Muttermal juckt – Ursachen und Therapie

Susanne Waschke
Muttermaljucken- Das sind die Ursachen und Hintergründe
Wenn ein Muttermal juckt, muss dies nicht gleich etwas Schlimmes bedeuten, jedoch sollte eine intensivere Beobachtung erfolgen. Wenn sich das Muttermal dann auch noch verändert, zum Beispiel in Größe und/oder Farbe, muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden.

Muttermal – Was ist das eigentlich?

Ein Muttermal ist ein Pigmentfleck, der dadurch entsteht, dass sich an einer Stelle besonders viele pigmentbildende Zellen (Melanozyten) ansammeln und dort den Hautfarbstoff bilden. So ein Fleck kann sich auch aus Naevuszellen entwickeln. Diese Zellen sind eng mit den Melanozyten verwandt.

Wenn ein Muttermal juckt, kann dies verschiedene Ursachen haben. Es sollte jedoch dringend eine ärztliche Abklärung erfolgen, da schlimmstenfalls Hautkrebs die Ursache sein kann. (Bild: amixstudio/fotolia.com)

Das Muttermal kann bereits bei der Geburt vorhanden sein. Ist von einem Leberfleck die Rede, sind meistens Male gemeint, die sich im Lauf des Lebens entwickeln. Eine genaue Definition für den Begriff Leberfleck existiert jedoch nicht. Der Fachbegriff für ein Muttermal ist Naevus (Plural: Naevi).

Die Naevi werden typisiert nach ihrer Farbe, Oberflächenstruktur und der Hautschicht, aus der sie entstehen. Unter dem Begriff Naevus wird in der medizinischen Fachliteratur Folgendes verstanden: Eine angeborene oder auch später auftretende, umschriebene Fehlbildung der Haut im Zusammenhang mit einer herdförmigen Ansammlung veränderter Melanozyten oder melanozytenähnlicher Zellen.

Muttermale können an jeder Stelle des Körpers auftreten. Die angeborenen Naevi können bis zu handflächengroß werden, wobei die erworbenen meistens nicht größer als 5 Millimeter sind.Ein Muttermal kann ganz flach im Hautniveau liegen oder aber auch papulös sein. Die Oberfläche ist glatt, die Farbe ist unterschiedlich – diese reicht von hautfarben bis dunkelbraun.

Ursachen

Die Ursachen für die vermehrte Bildung der Melanozyten sind noch nicht ausreichend geklärt. Diskutiert wird, dass genetisch veränderte Vorläuferzellen der Melanozyten in die Haut eindringen, sich dort vermehren und sich dann an einer kleinen Stelle anhäufen, wodurch letztlich das Muttermal entsteht.

Hellhäutige Menschen neigen eher dazu eine größere Menge an Muttermalen zu bekommen. Eine genetische Disposition ist ebenso für die Entstehung von Pigmentflecken gegeben. Was außerdem die Bildung von solchen Pigmentstörungen ankurbelt, ist häufiges und ungeschütztes Sonnenbaden. Wer sich als Kind und/oder Jugendlicher viele Stunden ungeschützt in der Sonne aufgehalten hat, bei dem steigt das Risiko um so mehr, Muttermale zu bekommen. Außerdem entwickeln sich oft in hormonellen Umstellungszeiten, wie zum Beispiel während der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, vermehrt Muttermale. Nicht zuletzt wird auch eine geschwächte Immunabwehr zu den Ursachen für die übermäßige Bildung von Pigmentflecken gezählt.

Veränderungen

Für die Feststellung kritischer Muttermale existiert die ABCDE Regel, die Folgendes besagt:
A steht für Asymmetrie (Unregelmäßigkeit: nicht gleichmäßig rund oder gleichmäßig oval), B für Begrenzung (ein Muttermal sollte scharf begrenzt sein), C für Colour (Farbe), D für Durchmesser und E für Entwicklung (Veränderungen der vier o.g. Punkten).

Hinzu kommen noch Warnsignale wie Juckreiz, Nässen, Schmerzen, Brennen und Blutungen. Wenn zum Beispiel ein bisher flaches, hellbraunes Muttermal plötzlich wächst und dies auch noch unregelmäßig, ist unbedingt ein Arzt aufzusuchen. Wenn das Muttermal plötzlich immer wieder juckt, kann dies ebenfalls ein Warnhinweis sein.

Muttermale sind in der Regel harmlos, können aber auch entarten. Deshalb sollten sie stets beobachtet und regelmäßig (alle zwei Jahre) einem Hautkrebs-Screening beim Hautarzt unterzogen werden. Das gilt vor allem für Personen, die eine große Anzahl an Muttermalen besitzen und/oder hellhäutig sind. Das Screening wird ab dem 35. Lebensjahr alle zwei Jahre von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt.

Im Rahmen des Hautkrebs-Screenings werden mit einem Dermatoskop sämtliche Muttermale genau inspiziert. (Bild: Evgeniy Kalinovskiy/fotolia.com)

Ablauf Haut-Screening

Der Patient oder die Patientin wird im entkleideten Zustand einer Ganzkörperinspektion unterzogen. Dabei wird der gesamte Körper einschließlich des behaarten Kopfs, der Achselhöhlen, des Genitalbereichs, des Gesichts, der Zehenzwischenräume, der Mundschleimhaut usw. genau betrachtet. Dies erfolgt mittels einer Dermatoskopie, was bedeutet, dass mit einer speziellen Lupe, einem Dermatoskop, jeder Fleck ganz genau in die „Mangel“ genommen wird. Für eine bessere Transparenz dient das Auftragen von Öl oder einer speziellen Flüssigkeit. Viele Hautarztpraxen arbeiten mit der digitalen Auflichtmikroskopie. Dabei kann jeder Fleck auf den Bildschirm eines Computers übertragen werden. Die Muttermale werden verglichen und deren Verlauf gespeichert.

Das Haut Screening dauert circa 10 bis 15 Minuten. Hinzu kommt noch eine genaue Anamnese, eine Befragung des Patienten zu Lebensgewohnheiten, Lebensumständen, Erkrankungen, genetischer Disposition usw.. Eine Pigmentveränderung, die der Arzt als bedenklich einstuft, wird chirurgisch entfernt und pathologisch untersucht.

Entfernung des Muttermals

Das Muttermal wird chirurgisch, mit einem Skalpell entfernt. Das ist nicht schmerzhaft, da der Bereich vorher örtlich betäubt wird. Eventuell muss die Stelle, je nach Größe, genäht werden. Sportliche Aktivitäten sind dann in der Regel für ein bis zwei Wochen kontraindiziert. Auch sollte die Wunde eine vorgegebene Zeit lang nicht mit Wasser in Verbindung kommen. Eine Entfernung mit dem Laser ist nicht möglich, da hierbei das Gewebe verbrannt wird und danach nicht mehr einer Untersuchung unterzogen werden kann.

Trockene Haut

Wenn das Muttermal juckt, kann das auch eine ganz harmlose Ursache haben. Beispielsweise kann es sich natürlich auch auf die Muttermale auswirken, wenn jemand generell unter trockener Haut leidet. Gerade Muttermale, die sich an Stellen befinden, welche den ganzen Tag über gereizt werden (wie zum Beispiel unter der Brust, dort wo der BH sitzt, oder in der Höhe des Jeansknopfes), beginnen hier häufig zu jucken. Daher sollte etwas gegen die trockene Haut unternommen werden.

Regelmäßige feuchtigkeitsspendende Pflege, tägliches Versorgen der Haut mit einem guten, hochwertigen Öl (Sesamöl, Mandelöl, Kokosöl) und ausreichende Flüssigkeitszufuhr( 2 bis 2 ½ Liter stilles Wasser am Tag) sind bei trockener Haut dringend angebracht.

Eventuell können auch hormonelle Umstellungszeiten an der trockenen Haut „schuld“ sein. Wird der Juckreiz immer schlimmer und ist gegen die trockene Haut so gar kein Kraut gewachsen, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Pigmentflecken, die ständiger Reibung ausgesetzt sind

Ob ein Muttermal juckt oder nicht – Pigmentflecken, die ständiger Reibung ausgesetzt sind – zum Beispiel weil sich diese unter dem BH-Träger befinden, in der Höhe des Hosenbundes oder direkt auf der Fußsohle – sollten entfernt werden. Ein Dauerreiz ist für die Haut immer schlecht und erst recht, wenn sich dort schon eine Hautveränderung in Form eines Muttermals gebildet hat.

Malignes Melanom (schwarzer Hautkrebs)

Veränderungen eines Muttermals müssen nicht zwingend bösartig sein, aber leider können diese Hautveränderungen doch in seltenen Fällen entarten. Der bekannteste Vertreter unter den bösartigen Neubildungen ist das maligne Melanom. Bei rechtzeitiger Diagnose im Frühstadium sind die Heilungschancen sehr gut. Also – bei irgendwelchen Veränderungen, auch wenn das Muttermal nur immer wieder juckt – lieber einmal zu oft zum Arzt, als zu spät.

Das maligne Melanom geht von den Melanozyten aus und ist hochgradig bösartig. Deshalb ist ein schnelles und frühes Diagnostizieren und Handeln nötig. Leider bildet dieser Tumor auch recht schnell Metastasen. Häufiges, exzessives Sonnenbaden, häufige Sonnenbrände und auch der regelmäßige Besuch der Sonnenbank – all das gehört zu den Risikofaktoren, an einem malignen Melanom zu erkranken. Personen, die eine große Anzahl an Muttermalen besitzen sind ebenso gefährdet.

Schlimmstenfalls handelt es sich bei einem juckenden Muttermal um schwarzen Hautkrebs (Malignes Melanom), der umgehend therapiert werden sollte. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Bei einer Erkrankung steht die operative Entfernung des entarteten Gewebes im Vordergrund. Zuerst wird beim Screening das Muttermal entfernt, dann pathologisch untersucht. Ist der Befund positiv, so wird nochmal operiert und zwar großflächiger. Um auszuschließen, dass Lymphknoten mit befallen sind, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Eventuell ist noch ein MRT nötig, um zu ermitteln, ob das maligne Melanom schon in andere Organe gestreut hat.

Die gesamte Therapie dieser Erkrankung richtet sich nach dem individuellen Befund des Patienten.

Weißer Hautkrebs

Wenn ein Muttermal juckt, kann dies auch auf weißen Hautkrebs hindeuten. Diese bösartige Hauterkrankung ist in der Regel gut behandelbar, wird jedoch häufig erst spät entdeckt. Der weiße/helle Hautkrebs umfasst verschiedene Hauttumore: Die Frühformen (aktinische Keratosen), das Basaliom, und das Plattenepithelkarzinom.

Die Frühformen treten in Erscheinung als rötlich, selten hautfarbene, fest anhaftende Hautflecken. Daraus bilden sich Knoten mit festhaftenden kleinen Hornperlen, die sich ganz schwer ablösen lassen und mitunter auch bluten. Die Tumore können in die Tiefe wachsen und dabei das umliegende Gewebe zerstören.

Der helle Hautkrebs befindet sich vor allem an sonnenexponierten Stellen wie zum Beispiel an den Ohren, im Gesicht, im Nacken oder an den Oberarmen. Die Hauptursache für diese Krebsart ist massive Sonnenbestrahlung. Jeder Sonnenbrand steigert das Risiko. Weitere Risikofaktoren sind helle Haut, höheres Alter, bereits in der Familie aufgetretener heller Hautkrebs, angeborene Gendefekte, Arbeiten im Freien, Licht– oder Strahlentherapie, Kontakt mit Arsen oder Teer und eine dauerhaft geschwächte Abwehr.

Wie beim malignen Melanom wird auch hier als Erstes der Tumor entfernt. Bei älteren Patienten, bei denen eine Operation nicht mehr anzuraten ist, wird bestrahlt. Eine Chemotherapie in Form von bestimmten Salben ist ebenso möglich. Hat der Krebs gestreut, was beim hellen Hautkrebs recht selten ist, ist eine herkömmliche Chemotherapie das Mittel der Wahl.

Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Muttermale in der Regel etwas ganz Normales und Harmloses sind. Trotzdem sollte jeder seine eigenen Pigmentflecken regelmäßig kontrollieren, um Veränderungen wahrzunehmen. Bei allen Veränderungwn, aber auch wenn das Muttermal immer wieder juckt, nässt oder blutet und eventuell noch Schmerzen auftreten, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden. (sw)