolut intaktem Trommelfell!

Aus der Naturheilkunde

Die Naturheilkunde behandelt das Jucken im Ohr mit kolloidalem Silber, Propolis und Nachtkerzenöl. Empfohlen wird die Einnahme von Nahrungsergänzungen, wie Zink und Vitamin C. Heilpraktiker behandeln das Jucken im Ohr auch von innen heraus. Sie verordnen Homöopathika, Schüssler Salze (Nr. 3, Nr. 4, Nr.8 und Nr. 11) und antibiotisch und antimykotisch wirksame Pflanzen, wie Meerrettich und Kapuzinerkresse.

Der Gang zum Arzt

Helfen die Hausmittel gar nicht und/oder kommen noch Beschwerden wie Druck im Ohr, Ohrenschmerzen oder Fieber hinzu, ist der Gang zum Arzt nötig. Nach einer Anamnese wird das Ohr untersucht und bei Bedarf ein Abstrich entnommen, um die eingedrungenen Erreger festzustellen. Je nach Ursachen werden Antibiotika oder Antimykotika eingesetzt. Bei bestehenden Krankheiten wie Neurodermitis, Schuppenflechte oder Diabetes ist die Grunderkrankung zu behandeln. (sw)