Kniescheibenschmerzen: Symptome, Ursachen und Therapie

Astrid Goldmayer

Schmerzen an der Kniescheibe

Kniescheibenschmerzen treten vor allem bei sportlich aktiven Menschen und Personen auf, die berufsbedingt viel knien. Die Beschwerden machen sich in erster Linie beim bergab gehen beispielsweise beim Wandern, beim Treppenauf- und -absteigen, Hinknien, langem Stehen oder Sitzen (Theaterknie, Cinemapain) bemerkbar. Schmerzen an der Kniescheibe (lat. Patella) sind häufig eine Folge von Überlastung und gehen nach einer Zeit der Schonung von selbst zurück.

Handelt es sich jedoch um eine Verletzung oder Erkrankung der Kniescheibe, wie z.B. einen Knorpelschaden (Chondromalacia patellae), arthrosebedingte Knieschmerzen oder eine sogenannte Patellaluxation, bei der die Kniescheibe aus ihrer Führung springt, ist eine Therapie erforderlich. Diagnoseabhängig können medikamentöse, physikalische und Schmerztherapien zum Einsatz kommen. Häufig werden zudem krankengymnastische Übungen verordnet. Operative Eingriffe werden in der Regel nur vorgenommen, wenn die konservativen Maßnahmen nicht zum Erfolg führen.

Krankheitsbilder von Kniescheibenschmerzen

Retropatellarer Knorpelschaden, Patellaluxation (Herausspringen/Verrenkung der Kniescheibe), Patellalateralisation (seitliche Kniescheibenverschiebung), Patella Krepitationen (spürbares Reiben hinter der Kniescheibe), Patellaarthrose, Chondropathia patellae und andere.

Die Schmerzen an der Kniescheibe treten oft besonders stark beim Treppensteigen auf. (Bild: chombosan/fotolia.com)

Symptome

Betroffene sind vor allem beim bergab gehen und Treppensteigen durch Schmerzen an der Kniescheibe beeinträchtigt. Viele Menschen leiden zudem über Schmerzen beim Hinknien oder bei langem Stehen. Als sogenannter „Cinemapain“ oder „Theaterknie“ werden Schmerzen bezeichnet, die an der Kniescheibe nach langem Sitzen auftreten.

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Die Schmerzen können auf, seitlich neben und hinter der Kniescheibe auftreten. Ebenso sind Schmerzen unterhalb der Kniescheibe möglich. Häufig treten die Beschwerden an den Übergängen zu Knochen, Bändern und Knorpeln auf, die von Betroffenen als punktuell und stechend empfunden werden.

Ursachen von Schmerzen an der Kniescheibe

Die Kniescheibe ist ein flacher, scheibenförmiger, von vorne betrachtet dreieckiger frei laufender Knochen, der vor dem Kniegelenk liegt. Er schützt das Kniegelenk, vermindert die Reibung des vierköpfigen Oberschenkelmuskels und verstärkt dessen Hebelwirkung. Die Kniescheibe ist durch Sehnen, Bänder und Muskeln mit der Kniegelenkkapsel verbunden und gleitet in einer Rinne am Oberschenkelknochen (Femur) nach oben und unten, wenn das Kniegelenk bewegt wird.

Aufgrund der hohen Kräfte im Kniescheibengelenk und dem Fehlen einer stabilen knöchernen Gelenkführung, kann es bei muskulären Störungen und Fehlformen des Gleitlagers zu stark einschränkenden Beschwerden kommen, die von Betroffen als äußerst schmerzhaft empfunden werden. Eine weitere Ursache können Aufprallunfälle und Verdrehungen des Kniegelenks sein.

Die Diagnosestellung bei Kniescheibenschmerzen ist prinzipiell nicht immer einfach und erfordert häufig Untersuchungen, die über das Kniegelenk hinaus gehen. Denn die Funktion der Kniescheibe ist unter anderem abhängig von den Funktionen des Oberschenkelstreckers, der Gesamtstatik des Beckens und der Beine, der Gefäß- und Nervenversorgung aus dem unteren Rücken sowie dem Stoffwechsel im Allgemeinen.

Eine ganzheitliche Betrachtung der Beschwerden des Patienten ist deshalb besonders wichtig. So sollten beispielsweise mögliche chronische Durchblutungsstörungen, Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen oder Gesäßschmerzen bei der Diagnose und Behandlung der Kniescheibenproblematik berücksichtigt werden. Dies ist beispielsweise in der Osteopathie der Fall.

Patellalateralisation

Bei einer sogenannten Patellalateralisation neigt die Kniescheibe dazu, sich aufgrund einer leichten Instabilität seitlich zu verschieben und somit „aus der Spur“ zu geraten. Häufig ist ein Muskelungleichgewicht (Dysbalance) Ursache der Verschiebungstendenz, bei dem die äußeren Muskulaturanteile überwiegen und die Kniescheibe deshalb verstärkt zu den Seiten gedrückt wird.

Durch eine seitliche Verschiebung der Kniescheibe (Patellalateralisation) kann es zu starken Schmerzen und Reibegeräuschen kommen. (Bild: underdogstudios/fotolia.com)

Eine Patellalateralisation kann zur dauerhaften Instabilität und Abnutzung des Gelenkknorpels (Patellaarthrose, Chondropathia patellae) führen und starke Schmerzen sowie hörbare Reibegeräusche (Krepitationen) verursachen.

Um dauerhafte Schäden und Verschleißerscheinungen am Knorpel zu verhindern, werden vor allem gezieltes Muskeltraining und Dehnungen der verkürzten Muskelgruppen gegen die seitliche Verschiebetendenz der Kniescheibe angewendet. Falls die rein konservative Therapie nicht ausreicht, können arthroskopische Operationen durchgeführt werden, um die Bewegungen der Kniescheibe zu stabilisieren.

Patellaluxation

Als Patellaluxation wird eine Verrenkung der Kniescheibe bezeichnet. Umgangssprachlich wird auch davon gesprochen, dass „die Kniescheibe rausgesprungen“ ist. Normalerweise tritt die Petallaluxation beim ersten Mal infolge eines Sturzes oder eines Aufpralls auf und wird als sehr schmerzhaft empfunden. Ein Bluterguss im Gelenk und eine Verletzung des inneren Streckapparates (mediales Retinaculum) können mit der Verrenkung der Kniescheibe einhergehen. Die Ursache kann zudem in einer anlagebedingten flachen Fehlform des Gleitlagers oder einer Bänder- und Muskelschwäche bestehen.

Häufig sind bereits Kinder und Jugendliche von einer Patellaluxation betroffen. Um Folgeschäden zu vermeiden, sollte die Behandlung möglichst frühzeitig erfolgen. Denn ähnlich einer Schulterausrenkung steigt mit jeder weiteren Verrenkung der Kniescheibe das Risiko, dass diese immer wieder auftritt. Zwar gibt wie bei der Patellalateralisation keine ursächliche konservative Therapie, doch ein entsprechendes Muskeltraining und das Tragen bestimmter Orthesen kann die Gefahr von erneuten Patellaluxationen senken.

Nach einer Patellaluxation sorgen spezielle Bandagen und Orthesen für Stabilität, Ruhigstellung und Führung des Knies. (Bild: Picture-Factory/fotolia.com)

Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, ist häufig ein operativer Eingriff notwendig, bei dem eine Kapselraffung beziehungsweise Patellazügelung durchgeführt wird, so dass der Weg der Kniescheibe bei Bewegungen vorgegeben wird.

Patellaspitzensyndrom

Das so genannte Patellaspitzensyndrom bezeichnet eine chronische und degenerative Überlastungserkrankung des Kniescheibenstreckapparates am Knochen-Sehnenübergang der Kniescheibenspitze. Das „Springerknie“ (englisch „Jumper’s knee“) kann ähnlich einem „Tennisarm“ sehr schmerzhaft sein.

Durch Überlastung der Kniescheibensehne kommt es zu einer Verhärtung und Kalkeinlagerung im Sehnenansatz an der Kniescheibe. Diese wird durch wiederholte starke Zugbeanspruchungen beispielsweise bei Ballsportarten und Leichtathletik hervorgerufen. Betroffene klagen über nadelstichartige, starke Schmerzen, die meist schubartig für 15 bis 20 Minuten auftreten.

Um die Überlastung zu kurieren ist in erster Linie Schonung und eine Sportkarenz erforderlich. Häufig werden schmerz- und entzündungshemmende Medikamente verordnet und eine spezielle Bandagierung vorgenommen. Eine Behandlung mit Stoßwellen kann ebenfalls erfolgversprechend sein. Sind die Degeneration bereits fortgeschritten und die Schmerzen chronisch, ist häufig ein operativer Eingriff notwendig, bei dem eine Patellasehnenlösung beziehungsweise eine Anregung des Regenerationsprozess erfolgt.

Kniescheibenschmerzen durch Plica-Syndrom

Kniescheibenschmerzen können auf das sogenannte Plica-Syndrom hinweisen. Dabei handelt es sich um Vergrößerungen und Verdickungen beziehungsweise Falten (Plica) der Gelenkhaut, die durch Entzündungen anschwellen und zu schmerzhaften Einklemmungen im Gelenk führen.

Die Falten treten ober- und unterhalb der Kniescheibe, seitlich und zur Gelenkmitte hin auf. Die Folgen sind ein geschwollenes Knie und Schmerzen hinter der Kniescheibe bis hin zu Überlastungen und Knorpelschäden. Betroffene berichten von dem Gefühl, dass das Knie nicht stabil ist und nachgibt oder blockiert ist. Ursache der Falten können frühere Verletzungen, aber auch Überbeanspruchungen durch Sportarten wie Kaftsport oder Radsport sein. Ebenso kann eine Instabilität des Knies Auslöser des Plica-Syndroms sein.

Die Therapie besteht vor allem aus Schonung, Physiotherapie und schmerzlindernden Medikamenten. Ist das Knie geschwollen, hilft meist die Behandlung mit Eis: Geben Sie hierfür einfach einige Eiswürfel in eine Plastiktüte und reiben sie damit eine halbe Minute lang die schmerzende Stelle ein. Dann erwärmen Sie den Bereich und wiederholen anschließend die Kälteanwendung. Die Falte kann auch arthroskopisch entfernt werden, sofern die konservativen Maßnahmen keine Linderung verschaffen.

Kniescheibenschmerzen infolge einer Knorpelschädigung betreffen vor allem Heranwachsende und Sportler. (Bild: Lars Zahner/fotolia.com)

Chondromalacia patellae

Als „Chondromalacia patellae“ wird eine Erweichung und Degeneration des Knorpels an der Unterseite der Kniescheibe bezeichnet. Betroffen sind vor allem junge Menschen und Sportler („Runner’s knee“). Die Schmerzen treten dabei häufig an der Frontseite des Knies beziehungsweise der Kniescheibe auf. Nach längerem Sitzen oder beim Treppen ab- und -aufsteigen verschlimmern sich die Schmerzen und scheinen von der Vorderseite des Knies nach hinten zu wandern.

Zu den Ursachen zählen hier unter anderem Überbeanspruchung, Trauma, besonders hohe Kräftewirkung auf den Knieknorpel, Funktionsstörungen der Oberschenkelmuskulatur, chronischer Verschleiß und Entzündungen des Kniegelenks, X-Beine, Kniescheibenhochstand sowie Bänderschwäche.

Die Behandlung von Chondromalacia patellae besteht zum einen aus physikalischer Therapie und krankengymnastischen Übungen. Zum anderen werden Schmerzmittel verabreicht. Betroffene sollten ihr Knie schonen und nur wenig beugen. Operative Eingriffe zielen darauf ab, den zerfaserten Knorpel bei einer Arthroskopie zu glätten oder die Bildung von Ersatzknorpel anzuregen. Je nach Ursache des Knorpelschadens können auch andere Eingriffe notwendig sein, beispielsweise bei einem Beinachsenfehler.

Wann ist ärztliche Hilfe notwendig?

Da Kniescheibenschmerzen verschiedene Ursachen haben können, sollten Betroffene in jedem Fall einen Arzt konsultieren, um mögliche spätere Folgeschäden zu verhindern. Die hier aufgeführten Ursachen für Kniescheibenschmerzen stellen lediglich eine Auswahl dar und erfüllen nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Naturheilkunde Therapien

In der Naturheilkunde wird im Rahmen der Therapie von Knie- und Kniescheibenproblemen bereits seit Langem die Akupunktur als Teil der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) angewendet. Vor allem in der Schmerzbehandlung führt das Setzen der feinen Nadeln entlang sogenannter Meridiane – Kanäle, in denen die Lebensenergie (Qi) fließt – zur Linderung der Beschwerden. Die Nadeln hemmen die Schmerzverarbeitung im Rückenmark, so dass der eigentliche Schmerz abnimmt. Häufig sind mehrere Akupunktursitzungen bis zur vollständigen Schmerzbefreiung nötig.

In der Alternativmedizin wird bei Schmerzen im Bereich des Knies häufig die Akupunktur eingesetzt. (Bild: Robin/fotolia.com)

Bei einer Kniegelenkarthrose ist eine Blutegeltherapie erfolgversprechend. Während der Behandlung sondern die Blutegel ihrem Speichel (Salvia) ab, der viele gesundheitsfördernde Substanzen beinhaltet. Beispielsweise hemmen die Enzyme die Blutgerinnung, bewirken eine Weitung der Blutgefäße und wirken Entzündungen sowie Kniegelenkschmerzen entgegen.

Auch das so genannte Schröpfen kann Knieschmerzen lindern. Dieses zählt ebenso zu den alten natürlichen Heilverfahren. Die Schröpfgläser werden auf der eingeölten Haut entlang der Muskelbahnen gezogen, was lymphstrombeschleunigend wirkt. Durch das Schröpfen werden auch die Schmerzbahnen beeinflusst, so dass die Schmerzen nach einigen Sitzungen gestillt werden.

Ein weiteres Naturheilverfahren gegen Knieschmerzen ist die Ayurveda-Therapie. Dabei werden Zutaten wie Zitrone, Kümmel, Boxhornklee und Zwiebeln verwendet. Kräuterbeutel und verschiedene warme Kräuteröle kommen bei Ayurveda-Massagen zur Anwendung, um die Durchblutung sowie den Stoffwechsel anzuregen. Zudem lösen sie Verhärtungen und erweichen die Muskeln und Sehnen.

Neben der Massage-Behandlung gehört auch eine bestimmte Ernährung zur Ayurveda-Therapie. Ein weiterer Bestandteil des vermutlich ältesten überlieferten Gesundheitssystems sind Yoga-Übungen, die Patienten zur Stärkung der Kniemuskulatur und zur Anregung des Stoffwechsels lernen. (ag, nr; zuletzt aktualisiert am 11.4.2017)