Schmerzende Brustwarzen: Brustwarzenschmerzen

Jeanette Vinals Stein

Ursachen für schmerzende Brustwarzen und Brüste

Schmerzende Brustwarzen und Brüste können vielfältige Ursachen haben. Sowohl scheuernde Kleidung als auch Entzündungen oder gutartige Knoten kommen als Auslöser in Betracht. In den meisten Fällen lassen sich die Beschwerden auf hormonelle Faktoren zurückführen, wobei vor allem Frauen in der Schwangerschaft und Stillzeit betroffen sind. Insbesondere bei sichtbaren Veränderungen der Brustwarzen und austretender Flüssigkeit außerhalb der Stillzeit sollte rechtzeitig eine medizinische Untersuchung erfolgen, um bösartige Tumoren (Brustkrebs) auszuschließen.

Textilien können zu Brustwarzenschmerzen führen

Brustwarze (Mamille) und Warzenvorhof reagieren sehr empfindlich auf Berührungen, da das Gewebe von zahlreichen Nervenendigungen durchzogen ist. Aus diesem Grund können physikalische Einflüsse, etwa raue oder kratzige Textilien, bereits zu Schmerzen im Bereich der Brustwarzen führen. Gleiches gilt für Kleidungsstücke, die lange Zeit problemlos getragen wurden. Denn diese können durch Abnutzung und häufiges Waschen ihre Struktur verändern und dadurch plötzlich die sensible Brustwarzenhaut reizen.

Kleidung mit hautreizenden Stoffen oder rauher Struktur kann bei direktem Hautkontakt schnell zu Brustwarzenschmerzen führen. (Bild: vaivirga/fotolia.com)
Kleidung mit hautreizenden Stoffen oder rauher Struktur kann bei direktem Hautkontakt schnell zu Brustwarzenschmerzen führen. (Bild: vaivirga/fotolia.com)

Schmerzende Brustwarzen durch Entzündung

Steckt hinter den Brustwarzen- bzw. Brustschmerzen eine Entzündung, so handelt es sich häufig um eine Brustdrüsenentzündung. Fast immer sind Frauen betroffen, insbesondere in der frühen Stillzeit. Eine Entzündung, die mit den beschriebenen Symptomen einhergeht und dabei auf die Brustwarzen beschränkt bleibt, wird als „Thelitis“ bezeichnet.

Brustdrüsenentzündung

Die Brustdrüsenentzündung (Mastitis) betrifft zu ungefähr 70 % Frauen im Wochenbett, während die restlichen 30 % der Fälle außerhalb dieser Zeit entstehen. Meist entwickelt sich die Entzündung des Brustdrüsenkörpers einseitig, nachdem durch das Stillen des Neugeborenen kleine Einrisse in der empfindlichen Brustwarzenhaut entstanden sind. Keimen aus der Umgebung bzw. aus Mund und Rachen des Babys, wird damit Zutritt in das Gewebe von Brustdrüse und Lymphknoten gewährt. Durch zusätzlichen Milchstau wird den Erregern oftmals ein günstiges Milieu geboten.

Die betroffenen Frauen klagen einige Tage nach der Entbindung über schmerzende Brustwarzen und Spannungsgefühl in einer oder beiden Brüsten, die sich in den entzündeten Bereichen warm bis heiß anfühlen und gerötet sind. Die Frauen fühlen sich allgemein krank und abgeschlagen, nicht selten treten hohes Fieber und Schüttelfrost auf. Möglich ist weiterhin, dass sich Abszesse bilden und eine Lymphknotenschwellung unter den Achseln tastbar ist.

Außerhalb des Wochenbetts entsteht die Brustdrüsenentzündung oftmals durch kleine Verletzungen, die dann als Eintrittspforte für Keime fungieren. Liegen Zysten oder Gewebswucherungen vor, können Sekretfluss bzw. Sekretstau als begünstigende Faktoren bestehen.

Als Ursachen kommen weiterhin Schilddrüsenfunktionsstörungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Hypothyreose sowie Brustkrebs in Frage. Parallel zu den Schmerzen und einer erhöhten Druckempfindlichkeit, zeigt sich oft ein milchiger oder blutiger Ausfluss.

Schmerzende Brustwarzen lassen sich oft auf harmlose Ursachen zurückführen. (Bild:  Eskymaks/fotolia.com)
Schmerzende Brustwarzen lassen sich oft auf harmlose Ursachen zurückführen. (Bild: Eskymaks/fotolia.com)

Brustschmerzen durch Hormonumstellung

Nicht nur aufgrund der Stillzeiten sind Frauen wesentlich häufiger betroffen als Männer. Auch andere hormonelle Veränderungen in weiblichen Entwicklungs- und Umstellungsphasen gehen oft mit Schmerzen und Spannungsgefühl in den Brüsten oder juckenden Brustwarzen einher. Dazu gehören das Brustwachstum in der Pubertät, Schwangerschaften und die monatliche Menstruation, welche häufig zusätzlich von Regelschmerzen begleitet wird.

Knoten und schmerzende Brustwarzen

Gehen tastbare Knoten mit den Schmerzen einher, ist unverzüglich eine fachärztliche Untersuchung angezeigt. In dieser sollte dringend abgeklärt werden, ob sich hinter der schmerzhaften Verdickung eine Brustdrüsenentzündung, ein Abszess, ein gutartiger Tumor oder ein Mammakarzinom (Brustkrebs) verbirgt. Bilden sich in späteren Stadien einer Mastitis bzw. Thelitis schmerzhafte Abszesse, sind diese mitunter als Knoten zu ertasten. Bei einem Abszess besteht die Gefahr der Streuung von Bakterien ins Blut, die zu einer Blutvergiftung führen kann.

Treten die Schmerzen unmittelbar vor der Menstruation auf und sind einzelne Knoten in der Brust zu tasten, kann ein gutartiger Tumor vorliegen. Diese – als Mastopathie bekannte – Umbaureaktion im Bindegewebe der Brust, ist Resultat eines hormonellen Ungleichgewichts und betrifft etwa 30 bis 50% aller Frauen, insbesondere im Alter von 35 bis 55 Jahren. Eine andere gutartige Geschwulst, die sich aus Drüsen- und Bindegewebe in der Brust bilden kann, ist das so genannte „Fibroadenom“.

Bösartige Erkrankungen

Die Gründe für die Beschwerden sind in vielen Fällen harmlos, können aber auch Zeichen einer ernsthaften Erkrankung sein. Ein bösartiges Karzinom der Brust schmerzt beim Ertasten meist selbst nicht, kann jedoch mit einer schmerzhaften Entzündung einher gehen. Entzündungen (außerhalb des Wochenbetts), ob Brustwarze oder Brustdrüse betreffend, sollten nicht zuletzt deshalb in jedem Fall fachärztlich untersucht werden.

Hinter einer einseitigen, langsam wachsenden entzündlichen Rötung kann sich ein Morbus Paget der Brustwarze und des Brustwarzenvorhofs verbergen. Dabei handelt es sich um eine selten auftretende Krebserkrankung, die sich durch Jucken, Nässen, Schuppenkrusten, Ausfluss aus der Mamille und später auch Knotenbildung äußert und oftmals auf ein tieferliegendes Karzinom hinweist.

Zeigen sich neben einer Verdickung und Schmerzen z.B. Veränderungen der Brustwarze, sollte zur Abklärung der Ursache ungehend ein Gynäkologe aufgesucht werden. (Bild: auremar/fotolia.com)
Zeigen sich neben einer Verdickung und Schmerzen z.B. Veränderungen der Brustwarze, sollte zur Abklärung der Ursache ungehend ein Gynäkologe aufgesucht werden. (Bild: auremar/fotolia.com)

Wann besteht Verdacht auf Brustkrebs?

Der Verdacht auf ein Mammakarzinom besteht unter anderem dann, wenn sich neben dem tastbaren Knoten blutige Absonderungen aus der Brustwarze sowie Veränderungen derselben zeigen. Dies ist nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. zum Beispiel der Fall, wenn die Brustwarze plötzlich wie „nach innen gezogen“ scheint. Gleiches gilt für neu auftretende Hauterscheinungen wie Großporigkeit oder „Orangenhaut“, nicht abklingende Rötungen und Entzündungen. Wird plötzlich ein Größenunterschied der Brüste erkennbar, ist dies den Experten zufolge ebenfalls ein Grund, einen Arzt aufzusuchen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung erfolgt stets in Abhängigkeit der Ursache. Bei wunden, gereizten Brustwarzen ist die Verträglichkeit verschiedener Kleidungsstücke und Unterwäsche zu beobachten. Die Brustwarzen sind mit Öl oder Salben geschmeidig zu halten, zeitweise können auch Stilleinlagen benutzt werden.

Um Entzündungen im Wochenbett zu vorzubeugen, sollte konsequent auf Hygiene geachtet und intensive Brustwarzenpflege, z.B. mit Ringelblumensalbe oder Nachtkerzenöl, vorgenommen werden. Manchmal kann die Anwendung von Stillhütchen oder die Optimierung der Stilltechnik helfen. Für diesen Bereich ist eine Hebamme sicherlich die beste Ansprechpartnerin.

Brustdrüsen- und Brustwarzenentzündungen werden konventionell mit Antibiotika behandelt. Bei Abszessen wird manchmal ein Hautschnitt zum Abfließen des Eiters vorgenommen.

Hausmittel und Naturheilkunde bei Brustwarzenschmerzen

Äußerlich helfen bei einer Entzündung kühlende Umschläge, die mit Arnika, Kamille oder anderen entzündungshemmenden Heilpflanzen zubereitet werden. Quarkwickel oder der frische Saft aus Blättern der Aloe vera haben einen wundheilenden und kühlenden Effekt und können daher sehr wohltuend bei empfindlichen Brüsten sein.

Anleitung für Quarkwickel

  1. Nehmen Sie den Quark vor der Anwendung aus dem Kühlschrank und lassen Sie ihn etwas aufwärmen
  2. Bestreichen Sie eine große Kompresse oder eine Stoffwindel etwas 0,5 cm dick damit
  3. Legen Sie den Wickel mit der Quark-Seite direkt auf die Brust
  4. Alternativ können die Seiten des Tuchs eingeschlagen werden, sodass ein Päckchen entsteht
  5. Der Wickel bleibt so lange auf der Brust, bis er komplett durchgewärmt ist
  6. Quarkreste können einfach mit einem feuchten Tuch abgewischt werden

Achtung: Wird die Auflage als unangenehm empfunden oder zeigen sich allergische Hautreaktionen, sollte der Quark umgehend wieder abgewaschen werden.

Bösartige Erkrankungen können bei konventioneller Behandlung mit Verfahren aus der Naturheilkunde begleitet werden. Die biologische Krebstherapie versucht mit den vielfältigsten naturheilkundlichen Methoden die schulmedizinische Therapie zu unterstützen. Sie integriert zum Beispiel Vitamin- und Mineralstoffpräparate, Homöopathie, Akupunktur, Milieutherapie und Hypnotherapie, um die körpereigenen Selbstheilungskräfte zu aktivieren und Nebenwirkungen von Chemotherapie und Bestrahlungen abzumildern.

Mistelextrakte zählen zu den am häufigsten eingesetzten Alternativmedikamenten in der Krebstherapie. (Bild: euthymia/fotolia.com)
Mistelextrakte zählen zu den am häufigsten eingesetzten Alternativmedikamenten in der Krebstherapie. (Bild: euthymia/fotolia.com)

Ein weiteres naturheilkundliches Verfahren, welches mittlerweile häufig in der alternativmedizinischen Krebstherapie begleitend zum Einsatz kommt, ist die Misteltherapie.

Insgesamt ist der Bereich der sogenannten „komplementären Heilmethoden“ sehr groß und gleichzeitig unübersichtlich, sodass oft nicht erkennbar ist, was sich tatsächlich hinter den Bezeichnungen verbirgt. Ein neues Informationsportal zu alternativen Krebs-Heilmethoden soll hier Abhilfe schaffen. Das Portal des Kompetenznetzwerks Komplementärmedizin in der Onkologie (KOKON) bietet Betroffenen Unterstützung, indem es verständliche Texte mit Hintergrundinformationen zu verschiedenen Behandlungen anbietet. (jvs, nr; zuletzt geändert am 14.10.2016)