Schulterblattschmerzen: Schmerzen am Schulterblatt

Astrid Goldmayer

Schulterblattschmerzen können auf oder unter dem Schulterblatt, aber auch zwischen den Schulterblättern auftreten. Die Beschwerden können sich bewegungsabhängig oder auch in Ruhe bemerkbar machen. Einige Patienten klagen beispielsweise darüber, nachts vom Schmerz geweckt zu werden. Häufig sind Schmerzen am Schulterblatt auf eine einseitige Belastung oder Überlastung, Reizungen und Entzündungen der Sehnen und Schleimbeutel sowie Muskelverspannungen zurückzuführen. Darüber hinaus können unfallbedingte Verletzungen im Bereich der Schulter zu starken Beschwerden und Bewegungseinschränkungen führen.

Inhaltsverzeichnis

Definition
Beschwerdebild: Symptom Schulterblattschmerzen
Funktionelle Ursachen
Schulterschmerzen beim Rotatorenmanschettensyndrom
Schulterblattschmerzen beim Impingementsyndrom
Schulterblattschmerzen bei Verletzungen
Risikofaktoren
Diagnose
Behandlungsoptionen

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Definition

Schulterblattschmerzen sind schmerzhafte Beschwerden, die im Bereich des Schulterblattes auftreten. Die Schmerzen können sich ein- oder beidseitig bemerkbar machen. Häufig gehen Beschwerden am Schulterblatt mit einer Bewegungseinschränkung einher.

Anatomie Schultergelenk mit Beschreibung deutsch
Schmerzen im Bereich des Schulterblattes stehen oftmals im Zusammenhang mit funktionellen Beeinträchtigungen der Schulter. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

 

Beschwerdebild: Symptom Schulterblattschmerzen

Meist sind Schulterblattschmerzen auf einseitige Belastung oder Überlastung zurückzuführen. Die Beschwerden verschwinden dann nach einer Zeit der Schonung von allein. Handelt es sich jedoch andauernde, wiederkehrende oder akute Schmerzen nach einem Unfall, sollte eine ärztliche Untersuchung erfolgen, um eine ernste Erkrankung der Schulter auszuschließen.

Die Anatomie Schulter besteht aus drei Hauptstrukturen, dem Schultergürtel (Schlüsselbeine und Schulterblätter), dem Schultergelenk (Schulterblatt und Oberarmknochen) sowie dem Schulterdach (Akromion) und dem Rabenschnabelfortsatz (Coracoid), die als Knochenvorsprünge zum Schulterblatt gehören. Im Gegensatz zu vielen anderen Gelenken im menschlichen Körper ist der Bandapparat des Schultergelenks relativ schwach ausgebildet. Muskeln und Sehnen sorgen für die Stabilität der Schulter, die zusammen als Rotatorenmanschette bezeichnet werden. Der Musculus supraspinatus (Obergrätenmuskel), der Musculus infraspinatus (Untergrätenmuskel), der Musculus teres minor (kleiner runder Armmuskel) und der Musculus subscapularis (Unterschulterblattmuskel) bedecken als Teil der Rotatorenmanschette das Schultergelenk dachartig. Sie verlaufen vom Schulterblatt zum Oberarmknochen, wo ihre Sehnen ansetzen.

Betroffene geben Schulterblattschmerzen häufig mittig zwischen Schulterblatt und Wirbelsäule an. Die Beschwerden können aber auch auf oder unter dem Schulterblatt auftreten. Einige Patienten klagen zudem über Nackenschmerzen oder Nackenverspannungen. Häufig machen sich die Schmerzen beim Armheben oder –zurücknehmen bemerkbar.

Funktionelle Ursachen

Zwischen den Schulterblättern befinden sich die sogenannten die Musculi rhomboideii (Muskulus rhomboideus minor und Muskulus rhomboideus major). Aufgrund von Verspannung können diese Muskeln zu Beschwerden führen und sogenannte Triggerpunkte aufweisen, spürbare Verhärtungen, die durch den Druck bei der Behandlung weicher und schmerzunempfindlicher werden. Die Musculi rhomboideii werden vom Trapezmuskel (Muskulus trapezius) überdeckt, der nach außen zu den Schultern und bis zum Hinterkopf verläuft und ebenfalls Verspannungen und Triggerpunkte aufweisen kann. Betroffene klagen meist über Schmerzen beim Zusammenziehen der Schulterblätter Richtung Wirbelsäule, die zum Teil bis in den Arm und die Finger ausstrahlen können.

Am oberen mittleren „Zipfel“ des Schulterblattes setzt der Schulterblattheber (Musculus levator scapulae) an, der ebenfalls Verspannungen aufweisen und mit dem Trapezmuskel „verkleben“ kann, so dass die Muskeln und ihre Bindegewebshüllen (Faszien) nicht mehr richtig aneinander gleiten und Beschwerden verursachen können. Betroffene klagen meist über punktuelle Schmerzen am Ansatz des Schulterblattes beim Heben der Schulter oder beim Kopf schräg nach hinten drehen.

Muskelverspannungen gehören zu den häufigsten Ursachen von Schulterblattschmerzen und können jeden Muskel betreffen, der im Bereich der Schulter verläuft.

Schulterschmerzen beim Rotatorenmanschettensyndrom

Unter dem Begriff „Rotatorenmanschettensyndrom“ (PHS, Periarthropathia humeroscapularis) werden verschiedene Beschwerdebilder zusammengefasst, die mit verschleißbedingte Schäden einhergehen und unter anderem zu Schmerzen im Bereich des Schulterblattes führen können. Die Verschleißerscheinungen reichen von kleinen Rissen (Rupturen) in den Sehnenfasern bis zum vollständigen Sehnenabriss. Davon sind vor allem die Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettensyndrom), die Sehnenplatte der Schulterdreher, sowie die Bizepssehne (Bizepssehnensyndrom) betroffen. Dabei treten meist Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen auf. Zudem können sich die Sehnen und/ oder die Schleimbeutel entzünden. Kalkablagerungen, von denen vor allem die Supraspinatussehne betroffen ist, beziehungsweise Verklebungen im Gelenk können bis zur Versteifung der Schulter führen. Einige Betroffene klagen zudem über Knackgeräusche in der Schulter (Schulterknacken).

Schulterblattschmerzen beim Impingementsyndrom

Das Impingementsyndrom (Engpasssyndrom) bezeichnet eine Einengung des Gleitraumes der Sehnen der Rotatorenmanschetten sowie des Schleimbeutels zwischen Oberarmkopf und Schulterdach. In der Folge treten Bewegungseinschränkungen des Schultergelenks auf, die von Schmerzen begleitet werden. Häufig ist die dauerhafte Überlastung Ursache der Beschwerden. In einigen Fällen lässt sich der Auslöser der Erkrankung jedoch nicht erkennen.

Beim Impingementsyndrom liegen verschleißbedingte Veränderungen der Suspraspinatussehne vor, die aufgrund einer Enge im Bereich der Rotatorenmanschette und der aufliegenden Schleimbeutel auftreten. Durch die Einquetschung leiden Betroffene zum Teil an starken Schmerzen unter anderem am Schulterblatt.

Schulterblattschmerzen bei Verletzungen

Unfallbedingte Verletzungen im Bereich der Schulter kommen relativ häufig vor. Diese können das Schultergelenk und/oder seine umgebenden Strukturen wie Muskeln, Sehnen und Bänder sowie die Schulterknochen betreffen. Die Verrenkung des Schultergelenks (Schulterluxation) kann neben anderen Beschwerden auch zu Schulterblattschmerzen führen. Ähnlich verhält es sich mit Verletzungen der anderen Strukturen der Schulter.

Unter massiver Gewalteinwirkung wie bei Verkehrsunfällen kann das Schulterblatt brechen. Eine solche Fraktur wird meist konservativ behandelt, sofern keine weiteren Strukturen betroffen sind.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Ursachen, die zu Schulterblattschmerzen führen können wie beispielsweise Entzündungen im Bereich der Schulter, Arthrose, Nervenschädigungen, Rheuma, Tumore und Gefäßerkrankungen.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren für Schulterblattschmerzen gehören vor allem chronische Überlastung beispielsweise aufgrund bestimmter Sportarten wie Tennis sowie Muskelverspannungen, die nicht rechtzeitig behandelt werden. Häufig genügt eine Massage, um starken Verspannungen im Bereich der Schulter vorzubeugen. Verletzungsbedingte Schulterblattschmerzen treten häufig infolge von Verkehrsunfällen oder Ski- und Reitunfällen auf.

Diagnose

Treten Schulterblattschmerzen akut infolge eines Unfalls, andauernd oder wiederkehrend auf, sollten Betroffene ärztlichen Rat einholen. Bei der Untersuchung wird der Arzt zunächst Fragen zur Krankengeschichte und möglichen Ursachen der Beschwerden stellen. Danach folgt eine eingehende Untersuchung der Schulter, bei der mögliche Bewegungseinschränkungen und sichtbare Veränderungen wie Rötungen und Schwellungen geprüft werden. Häufig treten Schulterblattschmerzen bei bestimmten Bewegungen auf, die dem Arzt bei der Diagnosestellung wichtige Anhaltspunkte geben können. Eine Tastuntersuchung kann unter anderem Hinweise auf Triggerpunkte geben.

Um ein muskuläres oder nervliches Problem zu diagnostizieren, kann ein Elektromyogramm (EMG) durchgeführt werden, bei dem die Aktivität der Muskeln in Ruhe und in Bewegung gemessen wird, so dass festgestellt werden kann, in welchem Bereich (Muskel oder Nerv) eine Störung vorliegt. Zudem kann die Nervenleitgeschwindigkeit ermittelt werden. Weitere Untersuchungen wie Röntgenuntersuchung, Ultraschall, Magnetresonanztherapie (MRT), Computertomographie (CT) oder Blutuntersuchungen können ebenfalls notwendig sein.

Behandlungsoptionen

Die Behandlung von Schulterblattschmerzen richtet sich nach der Ursache. Bei entzündlichen Prozessen werden meist entzündungshemmende Schmerzmittel verabreicht. Zudem kann die Schonung der Schulter sinnvoll sein. In anderen Fällen kann Bewegung und gezielter Muskelaufbau sinnvoll sein. Bei einer Fraktur des Schulterblattes kann entweder die Ruhigstellung der Schulter erfolgen oder falls nötig, ein operativer Eingriff durchgeführt werden.

Da häufig keine Erkrankung sondern vielmehr funktionelle Ursachen Auslöser der Beschwerden sind, kann eine osteopathische Behandlung oder Rolfing erfolgversprechend sein. Beide Behandlungskonzepte beziehen die Gesamtstatik des Körpers mit ein und untersuchen, welche Strukturen zu Spannungen an der Schulter führen. Häufig sind Triggerpunkte Auslöser der Schmerzen. Mit verschiedenen Behandlungsmethoden unter anderem aus der manuellen Therapie oder der Physiotherapie werden die Triggerpunkte gezielt weicher und schmerzunempfindlicher. (ag)