Leistenschmerzen

leistenschmerzen
Nina Reese

Schmerzen an der Leiste

Leistenschmerzen gelten allgemein als typisches „Männerproblem“ und tatsächlich sind Männer aufgrund anatomischer Gegebenheiten etwa acht- bis neunmal häufiger betroffen als Frauen. Die Leiste stellt einen relativ empfindliche Bereich des Körpers dar, an welchem es schnell zu Reizerscheinungen kommen kann. Besonders Leistungssportler klagen häufig über chronische Scherzen in der Leiste infolge von Muskelzerrungen. Doch Leistenschmerzen können vielfache Gründe haben, die bekannteste Ursache ist dabei der Leistenbruch, welcher in Deutschland jährlich mehr als 180.000 Mal Operationen notwendig werden lässt und damit zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen zählt.

Inhaltsverzeichnis:
Definition
Symptome
Diagnose
Therapie
Naturheilkunde
Vorbeugung

Definition

Als Leistenschmerzen werden allgemein Schmerzen im Bereich der „Leiste“ bezeichnet, womit anatomisch der Übergang vom Bauch zum Oberschenkel bzw. konkret der untere seitliche Teil der Bauchwand gemeint ist. Die Leistenregion (Regio inguinalis) wird von den beiden Darmbeinkämmen und dem oberen Rand des Beckens, sowie zur Mitte hin vom geraden Bauchmuskel und der Schamgegend begrenzt. In der Leistenregion liegt der etwa vier bis fünf Zentimeter lange Leistenkanal mit seinem inneren Zugang, dem so genannten „Leistenring“, welcher in der vorderen Bauchwand die Bauchhöhle mit der äußeren Schamgegend verbindet. Hier befinden sich wichtige Nervenbahnen, Blut- und Lymphgefäße, sowie beim Mann der Samenstrang und bei der Frau das runde Mutterband, wobei der Kanal von Muskeln, Bindegewebe und Bändern umgeben ist, wodurch die empfindlichen Gefäße und Bahnen im Inneren geschützt werden. Der Leistenkanal stellt eine „natürliche Schwachstelle“ der Bauchwand dar, d.h. dass es durch starken Druck (z. B. durch Tragen, Heben oder auch bei Presswehen unter der Geburt) relativ leicht zu einem Leistenbruch kommen kann.

Symptome und Ursachen

Schmerzen in der Leiste zeigen sich in unterschiedlichster Form und können vielfache Ursachen haben, die über Reizungen, Entzündungen, und eingeklemmte Nerven bis zu einem Bruch reichen.

Der Leistenbruch (fachsprachlich Leistenhernie) ist dabei eine der häufigsten Ursachen, welcher sich vielfach im Erwachsenenalter ereignet, aber auch bei Säuglingen und Kleinkindern recht häufig auftritt und entsteht, wenn Teile der Eingeweide aus dem Oberbauch (z.B. des Darms) durch eine Lücke (Bruchpforte) in den Leistenkanal einbrechen. Typische Symptome für einen Leistenbruch, der zumeist Männer betrifft, sind eine sichtbare bzw. ertastbare Schwellung in der Leiste oder im Hodenbereich und ein ziehender Schmerz, der sich bei Druckausübung (z.B. durch Husten oder schwerem Tragen, siehe auch Hodenschmerzen) verstärken kann. Andererseits kann ein Leistenbruch auch nahezu schmerzfrei verlaufen und neben einer Schwellung nur ein leichtes Druckgefühl verursachen. Bei zunehmenden Schmerzen ist jedoch absolute Vorsicht geboten, denn bei einem Leistenbruch kann sich unter Umständen Baucheingeweide einklemmen, was für den Patienten lebensgefährlich werden kann (z.B. Darmverschluss, Bauchfellentzündung) und eine Notoperation fällig werden lässt. Daher sollte bei stärker werdenden Schmerzen sofort ein Arzt aufgesucht werden.

Eine weitere häufige Ursache von Leistenschmerzen ist eine Lymphknotenschwellung. Denn Lymphknoten, die einen wichtigen Teil des Immunsystems darstellen und eine zentrale Rolle bei der Abwehr von Infektionen spielen, schwellen bei starker Beanspruchung an. So kann beispielsweise eine Entzündung am Bein eine Verdickung der Lymphknoten in der Leiste hervorrufen, die unter Umständen dort auch zu Schmerzen führen kann. In einigen Fällen deutet eine Lymphknotenschwellung aber auch auf eine eigenständige Krankheit des Lymphsystems hin, wie z.B. entzündlich-rheumatische Erkrankungen oder spezielle Infektionskrankheiten.

Darüber hinaus können auch Probleme mit Gelenken, Muskeln und Sehen in der Leistenumgebung der Auslöser für Schmerzen in diesem Bereich sein, wie z.B. Fehlstellungen der Knie und Füße (z.B. Spreiz-, Senk- oder Plattfüße), eine Arthrose oder Verschleißerscheinungen an der Lendenwirbelsäule (z.B. Wirbelbrüche aufgrund von Osteoporose) oder Erkrankungen des Hüftgelenks sein. Ebenso können Harnsteine, ein Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule oder Entzündungen bzw. Erkrankungen der Hoden starke Leistenschmerzen hervorrufen, bei Frauen kommt es manchmal im Zuge der Periode zu einem Ziehen in der Leistengegend. Auch Verletzungen oder Überbelastungen von Muskeln und Sehnen im Bereich der Hüften, des Beckens und der Oberschenkel z. B. beim Sport führen häufig zu Schmerzen, die bis in die Leistengegend ausstrahlen können.

Sodbrennen
Schmerzen in der Leistenregion können im Alltag erhebliche Beeinträchtigungen mit sich bringen. (Bild: SENTELLO/fotolia.com)

Diagnose

Aufgrund der Vielfalt möglicher Ursachen spielt bei Schmerzen in der Leiste die Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten eine zentrale Rolle, zudem werden die betroffenen Areale üblicherweise gründlich beobachtet und betastet, da dies in vielen Fällen bereits zur Diagnose führt (z.B. bei Leistenbrüchen oder Hodenerkrankungen).

Liegt bei Leistenschmerzen der Verdacht auf einen Leistenbruch nahe, wird demzufolge zunächst geprüft, ob Schwellungen sichtbar bzw. ertastbar sind oder beim Husten hervortreten. Ist eine Vorwölbung erkennbar und diese dabei stark berührungsempfindlich oder auffällig gerötet, besteht hier zumeist ein großes Risiko, da der Bruch möglicherweise bereits ein kritisches Stadium erreicht hat. Bei Kindern wird zudem im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen regelmäßig der Leistenbereich auf Schwellungen hin untersucht, bei Jungen wird zudem der Bereich der Hoden genau betrachtet sowie auf einen möglichen Hodenhochstand geachtet. Lässt sich ein Leistenbruch nicht klar diagnostizieren oder wird eine andere Erkrankung als Ursache für die Leistenschmerzen vermutet, hilft in vielen Fällen eine Ultraschalluntersuchung (Sonografie) weiter, welche heute immer selbstverständlicher eingesetzt wird, um vor allem auch die schmerzlosen Varianten eines Leistenbruchs erkennen zu können. Zudem werden häufig Analysen der Blut- und Urinwerte herangezogen und in Einzelfällen auch bildgebende Verfahren wie zum Beispiel die Magnetresonanztomografie (MRT) oder die Computertomografie (CT) eingesetzt.

Liegt als Ursache hingegen eine Lymphknotenschwellung vor, so stellt der Arzt die Diagnose hier zumeist klinisch, d.h. durch die genaue Betrachtung des Patienten, meist in Kombination mit der Krankengeschichte. In einigen Fällen können für die Diagnosestellung umfassendere Untersuchungen notwendig werden, vor allem wenn klare Symptome fehlen. Hier werden häufig Gewebeproben aus dem vergrößerten Lymphknoten untersucht,gelegentlich wird auch ein Lymphknoten entfernt, um weitere Untersuchungen durchführen zu können.

Therapie

Die Therapiemaßnahmen unterscheiden sich je nach Ursache. Während einige Schwellungen von selbst wieder verschwinden, bildet sich ein Leistenbruch im Regelfall ohne Therapie nicht von selbst zurück, sodass in diesem Fall die übliche Vorgehensweise in einer Operation besteht. Bei dieser wird das verlagerte Bauchraumgewebe wieder in die richtige Position gebracht und die entstandene Bruchpforte durch spezielle Nähtechniken oder ein Kunststoffnetz geschlossen, um erneute Brüche zu vermeiden. Der Eingriff kann offen oder minimal-invasiv erfolgen, prinzipiell kann jeder Leistenbruch mit jeder Technik operiert werden, welche Methode im Einzelfall angewendet wird, hängt von Faktoren wie z.B. dem Alter der Betroffenen oder Größe der Bruchpforte ab. Der größte Teil der operierten Leistenbrüche heilt ohne Komplikationen aus, nur in sehr seltenen Fällen kommt es zu Problemen, z.B. durch Einklemmungen der herausgetretenen Eingeweide (Inkarzeration). Liegt eine solche Einklemmung vor, wird eine weitere Operation notwendig, da sich Teile der Eingeweide entzünden können.

Liegt eine Entzündung oder Erkrankung der Lymphknoten zugrunde, wird üblicherweise die Ruhigstellung der betroffenen Gegend empfohlen und je nach Fall mit Medikamenten oder Antibiotika behandelt, bei vereiterten Lymphknoten kann unter Umständen auch ein chirurgischer Eingriff notwendig werden.

Bei einer Hüftgelenksarthrose wird vielen Fällen ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt, bei Schmerzen in der Leiste, welche durch Fehlstellungen des Fußes oder der Knie ausgelöst werden, besteht die Therapie in erster Linie in einem intensiven Training einer korrekten Körperhaltung und Gehweise, darüber hinaus helfen bei einigen Krankheitsbildern auch gezielte Dehnungen und Übungen zum Muskelaufbau.

Werden unterschiedliche Beinlängen als Auslöser diagnostiziert, sind bei Erwachsenen ab eineinhalb Zentimeter Unterschied Ausgleichsmaßnahmen in Form von orthopädischen Schuhen mit Absatz- oder Schuhsohlenerhöhung üblich, bei Kindern wird bereits ab einem Zentimeter Beinlängenunterschiede orthopädisch ausgeglichen, um das Risiko einer späteren Skoliose oder chronischen Schmerzen an Becken, Leiste, Hüfte und Kreuz zu minimieren.

Neben diesen orthopädischen Maßnahmen können Beinlängenunterschiede auch operativ ausgeglichen werden, was immer häufiger seitens der Patienten gewünscht wird.

Beschwerden in der Leiste aufgrund einer Überlastung der Leiste z.B. durch Sport erfordert eine konsequente Ruhigstellung bzw. Trainingspause, welche häufig bereits eine schnelle Besserung der Beschwerden bringt. In manchen Fällen wird auch über eine kurzen Zeitraum ein entzündungshemmendes Schmerzmittel kombiniert mit einer umfassenden physikalischen Therapie in Form von Übungen zur Muskelkräftigung und -dehnung sowie zusätzlichen Maßnahmen wie z.B. Elektrotherapie oder einer Behandlung mit Ultraschall eingesetzt.

Naturheilkunde

Alternativ bzw. ergänzend zu den klassischen schulmedizinischen Therapiemöglichkeiten bietet auch die Naturheilkunde vielfältige Optionen zur Behandlung – insbesondere, wenn diese durch eine Überlastung der Leiste ausgelöst werden. Dazu gehört beispielsweise die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), bei der über ein Gerät elektrische Impulse erzeugt und durch die Haut auf die Nerven übertragen werden, was die körpereigenen, schmerzhemmenden Systeme anregt und das gereizte Nervensystem beruhigt. Durch diese Therapie verlieren die Schmerzen an Intensität und es werden zumeist weniger Medikamente zur Behandlung notwendig, wobei das TENS-Gerät praktisch ohne Risiko für den Betroffenen ist und daher nach einer Einweisung durch den Behandelnden gut von zu Hause aus genutzt werden kann.

Neben der TENS-Methode gehören bei Leistenschmerzen durch Überlastung auch Kälte- bzw. Kryotherapie in der akuten Phase sowie anschließende Wärmetherapien z.B. mit Heizkissen, Fango- oder Moorpackungen und verschiedene Formen der Wassertherapie zu häufigen Therapiemaßnahmen im alternativ-medizinischen Bereich. Zudem finden auch Akupunktur und Laserbehandlungen Anwendung sowie eine Reihe pflanzlicher Medikamente, welche eine wirksame Alternative zu herkömmlichen Schmerzmitteln bieten: Hierzu zählen beispielsweise das Schüsslersalz Nr.7 (Magnesium phos), welches schnell bei kolikartigen Schmerzen hilft, aber auch homöopathische Mittel wie Zeel oder Traumeel.

Auch die Osteopathie bietet in vielen Fällen Hilfe bei Leistenschmerzen, denn gerade in diesem Bereich der Alternativ-Medizin steht die ausführliche Patienten-Anamnese sowie die Untersuchung durch Beobachten und Tasten im Mittelpunkt. Da hier bei der Suche nach der Ursache für die Beschwerden der gesamte Körper einbezogen wird, ist es in der osteopathischen Eingangsuntersuchung üblich, beispielsweise auch nach Rückenschmerzen oder Kreuzschmerzen zu fragen, da Leistenschmerzen z.B. auch durch eingeklemmte Nerven im Bereich der Wirbelsäule ausgelöst werden können.

Vorbeugung

Einem Leistenbruch lässt sich in gewissem Rahmen effektiv vorbeugen, indem Übergewicht vermieden, auf das Rauchen verzichtet und ein regelmäßiges Training der Bauchmuskeln absolviert wird. Darüber hinaus ist es grundsätzlich empfehlenswert, auf das Heben bzw. Tagen schwerer Lasten verzichten, was insbesondere für Personen mit einem genetisch bedingten schwachen Bindegewebe gilt, da der zusätzliche Druck auf die Bauchwand das Risiko für einen Leistenbruch erhöht. Daher ist auch nach einer Leistenbruch-Operation besondere Vorsicht geboten – hier sollte mindestens drei bis sechs Monate auf schweres Heben verzichtet werden, um einem erneuten Leistenbruch vorzubeugen. Da Leistenbrüche nicht in jedem Fall schmerzhaft sind, empfiehlt es sich außerdem gerade bei Kindern, die Vorsorgetermine unbedingt einzuhalten oder auch im Falle von plötzlich auftretenden Schmerzen im Leistenbereich sofort einen Arzt aufzusuchen, auch wenn sich bei der letzten Vorsorge keine Auffälligkeiten gezeigt haben.

Um Schmerzen in der Leiste vorzubeugen, sollte zudem versucht werden, möglichst gelenkschonend zu leben, d.h. Über- und Fehlbelastungen (z.B. durch Übergewicht oder falsches bzw. übermäßiges Training), aber auch eine Unterforderung des Bewegungsapparats durch Bewegungsmangel und Haltungsprobleme zu vermeiden, da in diesem Fall das Zusammenspiel der Muskeln gestört wird. Darüber hinaus sollte grundsätzlich auf angemessenes Schuhwerk geachtet sowie bei Fehlstellungen und Verformungen der Füße orthopädische Maßnahmen wie z.B. Einlagen oder Absatzerhöhungen genutzt und entsprechende krankengymnastische Übungen durchgeführt werden.

Grundsätzlich empfehlenswert zur Vorbeugung ist es zudem, die Darmtätigkeit anzuregen, indem auf eine entsprechende Ernährung geachtet wird und regelmäßige Bewegung stattfindet. Dabei sollte beim Sport jedoch darauf geachtet werden, dass die Bewegungen kontrolliert und harmonisch ablaufen und die Intensität des Trainings individuell abgestimmt wird. Eine Überlastung des Körpers sollte hier dringend vermieden werden, daher empfiehlt es sich z.B. für ein gesundes Lauftraining einige Übungsstunden mit einem erfahrenen Trainer zu absolvieren. (nr)

Bild: Sandra Nabbefeld / pixelio.de