Nebenwirkungen von Cortison

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Susanne Waschke
Cortison ist als Teufelszeug mit Nebenwirkungen verschrien. Jedoch bildet sogar der Körper selbst eine bestimmte Menge davon und diese ist lebenswichtig. Kortison ist eines der bekanntesten Medikamente und bei einigen Krankheiten das Mittel der Wahl. Jedoch eilt dem Kortison immer noch ein schlechter Ruf voraus, was vor allem die Nebenwirkungen betrifft. Über Nutzen und Risiken sollte sich jeder Betroffene im Klaren sein. Cortison ist aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. Dieses viel hinterfragte Medikament kann Leben retten und vor allem bei chronisch entzündlichen Erkrankungen eine große Erleichterung verschaffen. Jedoch müssen hier auch, gerade bei längerfristiger Einnahme, die Nebenwirkungen bedacht werden.

Inhaltsverzeichnis

Körpereigenes Kortison: Definition, Aufgaben
Cortison ein wichtiges Medikament
Anwendungsformen des Cortisons
Anwendung von Cortison bei Krankheiten
Nebenwirkungen von Cortison
Was bei Cortison zu beachten ist

Körpereigenes Kortison: Definition, Aufgaben

Im menschlichen Körper werden in der Nebennierenrinde sogenannte Glucocorticoide hergestellt. Dazu gehören Kortisol, Kortison und Kortikosteron. Diese Stoffe haben in der Muskulatur, in Haut- und Fettgewebe einen Eiweiß abbauenden Effekt. Auch tragen sie zur Lipolyse (Fettabbau) bei, wobei Fettsäuren ins Blut abgegeben werden. Unter Einfluss des Kortisons wird der Körper dazu angeregt, aus Aminosäuren in der Leber durch Zuckerneubildung die Glukosekonzentration im Blut zu steigern, weshalb dies auch als sogenanntes Stresshormon bezeichnet wird.

Glukokortikoide besitzen einen anti-entzündlichen Effekt. Sie hemmen nach einer Verletzung die Entzündung der Wunde und deren Narbenbildung. Leider tragen sie auch zu einer Immunsuppression bei. Dies bedeutet, dass durch Cortison die Abwehrkräfte geschwächt, die Lymphozyten und Phagozyten gehemmt werden. Wiederum besitzt diese Substanz eine anti-allergische Komponente, da sie die Entzündung nach einer Antigen-Antikörper-Reaktion eindämmt. Als Nebenwirkung sei hier jedoch der Abbau an Knochen- und Muskelmasse erwähnt.

Cortison ein wichtiges Medikament

Viele Patienten haben gemischte Gefühle, wenn es um die Einnahme des Cortisons geht. Sie haben Angst vor den Nebenwirkungen. Jedoch ist bei vielen Erkrankungen gerade dieses Medikament das Mittel der Wahl. In den siebziger Jahren war Kortison noch nicht so erforscht wie heute, häufig wurden hohe Dosen verabreicht, die dann auch zu mehr oder weniger großen Nebenwirkungen führten. Heutzutage ist das nicht mehr der Fall. Kortison wird wesentlich individueller und vor allem in kleineren Dosen verabreicht. Auch sind die verschiedensten Anwendungsformen auf dem Markt.

Cortison ist zu einem lebenswichtigen Medikament geworden, das vor allem im Bereich der Entzündungen und allergischen Reaktionen zum Einsatz kommt. So wird dies bei Hauterkrankungen (z. B. Juckender Hautausschlag), Asthma bronchiale, Allergien und Rheuma verabreicht. Bei Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel dem systemischen Lupus Erythematodes (SLE) kann Kortison lebensrettend wirken. Wichtig ist auch der Einsatz bei einem lebensgefährlichen anaphylaktischen Schock, bei dem dieses Medikament stets zum Einsatz kommt.

Anwendungsformen des Cortisons

Cortison ist in verschiedenen Anwendungsformen erhältlich. So existiert die äußerliche Behandlung in Form von Cremes, Salben und Gels. Die orale Anwendung geschieht in Form von Tabletten. Soll der Magen-Darm-Trakt umgangen werden, jedoch das Cortison systemisch wirken, kann dies über eine Injektion beziehungsweise Infusion erfolgen. Des Weiteren existieren Nasentropfen, Augentropfen und Inhaliersprays, die Kortison enthalten.

Anwendung von Cortison bei Krankheiten

Cortison kommt bei Hauterkrankungen, wie Neurodermitis, Schuppenflechte und Ekzemen zum Einsatz. Hier erfolgt die Anwendung über Salben, Cremes und Gele. Asthma und Allergie sind ebenfalls ein großes Einsatzgebiet für dieses Medikament. Entzündliche Reaktionen in den Bronchien werden gehemmt, wodurch sich auch in Folge die Schleimproduktion reduziert. Meist wird bei Atemwegserkrankungen ein Inhalierspray verordnet. Zusätzliche Gaben in oraler Form sind möglich, meist aber nur in schweren Fällen angemessen. Bei rheumatischen Erkrankungen wirkt Kortison den Entzündungen in den Gelenken entgegen und gebietet damit dem überschießenden Immunsystem Einhalt.

Nebenwirkungen von Cortison

Wird Cortison nur über einen kurzen Zeitraum von ein bis zwei Wochen verabreicht, so verursacht dies in der Regel keine schweren Nebenwirkungen. Nur in äußerst seltenen Fällen führt auch dieser kurze Einsatz bereits zu erheblichen Beeinträchtigungen. Erfordert die zugrundeliegende Erkrankung eine Langzeittherapie, so wird versucht, eine sogenannte Low-dose Therapie zu erreichen. Dabei wird nach anfänglicher höherer Dosis, die eingesetzte Menge immer mehr, in ganz kleinen Schritten, reduziert, bis die individuelle Grenze des Patienten erreicht ist. Je niedriger die Dosierung, desto geringer ist die Gefahr von Nebenwirkungen. Hochdosierte, langfristige Einnahmen haben meist unangenehme Begleiterscheinungen zur Folge.

Die äußerlichen Anwendung von Kortison, in Form von Gel, Salbe oder Creme über einen längeren Zeitraum, kann zu einer Verdünnung der Haut, roten Äderchen oder einer Steroid-Akne führen. Wird der Stoff großflächig aufgetragen oder an besonders dünnen Hautstellen, wie zum Beispiel im Gesicht angewandt, kann dieser auch in die Blutbahn eindringen und systemisch wirken, das heißt Nebenwirkungen im ganzen Körper hervorrufen.

Werden kortisonhaltige Nasen- oder Augentropfen über einen längeren Zeitraum hinweg verwendet, ist ein Austrocknen der Nasenschleimhaut und/oder der Hornhaut möglich. Bei Atemwegserkrankungen, wie dem Asthma, wird der Stoff in Form eines Sprays inhaliert, was über längere Zeit hinweg zu Husten und Heiserkeit führen kann.Die orale Applikation oder auch die Gabe per Infusion kann, wenn länger angewandt, durchaus Nebenwirkungen im ganzen Körper bedingen. Hierzu zählen Schlafstörungen, Schwindel, Kopfschmerzen, Kalziummangel, Abbau der Knochensubstanz und ein geschwächtes Immunsystem. Auch kann der Blutzuckerspiegel durch die Einnahme von Kortison ansteigen, was gerade bei Diabetikern unbedingt vermieden werden sollte.

Bei Frauen ist eine vorübergehende Unfruchtbarkeit durch ein Ausbleiben des Eisprungs möglich. Kortison steht unter dem Verdacht, Bluthochdruck zu begünstigen und Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe) zu verursachen (wie beispielsweise Dicke Beine), die im weiteren Sinne zu einer Gewichtszunahme führen. Ebenso werden eine Magenschleimhautentzündung und die Entstehung eines Magengeschwürs in der Liste der Nebenwirkungen erwähnt. Die Anwendung bei Kindern kann in schlimmsten Falle zu Wachstumsstörungen führen.

Diese Nebenwirkungen sind kein Muss, aber möglich. Um einer Osteoporose, bedingt durch längerfristige Einnahme von Kortison, vorzubeugen, werden Kalzium und Vitamin D verabreicht. Eine regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist nötig, damit ein entstehender Diabetes mellitus rechtzeitig diagnostiziert werden kann. Gerade, wenn die Betroffenen im Zusammenhang mit der Einnahme über vermehrtes Wasser lassen und massiven Durst klagen, sollte unbedingt der Zuckerspiegel kontrolliert werden. Eine gesunde, ausgewogene, vitaminreiche Kost ist wichtig, um eventuellen Mangelerscheinungen entgegenzuwirken.

Was bei Cortison zu beachten ist

Bei der Anwendung von Kortison sollte äußerst konsequent vorgegangen werden. Da der Körper vor allem in den Morgenstunden zwischen 6.00 Uhr und 8.00 Uhr die größte Menge an Kortison produziert, sollte auch in dieser Zeit die Einname erfolgen. Diese zusätzliche Gabe behindert in diesem Zeitraum wesentlich weniger, als zu einer anderen Tageszeit und wird somit auch besser vertragen. Asthmakranke müssen häufig noch abends eine zusätzliche Dosis einnehmen, um nächtliche Asthmaanfälle zu vermeiden.

Kortison sollte niemals ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt werden, da durch die Einnahme die körpereigene Produktion beeinflusst und etwas reduziert wird. Bei abruptem Absetzten kann der Körper unter Mangelerscheinungen leiden, die erst verkraftet werden müssen. Deshalb ist ein allmähliches Absetzen absolut sinnvoll. Auf eine regelmäßige Einname ist währen der Therapie besonders zu achten, damit sich ein ausreichender Wirkspiegel aufbauen kann.

Kortison ist ein wichtiges Medikament, das aus der Medizin nicht mehr wegzudenken ist. Trotzdem sollten, gerade wenn eine längerfristige Einnahme nötig ist, Nutzen und Risiken gründlich abgewogen werden. Der Einsatz von Alternativen ist angesichts der massiven Nebenwirkungen des Kortisons gründlich zu prüfen. (sw)

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Bild: Birgit H / pixelio.de