Kloß im Hals
Kloß im Hals: Mögliche Ursachen
Ein häufiges Beschwerdebild im Halsberich ist ein Kloß im Hals, das sich durch eine Enge am Hals oder ein Fremdkörpergefühl im Hals auszeichnet. Medizinisch wird oftmals mit bildgebenden Verfahren oder anderen Untersuchungen nichts gefunden und das Ganze als Globus hystericus bezeichnet.
Kloß im Hals:
Synonyme
Symptome und Beschwerden
Strukturelle Ursachen
Funktionelle Ursachen von Kloß im Hals
Naturheilkunde und Kloß im Hals
Psychosomatik
Synonyme
Kloß im Hals, Kloßgefühl im Hals, Enge im Hals, Engegefühl im Hals, Enge im Hals, Fremdkörpergefühl im Hals, Einengungsgefühl im Hals, Knödel im Hals, Druckgefühl am Hals, Strangulationsgefühl am Hals, Globus hystericus, Globusgefühl, Zylinderdistorsion am Hals, Triggerband am Hals, Schleim im Hals.
Symptome und Beschwerden
Das Kloßgefühl kann für die Betroffenen sehr belastend sein, weil sie sich oft Räuspern oder Hüsteln müssen und ein Einengungsgefühl im Hals haben, was zu Kurzatmigkeit oder Angst führen kann. Es können begleitend auch Halsschmerzen und ständiges Würgen oder auch ein Würgegefühl auftreten. Bei manchen Menschen wird wirklich Schleim abgehustet. Beim Abhusten von Blut, sollte umgehend ärztliche Abklärung erfolgen.
Zusätzliche Symptome wie zitternde Hände, Schlafstörungen, übermäßiges Schwitzen, Heißhunger und starker Durst könnten auf eine Beteiligung der Schilddrüse hinweisen. Auch Heiserkeit oder eine kraftlose Stimme können zusätzlich vorhanden sein und auf eine Problematik der versorgenden Nerven oder der Kehlkopfmuskulatur hindeuten. Die meisten Menschen empfinden das Kloßgefühl nicht oberflächlich, sondern in der Tiefe des Halses.
Strukturelle Ursachen
Bei einer so essentiellen Region wie der des Halses, wo wichtige Gefäße und die Luftröhre verlaufen und der Kehlkopf liegt, sollten zuerst strukturelle Ursachen ärztlich ausgeschlossen werden. Dabei sollte ein akutes Kloßgefühl im Hals, was zum Beispiel allergisch bedingt sein kann, durch einen Insektenstich oder eine Nahrungsmittelallergie, umgehend ärztlich abgeklärt werden, bevor es zu einer lebensbedrohlichen Verengung der Atemwege kommt. Auch durch ein schnelles Verschlingen von ungekauter Nahrung kann es zu einem Kloßgefühl, verursacht durch feststeckenden Speisebrei kommen, da etwa auf Höhe des 6. Halswirbelkörpers eine Enge der Speiseröhre besteht. Teilweise sind die Betroffenen bei dieser Problematik schon beschwerdefrei, wenn durch eine Gastroskopie der Speisebrei weitergeschoben wird. Auch Aussackungen der Wand der Speiseröhre, sogenannte Divertikel der Speiseröhre, können ein Kloßgefühl verursachen.
Meist handelt es sich aber um langwierige chronische Beschwerden. Das Kloßgefühl kann durch raumfordernde Prozesse im Halsbereich bedingt sein. Zuerst wird hier medizinisch an eine Vergrösserung der Schilddrüse gedacht. Eine Hashimoto- Thyreoiditis, eine Entzündung der Schilddrüse, die auch eine Schilddrüsenüberfunktion (anfangs Hashitoxikose) oder eine Schilddrüsenunterfunktion bedingen kann, könnte hier beispielsweise aufgetreten sein.
Als weitere raumfordernde Strukturen können Halszysten und Fisteln im Halsbereich für ein Kloßgefühl sorgen. Oftmals bildet sich in der Mitte des Halses der Ductus thyreoglossus, eine nur zeitweilig angelegte Struktur während unserer Embryonalentwicklung, die zwischen der primären Schildrüsenanlage und ihrer letztendlichen Position auftritt, nicht komplett zurück. In der Folge kann es zu Hohlräumen (Zysten) kommen, die mit Schleim gefüllt sind. Seitlich am Hals kann es auch dazu kommen: Am Kopfwendemuskel (M. Sternocleidomastoideus) und an den Gaumenmandeln kann sich in unserer embryologischen Entwicklung ein spaltförmiger Hohlraum, der sogenannte Sinus cervicalis, nicht zurückbilden.
Funktionelle Ursachen von Kloß im Hals
Neben diesen strukturellen Ursachen können auch Verspannungen in der Muskulatur und Verklebungen in den Bindegewebsschichten (Faszien) für ein Kloßgefühl sorgen. Etwa auf Höhe des Übergangs von der Brustwirbelsäule zur Haslwirbelsäule. Die Luftröhre wird richtig von ihr umschlossen und direkt dahinter schmiegt sich die Speiseröhre an. Umgeben werden diese drei Strukturen von einer Bindegewebskapsel (Capsula glandulae thyroidea externa)- zwischen ihnen liegen aber noch dünne Faszien. Schon anhand der Anatomie ist erkennbar, wie eine Bewegungsstörung dieser Gleitflächen (Faszien) eine Einschränkung und ein unangenehmes Gefühl der Einengung und ein Kloßgefühl verursachen könnte. Die Verklebungen können von Operationen an Schilddrüse oder Nebenschilddrüse, z.B. nach Nebenschilddrüsenüberfunktion, herrühren oder von alten Entzündungen.
Hinter und etwas oberhalb der Schilddrüse sitzt am Kehlkopf der M. Cricothyroideus. Er nimmt am Kehlkopf eine Sonderstellung eine: Er ist der einzige äussere Kehlkopfmuskel und wird von einem anderen Nerven als die übrigen Kehlkopfmuskeln versorgt. Viele Therapeuten gehen davon aus, dass er bei einer Verspannung bei professionellen Sängern die Stimmbänder indirekt nicht richtig spannt und zu einem Kloßgefühl mit einer kraftlosen Stimme führen kann. Die Verspannungen können nicht nur bei professionellen Sängern durch zu starke Anspannung im Hals auftreten. Langes Nach-vorne- beugen oder ein Verbleiben in der Einatmung (evtl. durch Stress) können hier zu Verspannungen führen.
Naturheilkunde und Kloß im Hals
Im Rahmen von Körpertherapien wie dem Rolfing, das im letzten Jahrhundert don Dr. Ida Rolf begründet wurde, wird die gesamte Statik des Körpers in Beziehung zum Hals betrachtet. Auch die emotionalen Faktoren, die am Hals eine große Rolle spielen, werden mit in Diagnose und Behandlung einbezogen.
In der Osteopathie werden neben der Statik auch lokale Faktoren betrachtet. Osteopathen, wie der Londoner Stimmspezialist Jacob Lieberman, MA DO, haben sogar eigene Konzepte für diese Region entwickelt, im Verhältnis zur übrigen Spannungsverteilung im Körper stehen. Wichtig ist vor allem Hals für Therapeuten wie Lieberman, da es sich um eine empfindliche Region handelt, dass behutsam vorgegangen wird.
Nach dem Fasziendistorsionsmodell (FDM), einer Behandlung und Diagnose, die sich stark an den Worten des Patienten orientiert, wird an den Stellen behandelt, die der Patient zeigt. In diesem Fall greifen viele Patienten mit der Hand an oder in die Region um den Kehlkopf. Dies wird im FDM als eine Verdrehung der spiralförmig angeordneten Zylinderfaszien gedeutet und auch großflächig behandelt. Eine ähnliche Körpersprache haben viele Patienten, die angeben häufiger Angstgefühle zu haben.
Eher selten ist es, dass Betroffene zwei Linien vorne am Hals zeigen. Dies wird als Verdrehung oder auch Verklebung der in Bändern verlaufenden Faszien gedeutet, die mit einem Entlangfahren des Daumens an der betroffenen Bahn behandelt wird. Der japanische FDM- Therapeut Keisuke Tanaka konnte einmalig anhand eines Behandlungsvideos, das ab und an wieder auf FDM- Fortbildungen gezeigt wird, eindrucksvoll belegen, wie durch das Lösen der Triggerbändern bei einer Patientin sich eine sofortige Besserung der Beschwerden wie Heiserkeit einstellte.
Psychosomatik
Das Gefühl, einen Kloß im Hals sitzen zu haben, geht meist mit einem Engegefühl einher. Die lateinische Bezeichnung für "Enge" lautet "angustus", wovon auch der Begriff Angst abgeleitet wurde. So kann sich hinter einem empfundenen Engegefühl ein Angstzustand verbergen, die auf körperlicher Ebene Ausdruck findet. Auf verschiedenen Wegen kann man sich wieder aus dieser einschnürenden Enge befreien. In Selbstreflexion oder Gesprächstherapie kann jeder für sich herausfinden, was ihm da „im Halse steckt“, was er „nicht schlucken“ will, in welchen Bereichen „zu wenig Raum“ bleibt, wer oder was ihn „in die Enge treibt“?.
Wer sich eher auf körperlicher Ebene das Gefühl von „Weite“ verschaffen möchte, kann das mit Atemübungen tun, die einfach sind und bei regelmäßiger Anwendung neue innere Räume schaffen. Bilder und Symbole, wie sie in imaginativen Verfahren und Hypnosetherapie angeregt werden, können die Wirkung vertiefen. Dabei stellen sich nach selbstorganisatorischem Prinzip bei jedem die passenden Bilder ein, etwa die „Weite des Himmels“, die „frische Bergluft“ oder eine Heilstätte mit Solebecken. „Innere Heiler“ können aktiviert werden und mit Farben, Klängen und wohltuenden Anwendungen Linderung oder Heilung bewirken. (tf, 23.09.2010)