Kribbeln in den Gliedern

(Bild: Piotr Marcinski/fotolia.com)
Fabian Peters

Glieder kribbeln

Kribbeln in den Gliedern (Hände, Beine, Arme) ist den meisten Menschen ein Begriff. Sie verbinden hiermit in der Regel ein harmlos wahrgenommenes Einschlafen der Hände oder Beine. Das Kribbeln kann jedoch durchaus auf ernsthafte Erkrankungen zurückgehen und unter Umständen von einem leicht unangenehmen Gefühl in massive Schmerzen übergehen. Bei wiederholtem Auftreten und zunehmender Intensität sollte das Kribbeln in den Gliedern dringend ärztlich untersucht werden.

Inhaltsverzeichnis:
Symptome bei Kribbeln in den Gliedern
Ursachen von Kribbeln in den Gliedern
Diagnosestellung
Behandlung
Zusätzliche Naturheilkundliche Verfahren

Symptome bei Kribbeln in den Gliedern

Kribbeln in den Gliedern (auch Parästhesie der Extremitäten), bezieht sich ausschließliche auf entsprechende (Miss-)Empfindungen in den Beinen und Armen. Demgegenüber stehen zum Beispiel die sogenannte Trichodynie (Kribbeln der Kopfhaut, Kopfjucken) und Parästhesien in anderen Körperregionen.

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Kribbeln in den Beinen und Armen ist oftmals im Zusammenhang mit Beeinträchtigungen der Nervenbahnen festzustellen. (Bild: Piotr Marcinski/fotolia.com)

Ursachen von Kribbeln in den Gliedern

Gemäß den verschiedenen Ursachen, die das Kribbeln in den Gliedern auslösen können, sind die begleitenden Symptome äußerst unterschiedlich. Daher erfolgt hier eine gemeinsame Darstellung der Ursachen mit den jeweiligen Symptomen.

Eingeklemmte Nerven als Ursache für Kribbeln in den Extremitäten
Häufig wird ein Kribbeln in den Gliedern durch Einengungen beziehungsweise Kompressionen der Nervenbahnen verursacht. So geht ein Kribbeln in den Unterarmen und Händen oft auf eine Druckschädigung der Nerven in der Ulnarisrinne (am Ellenbogen) oder dem Karpaltunnel (an der Handwurzel) zurück. Bei dem Ulnarisrinnen-Syndrom (Kompression des Nervus ulnaris) empfinden die Betroffenen neben dem vermehrten Einschlafen der Hand ein Taubheitsgefühl in den äußeren beiden Fingern und der Handinnenfläche. Die Muskeln, welche vom Nervus ulnaris versorgt werden, verlieren an Kraft und unter Umständen setzt ein Muskelschwund ein. Das Karpaltunnel-Syndrom macht sich ebenfalls in den meisten Fällen zunächst als Kribbeln oder sogenanntes Ameisenlaufen in den Händen bemerkbar. Hinzu kommen Schmerzen im Versorgungsbereich des Nervus medianus, der im Karpaltunnel eingeklemmt wird. Auch hier droht ein Schwund der versorgten Muskulatur.

Ein Kribbeln unter der Fußsohle ist ebenfalls häufig auf eine Kompression der versorgenden Nerven zurückzuführen. Diese tritt zum Beispiel im Bereich des Tarsaltunnels auf der Innenseite des Knöchels auf (Tarsaltunnel-Syndrom). Wird das Kribbeln weiter oben in den Beinen wahrgenommen, liegt diesem möglicherweise eine Kompression der Nerven im Becken-, Hüft- und Rückenbereich zugrunde. Ist beispielsweise der Ischiasnerv eingeklemmt, wie dies häufiger bei einem Bandscheibenvorfall geschieht, empfinden die Betroffenen neben den massiven Rückenschmerzen beziehungsweise Kreuzschmerzen häufig ein Taubheitsgefühl und Kribbeln im Bereich der Oberschenkel, das bis zu den Knien ziehen kann. Ähnliche Beschwerden können auch bei einem sogenannten Hexenschuss auftreten.

Eine Druckschädigung der Nerven im Wirbelkanal mit entsprechender Parästhesie in den Beinen kann auf angeborene anatomische Beeinträchtigungen, auf Traumataverletzungen im Zuge eines Unfalls (Brüche, Prellungen) oder auch auf akute Entzündungen der Wirbelkörper (Spondylitis) zurückgehen. Chronische degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule, wie die Spondylose, gelten ebenfalls als möglich Ursache für eine Nervenkompression im Wirbelkanal. Hier ist zudem das sogenannte Wirbelgleiten zu nennen, welches durch ein extrem unangenehmes Durchbrechgefühl gekennzeichnet wird und bei dem die verschobenen Wirbel unter Umständen auf die Nervenbahnen im Wirbelkanal drücken.

Werden die Nervenbahnen, welche die Beine mit dem Nervengeflecht des Plexus lumbalis im Bereich der Lenden- und Kreuzwirbelsäule verbinden, zum Beispiel beim Durchqueren des Leistenbandes eingeklemmt, führt das neben Hüftschmerzen nicht selten ebenfalls zu einem Kribbeln in den Beinen. Ist ein Nerv eingeklemmt, werden die Beschwerden allgemein in dem Versorgungsbereich des Nervs wahrgenommen, so dass die Ursache des Kribbelns in den Gliedern hier nicht unmittelbar im Umfeld des Auftretens der Parästhesie zu suchen ist.

Weitere Ursachen für Parästhesien in den Gliedmaßen
Neben den Kompressionen der Nerven können auch andere neuralgische Beeinträchtigungen, chronische und akute Erkrankungen das Kribbeln in den Extremitäten hervorrufen. Zudem ist unter Umständen eine akute Vergiftung mit entsprechenden Beschwerden verbunden.

Da das Nervensystem in engem Zusammenhang mit dem Stoffwechsel steht, können einige chronische Stoffwechselerkrankungen Beeinträchtigungen der Nerven und ein hiermit verbundenes Kribbeln in den Extremitäten bedingen. Hier ist vor allem Diabetes beziehungsweise die diabetische Neuropathie zu nennen. Zu hoher Blutzucker schädigt auf Dauer häufig nicht nur die Blutgefäße, sondern auch das Nervensystem. Die Folge sind zum Beispiel Empfindungsstörungen bei Hitze, Kälte, Schmerz und Druck. Die diabetische Neuropathie kann jedoch auch Lähmungen und chronische Schmerzen mit sich bringen. Zudem leiden die Betroffenen an den allgemeine Beschwerden ihrer Diabetes-Erkrankung, wie chronischer Müdigkeit; einem plötzlichen Wechsel zwischen Appetitlosigkeit und Heißhunger oder Sehstörungen.

Multiple Sklerose kann als entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems ebenfalls zu Parästhesien in den Gliedern führen. Häufiger sind diese bei Multiple Sklerose-Patienten in den Füßen und Unterschenkeln oder auch den Händen festzustellen. Begleitend leiden die Betroffenen oftmals unter Sehstörungen, Schwindel. Lähmungen und Beeinträchtigungen der Blasenfunktion.

Sogenannte Polyneuropathien, die an unterschiedlichen Stellen des peripheren Nervensystems Schädigungen bedingen, sind als weitere mögliche Ursache für das Kribbeln in den Gliedern zu nennen. Die Polyneuropathien können dabei auf äußerst unterschiedliche Auslöser zurückgehen. Diese reichen von langjährigem Alkoholmissbrauch über Infektionskrankheiten (zum Beispiel Typhus), Autoimmunkrankheiten, Vergiftungen und Vitamin-B12-Mangel bis hin zu Krebserkrankungen. Eine Polyneuropathie kann mit Symptomen wie Muskelkrämpfen, Lähmungen, Herzstolpern beziehungsweise Herzrhythmusstörungen, starkem Schwitzen oder Störungen der Blasen- und Mastdarmfunktion einhergehen.

Ein Schlaganfall bringt unter Umständen ebenfalls ein Kribbeln in den Gliedmaßen als Begleitsymptom mit sich. Angesichts der massiven Beschwerden, wie Bewusstseinsstörung bis hin zur Ohnmacht, massivem Schwindel; halbseitigen Lähmungen, Sehstörungen, Sprachstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, unter denen die Betroffenen im Zuge des Schlaganfalls leiden, werden die Parästhesien hier jedoch häufig kaum wahrgenommen.

Das Kribbeln in den Gliedern kann auch die Folge von Durchblutungsstörungen sein, die ihrerseits häufig auf eine Arterienverkalkung oder eine Herzschwäche zurückgehen. Schlimmstenfalls liegt der Durchblutungsstörung ein akuter Gefäßverschluss (Thrombose) oder ein Herzinfarkt zugrunde.

Des Weiteren führt Hyperventilation zu Parästhesien in den Extremitäten. Da Betroffene im Zuge einer Angststörung beziehungsweise den zugehörigen Panikattacken häufiger hyperventilieren (Hyperventilation), verspüren sie oft ein begleitendes Kribbeln in den Gliedmaßen.

Die Parästhesien in den Gliedern können auch als Arzneimittelnebenwirkung zum Beispiel bei verschiedenen Antidepressiva auftreten oder Anzeichen von Nahrungsmittelallergien sein.

Diagnosestellung

Eine ausführliche Anamnese bildet die Grundlage der Diagnosestellung. Die Patienten berichten, wo das Kribbeln der Glieder lokalisiert ist, in welchen Situationen und welcher Intensität dieses auftritt und welche weiteren Erkrankungen beziehungsweise gesundheitlichen Beschwerden vorliegen. Hieraus ergeben sich in der Regel bereits erste Hinweise auf die Ursachen der Parästhesie in den Gliedern. Beim Abtasten lassen sich nicht selten Muskelverhärtung entlang der versorgenden Nervenbahnen feststellen. Eine Reflexprüfung liefert Hinweise auf eine möglicherweise vorliegende Polyneuropathie oder diabetische Neuropathien. Sensibilitätsprüfungen sollen ermitteln, ob die Berührungsempfindlichkeit der Patienten noch dem Normalmaß entspricht. Auch lässt sich die Nervenleitgeschwindigkeit mit Hilfe der sogenannten Elektroneurographie ermitteln.

Bildgebende Verfahren ,wie Röntgenaufnahmen, Ultraschall, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können vorliegende Verengungen der Nervenbahnen infolge von Verschiebungen im Skelettsystem (beispielsweise Bandscheibenvorfall) sichtbar machen. Auch Tumore und Erkrankungen wie Multiple Sklerose werden mit Hilfe dieser Diagnoseverfahren erkennbar. Blutproben verdeutlichen, ob möglicherweise entzündliche Prozesse die Nerven schädigen, eine Stoffwechselerkrankung oder ein Vitamin-B12-Mangel vorliegt. Besteht der Verdacht auf eine Durchblutungsstörung als Auslöser des Kribbelns in den Gliedern, wird häufig ein Elektrokardiogramm (EKG) durchgeführt, um möglicherweise bestehende Herzschwächen festzustellen.

Behandlung

Wird das Kribbeln in den Gliedern durch Muskel-bedingte Nervenkompressionen ausgelöst, steht in der Regel zunächst eine Lockerung der verhärteten Muskulatur an. Hierfür wird neben medizinischen Massagen und Physiotherapie auch Akupunktur genutzt. Obwohl durch die Kombination, aus Massage, Physiotherapie und Akupunktur die Beschwerden oftmals bereits erfolgreich therapiert werden können, sind in seltenen Fällen operative Eingriffe erforderlich, um die eingeklemmten Nerven von dem Druck zu befreien. Auch Durchblutungsstörungen beziehungsweise Gefäßverschlüsse bedürfen unter Umständen einer Operation, um den Blutfluss wieder herzustellen. Oft lassen sich hier jedoch bereits mit Hilfe blutverdünnender und gerinnungshemmender Medikamenten bereits deutliche Behandlungserfolge erzielen.

Bei einer Polyneuropathie ist eine ursächliche Behandlung geboten. Wird diese durch Alkoholmissbrauch ausgelöst, erfolgt eine Entzugstherapie, sind Infektionskrankheiten der Auslöser, werden diese bekämpft und liegt ihnen ein Vitamin-B12-Mangel zugrunde, können entsprechende Vitaminverabreichungen diesen beheben. Werden die Polyneuropathien durch Autoimmunkrankheiten ausgelöst, lassen sie sich unter Umständen jedoch nicht heilen. Hier konzentriert sich die Behandlung auf eine medikamentöse Linderung der Beschwerden. Das Gleiche gilt für die Therapie bei Mutiple Sklerose. Ist eine diabetische Neuropathie Auslöser des Kribbelns in den Gliedern, steht die richtige Einstellung des Blutzuckers an erster Stelle der Therapie.

Zusätzliche Naturheilkundliche Verfahren

Vor allem die manuellen Verfahren, wie Rolfing, Osteopathie und Chiropatkik, kommen bei der alternativen Behandlung eingeklemmter Nerven und hiermit verbundenen Parästhesien in den Gliedmaßen zum Einsatz. Zur Linderung der Beschwerden werden außerdem homöopathische Mittel (beispielsweise Arnica) und Schüssler Salze (zum Beispiel Schüssler- Salz Nummer 2, Nummer 7, Nummer 17 oder Nummer 18) angewandt. Um eine möglicherweise bestehende Übersäuerung des Körpers als potenziellen Auslöser der Muskel-bedingten Nervenkompressionen zu beseitigen, wird begleitend in der naturheilkundlichen Therapie häufig der Säure-Basen-Haushalt reguliert. Liegen dem Kribbeln in den Gliedern Durchblutungsstörungen zugrunde können auch Verfahren der Hydrotherapie (beispielsweise Kneippsche Güsse oder Wassertreten) und andere durchblutungsfördernden Maßnahmen zum Tragen kommen. (fp)