Muskelspannung – Muskeltonus: Ursachen, Symptome und Therapie

Susanne Waschke

Muskeltonus: Ursachen, Beschwerden und Therapie

Muskelspannung, auch Muskeltonus genannt, beschreibt den Spannungszustand beziehungsweise die Eigenspannung eines Muskels oder einer Muskelgruppe – in Ruhe, in Bewegung, bei Anstrengung oder auch bei Stress.

Muskeltonus – Grundspannung

Wenn der Mensch schläft, sind die Muskeln entspannt. Tagsüber ist dies nicht der Fall. Beim wachen Menschen, auch wenn er in Ruhe ist, herrscht stets Muskelspannung vor, wenn auch nur einige Muskelfasern angespannt sind. Eine Muskelspannung muss zudem nicht immer eine Bewegung hervorrufen, sondern wird ohne diese dann als Grundspannung bezeichnet. Sie ist nötig, damit der Mensch aufrecht sitzen oder stehen kann, was ja in der Regel keine Anstrengung hervorruft. Auch das gerade Halten des Kopfes gehört zu dieser Grundspannung. Ohne Muskelspannung kann sich der Mensch nicht fortbewegen. Vor allem für koordinierte Bewegungen und die Feinmotorik ist ein gewisser Muskeltonus Voraussetzung.

Eine länger anhaltende Muskelspannung, die noch dazu schmerzhaft ist, wird als Muskelverspannung bezeichnet. Diese entsteht durch stereotype, einseitige oder falsche Körperhaltung, Stress, Traumen und Vieles mehr. Die meisten Menschen kennen die Beschwerden, wenn beispielsweise durch langes Sitzen am PC danach der Nacken schmerzt oder nach einer längeren Autofahrt der Rücken weh tut.

Die Muskelspannung ist in Form einer Grundspannung auch in Ruhestellung vorhanden. Bei Bewegung wird die Spannung der jeweiligen Muskeln erhöht. (Bild: taa22/fotolia.com)

Aktiver und passiver Muskeltonus

In der Medizin wird zwischen aktivem und passivem Muskeltonus unterschieden. Ein passiver Muskeltonus beziehungsweise eine passive Muskelspannung ist abhängig von der Beschaffenheit der Gewebestrukturen, der Zusammensetzung der Muskelfasern , der anatomischen Lage des Muskels, der Durchblutung und der Sauerstoffversorgung. Ein aktiver Muskeltonus macht sich bemerkbar durch seine Kontraktion – das Zusammenziehen des Muskels.

Quergestreifte Muskulatur – glatte Muskulatur

Die Skelettmuskulatur besteht aus quergestreifter Muskulatur. Diese ist dem Willen unterworfen. Die Muskelspannung entsteht hier durch die aufeinanderfolgenden Kontraktionen einzelner Muskelfasern. Dagegen ist die glatte Muskulatur, die sich zum Beispiel im Darm befindet, nicht willkürlich ansprechbar. Die Muskelzellen der glatten Muskulatur sind permanent kontrahiert, wodurch die entsprechende Muskelspannung entsteht.

Ohne Energie geht nichts

Um eine Muskelspannung zu erzeugen, ist Energie nötig. Bereits ein Viertel des Energiebedarfs verbraucht die Grundspannung der Muskeln. Bei aktiven Muskelbewegungen wird dann noch mehr Energie verbraucht. Dies ist vor Allem bei Sportlern bekannt: Je mehr Muskeln vorhanden sind, desto mehr Kalorien werden verbrannt und das sogar im Ruhezustand. Will jemand abnehmen, so tut er also gut daran, Muskelmasse aufzubauen. Überall, wo Energie verbraucht wird, entsteht auch Wärme, so auch hier beim Energieumsatz der Muskeln. Dies ist wichtig für die eigene Körperwärme.

Eine anhaltend zu hohe Muskelspannung kann ebenso Beschwerden verursachen, wie eine zu geringe Muskelspannung. (Bild: glisic_albina/fotolia.com)

Muskuläre Dystonie

Eine muskuläre Dystonie ist eine gestörte Muskelspannung. Dies kann sowohl eine verminderte, als auch eine gesteigerte Anspannung der Muskeln bedeuten. Ist gar keine Muskelspannung mehr vorhanden, so ist von einer Paralyse, auch als schlaffe Lähmung bekannt, die Rede. Die motorischen Nerven des betroffenen Körperteils sind hier außer Kraft. Eine andere Störung ist die Parese. Dabei sind die motorischen Nervenbahnen teilweise ausgefallen, jedoch bleibt häufig die Grundspannung erhalten. Eine Lähmung geht mit einer massiven Minderung oder gar ganzem Verlust an Muskelkraft in dem betroffenen Areal einher. Dies kann vorübergehend, aber auch dauerhaft sein.

Eine muskuläre Hypotonie gehört ebenso zu den muskulären Dystonien. Hierbei ist der Muskeltonus vermindert. Die Grundspannung nimmt etwas ab, ist aber nicht völlig gestört. Die Ursachen dafür sind ein Schlaganfall, eine traumabedingte Blutung im Kleinhirn oder Multiple Sklerose. Diese Hypotonie macht sich zum Beispiel durch ein abnorm starkes Schlenkern der Arme bemerkbar.

Des Weiteren ist auch eine erhöhte Muskelspannung möglich – in Form einer Spastik oder einer Rigidität. Bei der Spastik ist der erhöhte Muskeltonus so geartet, dass die betroffenen Extremitäten in eine unnatürlich Haltung geraten. Bei der Rigidität wiederum ist die Muskelspannung so hoch, dass dies zu einer Versteifung führt.

Muskelrelaxantien

Muskelrelaxantien sind Medikamente, die die Muskelspannung herabsetzen. Peripher wirkende Relaxantien werden zum Beispiel bei einer Narkose beziehungsweise bei Operationen verwendet. Zentral wirkende Muskelrelaxantien wirken im Zentralen Nervensystem. Ihr Einsatzgebiet sind Verspannungen oder Spasmen im Bereich der quergestreiften Muskulatur, zum Beispiel bei Vorliegen eines HWS-Syndroms (Beschwerdebild: Schmerzen, Missempfindungen im Nacken-Schultergebiet). Diese Medikamente werden häufig zusammen mit Schmerzmitteln bei massiven Muskelverspannungen verordnet.

Untersuchung des Muskeltonus

In der Nacht, wenn wir schlafen, sind die Muskeln entspannt. Tagsüber sind, auch in Ruhe, immer einige Muskelfasern in Anspannung. Diese kleinen Kontraktionen führen aber nicht zu einer Bewegung. Um die Muskelspannung zu untersuchen, wird am entspannten Patienten passiv die Bewegung einzelner Gelenke überprüft. Passiv bedeutet, dass der Patient oder die Patientin sich nicht bewegt und nur der Arzt bestimmte Bewegungen mit den Gelenken ausführt.
So wird zum Beispiel bei Vorliegen einer Spastik, bei der der Muskeltonus erhöht ist, die Symptomatik massiver, je rascher die Bewegung vom Behandler ausgeführt wird. st die Muskelspannung herabgesetzt, so wird dies durch schlaffes Mitschwingen bei passiver Bewegung, sichtbar. (sw)