Kreislaufschwäche

Susanne Waschke
Kreislaufschwäche gehört zu den Kreislaufstörungen und macht sich durch kurzzeitigen Blutdruckabfall ohne Bewusstlosigkeit, begleitet von Schwindel und schwarz werden vor den Augen, bemerkbar. Das Gehirn wird kurzzeitig mit weniger Sauerstoff versorgt, wodurch Schwäche und Benommenheit auftreten. Eine Kreislaufschwäche ist meist keine ernste Erkrankung. Jedoch sollten durch eine ärztliche Untersuchung eventuell zugrundeliegende Krankheiten ausgeschlossen werden.

Inhaltsverzeichnis

Kreislauf und Blutgefäße
Steuerungsmechanismen des Kreislaufs – Blutdruck
Symptome in Verbindung mit Kreislaufschwäche
Ursachen für eine Kreislaufschwäche
Diagnose der Kreislaufschwäche: Hypotonie
Therapie der Kreislaufschwäche
Naturheilkunde bei Kreislaufschwäche
Ganzheitlichkeit – Dynamische Lebensvorgänge
Kreislauf stärken
Prognose

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Kreislauf und Blutgefäße

Das Kreislaufsystem, bestehend aus Herz und Blutgefäßen, ist ein Transportsystem, das Blut durch den ganzen Körper schleust und somit diesen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, aber auch Stoffwechselendprodukte und Kohlendioxid abtransportiert. In der Fachsprache wird als kardiovaskuläres System bezeichnet.

Der Kreislauf besteht aus einem Körperkreislauf und aus einem Lungenkreislauf. Der Körperkreislauf hat die Aufgabe, den gesamten Organismus mit sauerstoffreichem Blut zu versorgen, im Gegensatz dazu transportiert der Lungenkreislauf das verbrauchte, sauerstoffarme Blut ab. Die Blutgefäße stellen das eigentliche Transportsystem dar. Dazu gehören die Aorta, die Arterien, Arteriolen, Kapillaren, Venolen und Venen. Gefäße und das Herz sind zu einer dynamischen Einheit verbunden, die die Lebensvorgänge steuern. Vor allem beeinflussen Herz und Blutdruck diese Dynamik, aber auch Hormon- und Nervensystem sind daran beteiligt.

Steuerungsmechanismen des Kreislaufs – Blutdruck

Das Strömen des Blutes geht durch Druckunterschiede im Kreislaufsystem von statten. Das Blut fließt mit hohem Druck aus Regionen des Herzens in die Peripherie, zum Beispiel in Arme und Beine, wo niedrigerer Druck herrscht. Die Fließgeschwindigkeit wird dabei durch den Blutdruck und den Widerstand der Gefäße beeinflusst. Der Blutdruck ist eine wichtige Größe. Er stellt die Kraft dar, die das Blut auf die Gefäßwände ausübt und ist abhängig von dem Blutvolumen, dem peripheren Widerstand und dem Herz-Zeit-Volumen.

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So ändert sich der Blutdruck zum Beispiel, wenn der Mensch größere Mengen an Blut verliert, sich also das Blutvolumen reduziert. Auch verengte oder erweiterte Gefäße beeinflussen diesen, indem der periphere Widerstand verändert wird. Das Herz-Zeit-Volumen ist die Menge an Blut, die das Herz in einer bestimmten Zeit in den Körper pumpt. Ändert sich diese Blutmenge, so verändert sich auch der Blutdruck.

Symptome in Verbindung mit Kreislaufschwäche

Das Hauptsymptom der Kreislaufschwäche ist die Hypotonie (niedriger Blutdruck). Davon ist die Rede, wenn der Blutdruck unter den Wert von 100/60 mmHg beim Mann und unter 110/60 mmHg bei der Frau absinkt. Jedoch muss dies nicht zwingend zu Symptomen führen. Viele Hypotoniker verspüren gar keine Beschwerden. Weitere Symptome sind Schwäche, Schwindel, Benommenheit, schwarz werden vor den Augen, kalter Schweiß, Kopfschmerzen und Übelkeit.

Ursachen für eine Kreislaufschwäche

Eine Kreislaufschwäche ist die Folge niedrigen Blutdruckes. Dieser kann die verschiedensten Ursachen haben. Von Hypotonie und daraus entstehender Kreislaufschwäche sind häufig junge, schlanke Frauen betroffen, vor allem dann, wenn sie sich noch im Wachstum befinden. Hier wird von einer essentiellen Hypotonie gesprochen.

Symptomatische Hypotonien treten aufgrund einer vorliegenden Erkrankung auf. Der erniedrigte Blutdruck entsteht zum Beispiel im Rahmen einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche), einer Aortenstenose (Verengung der Aorta), Erkrankungen der Nebennierenrinde oder aufgrund einer langen Bettlägerigkeit, bei der es in Folge zu einer Hypovolämie kommt. Eine Dysfunktion der Schilddrüse kann ebenfalls eine Kreislaufschwäche bedingen. Auch verschiedene Medikamente, wie zum Beispiel Psychopharmaka (Medikamente, die auf die Psyche wirken), Vasodilatatoren (Gefäß erweiternde Medikamente) oder Diuretika (Medikamente, die Wasser ausschwemmen) können eine Hypotonie auslösen.

Eine weitere Form der Hypotonie ist die orthostatische Dysregulation, bei der im Stehen der Blutdruck abfällt. Die Ursache dafür ist häufig eine Dysfunktion der Venenklappen wodurch das Blut im Stehen absackt und nicht mehr genügend in den Körperkreislauf gepumpt werden kann. Aber auch Nervenschädigungen,die in Verbindung mit Diabetes auftreten, können diese Form der Hypotonie auslösen. Arteriosklerose, bei der die Gefäßwände nicht mehr so flexibel und elastisch sind, kann dies ebenso bedingen.

Normalerweise regelt der Körper den Lagewechsel in die Horizontale wie folgt. Der Sympathikus wird aktiv, dadurch verengen sich die Blutgefäße, wodurch der Blutdruck nur gering absinkt. Gleichzeitig wird die Herzfrequenz gesteigert, damit alle Organe genügend mit Blut versorgt werden können.

Wetterumschwünge, langes Stehen, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, all dies kann eine akute Hypotonie auslösen. Von Kreislaufschwäche sind vor allem große, schlanke junge Frauen, Mädchen in der Pubertät, Schwangere und Senioren betroffen.

Diagnose der Kreislaufschwäche: Hypotonie

Meist klagen die Patienten, die unter einer Kreislaufschwäche leiden, über wiederkehrenden Schwindel und Benommenheit, über Leistungs- und Konzentrationsschwäche, schwarz werden vor den Augen beim Aufstehen, aber auch beim längeren Stehen. Häufig sind die Betroffenen blass und frieren leicht. Mehrfache Blutdruckmessungen, durchgeführt an beiden Armen und zu verschiedenen Tageszeiten, sind für die Diagnose wichtig. Meist wird noch zusätzlich der sogenannte Schellong-Test angewandt. Dabei werden Blutdruck und Puls in Ruhe, im Liegen und im Stehen notiert. Die essentielle Hypotonie betrifft vor allem schlanke, junge Frauen. Für die Diagnose der sekundären Hypotonie, zum Beispiel ausgelöst durch eine Herzinsuffizienz, werden Untersuchungsmethoden, wie Ultraschall, Bluttests, CT (Computertomographie) oder MRT (Magnetresonanztomographie) eingesetzt.

Therapie der Kreislaufschwäche

Wurde eine symptomatische beziehungsweise sekundäre Hypotonie festgestellt, so wird die Grunderkrankung behandelt. Die essentielle Hypotonie muss indes nur in ausgeprägten, schweren Fällen einer medikamentösen Therapie unterzogen werden. Hier kommen Sympathomimetika (stimulieren den Sympathikus) oder Dihydroergotamin (gehört der Wirkstoffgruppe Mutterkornalkaloide an) zum Einsatz. Der Patient muss darüber aufgeklärt werden, dass seine Kreislaufschwäche nichts Bedrohliches darstellt. Physikalische Maßnahmen, wie Kneipp´sche Güsse und regelmäßiger Sport werden den Betroffenen empfohlen. Auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.

Naturheilkunde bei Kreislaufschwäche

Durch geeignete naturheilkundliche Heilverfahren lassen sich Kreislaufschwäche und die damit verbundene Hypotonie positiv beeinflussen. Den Patienten wird empfohlen, sich regelmäßig zu bewegen, am besten an der frischen Luft. Ein moderates Ausdauertraining kräftigt den Kreislauf. Die Wirkung setzt zwar nicht sofort ein, aber Regelmäßigkeit und Konsequenz lohnen sich. Eine Ernährungsumstellung auf gesunde Vollwertkost, eine ausreichende Trinkmenge in Form von stillem Wasser und der Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum sind ein wichtiger Teil der Therapie. Die tägliche Kaffeedosis sollte drei Tassen möglichst nicht überschreiten. Ebenso ist schwarzer Tee nur ab und zu oder, wenn täglich, nur in geringen Mengen, zu empfehlen.

Um den Gefäßtonus zu verbessern, helfen Ausleitverfahren, wie Schröpfen und Baunscheidtieren. Kreislauf anregende Pflanzen sind Rosmarin, Ginseng, Weißdorn und Kampfer. Rosmarin trägt zur Blutdruckerhöhung bei, Kampfer wirkt tonisierend auf den Kreislauf, Weißdorn unterstützt Herz und Leistungsfähigkeit und Ginseng ist ein gutes allgemeines Kräftigungsmittel. Häufig sind diese Pflanzen in verschiedenen Komplexmitteln zur Behandlung von Kreislaufschwäche enthalten. Um für alle Fälle gewappnet zu sein, hilft das Mitführen von ätherischem Rosmarinöl. Davon ein paar Tropfen auf ein Taschentuch gegeben und den Duft eingeatmet, kann bei einer akuten Kreislaufschwäche eine wertvolle Hilfe sein. Als Alternative dienen die Notfalltropfen des Dr. Bach.

In der naturheilkundlichen Praxis wird zur Behandlung der Hypotonie, die ja die Hauptursache für eine Kreislaufschwäche ist, die Fußreflexzonentherapie durchgeführt. Diese wird im wöchentlichen Rhythmus in einem Zyklus von circa zehn Wiederholungen häufig mit Erfolg angewandt. Über die Reflexzonen der Füße kann bei der speziellen Therapieform der ganze Körper wieder ins Gleichgewicht gebracht werden
.
Bitterstoffe, die nicht nicht nur die Verdauungsorgane positiv beeinflussen, können tonisierend auf den Kreislauf wirken. Beispiele dafür sind Wermut, Tausendgüldenkraut und Enzian.

In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) werden die Ursachen für niedrigen Blutdruck auf eine Mangelernährung und/oder eine Nierenschwäche zurückgeführt. Differenziert wird hier nach Symptomen, wie Kopfschmerzen, Schwindel und dem allgemeinen Zustand des Patienten. Die TCM versucht mit Hilfe ihrer Kräuter und Behandlungsmethoden, zu denen auch die Akupunktur zählt, Nieren, Milz und Magen zu stärken.

Ganzheitlichkeit – Dynamische Lebensvorgänge

Der Kreislauf bildet ein geschlossenes System von Arterien, Venen Kapillaren, Blut und Herz und steuert die Dynamik der Lebensvorgänge. Beeinflusst wird dies vor allem durch das Pumpen des Herzens und den Blutdruck. Die ganzheitlich orientierten Behandler gehen davon aus, dass den Patienten mit Kreislaufschwäche und Hypotonie Halt und begrenzender Raum fehlen. Auch seien die „Hypotoniker“ Menschen, die von der Grundstimmung her verzagt sind und leicht das Vertrauen verlieren. So gehören bei der ganzheitliche Behandlung der Kreislaufschwäche auch Seele und Geist mit dazu. Eine klassisch homöopathische Behandlung bietet hier den Ansatz für ein ganzheitliches Behandlungskonzept. Häufig werden auch verschiedene Bachblüten gemischt, um die psychische Komponente des Betroffenen mit zu integrieren.

Kreislauf stärken

Um den Kreislauf zu stärken und auch prophylaktisch tätig zu sein kann Folgendes getan werden. Ein zu schnelles Aufstehen nach dem Liegen oder auch aus dem Sitzen sollte vermieden werden. Ein paar Schlucke schwarzer Tee, noch im Bett getrunken, können unterstützend wirken. Das Frühstück sollte eiweißreich sein und genügend Flüssigkeit enthalten. Kaffee bewirkt im Allgemeinen nur kurzfristig eine Blutdruckerhöhung. Besser ist das Trinken von grünem Tee. Über den Tag hinweg ist auf eine ausreichende Flüssigkeitsmenge von zwei bis zweieinhalb Litern stillem Wasser zu achten. Betroffene, die an Kreislaufschwäche leiden, sollten stets eine kleine Flasche Wasser bei sich tragen. Regelmäßige Bewegung an der frischen Luft, moderates Ausdauertraining, Treppensteigen statt Aufzug fahren, wöchentliche Saunagänge, und tägliche Wechselduschen, all dies stärkt und tonisiert den Kreislauf.

Langes Stehen sollte vermieden werden. Ist dies nicht möglich, kann mit einem Wippen auf den Zehenballen der Kreislauf etwas in Schwung gehalten werden. Auch hilft hier das wiederholte Einkrallen der Zehen. Dies kann absolut unbemerkt geschehen und ist trotzdem eine gute Hilfe.

Prognose der Kreislaufschwäche

Im Allgemeinen hat niedriger Blutdruck in Verbindung mit einer Kreislaufschwäche eine gute Allgemeinprognose. Liegen keine Grunderkrankungen vor, so kann Hypotonie sogar mit einer erhöhten Lebenserwartung einher gehen. Die größte Gefahr bei der Kreislaufschwäche ist, wenn der Patient aufgrund von Schwindel und/oder Ohnmacht stürzt und sich dabei verletzt. (sw)

Bild: Gerd Altmann, Pixelio