Schwangerschaftsstreifen – Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Dr. Utz Anhalt

Dehnungsstreifen – Entstehung und wirksame Tipps zur Entfernung

Frauen sind sie ein Ärgernis, und auch Männer mögen wegen dem „Tigerfell“ ungern ins Schwimmbad gehen. Wenn der Sommerurlaub ansteht, Sport Blicke auf die nackte Haut freigibt oder wir mit dem neuen Partner intim werden, stören sie: Die Schwangerschaftsstreifen. Die Dehnungsstreifen entstehen, wenn die Unterhaut des Bindegewebes aufreißt, weil sich die Haut sehr dehnt. Dann enstehen auf der Oberfläche Streifen, das durchscheinende Blut lässt sie rötlich-blau erscheinen.


Schwangerschaftsstreifen – die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Schwangerschaftsstreifen entstehen, wenn die Unterhaut des Bindegewebes aufreißt, weil sich die Haut sehr dehnt.
  • Die Streifen sind nicht gefährlich, sondern ein ästhetisches Problem.
  • Sie treten überall auf, wo das Gewebe stark belastet wird.
  • Bei jungen Leuten ist durch das Wachstum die Haut überlastet. Deshalb sind Dehnungsstreifen bei ihnen weit verbreitet.
  • Die Hautrisse sind zum Großteil Veranlagung und lassen sich deshalb nicht gänzlich vermeiden.
  • Sind die Streifen da, lassen sie sich nicht komplett entfernen, es gibt lediglich Methoden, durch die sie weniger ins Auge stechen.
  • Ursachen von Schwangerschaftsstreifen sind, wie der Name sagt: Der wachsende Bauch von Schwangeren, besonders bei Zwillingsgeburten. Bis zu 90% aller Schwangeren zeigen diese blau-rötlichen Risse an Bauch, Hüfte, Po und Brust.
Schwangerschaftsstreifen sind feine Risse im Unterhautgewebe, die rötlich-blau durchscheinen. (Bild: juefraphoto/fotolia.com)

Weitere mögliche Ursachen für Schwangerschaftsstreifen sind:

  • Fettleibigkeit
  • eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche (auch Dünnen reißt die Unterhaut)
  • belastetes Bindegewebe, das neuen Belastungen nicht mehr standhalten kann: Vorheriges Übergewicht, Zweit- oder Drittschwangerschaften

Sind Schwangerschaftsstreifen gefährlich?

Nein. Dehnungsstreifen sind Narben von Rissen im Gewebe. Sie sind medizinisch nicht gefährlich, sondern für manche Menschen lediglich ein ästhetisches Problem.

Wie entstehen die Risse in der Unterhaut?

Im neunten Monat einer Schwangerschaft ist eine Frau bis zu 20 Kilogramm schwerer als zuvor. Der Körper bringt also eine enorme Leistung. Das meiste zusätzliche Gewicht bei Schwangeren sitzt an Bauch und Brust. Die Haut dehnt sich an diesen Stellen um ein Vielfaches. Wenn sich das Gewicht jetzt wieder zurück bildet, sieht die Haut nicht mehr so aus wie vorher.

Das gleiche ist der Fall, wenn Menschen viel Gewicht zulegen, weil sie zu viel Kalorien aufnehmen, sich zu wenig bewegen oder an Erkrankungen des Stoffwechsels leiden.

Bei Schwangeren wird die Haut durch die weiblichen Hormone außerdem dünner. In dieser dünnen und gedehnten Haut reißen die unteren Hautschichten schnell. In den Rissen scheinen die Blutgefäße durch, und deshalb entwickeln die Betroffenen das typische „Tigermuster“, also rötliche Streifen auf hellem Grund.

Welche Schwangeren haben ein besonderes Risiko?

Dehnungsstreifen haben besonders häufig junge Schwangere, Schwangere mit großen Babys und Schwangere, die bereits zuvor übergewichtig waren. Schwangere, die zuvor schon Dehnungsstreifen hatten, bekommen mit großer Wahrscheinlichkeit zusätzliche in den letzten Monaten vor der Kindsgeburt. Auch Mehrlingsgeburten bergen ein erhöhtes Risiko.

Wo treten Schwangerschaftsstreifen auf?

Dehnungsrisse treten dort auf, wo das Gewebe stark belastet wird. Meist sind das Bauch, Hüften, Po und Brüste. Aber zum Beispiel haben Bodybuilder oft Hautrisse unter den Achseln oder am Bizeps, also überall dort, wo sie (Muskel-) Gewicht zulegen. Mit Fettleibigkeit hat das bei diesen Sportlern nichts zu tun.

Die Streifen treten meist am Bauch, Po den Hüften und an den Brüsten auf. (Bild: staras/fotolia.com)

Dehnungsrisse bei Jugendlichen

Circa 70 % aller Mädchen und 40 % der Jungen in der Pubertät haben Dehnungsrisse, meist an Brust, Beinen oder Po. Bei ihnen ist die junge Haut überfordert. Die Wachstumsschübe in der Pubertät und starke Gewichtsschwankungen sorgen dafür, dass Verletzungen in der Unterhaut entstehen, und das Bindegewebe diese nicht ausreichend regeneriert.

Was fördert Dehnungsstreifen?

Neben Gewichtszunahme und folgender Hautdehnung können auch andere Faktoren Risse in der Unterhaut fördern. Dazu gehören: Eine Unterversorgung mit Vitamin E und C, ein Eiweißmangel oder die Einnahme von Steroidhormonen bei Bodybuildern.

Vorbeugung von Schwangerschaftsstreifen

Die Risse lassen sich nicht gänzlich vermeiden, es ist aber möglich, vorzubeugen.

Eine gesunde Ernährung stärkt das Bindegewebe. Hauptverbündete gegen die gestreifte Haut sind Vitamin E und C sowie Beta-Karotinoide und ausreichend Flüssigkeit. Vitamin E baut die Haut auf, Vitamin C stützt das Bindegewebe.

Vitamin C ist besonders in Zitrusfrüchten enthalten und in verschiedenen Kohlsorten, zum Beispiel in Grünkohl. Vitamin E können Sie sich im Alltag über Öle und Nüsse zuführen. Karotinoide besorgen Sie sich über Brokkoli, Möhren oder Paprika.

Bewegung

Wenn wir Sport treiben, fließt Blut und die Haut und das Bindegewebe bleiben straff. Ein so gefestigtes Bindegewebe hält Belastungen besser stand und reißt weniger. Es geht dabei nicht um Profisport, besonders nicht für Schwangere. Wandern und Schwimmen eignen sich vorzüglich, um das Bindegewebe zu stärken.

Wechselduschen

Wechselduschen fördert die Durchblutung der Haut und ist daher ein gutes Hausmittel gegen Dehnungsstreifen. Außerdem lässt es sich ohne großen Aufwand in den täglichen Alltag integrieren. Sie müssen nur beim Duschen statt einer gleichmäßig warmen Dusche Busen, Po, Schenkel und Hüften abwechselnd warmem und kaltem Wasser aussetzen. Sie enden immer mit dem kalten Wasser. Ideal ist es, wenn Sie die Haut zusätzlich mit einem Massagehandschuh pflegen.

Öle und Cremes

Überdehnte Haut reißt umso mehr, wenn sie trocken ist. Dagegen hilft es, die Haut einzuölen oder eine Creme zu benutzen. Für Schwangere eignen sich Mandelöl und Weizenkeimöl.

Regelmäßiges Eincremen schützt vor Hauttrockenheit und kann dadurch der Entstehung von Dehnungsstreifen vorbeugen. (Bild: alter_photo/fotolia.com)

Dehnungsstreifen entfernen

Was tun Sie aber, wenn es bereits zu spät ist, und die Risse ihre Haut mustern? Im Klartext: Es gibt keine wirklich wirksame Behandlung gegen bereits entstanden Dehnungsstreifen. Am besten lassen sich die unansehnlichen Streifen behandeln, wenn sie gerade erst entstanden sind. Narbenpflegecremes wirken keine Wunder, wenn sie diese regelmäßig einsetzen, verhindern sie aber zumindest, dass die Streifen sich verschlimmern.

Übertreiben Sie ihren „Kampf gegen die Schwangerschaftsstreifen“ nicht. Die Risse lassen sich mit ärztlichen Methoden wie Nadeln oder Laser eindämmen. Warten Sie aber nach der Kindsgeburt erst einmal einige Monate ab, bevor Sie zu solchen Maßnahmen greifen. Nach der Schwangerschaft regeneriert sich die Haut, und oft sehen die Risse direkt nach der Geburt dramatischer aus als mit einiger Zeit Abstand.

Erwarten Sie nicht zuviel. Selbst Laser entfernt die Risse nicht vollständig. Nur bei der Hälfte der Betroffenen werden die Spuren des geschädigten Bindegewebes sichtbar besser – egal, welche Methode sie anwenden.

Außerdem zahlen die Krankenkassen nicht, sie müssen also mindestens einige hundert, oft aber mehrere tausend Euro für eine Behandlung bezahlen, deren Ergebnis zu wünschen übrig lässt. Die Krankenkassen sehen Schwangerschaftsstreifen nicht als gesundheitliches Problem an, und Behandlungen aus ästhetischen Gründen fallen nicht unter Krankenbetreuung.

Laser und Needling

Ein Farbstoff-Laser kann bei frischen Narben sichtbare Erfolge bringen. Er zerstört die Blutgefäße. Diese sorgen für die blaurötliche Färbung der Streifen. Diese verblasst unter dem Angriff des Lasers schneller als ohne ihn.

Ein ablativer Fraxel-CO2-Laser hilft auch gegen weiße Dehnungsrisse. Dieser Laser schießt viele kleine Wunden in die Unterhaut. Die Haut schließt jetzt diese Löcher und produziert so neues Bindegewebe. Auch hier können Sie indessen kein 100%iges Ergebnis erwarten. Manche Menschen bilden nach der Laserbehandlung viel neues Bindegewebe, andere gar keins.

Needling funktioniert ähnlich, nur das hier Nadeln den Laser ersetzen. Der Arzt sticht mit den Nadeln viele kleine Wunden in die Unterhaut, um diese anzuregen, Bindegewebe zu bilden.

Ein Haut-Roller mit kurzen Nadeln von 0,2 mm Durchmesser wird über die betroffenen Stellen gerollt. Dabei dringen die Nadeln bis zu 2,0 mm in die Haut ein und verursachen kleine Löcher in der obersten Hautschicht. Die Haut regeneriert sich wie bei jeder Verletzung, und das heißt, sie schüttet Kollagen aus. Die Kosten liegen bei 150 Euro bis zu 400 Euro pro Sitzung. In der Regel brauchen Sie fünf Sitzungen, bis Sie ein Ergebnis sehen.

Meist wird die Haut vor dem Stechen mit einer Creme betäubt und die Wirkung des Needling durch ein Serum mit Hyaluronsäure verstärkt. In jedem Fall ist die Haut nach Needling gereizt – ähnlich wie bei Piercing und Tätowierungen.

Beim sogenannten Needling werden die betroffenen Stellen mit einem nadelbesetzten Roller behandelt. (Bild: marcinm111/fotolia.com)

Es gibt auch Nadelroller für den Hausgebrauch, denn Needling fällt nicht unter die ärztliche Zulassung. Achtung: Lassen Sie eine solche Selbstverletzung bleiben! Sie können sich Infektionen zuziehen und womöglich schlimmere Narben verursachen als die Risse, die Sie entfernen wollten. Falls Sie sich zum Needling entschieden haben, lassen Sie es von einem Arzt durchführen.

Schwangerschaftsstreifen übertätowieren

Wenn Sie ihre Schwangerschaftsstreifen hässlich finden und Tätowierungen lieben, können Sie die Risse auch übertätowieren lassen. Sprechen Sie das aber bitte genau mit einem erfahrenen Tätowierer und am besten zusätzlich mit einem Arzt ab.

Dehnungsstreifen erreichen oft nicht die Tiefe, in der Tätowierungen gestochen werden, so dass sie sich oft gut durch solche überdecken lassen. Da es sich um Narbengewebe handelt, bleiben Hautwölbungen in der Regel erhalten.

Der brasilianische Tätowierer Rudolpho Torres hat sich darauf spezialisiert, die Dehnungsrisse mit hautfarbener Tinte zu verdecken, die er wie bei einer Tätowierung in die oberste Hautschichte sticht.

Beachten Sie folgendes: Die Farbe einer Tätowierung verändert sich mit der Zeit, sie verändert sich durch die Einstrahlung der Sonne und durch das Altern der Haut. Neue Tattoos sehen immer heller aus, und man weiß nie, wie die Farbe in fünf Jahren aussieht. Dehnungsstreifen mit Farbe zu tätowieren kann also sogar dazu führen, dass die Risse nach einigen Jahren noch viel deutlicher zu sehen sind. Deshalb ist es besser, diese durch ein größeres Motiv ganz zu verdecken. Realistische Farbtätowierungen eignen sich am besten, um Narben zu kaschieren.

Bei Schwangerschaftssttreifen gilt das gleiche wie bei allen Narbentätowierungen: Ein Risiko ist immer da, denn niemand weiß, wie das Narbengewebe die Pigmente annimmt oder wie sich die Farbe verändert. (Dr. Utz Anhalt)