Steißbeinschmerzen – Ursachen und Therapie

Schmerzen am Gesäß können leicht bist stark sein. Viele Betroffene klagen über einen längeren Zeitraum über starke Schmerzen. Bild: absolutimages - fotolia
Sebastian
Steißbeinschmerzen plagen uns im untersten Teil der Wirbelsäule und betreffen bisweilen auch den unteren Rückenbereich. Schmerzen am Steißbein sind nicht häufig und haben meist einen akuten Anlass: Zum Beispiel entstehen durch langes Sitzen auf harten Stühlen oder Fahrradsätteln kleine Verletzungen im Gewebe, die mit bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Hier ist nicht die Wirbelsäule selbst entzündet, sondern die Wunden schmerzen. Schmerzen am Steißbein sind nicht mit Afterschmerzen zu verwechseln.

Brüche, Prellungen und Luxationen

Auch Brüche, Prellungen und Verrenkungen oder Nervenschäden kommen als Auslöser in Frage. Umstritten ist, ob ob Steißbeinschmerzen auch psychosomatische Ursachen haben können.

Schmerzen am Gesäß können leicht bist stark sein. Viele Betroffene klagen über einen längeren Zeitraum über starke Schmerzen. Bild: absolutimages - fotolia
Schmerzen am Gesäß können leicht bist stark sein. Viele Betroffene klagen über einen längeren Zeitraum über starke Schmerzen. Bild: absolutimages – fotolia

Reizungen an den Sehnen- und Muskelansätzen des Steißbeins können ebenso Schmerzen auslösen wie eine Verschmelzung des Kreuzbeins mit dem ersten Steißbeinwirbel.

Die Schmerzen dauern meist wenige Tage bis einige Woche; manchmal bilden sie sich ebenso spontan wie sie verschwinden, bisweilen halten sie jedoch Jahre an.

Nicht nur harte, sonder auch zu weiche Unterlagen können zu solchen Schmerzen führen: Couch-Potatoes, die ihre Zeit vor dem TV verbringen, gehören also zu den Risikogruppen.

Dazu kommen diverse Auslöser, die aber meist selten sind: Ein verstauchtes, geprelltes, verrenktes oder gebrochenes Steißbein, eine Verletzung am Becken, Bandscheibenvorfall, Neuralgie der Nerven zwischen Steißbein und After, Tumore am Steißbein, Operationen am Unterleib und Geburten.

Steißbeinluxation

Viele Betroffene vermuten, dass ihr Steißbein verrenkt ist. Allerdings ist eine solche Luxation selten. Die Patienten leiden unter starken Schmerzen, vor allem beim Sitzen. Doch eine solche Verrenkung lässt sich gut behandeln.

Der Arzt steckt dazu den Zeigefinger in den Mastdarm und greift damit den ausgerenkten Knochen. Er fixiert ihn und drückt mit dem Daumen von außen gegen das Steißbein. Die Luxation löst er, indem er den Zeigefinger leicht vom Kreuzbein wegzieht und das Kreuzbein in Richtung der Füße drückt.

Ist er erfolgreich, dann lassen die Schmerzen augenblicklich nach. Umgekehrt: Halten die Schmerzen an, ist es nicht gelungen, das Steißbein in seine natürliche Stellung zu bugsieren.

Schmerzen können auch bestehen, wenn die Ursache der Schmerzen keine Luxation des Steißbeines war. So kann auch das Ilosakralgelenk neben dem Kreuzbein schmerzen und diese Schmerzen lassen sich leicht mit einem verrenkten Steißbein verwechseln.

Steißbeinbruch

Bricht das Steißbein, merken die Betroffenen das sofort, denn sie verspüren extreme Schmerzen, uns es bilden sich Blutergüsse. Röntgenbilder schaffen Gewissheit. Der Steißbeinbruch lässt sich in einer Operation fixieren.

Erst einmal hofft der Arzt jedoch auf Selbstheilung. Eine einfache Fraktur am Steißbein heilt in der Regel gut ab. Den Betroffenen helfen Sitzkissen und hoch dosierte Schmerzmittel gegen die immensen Schmerzen.

Eine Betroffene berichtet: „Ich bin vor fast genau zwei Jahren die Treppe runter gesegelt und auf dem Allerwertesten gelandet. Dabei ist mir eine Bandscheibe regelrecht geplatzt und außerdem habe ich mir das Steissbein gebrochen.“

Nicht immer lässt sich so ein Bruch richten. Sie schreibt: „Der Bruch im Steißbein ist nicht zu richten, das wird immer weh tun, mal mehr, mal weniger. Ich finde mich einfach damit ab, denn es wär ja auch nicht wirklich einfach, das Stück Knochen einfach operativ zu entfernen. Ich sitze oft auf einem Bein und entlaste somit den Po, bei mir kommt dazu, dass mir durch die Abnahme die Sitzbeinhöcker total weh tun.“

Eine andere Patientin berichtet: „Ich bin auch vor ein paar Jahren eine Marmortreppe am Swimming Pool runter gefallen und habe mir das Steißbein gebrochen. Das muss so verheilen, gemacht wird da nichts und ich habe die ersten Jahre oft starke Schmerzen gehabt. Ich merke es jetzt immer noch bei langem Sitzen, davon werde ich auch immer etwas zurückbehalten. Behandelbar ist es nicht.“

Symptome

Die Schmerzen am Steißbein ziehen, stechen oder brennen – je nach Auslöser. Das Steißbein liegt zwar im Schmerzzentrum, doch auch der Analbereich, die Lenden und die Hüfte können betroffen sein.

Meist erfolgt der Schmerz heftig, wenn die Betroffenen sich sitzen oder vom Sitzen aufstehen. Sind die Schmerzen stark, haben die Patienten sogar Probleme, sich überhaupt hinzusetzen. Selten, aber dafür umso unangenehmer, sind Schmerzen während des Stuhlgangs oder Schmerzen beim Sex.

Sex wird so zwar nicht unmöglich, aber gerade die männliche Position in der Missionarsstellung, eine der häufigsten Stellungen beim Geschlechtsverkehr, tut weh, und so leidet der sexuelle Genuss nachhaltig, und die Schmerzen am Ende der Wirbelsäule können so auch eine intime Beziehung belasten.

Die Diagnose

Der Arzt fragt zuerst, wo genau die Schmerzen auftreten, in welchen Situationen und wie lange sie anhalten. Dann hakt er nach: Verletzte sich der Betroffene in letzter Zeit an der betroffenen Stelle, geht er einer Tätigkeit nach, die mit zu viel Sitzen verbunden ist?

Handelt es sich um Steißbeinschmerzen? Um das festzustellen, drückt der Mediziner leicht auf die Spitze des Steißbeins und den Übergang von Steiß- und Kreuzbein. An diesen Stellen würde es weh tun.

Ist die Ursache nicht klar, kommt eine Ultraschalluntersuchung, eine Computertomographie oder eine Magnetresonanztomographie in Frage. Bei Verdacht auf Krebs, stellen Kontrastmittel die Stelle detailliert dar.

Behandlung

Liegt kein Tumor oder Bruch vor, gilt es in erster Linie, Verhalten zu meiden, das die Schmerzen fördert und die Symptome zu behandeln.

Schmerzen durch zu viel Sitzen lassen erst nach, wenn das Sitzen weniger wird. Bild: ei907 - fotolia
Schmerzen durch zu viel Sitzen lassen erst nach, wenn das Sitzen weniger wird. Bild: ei907 – fotolia

Die Ärzte verwenden dafür Schmerzmittel und lokale Betäubungen, die in die Steißbeinregion gespritzt werden. Physiotherapien und Akupunktur (die den Schmerz verlagert), sind ebenfalls hilfreich, außerdem Wärme und Entspannung. Akute Schmerzen lassen sich durch ein therapeutisches Kissen lindern. Dieses hat einen hinten offenen Sitzring und lässt sich im Sanitätshaus erwerben.

Schmerzen am Steißbein liegen oft an lange zurück liegenden Stürzen, an die sich die Betroffenen gar nicht mehr erinnern – typisch sind Verletzungen beim Eishockey. Wenn diese Stürze nicht wirklich verheilen, aber sich Bindegewebe um die Wunde herum bildet, bleiben Triggerpunkte.

Die Betroffenen merken meist überhaupt nichts. Werden die Triggerpunkte jedoch gereizt, zum Beispiel durch einen erneuten Sturz, durchzucken die alte Wunde extreme Schmerzen.

Solche schmerzenden Stellen lassen sich mit der sensomotorischen Körpertherapie behandeln. Drückt der Arzt anfangs auf die entsprechende Stelle, um zu untersuchen, wie weit sich die Triggerpunkte ausdehnen, ist das für die Betroffenen sehr schmerzhaft, aber unvermeidbar.

Eine Nervenblockade fokussiert sich auf die Nerven, die den Schmerz auslösen. Handelt es sich um chronische Schmerzen, diesen dazu Kälte- oder Wärmetherapien.

Ist eine anatomische Fehlstellung des Steißbeins die Ursache, hilft es nur, das Steißbein chirurgisch zu entfernen. Eine solche Operation ist nur dann angebracht, wenn alle konservativen Therapien versagen, und erst nach Monaten stellt sich eine Besserung ein.

Betroffene berichten

Steißbeinschmerzen sind nicht gleich Steißbeinschmerzen. Wer unter einem blockierten Steißbein leidet, dem helfen die Methoden, um die Symptome zu lindern wenig. Ein Betroffener berichtet:

„Es gab keinen brauchbaren Theraphieansatz (trotz Chirurg, Orthopäde, Osteopath und diversen Physiotherapeuten), fahre seit Jahren mit ´nem „Lochkissen“ Auto, habe ein passendes Kissen auf dem Bürostuhl, etc. An den schlimmen Tagen ist/war selbst auf dem Sofa liegen unbequem bis schmerzhaft.“

Besser ging es ihm erst, als ein Osteopath feststellte, dass der Patient unter einem blockierten Steißbein litt: „Nun war ich vor ein paar Tagen in einer Praxis für Chiropraktik und Osteopathie (…). Eigentlich wollte ich dort nur meinen Atlaswirbel checken lassen (was auch nötig war), erzählte aber auch von der Steißbeinproblematik. Also wurde dort mal abgetastet (schmerzhaft, aber nur kurz…) und ein blockiertes Steißbein festgestellt. Später wurde diese Blockade gelöst (wieder schmerzhaft…), und ich habe tatsächlich seit besagten 10 Jahren das erste Mal das geniale Gefühl der Besserung.“

Eine Fistel am Steißbein bedarf langer Therapie. Ein Frau von und zu berichtet:

„In den letzten 3-4 Jahren habe ich immer mal wieder ein komisches Druckgefühl am Steißbein gespürt, habe mir allerdings nichts dabei gedacht. (…) Im Sommer dieses Jahres hat sich allerdings wieder so ein Druckgefühl im Bereich des Steißbeins bemerkbar gemacht, was sich nach ein paar Tagen zu einem Abszess entwickelt hat. (…) Der (Chirurg) hat den Abszess gespalten, die Diagnose Steißbeinfistel gestellt und mir zur Operation geraten.“

Die Operation verlief problemlos: „Die OP fand dann Mitte September ambulant und unter Vollnarkose statt. Die Fistelgänge wurden angefärbt und es wurde großflächig Gewebe rausgeschnitten. Das war definitiv der angenehmste Teil dieser ganzen Geschichte, weil man ihn schlichtweg verschläft. Die OP hat ca. 30 Minuten gedauert, da laut Arzt die Fistel doch größer wie erwartet war. Aufgewacht bin ich ganz komplikationslos und schmerzfrei und konnte 3 Stunden nach der OP wieder nach Hause.“

Nach der Operation durchleben Betroffene eine schmerzhafte Zeit: „Die Wunde hat nachmittags leider etwas nachgeblutet, aber in der Notaufnahme des Krankenhauses wurde einfach ein neuer feuchter Verband angelegt. Die ersten 2-3 Tage waren super, da ich dank gut wirkender Schmerzmittel so gut wie keine Schmerzen hatte und sogar auf dem Rücken schlafen konnte (was für mich ein Segen ist, da ich absolut nicht auf der Seite und schon gar nicht auf dem Bauch schlafen kann). Leider hat es die nächsten Tage richtig angefangen weh zu tun (…) ich hatte die ersten 2 Wochen sehr starke Schmerzen.“ (Dr. Utz Anhalt) 

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