Schwellung im Gesicht – Ursachen und Symptome

Ursachen und Therapien bei Gesichtsschwellungen. Bild: Nagel's Blickwinkel - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Unter einer Schwellung im Gesicht verstehen wir eine akute oder chronische, diffuse oder lokalisierte, rote oder hautfarbene, schmerzhafte oder schmerzlose Schwellung des Gesichtes. Sie kann viele Ursachen haben und unterschiedliche Symptome aufweisen.

Das Angioödem

Die Betroffenen trifft es wie der Blitz: Gerade saßen sie noch nichtsahnend beim Frühstück, dann gucken sie in den Spiegel, und ein Monster blickt sie an. Die Lippen sehen aus wie nach einer Überdosis Botox, die Wangen sind aufgebläht wie bei einem quakenden Frosch, und die Augen quellen auf wie bei einem Hooligan, der eine Massenschlägerei hinter sich hat.

Ursachen und Therapien bei Gesichtsschwellungen. Bild: Nagel's Blickwinkel - fotolia
Ursachen und Therapien bei Gesichtsschwellungen. Bild: Nagel’s Blickwinkel – fotolia

Tatsächlich schwillt das Gesicht auch als Reaktion auf Gewalt, Schläge, Tritte oder einen ungewollten Kontakt mit der Bordsteinkante.

Kaum bekannt ist hingegen, dass das Gesicht auch bei gänzlich anderen Reizen die Form einer verunglückten Schönheitsoperation annimmt: Medikamente, Allergien auf Lebensmittel, Infekte, Kälte oder Erschütterungen können die Schwellung genau so auslösen: Wasser sammelt sich in den Gefäßen und spannt die Haut an.

Es handelt sich nicht nur um ein ästhetisches Problem – obwohl es schlimm genug ist, mit entstelltem Gesicht herum zu laufen.

Wen plötzlich ein Angioödem im Gesicht heimsucht, der sollte umgehend in ein Krankenhaus kommen. Schwillt nämlich das Gewebe um Rachen, Kehlkopf und Zunge an, können die Betroffenen sterben. Die Schwellung verschließt dann nämlich die Atemwege, und es droht der Tod durch Ersticken.

Wie entsteht ein Angioödem?

Die Gesichtshaut schwillt, weil sich im tieferen Gewebe Wasser ansammelt. Die Botenstoffe machen die Blutgefäße der Unterhaut porös, und Wasser aus den Adern strömt ein. Die Haut rötet sich nicht, weil die Schwellung unter der Oberfläche sitzt. Dafür nimmt sie, besonders an Lippen, Schleimhäuten und Augen, grotesk-große Form an.

Die Schwellung bildet sich von selbst zurück, kann aber immer wieder kommen, wenn die Ursache nicht beseitigt ist.

Zum einen ist Histamin die Ursache. Wir sprechen dann vom histaminvermittelten Angioödem und fassen darunter das allergische Angioödem ebenso wie das Angioödem als Reaktion auf bestimmte Medikamente.

Zweitens gibt es Menschen, die genetisch einen C1-Inhibitor-Mangel haben. Es fehlt ihnen also ein Eiweiß im Blut, das die körpereigene Abwehr stärkt. Entweder der Körper der Betroffenen produziert zu wenig des C1-Inhibitors, oder der Stoff ist fehlerhaft, oder aber der Körper kann den Inhibitor nicht verarbeiten.

Ein Angioödem ist keine eigene Krankheit, sondern Symptom einer Basiserkrankung, meist ein Effekt der Nesselsucht: Dabei vermittelte der körpereigene Botenstoff Histamin aus den Mastzellen die Schwelllung.

Akute Nesselsucht haben 20 % aller Menschen mindestens einmal im Leben. An genetisch verursachten Angioödemen leidet hingegen nur einer unter 100.000.

Symptome

Ein Angioödem kennzeichnet eine Schwellung, die tief in der Haut sitzt und die Oberhaut schmerzhaft anspannt, aber nicht juckt.

Im Rachen und Kehlkopf führt diese Schwellung zu Atemnot.

Andere Symptome entsprechen der Basiserkrankung:

Histaminvermittele Angioödeme betreffen fast immer das Gesicht, vor allem Lippen und Augen.

Entsteht ein solches Angioödem an Zunge und Kehlkopf, zeigte es sich durch:

– Heiserkeit
– Schluckbeschwerden
– tiefe Stimme
– Pfeifen beim Atem
– akuter Atemnot

Angioödem aus Intoleranz

ACE-Hemmer helfen gegen Bluthochdruck und Herzschwäche. 0,1 bis 2 % der Patienten entwickeln ein Angioödem, weil sie die Medikamente nicht vertragen. Wie bei anderes ausgelösten Ödemen sind die Beschwerden gefährlich, wenn sie sich im Kehlkopf ausbreiten.

Leider können Monate vergehen, bis die Betroffenen unter einem Angioödem leiden und weder sie noch der Arzt übersehen dann leicht die Verbindung zu den ACE-Hemmern.

Wahrscheinlich ist das Eiweiß Bradykinin verantwortlich. Auslöser sind Enalapril, Ramipril und Lisinopril.

Betroffene sollten mit ihrem Arzt darüber reden, ob sie bereits in der Vergangenheit unter Angioödemen litten, das ist nämlich das größte bisher bekannte Risiko, dass sich Wasser aus Intoleranz ansammelt.

Diagnose

Auslöser für eine Schwellung im Gesicht gibt es viele, und der Arzt fragt erst einmal nach äußeren Faktoren: Trat das Ödem auf, nachdem der Patient ein bestimmtes Lebensmittel zu sich nahm? Dann sollte der Betroffene es meiden.

Ein Eiswürfeltest belegt, ob das Ödem durch Kälte hervorgerufen ist.

Handelt es sich um ein erbliches Angioödem ist ein Hinweis, dass das Problem in der Familie mehrfach auftrat.

Hier spielt zudem das Alter ein Rolle, da erbbedingte Angioödeme meist in der Pubertät das erste Mal auftreten. Markus Magerl von der Charité sagt: „Treten Angioödeme ohne Quaddeln plötzlich bei einem älteren Menschen auf, muss immer an eine erworbene Erkrankung gedacht werden.“

Der Arzt fragt zudem, welche Medikamente der Patient einnimmt und untersucht, ob Krankheiten im Abwehrsystem vorliegen.

Behandlung

Histaminvermittelte Angioödeme bilden sich in der Regel von selbst zurück. Augen und Lippen entlastet der Arzt, indem er Antihistaminika oder Kortison spritzt. Bei einem Ödem am Kehlkopf muss die Medizin sofort handeln: Adrenalinspray und Sauerstoffmasken beheben die akute Atemnot. Infusionen mit Kortison, Adrenalin und Antihistaminika drängen die Schwellung zurück. Im Ernstfall hilft nur noch eine künstliche Beatmung.

Wer schon einmal ein Angioödem im Gesicht oder gar im Hals hatte, sollte immer ein Notfallset parat haben und Auslöser meiden, wenn sie bekannt sind.

Andere Ursachen für Gesichtsschwellungen

Angioödeme zeichnen sich dadurch aus, dass sie zwar schmerzen und drücken, aber nicht jucken und die Haut nicht röten. Bei einem Ekzem im Gesicht, ausgelöst durch eine Kontaktallergie oder Gifte sieht das anderes aus: Hier schwillt die Haut an und rötet sich.

Bei Ödemen als Folge von chronischem Alkholmissbrauch verändert sich die Struktur der Haut, sie wird rot, und die Porne weiten sich.

Bei vielen anderen Schwellungen im Gesicht rötet sich die Haut nicht: Beispiele sind Hämangiome bei Säuglingen, Gesichtsödeme bei Nierenerkrankungen und Nierenschwäche wie Schilddrüsenunterfunktion.

Auch Hungerödeme und Ödeme nach Operationen röten in der Regel nicht.

Die „dicke Backe“

Wenn eine einzelne Wange anschwillt, liegt das meist nicht an einem Angioödem, sondern an Infektionen. Oft ist eine Entzündung an den Zähnen und dem Zahnfleisch die Ursache, zum Beispiel eine akute Parodontitis, eine Wurzelentzündung mit Fisteln, das Trockenblasen eines aufgebohrten Wurzelkanals, oder der Durchbruch eines Weisheitszahns.

Die Betroffenen wissen hier in der Regel um die Ursachen, da sie unter starken Zahnschmerzen leiden.

Behandlung bedeutet hier, einen Zahnarzt aufzusuchen, der den avitalen Zahn entfernt, das Loch füllt oder die Fistel heraus nimmt bzw. Antibiotika verabreicht, die die Entzündung beenden.

Es kann sich aber auch im eine Entzündung der Ohrspeicheldrüse handeln oder um einen Abszess in der Unterhaut.

Ein Abszess entsteht zum Beispiel durch eine Verletzung, zum Beispiel, wenn sich ein Knochensplitter in die Haut des Rachenraums bohrt und dort stecken bleibt. Die Wunde entzündet sich, eitert, und der Infektionsherd schwillt an. Ein solcher Abszess ist mit Schmerzen verbunden, so dass die Betroffenen über die Ursache Bescheid wissen.

Vorsicht bei teilweiser Gesichtslähmung. Menschen mit Lähmungen sind in permanenter Gefahr, einen so genannten Dekubitus zu entwickeln. Dieses Wundgeschwür entsteht, wenn die betreffende Hautpartie zu lange auf einer Stelle liegt.

Normalerweise signalisieren unsere Nerven uns „der Druck ist zu groß, dreh dich um“. Wer aber diese Nerven nicht mehr spürt, bei dem laufen im Körper trotzdem die gleichen Vorgänge ab – die Druckstelle wird nicht mehr durchblutet und stirbt ab.

Ein solches Wundgeschwür bohrt sich tief in die Haut, oft bis zum Knochen und lässt sich nur sehr schwer heilen. Durch die Infektion gelangen Giftstoffe in den Organismus, und deshalb müssen die Betroffenen die Wunde ständig reinigen (lassen).

Lippenschwellung

Eine Lippenschwellung kann an Herpes simplex labialis liegen und geht dann einher mit schmerzhaften kleinen Bläschen, die jucken.

Geschwollene Lippen als Symptom. Bild: SENTELLO-fotolia
Geschwollene Lippen als Symptom. Bild: SENTELLO-fotolia

Auch ein Lippenfurunkel, eine entzündete Wunde an der Lippe, ein tief liegender Pickel oder eingewachsene Barthaare können die Ursache sein. Im schlimmsten Fall handelt es sich um einen Lippentumor in der Entstehungsphase.

Hausmittel bei einer Gesichtsschwellung

Schwellungen im Gesicht lassen sich durch Hausmittel lindern. Ärzte empfehlen kühlende Kompressen am Morgen, die sich mit Kräuter- oder schwarzem Tee tränken lassen.

Bei einer möglichen Allergie oder einer sensiblen Reaktion auf Außenreize wie Kälte gilt es, diese Auslöser zu vermeiden. (Dr. Utz Anhalt) 

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