Thoraxschmerzen – Ursachen, Anzeichen und Therapie

Susanne Waschke
Thoraxschmerzen, oder auch Brustschmerzen genannt, können die vielfältigsten Ursachen haben. Thorax bedeutet übersetzt Brustkorb und bei den Schmerzen handelt es sich um Beschwerden, die im Bereich des Brustkorbes und Oberbauch (Bauchschmerzen) auftreten. Schmerzen im oder am Thorax sind keine eigenständige Krankheit, sondern treten in Verbindung mit anderen Krankheiten als Begleitsymptom auf. Die Schmerzen in der Brust weisen auf Erkrankungen im Bereich des Herzens, der Lunge, der Speiseröhre oder des Bauchraumes hin.

Inhaltsverzeichnis:
Thoraxschmerzen und Herzleiden
Erkrankungen der Lunge
Erkrankungen im Bauch
Erkrankungen der Speiseröhre
Bauchorgane
Thoraxschmerzen – Trauma
Bewegungsapparat und Nerven
Therapie
Naturheilkunde bei Thoraxschmerzen

Thoraxschmerzen und Herzleiden

Angina pectoris / Herzinfarkt
Bei Angina pectoris (Durchblutungsstörung des Herzens) und bei einem Herzinfarkt treten massive Brustschmerzen in Verbindung mit Todesangst und Atemnot auf. Die Schmerzen strahlen meist in Arme und Schulter aus, aber auch in den Unterkiefer, Nacken, Rücken oder Bauch. Hinzu kommen Angst, Übelkeit und Atemnot. Bei den erwähnten Symptomen muss sofort ein Notarzt hinzugezogen werden. Je schneller eine ärztliche Hilfe erfolgt, umso günstiger fällt auch die weitere Prognose aus. Daher sollten Betroffene keine Zeit verlieren und einen Rettungswagen verständigen. Wichtig dabei ist am Telefon zu benennen, dass es sich um Herzbeschwerden mit Verdacht auf einen Infarkt handelt, damit ein Notarzt zusätzlich zum Patienten ausrückt. Um Angina pectoris von einem Herzinfarkt abzugrenzen bedarf es weiterer Untersuchungen, wie zum Beispiel einer Blutbildanalyse oder eines EKG. Falls die Beschwerden erstmalig auftreten, besteht allerdings der Anfangsverdacht eines Herzinfarktes. Dann ist in jedem Fall 112 zu wählen.

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Schmerzen oder Druck in der Brust können Ursachen des Herzens, der Muskeln, der Lunge oder des Magens sein. Manchmal spielt auch die Psyche eine Rolle. (Bild: pixdesign123/fotolia)
Schmerzen oder Druck in der Brust können Ursachen des Herzens, der Muskeln, der Lunge oder des Magens sein. Manchmal spielt auch die Psyche eine Rolle. (Bild: pixdesign123/fotolia)

Perikarditis
Perikarditis ist eine Herzbeutelentzündung. Hier treten Lage- und atemabhängige Schmerzen in der Brust auf, die nicht so massiv sind wie bei einem Herzinfarkt oder einer Angina pectoris. Bei der Perikarditis kommen noch allgemeine Schwäche und Atemnot hinzu. Bei der Auskultation (abhören mit dem Stethoskop) ist ein sogenanntes Pericardreiben (auffällige Herzgeräusche) zu hören. Eine Perikarditis sollte auf jeden Fall akut im Krankenhaus behandelt werden.

KHK Koronare Herzkrankheit
Bei der Koronaren Herzkrankheit KHK nimmt durch eine Verengung der Herzkranzgefäße die Versorgung des Herzens mit Sauerstoff ab. Dies kann unter physischer oder psychischer Belastung zu einem Engegefühl, Thoraxschmerz und Atemnot führen. Aus den KHK kann eine Akutsituation in Form eines Angina pectoris-Anfalls entstehen.

Funktionelle Herzbeschwerden
Bei funktionellen Herzbeschwerden liegt im medizinischen Sinne keine organische Ursache vor, trotzdem leiden Patienten unter Brustschmerzen und erhöhter Herzfrequenz (Herzrasen) und/oder Herzstolpern. Die Schmerzen treten bei Belastung anfallsartig auf und ein beklemmendes Gefühl stellt sich ein. Die Ursachen hierfür sind sehr verschieden. Meist sind für Brustschmerzen die Auslöser Stress, Ärger im Beruf oder Familie verantwortlich. Möglich sind auch psychische Krankheiten wie Depressionen oder Neurotische Störungen wie die Herzphobie. Funktionelle Herzbeschwerden können erst nach einer umfassenden Untersuchung bei einem Kardiologen diagnostiziert werden. Demnach sollten diagnostische Verfahren wie EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG und Herz-Ultraschall zum Einsatz kommen, um schwerwiegende Herzkrankheiten auszuschließen. Bei funktionellen Herzbeschwerden haben sich in der Vergangenheit Verhaltenstherapie, Hypnotherpie, Yoga und Entspannungsverfahren als hilfreich gezeigt. Zudem kann leichtes Ausdauertraining, das regelmäßig betrieben wird, die Herzbeschwerden mit der Zeit deutlich lindern.

Erkrankungen der Lunge

Lungenembolie
Bei einer Lungenembolie entsteht plötzlich Atemnot, Husten und Zyanose (blaurote Verfärbung der Haut). Thoraxschmerzen, die atemabhängig sind, begleiten die Lungenembolie. Der Patient hat gestaute Halsvenen, arrhythmischen, schnellen Puls und atmet sehr schnell. Eventuell ist eine bestehende Beinvenenthrombose sichtbar. Die Lungenembolie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung und bedarf ebenfalls einer sofortigen medizinischen Hlfe.

Spontanpneumothorax
Spontanpneumothorax ist, wie der Name schon vermuten lässt, ein akut einsetzendes Krankheitsbild. Der Betroffene leidet unter Atemnot, einseitigen Thoraxschmerzen und asymmetrischen Atembewegungen. Meist ist der Patient männlich und zwischen zwanzig und vierzig Jahr alt. Ein Spontanpneumothorax gehört sofort in die Hand eines Arztes. Hier sollte ebenfalls sofort die Rettungsleitstelle informiert werden.

Pneumonie
Pneumonie ist eine Lungenentzündung, begleitet von atemabhängigen Schmerzen im Brustkorb, Auswurf, Atemnot, allgemeinem starkem Krankheitsgefühl und eventuell Fieber.

Pleuritis
Bei einer Pleuritis (Brustfellentzündung) leidet der Patient unter atemabhängigen, meist äußerst heftigen Schmerzen. Der Patient nimmt dabei oft eine Schonhaltung ein, wodurch es zu einer eingeschränkten Atembewegung kommt.

Erkrankungen im Bauch

Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwür
Druckschmerzen, die bis in den Thoraxbereich ausstrahlen, begleiten ein Magen – oder Zwölffingerdarmgeschwür. Komplikationen sind Bluterbrechen, Teerstuhl und Akute Bauchschmerzen (brettharter Bauch). Die Schmerzen treten hier im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme auf. Kommen Komplikationen hinzu, muss der Notarzt gerufen werden. Ansonsten werden Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüre im Rahmen einer Magenspiegelung diagnostiziert.

Akute Pankreatitis
Bei einer Pankreatits handelt es sich um eine Bauchspeicheldrüsenentzündung. Der Patient leidet im akuten Fall unter plötzlich einsetzenden Thoraxschmerzen, die gürtelförmig in den Rücken ausstrahlen sowie starken Bauchschmerzen im oberen Bereich. Weitere Begleitsymptome sind Übelkeit, Erbrechen, eventuell Fieber, Ikterus (Gelbfärbung der Haut, Schleimhaut, innerer Organe) und allgemeine Schockzeichen. Bei einer Pankreatitis sollten die Betroffenen ebenfalls umgehend in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Gallenkolik
Zu einer Gallenkolik gehören plötzliche, massive, krampfartige Brustschmerzen, die in den Rücken (Rückenschmerzen) oder die rechte Schulter ausstrahlen. Eine Gallenkolik wird oft durch Übelkeit und Erbrechen begleitet. Eventuell tritt ein Kreislaufkollaps ein.

Erkrankungen der Speiseröhre

Bei Erkrankungen der Speiseröhre wird stets von retrosternalen Schmerzen gesprochen. Dies sind Schmerzen, die hinter dem Brustbein auftreten. Meist werden diese als brennender Schmerz empfunden.

Reflux-Ösophagitis
Bei einer Refluxösophagitis fließt Mageninhalt in die Speiseröhre zurück. Durch den ständigen Reiz entsteht eine Entzündung der Speiseröhre. Brennende Thoraxschmerzen hinter dem Brustbein, saures Aufstoßen und im späteren Stadium brennende Schmerzen beim Schlucken, gehören zu den Symptomen einer Reflux-Ösophagitis.

Fremdkörper in der Speiseröhre
Auch ein verschluckter Fremdkörper kann zu Thoraxschmerzen führen. Dies sind meist von Kindern verschluckte Kleinteile, wie zum Beispiel Münzen. Zusätzlich zu dem Schmerz durch den verschluckten Gegenstand besteht die Gefahr einer sogenannten Mediastinitis. Dies ist eine Entzündung des Mittelfellraumes mit Fieber, Schmerzen hinter dem Brustbein, Schluckbeschwerden und Husten.

Ösphagusdivertikel
Darunter werden Ausstülpungen der Ösopahguswand (Speiseröhrenwand) verstanden. Diese entstehen durch eine Instabilität der Speiseröhrenwand, können aber auch angeboren sein. Die Ösophagusdivertikel gehen mit Schmerzen hinter dem Brustbein einher. (Divertikel der Speiseröhre Ösophagusdivertikel)

Ösophaguskarzinom
Das Ösophaguskarzinom ist ein bösartiger Tumor (Speiseröhrenkrebs) im Bereich der Speiseröhre. Symptome, wie Schluckbeschwerden, Thoraxschmerzen hinter dem Brustbein, Heiserkeit, Stimmlosigkeit, Husten und Atemnot werden beschrieben.

Bauchorgane

Bei dem Roemheld-Syndrom verursachen übermäßige Gasansammlungen in Magen und Darm die Thoraxschmerzen. Auch Herzbeschwerden können die Folge sein. Sind die Gase verflogen, bessern sich die Beschwerden recht schnell. Hilfreich sind hier Mittel der Naturheilkunde um Symptome eines aufgeblähten Bauchs zu lindern.

Thoraxschmerzen – Trauma

Rippenfraktur
Bei einer Rippenfraktur hat der Patient Rippenschmerzen, die bewegungs- und atemabhängig sind.

Bewegungsapparat und Nerven

Auch Verspannungen im Bereich der Zwischenrippenmuskulatur können zu Schmerzen in der Brust führen. Hier ist häufig eine Erkrankung der Wirbelsäule die Ursache. Eine Abklärung bei einem Orthopäden sollte in Erwägung gezogen werden. Abhilfe können manuelle Verfahren nach dem FDM-Modell oder der Osteopathie verschaffen.

Denkbar ist auch die Gürtelrose, sie ist eine Erkrankung, bei der sich die Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nerven konzentrieren. Diese Erkrankung kann überall auftreten, ist jedoch am häufigsten im Brustbereich zu verzeichnen. Bei dieser äußerst schmerzhaften Erkrankung leiden die Betroffenen unter massiven, brennenden Schmerzen.

Therapie

Da Thoraxschmerzen keine eigenständige Erkrankung sind, sondern als Begleitsymptome auftreten, gilt es hier, die ursächliche Krankheit zu therapieren.

Naturheilkunde bei Thoraxschmerzen

Je nachdem welche Krankheit zugrunde liegt, werden Schmerzen im Bereich des Thorax begleitend zur konventionellen Medizin, oder aber auch in leichteren Fällen, ausschließlich mit therapeutischen Maßnahmen aus der Naturheilkunde behandelt.. Ein Beispiel dafür ist das Roemheld-Syndrom. Hier kommen verschiedene Pflanzen zum Einsatz, die blähungshemmend wirken. Dies sind Kümmel, Anis, Koriander und Fenchel. Daraus ein wohlschmeckender Tee gekocht hilft gegen die übermäßigen Gasansammlungen im Verdauungstrakt.

Bei entzündlichen Erkrankungen, wie zum Beispiel der Pneumonie, kann die Naturheilkunde, begleitend zur schulmedizinischen Behandlung, Mittel zum Einsatz bringen, die gegen das Fieber wirken und/oder das Immunsystem stärken. Aconitum ist ein homöopathisches Mittel bei heftigem, plötzlichem Beginn einer Krankheit, Belladonna wird gerne bei Fieber eingesetzt und Ferrum phosphoricum stärkt das Immunsystem. (sw)