Müdigkeit nach dem Essen – Ursachen, Selbsthilfe und Vorbeugung

Dr. Utz Anhalt
„Nach dem Essen sollst du ruhn oder tausend Schritte tun“ (Volksweisheit). Nach dem Essen fühlen wir uns häufig schlapp, besonders nach einer üppigen Mahlzeit. Wie kommt das? In diesem Artikel erklären wir das Phänomen „Essensmüdigkeit“ und geben Tipps, wie sich diese behandeln und vermeiden lässt.

Verdauung macht müde

Verdauung kostet den Körper Kraft. Mehr Blut gelangt in die Verdauungsorgane, Magen und Darm nehmen die für den Körper wertvollen Teile aus der Nahrung, die Magenmuskeln und die Darmwand transportieren den Magenbrei weiter. Wir haben keine unbegrenzte Blutmenge im Körper, und das Blut, das jetzt in die Verdauungsorgane fließt, fehlt in anderen Teilen des Körpers – auch im Gehirn. Dieses bekommt jetzt weniger Sauerstoff, und wir werden müde.

Fast Food und Süßigkeiten können zwar für einen kurzen Energiekick sorgen – doch dann kommt die Müdigkeit. (Bild: Elnur/fotolia.com)

Kohlenhydrate und Zucker

Einfache Kohlenhydrate können nach einem kurzen Wachkick ebenfalls zu Müdigkeit führen. Diese steigern kurzfristig den Blutzuckerspiegel rapide und putschen uns auf. Dann schüttet der Organismus als Reaktion verstärkt Insulin aus. Das wiederum sorgt dafür, dass die Zellen besser Zucker aufnehmen. Jetzt sinkt der Blutzuckerspiegel ebenso rapide wie er vorher anstieg, und das Hirn wird unterversorgt. Wir werden müde.

Süßigkeiten

Aus diesem Grund fühlen wir uns schnell müde, wenn wir Süßigkeiten essen. Diese enthalten viel Zucker, und der oben genannte Mechanismus setzt ein. Das macht sie nicht per se schlecht. Solche „leeren Kalorien“ brauchen wir sogar, wenn wir in kurzer Zeit viel Energie benötigen, zum Beispiel beim Sport oder in Prüfungen. Hier ist es hilfreich, direkt vor dem mündlichen Examen eine Packung Haribo-Vampire zu verschlingen. Auch dann bleibt indessen die folgende Unterzuckerung nicht aus, und wir sollten uns komplexe Kohlenhydrate mit Reis oder Vollkornbrot zuführen.

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Tryptophan

Tryptophan ist eine Aminosäure. Besonders Fleisch, Fisch und Eier enthalten sie. Das Gehirn verwandelt Tryptophan in Serotonin. Dieses macht uns nicht nur glücklich, sondern auch schlapp. Durch das Insulin nehmen die Zellen auch die Aminosäuren besser auf. Darunter befinden sich exakt die Aminosäuren, die sonst mit Tryptophan in Konkurrenz stehen, ins Gehirn zu gelangen. Fällt diese Konkurrenz jetzt weg, gelangt die Aminosäure ohne Hürden ins Gehirn.

Daraus folgt: Fisch, Fleisch und Eier in Verbindung mit einfachen Kohlenhydraten machen müde.

Was tun gegen die Essensmüdigkeit?

Ein Energietief nach dem Essen ist zwar natürlich, lässt sich aber klein halten. Essen Sie nicht zu viel. Je mehr Sie verzehren, umso mehr verdaut der Körper, umso müder werden sie. Essen Sie nicht zu fett: Fett in Form von Butter, Schmalz etc. brauchen viele Stunden, bis Magen und Darm sie vollständig verdaut haben.

Setzen Sie auf komplexe Kohlenhydrate: Kartoffeln, Vollkornbrot oder Parboiled-Reis sorgen dafür, dass der Blutzuckerspiegel gleichmäßig steigt und nicht rapide absinkt.

Um nach der Mittagspause nicht in ein Müdigkeitstief zu fallen, sollten Sie auf große Portionen und fettige Speisen verzichten. (Bild: ilfotokunst/fotolia.com)

Tipps gegen Müdigkeit nach der Mittagspause

1) Achten Sie in der Mittagspause auf Essen mit wenig Fett und wenig einfachen Kohlenhydraten. No Go‘s sind zum Beispiel Currywurst Pommes oder Schweinebraten mit Semmelknödeln. Leichte Kost wie Salat oder Gemüse lässt sich einfacher verdauen und macht weniger müde.

Übrigens: Auch zu wenig Flüssigkeit macht schlapp, weil der Körper dann weniger Blut zum Hirn transportiert. Statt sich mit Fett vollzuschlagen, trinken Sie lieber reichlich. Umgekehrt gilt: Wenn Sie spät ins Bett gehen, mittags Jägerschnitzel mit fetter Sahnesauce essen, sich nicht bewegen und nichts trinken, sind Sie garantiert nach dem Mittagessen todmüde.

2) Die Abgeschlagenheit nach dem Mittagessen können Sie schon ab dem Abend vorher verhindern: Wenn Sie sechs bis sieben Stunden schlafen, gehen Sie rechtzeitig ins Bett.

3) Wenn Sie gut frühstücken, das bedeutet viel Eiweiß, Vitamine und Flüssigkeit, geben Sie sich erstens einen Energiekick und fühlen zweitens mittags keinen Heißhunger.

4) Denken Sie auch daran, gut zu lüften. Wenig Sauerstoff in der Atemluft bedeutet wenig Sauerstoff in Lunge und Gehirn – das macht müde.

5) Bewegen Sie sich: Wenn Sie in der Mittagspause spazieren gehen können, dann ist das super. Nutzen Sie ansonsten die Möglichkeiten, den Müll weg zu bringen, Treppen zu steigen oder machen Sie im Büro Gymnastikübungen. Massieren Sie zwischendurch ihre Nacken- und Schultermuskeln, das bringt den Blutfluss in Gang.

6) Machen Sie ein Nickerchen. Wenn es irgend möglich ist, setzten Sie sich in einen Sessel und schließen für circa 10-15 Minuten die Augen. Längerer Schlaf ist nicht gut, dann sinkt der Kreislauf stark ab.

7) Halten Sie Energiesnacks parat, die Sie mit Vitaminen und Mineralien versorgen. Schokolade, Nüsse und Beeren (Brom-, Him-, Heidel- oder Johannisbeeren) sind unter den Top Ten für den Energiekick zwischendurch.

8) Kaffee: Aber ja. Koffein in Maßen ist nicht schädlich. Trinken Sie aber nicht zu viel. Koffein sorgt dafür, dass der Körper Adrenalin ausschüttet. Deshalb werden wir munter. Trinken Sie aber nicht eine Tasse, sondern eine Kanne Kaffee, schüttet der Organismus weiter Adrenalin aus, bis der Speicher leer ist. Dann muss er Adrenalin neu produzieren, und das kostet Energie.

Ein kurzes Nickerchen bringt neue Energie. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Müdigkeit und Schwindel

Die Müdigkeit nach dem Essen ist also keine Krankheit. Aber Vorsicht: Ist das Energietief nach dem Essen mit Schwindelgefühlen verbunden, kann es sich um eine ernste Erkrankung handeln.

Häufig sind Probleme mit dem Stoffwechsel die Ursache, zum Beispiel Diabetes. Aber auch Krankheiten der Herzkreislaufs führen zu Müdigkeit und Schwindel. Niedriger Blutdruck gilt als eine wesentliche Ursache für Schwindelgefühle, der sich mit Erschöpfung paart.

Sehr schweres Essen kann allerdings auch Schwindel auslösen. Die Magendehnung beim Essen transportieren Botenstoffe dem Gehirn als Information des Sättigungsgrades. Je höher dieser ist, umso mehr Botenstoffe schickt das Gehirn jetzt, die die Aufnahme von Nahrung hemmen.

Manche dieser Botenstoffe wirken indessen auch auf die Aktivität im Gehirn und bremsen diese: Wir werden müde. Bei besonders fettigen, großen und schweren Mahlzeiten, entsteht jetzt eine solche Menge an diesen Botenstoffen, dass wir uns benommen fühlen und sogar Schwindel ausbricht.

Niedriger Blutdruck

Niedriger Blutdruck nach dem Essen ist eine Beschwerde älterer Menschen, hier betrifft es jeden Dritten. Besonders leiden darunter Menschen, die generell einen zu hohen (!) Blutdruck haben, unter Diabetes oder Nervenstörungen wie Parkinson leiden. (Dr. Utz Anhalt)