Schmerzen am Oberschenkel: Oberschenkelschmerzen

Thorsten Fischer

Oberschenkelschmerzen sind nicht nur in Läufer- und Joggerkreisen ein weit verbreitetes Problem. Viele Menschen klagen auch im Sitzen über Schmerzen, die in den Oberschenkel ausstrahlen. Dieser Artikel soll Aufschluss über die unterschiedlichen Hintergründe und Ursachen bei Oberschenkelschmerzen geben.

Inhaltsverzeichnis:
Schmerzen am Oberschenkel: Oberschenkelschmerzen
Synonyme
Schmerzen am vorderen Oberschenkel
Schmerzen an der Schenkelinnenseite
Schmerzen an der Aussenseite des Oberschenkels
Schmerzen an der Rückseite des Oberschenkels
Naturheilverfahren und Oberschenkelschmerzen
Hausmittel und Oberschenkelschmerzen

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Synonyme

Oberschenkelschmerzen, Schmerzen am Oberschenkel, Femurschmerzen, Triggerband am Oberschenkel, laterales Schenkeltriggerband, dorsales Schenkeltriggerband, hinteres Schenkeltriggerband, Zylinderdistorsion am Oberschenkel, Reizung des Femoralnerven, Reizung des Tractus iliotibialis, Verklebung der ischiokruralen Muskulatur.

Symptome bei Oberschenkelschmerzen

Zuerst ist die Lokalisation am Oberschenkel wichtig, ob die Schmerzen hinten, seitlich, vorne oder mittig am Oberschenkel auftreten. Dann gibt es Unterscheide des Auftretens. Fußballer oder Läufer zum Beispiel klagen häufig über Schmerzen an der Innenseite des Oberschenkels beim Schießen bzw. Laufen.

Schmerzen, die beim Sitzen auftreten, geben die meisten Betroffenen an der Vorder- oder Rückseite an. Dies kann zum Teil in das ganze Bein ausstrahlen (meist vorne) oder ein ziehender brennender Schmerz entlang einer Linie (meist hinten oder seitlich). Diese Schmerzen treten häufig auch auf beim Liegen mit ausgestreckten Beinen, beim nach vorne beugen oder beim Aufstehen nach langem Sitzen oder morgens auf.

(Bild: Mercedes Fittipaldi/fotolia.com)
Den Oberschenkelschmerzen liegen häufig muskuläre Beschwerden zu Grunde. (Bild: Mercedes Fittipaldi/fotolia.com)

Schmerzen am vorderen Oberschenkel

Die Schmerzen am vorderen Oberschenkel sind häufig Nervenschmerzen. Vorne wird der Oberschenkel vom Femoralnerven versorgt, der von der oberen Lendenwirbelsäule kommt, zwischen den beiden Anteilen des Hüftbeugemuskels (M. iliopsoas) und unter dem Leistenband verläuft. Im Sitzen wird die Leiste etwas eingeklemmt und der Hüftbeuger verkürzt, was wohl zu einer Abklemmung des Nervens, mit Ausstrahlungen in den Oberschenkel führen kann. Nach Aussagen von Operationspersonal soll es zum Teil auch im Rahmen von Operation bei narkotisierten Patienten zum Herunterfallen des Beines von der schmalen Operationsliege gekommen sein, was wohl zu einer Überdehnung und Oberschenkelschmerzen nach einer OP geführt hat. Neben den Nerven können natürlich auch die vorderen Muskeln betroffen sein von Zerrungen oder Reizungen.

Schmerzen an der Schenkelinnenseite

Schmerzen an der Innenseite des Oberschenkels sind meist durch mechanische Belastung, wie zum Beispiel beim Laufen oder Fußballspielen auslösbar. Oftmals handelt es sich um Probleme mit den Muskeln, die das Bein heranziehen- den Adduktoren.

An der Schenkelinnenseite des Oberschenkels verläuft auch ein Nerv, der dieses Areal versorgt: der Nervus obturatorius. Der französische Osteopath Jean Pierre Barral gibt an, dass dieser Nerv bei Knochenbrüchen des Beckens oder nach Operationen im Unterleib geschädigt werden und so Beschwerden an der Schenkelinnenseite verursachen kann. Auf seinem Weg muss der Nerv durch das Loch, welches oberhalb des Sitzbeines im Beckenknochen ist. Auch dort gibt Barral an, kann es bei einem Bruch (Obturatorhernie), durch entzündliche Prozesse im Unterleib oder am Schambein zu Engpässen kommen, die den Nerven abklemmen können.

Schmerzen an der Außenseite des Oberschenkels

An der Außenseite des Schenkels verläuft eine derbe bindegewebige Sehne- der Tractus iliotibialis. In dem Buch „Funktionelle Anatomie des Menschen“ legt der deutsche Anatom Johannes W. Rohen überzeugend dar, wie in einer Untersuchung getestet werden konnte, dass diese derbe Struktur wie ein Zuggurt für unseren Oberschenkel funktioniert, indem die Sehne Zug- und Druckbelastungen vom Oberschenkel nimmt. So ist vorstellbar, dass eine ungünstige Zug- oder Druckverteilung oder Verklebungen in den Gleitflächen zum darunterliegenden Gewebe zu Beschwerden führen können. Im Verlauf des Tractus iliotibialis liegen auch therapeutische Reflexpunkte- die sogenannten Chapman-Punkte – die zur Behandlung von Darmbeschwerden dienen sollen. Daraus ist ein Zusammenhang zwischen Darmbeschwerden und Beschwerden an der Außenseite mit Chapman- Punkten herstellbar.

Versorgt wird die Außenseite von einem Nerven, der ganz außen unter dem Leistenband durchschlüpft – der Nervus cutaneus femoris lateralis. Auch er kann aus osteopathischer Sicht unter dem Leistenband abgeklemmt werden und so Beschwerden an der Außenseite machen.

Schmerzen an der Rückseite des Oberschenkels

Die Rückseite des Oberschenkels wird natürlich immer sofort mit dem Ischiasnerven in Verbindung gebracht. Schlagworte wie Ischiasschmerzen und Bandscheibenvorfall sind dann sofort präsent. Der Ischiasnerv kann aber auch nach seinem Durchtreten am Gesäß unter einem Muskel abgeklemmt werden: dem Piriformis- Muskel. Bei vielen Menschen sind die Gesäßschmerzen knallhart und dauerhaft angespannt. Das muss nicht immer Rückenschmerzen, Kreuzschmerzen oder Gesäßschmerzen verursachen, sondern kann auch Schmerzen an der Schenkelrückseite bedingen. Da der Nerv zwischen den rückseitigen Muskeln verläuft, können Schmerzen hier auch von Verklebungen der Gleitschichten der Muskeln untereinander (Faszien) kommen, die eventuell zusätzlich den Nerven behindern. Der französische Osteopath Alain Croibier weist daraufhin, dass Spannungen im Becken oder an den Beckenbändern auch den Nerven auf seinem Weg behindern können.

Naturheilverfahren und Oberschenkelschmerzen

Manuelle Therapien sind meist die erste Anlaufstelle von Menschen mit Schmerzen am Bewegungsapparat. Orthopädisch und neurologisch sollten bei Oberschenkelschmerzen strukturelle Ursachen ausgeschlossen werden.
In der Osteopathie steht vielfach die viszerale Osteopathie das Mittel der Wahl dar. Bewegungsstörungen der Nieren stehen häufig für eine Kompression von Nerven der oberen Lendenwirbelsäule und Bewegungsstörungen des Unterleibs für eine mögliche Behinderung der Nerven der unteren Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeinbereiches. Desweiteren können natürlich unökonomische Spannungsverteilungen aus Sicht der viszeralen Osteopathie die Nerven an Engstellen, zum Beispiel unter dem Leistenband, abklemmen und die Beschwerden verursachen.

Für Therapeuten, die mit Reflexpunkten arbeiten können beispielsweise Schmerzen an der Aussenseite des Oberschenkels für Probleme des Darmes stehen. Auch das Rolfing, oder auch Strukturelle Integration, betrachtet die gesamte Statik als Ursache für Beschwerden und schaut, bzw. behandelt über den Oberschenkel hinaus. Nach dem Fasziendistorsionmodell (FDM) ist die Herangehensweise direkter. Die Schmerzen werden bei ziehenden brennenden Schmerzen als Verdrehung der Faszien gesehen und im Verlauf behandelt. Großflächige Beschwerden werden als eine unphysiologische Überlapung der oberflächlichen in Spiralwindungen angelegten Zylinderfaszien gesehen, die durch Abziehen mit der Hand des FDM- Therapeuten oder Schröpfköpfe behandelt werden.

Hausmittel und Oberschenkelschmerzen

Wenn aus orthopädischer und neurologischer Sicht strukturelle Ursachen ausgeschlossen wurden, so kann es sinnvoll sein, die manuelle Behandlung zu ergänzen. Wenn Schmerzen an der Rückseite des Oberschenkels durch einen Hartspann des Piriformis-Muskels verursacht werden, kann eine Dehnung des Piriformismuskels oder der ischiokruralen Muskulatur zuhause oder nach dem Sport sinnvoll sein. Schmerzen an der Außenseite und Innenseite, wenn durch den Tractus verursacht, können auch selbst nach Anleitung durch einen Physiotherapeuten, Rolfing- Therapeuten oder Osteopathen behandelt werden. Schmerzen am Oberschenkel vorne können eine Dehnung des Hüftbeugers notwendig machen, wenn die Betroffenen nach Analyse des Behandlers zuviel sitzen. (tf)