Schulterknacken; Knacken in der Schulter

Astrid Goldmayer

Schulterknacken Ursachen und Behandlung

Knackgeräusche in der Schulter sind für Betroffene häufig irritierend, in vielen Fällen jedoch harmlos. Das Schulterknacken tritt meist bei bestimmten Bewegungen auf. Die Ursachen sind vielfältig und zum Teil noch nicht abschließend geklärt. So wird beispielsweise angenommen, dass Gelenkknacken auf Gasbläschen in der Gelenkschmiere zurückzuführen ist, die bei Druckausgleich gebildet werden. Je nachdem, wo genau das Geräusch auftritt, kommen jedoch auch Verschleißerscheinungen und andere Erkrankungen als Ursache von Schulterknacken in Frage. Schulterknacken kann von Schmerzen und Bewegungseinschränkungen begleitet ein.

Inhaltsverzeichnis:
Definition
Ursachen von Schulterknacken
Diagnose
Behandlungsoptionen bei Schulterknacken

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Definition

Als Schulterknacken oder Schulter(blatt-)krachen werden Geräusche bezeichnet, die im Bereich der Schulter bei bestimmten Bewegungen wie Schulter- oder Armkreisen, Schulterheben oder bei Kopfüberbewegungen auftreten. Schulterknacken kann vorübergehend oder dauerhaft auftreten, die von Reibegeräuschen sowie von Schmerzen und/ oder Bewegungseinschränkungen begleitet sein können. Betroffene haben häufig bei alltäglichen Tätigkeiten wie dem Anziehen oder dem Waschen des Rückens Probleme, so dass die Beschwerden eine deutliche Einschränkung und Minderung der Lebensqualität zur Folge haben und als äußerst unangenehm empfunden werden.

Anatomie Schultergelenk mit Beschreibung deutsch
(Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Ursachen von Schulterknacken

Die Schulter besteht aus verschiedenen Strukturen: Die Schlüsselbeine und die Schulterblätter stellen zusammen den Schultergürtel dar, das Schultergelenk selbst wird vom Schulterblatt und dem Oberarmknochen gebildet. Das sogenannte Schulterdach (Akromion) sowie der Rabenschnabelfortsatz (Coracoid) gehören als Knochenvorsprünge zum Schulterblatt. Anders als bei vielen anderen Gelenken sorgen beim Schultergelenk nicht eine Vielzahl von Bändern sondern vielmehr bestimmte Muskeln mit ihren Sehnen für die Stabilität, die zusammen als Rotattorenmanschette bezeichnet werden. Dazu gehören der Musculus supraspinatus (Obergrätenmuskel), der Musculus infraspinatus (Untergrätenmuskel), der Musculus teres minor (kleiner runder Armmuskel) und der Musculus subscapularis (Unterschulterblattmuskel). Die Rotatorenmanschette bedeckt das Schultergelenk dachartig. Die Muskeln verlaufen vom Schulterblatt zum Oberarmknochen, wo ihre Sehnen ansetzen. In Relation zu den starken Kräfte und der Beanspruchung, die bei Bewegung auf das Schultergelenk und seine umgebenden Strukturen wirken, ist der Bandapparat relativ schwach ausgebildet. Für die Stabilität sind deshalb in erster Linie die Muskeln der Rotatorenmanschette verantwortlich. Das Schultergelenk ist das beweglichste Kugelgelenk im menschlichen Körper.

Treten Knackgeräusche im Bereich der Schulter auf, kann die Ursache die Sehnen, die Muskeln, den Gelenkknorpel oder die knöchernen Strukturen betreffen. Schulterknacken kann auf Höhe des Schulterblatts, tief im Gelenk, an der Seite, vorn oder rückseitig auftreten. Häufig handelt es sich bei dem Geräusch um Sehnenschnappen, wenn es seitlich oder an der Rückseite der Schulter auftritt. Dann sind entweder die Außenrotatoren oder die Supraspinatussehne, die seitlich am Oberarm verläuft, Auslöser der Geräusche. Ebenso kann die Bizepssehne betroffen sein, wenn das Schulterknacken seitlich oder vorn auftritt. Geräusche, die sich beim Schulterkreise im Bereich des Schulterblattes bemerkbar machen, können auf Verhärtungen der Muskulatur unter dem Schulterblatt zurückzuführen sein, wenn sich das Schulterblatt über die Muskeln bewegt.

Knack- oder Schnappgeräusche im Bereich der Schulter treten relativ häufig auf und sind zunächst kein Grund zur Besorgnis. Kommen jedoch weitere Beschwerden wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen hinzu, könnte eine Erkrankung oder eine verschleißbedingte Schädigung der Schulter vorliegen. So können Knackgeräusche im Bereich der Schulter auch ein Hinweis auf das sogenannte Rotatorenmanschettensyndrom (PHS, Periarthropathia humeroscapularis) sein, das verschiedene Beschwerdebilder zusammengefasst. Dabei handelt es sich um verschleißbedingte Schäden, die beispielsweise mit kleinen Rissen (Rupturen) in den Sehnenfasern beginnen und bis zum vollständigen Sehnenabriss führen können. Vor allem die Rotatorenmanschette, die Sehnenplatte der Schulterdreher, sowie die Bizepssehne sind von dem Verschleiß betroffenen. Deshalb spricht man vom Rotatorenmanschettensyndrom beziehungsweise dem Bizepssehnensyndrom. Betroffenen leiden meist an Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Es treten Entzündungen der Sehnen und/ oder der Schleimbeutel auf. Kalkablagerungen beziehungsweise Verklebungen im Gelenk können zur Versteifung der Schulter führen.

Diagnose

Bei Schulterknacken, das von Schmerzen und/ oder Bewegungseinschränkungen begleitet ist, sollte ein Arzt konsultiert werden. Die hier aufgeführten Ursachen sind lediglich eine Auswahl an möglichen Auslösern für Knack- und Schnappgeräusche im Bereich der Schulter. Darüber hinaus gibt es weitere zahlreiche Ursachen, die nur im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung festgestellt beziehungsweise ausgeschlossen werden können. Dabei stellt der Arzt zunächst Fragen nach der Krankengeschichte, um gegebenenfalls bei Vorerkrankungen wie Rheuma bereits einen Hinweis auf die Ursache der Beschwerden zu erhalten. Zudem findet eine eingehende Untersuchung des Bewegungsapparates und der Schulter statt. Die genaue Lokalisation der Beschwerden spielt dabei eine wichtige Rolle. Es können Röntgenaufnahmen, Ultraschalluntersuchungen sowie Magnetresonaztomografien (MRT) notwendig sein.

Behandlungsoptionen bei Schulterknacken

Die Therapie von Schulterknacken richtet sich nach seiner Ursache. Treten keine Begleiterscheinungen wie Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen auf, ist häufig angemessene Bewegung wie beispielsweise Dehnübungen sinnvoll.

Bei Entzündungen der Sehnen oder Schleimbeutel ist meist eine vorübergehende Schonung der Schulter angezeigt. Hinzu kommt die Gabe von entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten sowie eine spezielle Physiotherapie („Schulterschule“) bei der die Betroffenen lernen, wie sie ungünstige, wiederkehrende Bewegungen und Haltungen vermeiden beziehungsweise bessere Alternativen einüben. Je nach Ursache der beschwerden können unter anderem Stoßwellentherapie, Elektrotherapie und Akupunktur hilfreich sein. Ein Besuch beim Osteopathen kann ebenfalls sinnvoll sein, da dieser die Schulterbeschwerden in einem ganzheitlichen Kontext beurteilt und behandelt.

Zeigen die Maßnahmen nach einem Jahr keine Wirkung, ist meist ein operativer Eingriff notwendig, bei dem beispielsweise Kalkdepots ausgeräumt oder Schleimbeutel entfernt werden können. Ebenso können Sehnenrisse chirurgisch versorgt werden. Häufig geschehen die Eingriffe arthroskopisch im Rahmen einer Schultergelenkspiegelung. (ag)

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