Steifer Nacken – Behandlungen und Ursachen

Fabian Peters

Steifer Nacken – Schmerzen im Nacken

Ein steifer Nacken und entsprechende Nackenschmerzen sind ein weit verbreitetes Beschwerdebild, das meist auf eine Fehlhaltung, zum Beispiel beim Arbeiten am PC oder beim Schlafen mit zu dickem Kopfkissen, zurückzuführen ist. Bei einigen Menschen führt bereits leichte Zugluft am Nacken zu entsprechenden Beschwerden. Der steife Nacken kann in seltenen Fällen jedoch auch im Zusammenhang mit schwerwiegenden Erkrankungen, wie beispielsweise einer lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung (Meningitis) stehen. Daher sollte im Zweifelsfall dringend eine ärztliche Überprüfung erfolgen.

Inhaltsverzeichnis:
Definition
Symptome
Ursachen
Diagnostik
Behandlungsmöglichkeiten
Naturheilkunde bei einem steifen Nacken

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Definition

Ein steifer Nacken beschreibt eine Bewegungsbeeinträchtigung des Kopfes, die von schmerzhaften Blockaden im Nackenbereich ausgeht. Abzugrenzen ist ein steifer Nacken von der weiterreichenden Bezeichnung „steifer Hals“, die auch Bewegungseinschränkungen umfasst, welche von den seitlichen Halsmuskeln ausgehen. Bei einem steifen Nacken ist der Ursprung der Beschwerden demgegenüber auf den hinteren Halsbereich beschränkt.

Symptome

Ein steifer Nacken zeigt sich als schmerzhafte Blockierung im hinteren Halsbereich. Die normale Bewegungsfähigkeit des Kopfes wird deutlich eingeschränkt. Dies betrifft bei den sogenannten funktionellen Ursachen in der Regel nur bestimmte Bewegungen, wie beispielsweise Drehungen nach rechts oder das Neigen des Kopfes nach vorne. Liegen der Nackensteifigkeit jedoch Erkrankungen, wie zum Beispiel eine Meningitis, zugrunde, kann die Bewegungsfähigkeit des Nackens vorübergehend vollständig verloren gehen.

Häufig strahlen die Schmerzen bei einem steifen Nacken bis in die Schultern und Arme aus, so dass begleitende Schulterblattschmerzen und Oberarmschmerzen durchaus keine Seltenheit sind. Die Beschwerden können abhängig von den Auslösern in akuter Form aber auch als chronische Nackensteifigkeit auftreten. Des Weiteren sind entsprechend den Ursachen des steifen Nackens zahlreiche unterschiedliche Begleitsymptome zu beobachten, die von Empfindungsstörungen wie einem Kribbeln in den Gliedern, einem Taubheitsgefühl am Kopf oder dem regelmäßigen Einschlafen der Hände bis hin zu massiven Kopfschmerzen, Rückenschmerzen und Lähmungserscheinungen reichen können. Zeigen die Betroffenen begleitend hohes Fieber, ist dies als Warnsignal für eine ernsthafte Erkrankung zu bewerten und es sollte möglichst zeitnah ein Arzt aufgesucht werden.

Weitere Symptome, die im Zusammenhang mit einem steifen Nacken auftreten können, werden anschließend im Rahmen der jeweiligen Ursachen genauer beschrieben.

Ursachen

Bei den möglichen Auslösern für einen steifen Hals sind zunächst funktionelle beziehungsweise mechanische Beschwerden und organische Ursachen zu unterscheiden. Bei den funktionellen Ursachen spielen Muskelbeschwerden, wie beispielsweise Nackenverspannungen, eine herausragende Rolle. Sie sind besonders häufig Anlass für eine Nackensteifigkeit. Ihnen liegen meist wiederkehrende Fehlbelastungen, sogenannte muskuläre Dysbalancen, zugrunde. Arbeiten am Computer, aber auch Fließbandfertigung werden hier als entsprechende Risikofaktoren genannt.

Die monotone Belastung bestimmter Muskeln hat zur Folge, dass diese mit der Zeit verhärten und quasi in einem dauerhaften Zustand der Kontraktion verbleiben. Auch ihre Gegenspieler werden durch den ständigen Zug zunehmend beansprucht und beginnen unter Umständen ebenfalls zu verhärten. Normale Bewegungen können nur unter erheblichen Schmerzen oder überhaupt nicht mehr ausgeführt werden. Auch drücken die verhärteten Muskeln unter Umständen auf die umliegenden Bindegewebestrukturen (Faszien), Blutgefäße und Nerven, was weitere Beschwerden mit sich bringen kann. Oftmals leiden die Betroffenen an den bereits erwähnten Empfindungsstörungen sowie einem heftigen Kopfschmerz am Hinterkopf.

Der steife Nacken kann auch auf Funktionsbeeinträchtigungen beziehungsweise Erkrankungen der Halswirbelsäule zurückgehen. Hier ist zum Beispiel einer Arthrose der Halswirbelsäulen- beziehungsweise Kopfgelenke zu nennen. Diese Verschleißerkrankung führt zu Schädigungen der Gelenkstrukturen und entsprechenden Einschränkungen der Beweglichkeit. Begleitend können auch hier Nackenschmerzen, Kopfschmerz am Hinterkopf und Schmerzen in Schultern und Armen auftreten. Gleiches gilt für einen Bandscheibenvorfall im Bereich der Halswirbelsäule. Diese eher seltene Form eines Bandscheibenvorfalls ist außerdem häufig mit massiven Rückenschmerzen verbunden. Auch Lähmungen im Armbereich können auf einen Bandscheibenvorfall der Halswirbelsäule zurückgehen.

Als besondere Form eines steifen Nackens ist der sogenannte Meningismus zu nennen. Dieser beschreibt eine verkrampfte vollständige Nackensteifigkeit bei bestimmten Erkrankungen, wie beispielsweise einer Hirnhautentzündung (Meningitis). Begleitend sind hier Symptome wie Kopfschmerzen, hohes Fieber, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Kreislaufschwäche und Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit zu beobachten. Der Meningismus kann auch auf eine Blutvergiftung (Sepsis), einen akuten Sonnenstich, eine sogenannte Sinusthrombose oder eine Tumorerkrankung der Hirnhäute zurückgehen.

Neben den funktionellen und organischen Ursachen, die einen steifen Hals bedingen können, spielen häufig auch psychische Belastungen bei dem Beschwerdebild eine Rolle. So wird davon ausgegangen, dass sich bei einigen Patienten extremer Stress, Burnout oder Depressionen in Verspannungen der Nackenmuskulatur und einer entsprechend erhöhten Anfälligkeit für einen steifen Hals manifestieren.

Diagnostik

Anhand einer gründlichen Anamnese zu Beginn der Untersuchung, lassen sich oftmals bereist die möglichen Ursachen der Beschwerden deutlich eingrenzen. Eine körperliche Untersuchung, mit Abtasten (Palpation) und Abhören des Nackenbereichs, ermöglicht weitere Rückschlüsse auf den Auslöser der Nackensteifigkeit. Um einen Bandscheibenvorfall oder eine Arthrose der Halswirbel festzustellen, sind im Zweifelsfall jedoch bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Ultraschall, Computertomographie und Magnetresonanztomographie erforderlich. Diese können auch Hinweise auf eine möglicherweise vorliegende Hirnhautentzündung liefern. Ein Meningismus lässt sich darüber hinaus in der Regel anhand bestimmter Bewegungstests feststellen (positive Brudzinski-, Kernig- und Lasègue-Zeichen). Blutuntersuchungen können darüber hinaus zur Feststellung und Bestimmung (viral oder bakteriell) einer Meningitis dienen, unter Umständen wird hier jedoch die Entnahme einer Probe des Liquor cerebrospinalis (Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit) zur Diagnosesicherung erforderlich. Möglicherweise vorliegende Blutvergiftungen lassen sich anhand des Blutbildes relativ leicht identifizieren.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei den funktionellen beziehungsweise mechanischen Ursachen eines steifen Nackens ist in der Regel ein Therapie auf Basis von medizinischen Massagen, Krankengymnastik und eventuell schmerzlindernden Arzneien vorgesehen. Unter Umständen kommt auch die Injektion von Lokalanästhetika in Betracht. Bei einem Bandscheibenvorfall zeigen die genannten Behandlungsoptionen jedoch mitunter keinen Erfolg und es bleibt im Zweifelsfall eine Operation die letzte Möglichkeit für eine erfolgreiche Therapie.

Bei einem Meningismus beziehungsweise der Behandlung seiner Ursachen steht in der Regel eine medikamentöse Therapie im Vordergrund. So werden zum Beispiel bakterielle Hirnhautentzündungen und Blutvergiftungen meist mit hochdosierten Antibiotika therapiert. Bei einer Sinusthrombose erfolgt die Verabreichung gerinnungshemmender und blutverdünnender Präparate. Ein viral bedingte Meningitis lässt sich indes, mangels wirksamer Arzneien, medikamentös kaum beziehungsweise überhaupt nicht behandeln. Geht der steife Nacken auf eine Tumorerkrankung der Hirnhäute zurück, sind die Behandlungsoption ebenfalls deutlich eingeschränkt und am Ende bleiben Strahlen- und/oder Chemotherapie bis heute die einzigen Möglichkeiten der Therapie.

Bei Nackenschmerzen helfen osteopathische Behandlungen.
Bei Nackenschmerzen helfen osteopathische Behandlungen. (Bild: Adam Gregor/fotolia.com)

Naturheilkunde bei einem steifen Nacken

Zwar hat die Naturheilkunde den Ursachen eines Meningismus meist wenig entgegenzusetzen, doch bei den funktionellen beziehungsweise mechanischen Ursachen eines steifen Halses bietet sie durchaus vielversprechende Behandlungsmöglichkeiten. So zählt zum Beispiel die Akupunktur als Verfahren der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) heute in vielen Fällen zu dem „normalen“ Behandlungskatalog gegen einen steifen Nacken. Auch die manuellen Verfahren, wie beispielsweise Osteopathie, Chiropraktik und Rolfing, sind mittlerweile oftmals Bestandteil der Therapie funktioneller Beschwerden im Nackenbereich. Im Rahmen dieser Verfahren kommt der Spannungsverteilung und Gesamtstatik des Organismus eine besondere Rolle zu, weshalb auch begleitende Beeinträchtigungen, wie beispielsweise Kreuzschmerzen, Hüftschmerzen oder Brustschmerzen, bei der Diagnosestellung und Behandlung berücksichtigt werden.

Um die Nackenmuskulatur von möglicherweise vorliegenden Verspannung zu befreien, wird in der Naturheilkunde gelegentlich auch auf die sogenannte progressive Muskelrelaxation zurückgegriffen, welche neben der Lockerung der Muskulatur auch einen positiven Effekt auf die Psyche erreichen soll. Dies ist besonders angebracht, wenn ein Zusammenhang der Nackensteifigkeit mit psychischen Belastungen vermutet wird. Hier kann zudem das Erlernen von Entspannungstechniken (Autogenes Training) einen Beitrag zur Stressbewältigung leisten und auf diese Weise das Risiko eines steifen Nackens reduzieren.

Homöopathische Mittel und Schüssler Salze kommen im Rahmen der naturheilkundlichen Behandlung gegen die Muskelverspannungen, aber auch gegen möglicherweise vorliegende entzündliche Prozesse im Organismus, zum Einsatz. Zudem wird dem Säure-Basen-Haushalt in der Naturheilkunde eine besondere Wirkung auf die Muskulatur zugeschrieben und daher versucht eine möglicherweise bestehende Übersäuerung zu beheben. (fp)