Nerv eingeklemmt

Eingeklemmter Nerv – Nervenkompression

Ein eingeklemmter Nerv kann an unterschiedlichen Stellen des Körpers zu schmerzhaften Beschwerden und Bewegungsbeeinträchtigungen führen. Die Betroffenen werden oftmals in ihrem Alltag massiv eingeschränkt. Bei dem Beschwerdebild ist ein akuter oder ein chronischer Verlauf möglich.


Definition

Ein eingeklemmter Nerv ist als Kompression der Nervenfasern im Verlauf der Nervenbahnen zu verstehen. Diese kann generell an unterschiedlichsten Stellen im Organismus auftreten, ist jedoch besonders häufig an gewissen Engstellen (zum Beispiel Karpaltunnel, Ulnarisrinne) zu beobachten, die die Nerven auf ihrem Weg durch den Körper passieren. Umgangssprachlich wird die Bezeichnung „eingeklemmter Nerv“ meist mit Rückenschmerzen, wie beispielsweise bei einem Hexenschuss (Lumbago) oder Ischiasschmerzen assoziiert.

Symptomatik

Die Symptome bei einem eingeklemmten Nerv sind stark abhängig davon, welcher Nerv betroffen ist. Allgemein lässt sich festhalten, dass die Abklemmung eines Nervs zu sogenannten Neuralgien, mit Schmerzen, Empfindungsstörungen, Kribbeln, Taubheitsgefühl, Bewegungsbeeinträchtigungen, aber auch schwerwiegenderen Folgen wie einem Schwund der Muskulatur führen kann.

Die Beschwerden zeigen sich normalerweise in dem Versorgungsbereich der betroffenen Nerven. Wird beispielsweise der Ischiasnerv eingeklemmt, kann dies nicht nur Kreuzschmerzen, sondern auch Hüftschmerzen und Beinschmerzen bedingen. Kompressionen des Nervus ulnaris in der Ulnarisrinne am Ellbogen gehen ihrerseits häufig mit einem Taubheitsgefühl in den Fingern (kleiner Finger, Ringfinger) und der Handinnenfläche einher. Oftmals zeigt sich begleitend eine Muskelschwäche der vom Nervus ulnaris versorgten Muskulatur. Ein eingeklemmter Nerv im Bereich der Beine ist indes häufiger mit Fußschmerzen beziehungsweise Fußsohlenschmerzen verbunden. Letztendlich hängt das Beschwerdebild der Patienten wesentlich von der Lokalisation der Nervenkompression ab.

Manuelle Verfahren

Das bereits erwähnte Fasziendistorsionsmodell (FDM) (auch Typaldos Manual Therapy TMT genannt) des Notfallmediziners Stephen Typaldos, D.O. (1957- 2006), geht nach der Körpersprache und den verbalen Aussagen der Patienten. Wenn bei den Beschwerden, die als eingeklemmter Nerv bezeichnet werden, die Betroffenen meist mehrere Finger in eine schmerzende Stelle drücken, geht man dort von der beschriebenen Hernie aus und drückt das Gewebe zurück.

Beim Rolfing wird die strukturelle Arbeit am Körper des Patienten im Sinne einer Optimierung der Statik und der funktionellen Abläufe verstanden. (Bild: photophonie/fotolia.com)

Die Osteopathie, ein Konzept, welches manuell behandelt und diagnostiziert, sieht unter anderem Bewegungseinschränkungen oder unökonomische Spannungmuster im betroffenen Organismus als relevant für das Entstehen der Symptomatik des eingeklemmten Nerven an. Dazu wird möglichst alles berücksichtigt, was Spannungen auslösen kann: Bewegungseinschränkungen der Organe sollen beispielsweise einen veränderten Zug durch ihre Aufhängestrukturen an der Wirbelsäule auf letztere bringen können. In der ersten Untersuchung oder Eingangsbefragung wird deswegen unter anderem nach anderen Symptomen wie Bauchschmerzen gefragt, die nicht im direkten Zusammenhang mit den akuten Beschwerden stehen müssen und gegebenenfalls behandelt werden. Es gibt in der Osteopathie auch sehr direkte Methoden wie beispielsweise die der Behandlung sogenannter Triggerpunkte, die mit starkem Druck oder dem Dry Needling behandelt werden können.

Ähnlich ist die Sicht im Rolfing oder auch Strukturelle Integration genannt. Bei diesem Verfahren, das von der Us- Amerikanerin Dr. Ida Rolf (1896-1979) begründet wurde, ist die Arbeit am Bindegewebe, den Faszien, von entscheidender Bedeutung. Ein Naturheilverfahren, welches von vielen Heilpraktikern, aber auch naturheilkundlich arbeitenden Ärzten, durchgeführt wird, ist die Neuraltherapie. Hier werden Lokalanästhetika an bestimmten Punkten nahe der Beschwerden gespritzt, um dort die Strukturen mit ihren physiologischen Prozessen zu harmonisieren.

Behandlungsmöglichkeiten der Naturheilkunde

Nach dem Ausschluss von strukturellen Ursachen und in Absprache mit dem betreuenden Mediziner können Pilates Übungen sowie regelmäßige Übungen aus dem Yoga gegen die Beschwerden eingesetzt werden.

Über eine veränderte „innere Haltung“ durch individuell stimmige Bilder und Metaphern oder das Erkennen zugrunde liegender ursächlicher Faktoren wie chronische (Selbst-)Überforderung oder unverarbeitete Konflikte, können mit der Hypnotherapie Schmerzen gelindert, Spannungen abgebaut und eine entsprechende „äußere Haltung“ entwickelt werden.

Ist der Nerv akut eingeklemmt, kann das Schüßlersalz Nr.7, Magnesium phos. helfen, die Muskulatur zu entspannen. Zubereitungen mit Arnika finden sich heute in vielen Hausmittel-Schränken und können gleich zweifach eingesetzt werden: Während äußerlich Arnika-Salbe oder Gel aufgetragen wird, kann das homöopathisch aufbereitete Arnika (als Globuli, Tabletten, Tropfen) innerlich angewendet werden. (tf)

Ursachen für eingeklemmten Nerv

Als besonders häufige Ursache für eine Nervenkompression ist eine Verhärtung der umliegenden Muskulatur zu nennen, die anschließend auf die Nervenbahnen drückt. Diese kann auf angeborene anatomische Beeinträchtigungen oder auch auf Fehlbelastungen, zum Beispiel durch zu schweres beziehungsweise falsches Heben, zurückgehen. Ständige Wiederholungen monotoner Bewegungen, wie beispielsweise das Bedienen der Maus im Rahmen der Büroarbeit, können das Repetitive Strain Injury-Syndrom (auch Mausarm genannt) auslösen. Dieses ist unter anderem häufiger mit Nackenverspannungen, einem Einschlafen der Hände und Daumenschmerzen verbunden.

Einseitige Belastungen und Fehlhaltungen im Alltag verursachen Muskelverspannungen, die ihrerseits zu Kompressionen der Nerven führen können. (Bild: pongsuwan/fotolia.com)

Des Weiteren können Nerven im Zuge einer Beeinträchtigung des Skelettsystems eingeklemmt werden. So drücken beispielsweise bei einem Bandscheibenvorfall die Bandscheiben häufig auf den Wirbelkanal (Spinalkanal) und verursachen eine Kompression der hier verlaufenden Nerven. Die Beschwerden, wie Schmerzen und Taubheitsgefühl, ziehen nicht selten bis in die Beine. Das sogenannte Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) kann ebenfalls die Nerven im Spinalkanal einklemmen und vergleichbare Beschwerden auslösen. Begleitet wird die Spondylolisthesis oftmals von einem Durchbrechgefühl beziehungsweise einem Gefühl der Instabilität im Bereich der Wirbelsäule. Akute Erkrankungen, wie eine Entzündung der Wirbelkörper (Spondylitis), und chronische degenerative Erkrankungen des Skelettsystems, wie die Spondylose, gelten als Risikofaktoren für eine Nervenkompression im Rückenbereich. Ist das Schultergelenk ausgerenkt (Schulterluxation), werden in der Regel die hier verlaufenden Nervenbahnen (vor allem Nervus axillaris) abgeklemmt und neben den massiven Schulterschmerzen entsprechende Beschwerden im Bereich der Arme und Hände ausgelöst.

Auch innere Gewebeveränderungen können auf die Nervenbahnen drücken und die Nerven einklemmen. Hier sind an erster Stelle gutartige und bösartige Tumore zu nennen. Gemäß ihrem Auftreten sind unterschiedliche Nervenbahnen betroffen und das Beschwerdebild kann deutlich variieren. Bildet sich beispielsweise ein Glioblastom im Gehirn (bösartiger Gehirntumor) sind schwere neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Sprachstörungen und Sehstörungen möglich.

Mechanische Kompressionen der Nervenbahnen, wie beispielsweise durch zu enge Jeans oder Sicherheitsgurte, zählen ebenfalls zu den potenziellen Ursachen für einen eingeklemmten Nerv. Auch die Last eines besonders dicken Bauches (Übergewicht oder Schwangerschaft) kann einen enormen Druck auf das Gewebe ausüben und so eine Nervenkompression im Hüft- und Beckenbereich verursachen.

Häufige Lokalisationen eingeklemmter Nerven

An bestimmte Engstellen im Organismus werden die Nervenbahnen besonders häufig eingeengt oder gar eingeklemmt. Hier sind neben dem Spinalkanal (Wirbelsäule), zum Beispiel die Ulnarisrinne (am Ellenbogen), der Karpaltunnel (an der Handwurzel) und der Tarsaltunnel (auf der Innenseite des Knöchels) zu nennen. Auch im Bereich des Beckens können die Nervenbahnen, wie beispielsweise der Nervus cutaneus femoris lateralis, eingeklemmt werden. Dieser aus dem Nervengeflecht des Plexus lumbalis im Bereich der Lenden- und Kreuzwirbelsäule entspringende Nerv wird bei dem sogenannten Bernhardt-Roth-Syndrom (Meralgia paraesthetica) durch das Leistenband eingeklemmt, was zu Schmerzen; Empfindungsstörungen und Taubheitsgefühlen im Versorgungsbereich des Nervs auf der Außenseite des Oberschenkels führt.

Diagnosestellung

In der Regel sind die Symptome bei einem eingeklemmten Nerv derart eindeutig, dass eine gründliche Anamnese zur Diagnosestellung meist bereits ausreicht. Muskelverhärtungen lassen sich zudem durch Abtasten relativ einfach feststellen. Verengungen des Spinalkanals (Spinal Stenose) sind – ähnlich wie andere Beeinträchtigungen des Skelettsystems – mit Hilfe bildgebender Verfahren, wie Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), gut nachweisbar. Im Zweifelsfalls kann auch eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit durchgeführt werden.

Behandlung

Gemäß den unterschiedlichen Ursachen, die eine Nervenkompression bedingen können, stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Werden die Nerven durch Verhärtungen der Muskulatur eingeklemmt, so kommen häufig zunächst schmerzlindernde Präparate und Massagen zum Einsatz. Auch Akupunktur wird hier angewandt, um die Muskulatur wieder zu lockern und die Kompression der Nerven zu beheben. Anschließend kann Krankengymnastik (Physiotherapie) helfen, ein erneutes Auftreten der Beschwerden zu vermeiden. Bewegungs- und Dehnungsübung sollen – auch im Sinne der Prävention – eine positive Wirkung entfalten.

Wird der Nerv durch Beeinträchtigungen des Skelettsystems ausgelöst, gilt es, diese zu beheben. Ein ausgerenktes Schultergelenk ist zum Beispiel möglichst zeitnah wieder zu richten. Für diese sogenannte Reposition des Schultergelenks bedarf es in der Regel keiner Operation. Um Schädigungen der möglicherweise eingeklemmten Nerven zu vermeiden, ist allerdings schnelles Handeln geboten. Ein Bandscheibenvorfall lässt sich indes meist nicht so einfach wieder richten. Hier bedarf es in seltenen Fällen sogar einer Operation, um die Betroffenen von ihren Leiden zu befreien. Ein chirurgischer Eingriff wird unter Umständen auch bei dem Ulnarisrinnen-Syndrom und dem Karpaltunnel-Syndrom erforderlich. Drücken Tumore auf das Gewebe und klemmen auf diese Weise die Nerven ein, ist in der Regel ebenfalls eine operative Entfernung notwendig. Bei bösartigen Geschwüren beziehungsweise einer Krebserkrankung bleibt bis heute die Kombination aus Operationen, Chemo- und/oder Strahlentherapie oftmals die einzige Behandlungsoption.

Schmerzen durch Blockierungen der Nervenbahnen. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Naturheilkundliche Therapie

Als alternative Behandlungsansätze bei einem eingeklemmten Nerv sind neben der bereits erwähnten Akupunktur vor allem die manuellen Therapien aus dem Bereich der Osteopathie, der Chiropraktik und des Rolfing zu nennen. Verspannungen der Muskulatur sollen gelöst, Fehlstellungen behoben und bestehende Nervenkompressionen beseitigt werden. Gemäß ihres ganzheitlichen Ansatzes gehen die Verfahren auch Beschwerden nach, die zunächst nicht im offensichtlichen Zusammenhang mit dem eingeklemmten Nerv stehen.

Gegen die Verspannungen beziehungsweise zur Lockerung der Muskulatur und um die Schmerzen zu lindern, kommen bei der naturheilkundlichen Therapie eines eingeklemmten Nervs auch homöopathische Mittel (zum Beispiel Arnica, Bryonia ) und Schüssler Salze (Magnesium Phosphoricum; Schüssler Salz Nr. 7) zum Einsatz. Des Weiteren wird Pilates Übungen und Yoga hier eine positive Wirkung zugeschrieben. Da ein Zusammenhang zwischen den Muskelverspannungen und einer möglicherweise bestehenden Übersäuerung des Organismus vermutet wird, ist begleitend ein Ausgleich im Säure-Basen-Haushalt oftmals Ziel der naturheilkundlichen Therapie. Zunächst ist jedoch in den meisten Fällen einer Muskel-bedingten Nervenkompression eine Schonung beziehungsweise Ruhigstellung geboten, bevor mit weiteren therapeutischen Maßnahmen begonnen werden kann. Dies gilt sowohl für die naturheilkundliche als auch für die konventionelle Therapie. (fp)

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