Wangenschmerzen, Schmerzen an der Wange

Nina Reese

Wangenschmerzen können einer Vielzahl von Ursachen zugrunde liegen. Häufig sind sie auf Reizungen oder Entzündungen der Gesichtsnerven (Neuralgien) zurückzuführen. Im Bereich des Gesichts tritt am häufigsten die Trigeminusneuralgie auf, bei der die Schmerzen vom fünften Hirnnerv, dem Trigeminusnerv, ausgehen. Er verläuft in drei Hauptästen im Gesicht und kann sehr starke Schmerzen verursachen. Häufig sind aber auch die Kaumuskulatur, das Kiefergelenk oder Entzündungsherde in den Zähnen Auslöser von Wangenschmerzen. Hinzu kommen Brüche und Prellungen, die auf Unfälle zurückzuführen sind. Um mit einer gezielte Therapie beginnen zu können, ist es notwendig, zunächst den genauen Auslöser der Beschwerden zu finden.

Inhaltsverzeichnis:
Defintion
Wangenschmerzen bei Neuralgien
Wangenschmerzen bei kraniomandibulären Dysfunktion
Wangenschmerzen bei Grunderkrankungen
Diagnose
Behandlungsoptionen bei Wangenschmerzen
Naturheilverfahren bei Wangenschmerzen

Defintion

Schmerzen im Gesicht unterhalb der Augenhöhle, zwischen Jochbein und Unterkiefer werden als Wangenschmerzen bezeichnet. Die Beschwerden können punktuell oder flächig, akut oder chronisch auftreten. Wangenschmerzen, die auf eine Trigeminusneuralgie zurückzuführen sind, zählen zu den heftigsten Schmerzerfahrungen.

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Wagenschmerzen können abhängig von den Ursachen punktuell oder flächig auftreten. (Bild: Two Brains Studios/fotolia.com)

Wangenschmerzen bei Neuralgien

Wangenschmerzen können bewegungs- und positionsunabhängig punktuell oder in kleinen Areale aber auch abhängig von Bewegungen des Kiefergelenks auftreten, so dass die Beschwerden beim Mundöffnen beziehungsweise Mundschließen auftreten. Sie können sich auch punktuell vor dem Kiefergelenk oder entlang des Jochbeines bemerkbar machen.

Im Bereich der Wagen verlaufen einige Nerven und Muskeln, die durch Reizungen und Entzündungen starke Schmerzen verursachen können. Der medizinische Fachausdruck für Nervenschmerzen ist Neuralgie. Darunter fallen Schmerzen, die sich im Versorgungsgebiet eines oder mehrerer Nerven bemerkbar machen und durch Schädigungen dieser peripheren Nerven verursacht werden. Zu den häufigsten Neuralgien gehört die Trigeminusneuralgie. Dabei ist der Gesichtsnerv, der Trigeminus, der in drei Hauptästen im Gesicht verläuft, Auslöser der Schmerzen. Einer dieser Nervenäste (Nervus maxillaris) läuft in den Wagenbereich. Noch genauer handelt es sich bei dem Schmerzauslöser um den Nervus infraorbitalis. Er versorgt die Zähne des Oberkiefers und die Haut des vorderen und oberen Gesichts und tritt durch ein Loch im Oberkiefer (Foramen infraorbitale) etwa drei Millimeter unterhalb des Auges nach außen.

Der Trigeminus versorgt die einzelnen Gesichtsbereiche zum einen mit Sensibilität, ist aber auch für die Aktivität der Kau- und Schläfenmuskulatur verantwortlich. Reizungen dieses Nerven können beispielsweise entstehen, wenn sich ein benachbartes Blutgefäß im unteren Gehirnabschnitt verändert oder andere Abschnitte des Trigeminus abgeklemmt werden. Manchmal kann die Ursache für eine Trigeminusneuralgie nicht abschließend geklärt werden. In anderen Fällen kann eine andere Grunderkrankung Auslöser der Schmerzen sein wie Multiple Sklerose oder ein Tumor. Kopfverletzungen durch Unfälle können ebenfalls zu Nervenschmerzen führen.

Zu den Symptomen von Trigeminusneuralgien gehört plötzlich auftretende, stechende Schmerzen vor allem oberflächlich an der Wange und am Kinn, die auch Zahnschmerzen auslösen können. Die Schmerzattacken dauern häufig nur einige Sekunden an und wiederholen sich in kurzen Abständen. Meist folgt dann eine Phase ohne Anfälle bis der Schmerz erneut einsetzt.

Ein weitere Ursache von Wangenschmerzen kann eine Gürtel- und Gesichtsrose (Herpes zoster) sein. Häufig ist eine geschwächte Immunabwehr beispielsweise bei älteren Menschen Grund dafür, dass das Windpocken-Virus erneut ausbricht und akute und chronische Beschwerden verursacht. Die äußerst unangenehme Neuralgie wird als postherpetische Zosterneuralgie bezeichnet.

Wangenschmerzen bei kraniomandibulären Dysfunktion

Als kraniomandibuläre Dysfunktionen werden Beschwerden der Kaumuskulatur und des Kiefergelenks bezeichnet. Die dabei auftretenden Schmerzen sind häufig im Bereich der Wangen lokalisiert oder strahlen dahin aus. Häufig sind die Muskeln, die für das Schließen des Mundes zuständig sind, stark verspannt und können Schmerzen verursachen.

Neueren Studien zufolge bestehen in diesen Muskeln ein veränderter pH-Wert sowie erhöhte Werte für Schmerzsubstanzen, die mitverantwortlich für die Entstehung von Schmerzen sein könnten. Zudem könnte das Zusammenpressen oder Reiben der Zähne tagsüber oder nächtliches Zähneknirschen zu Muskelverhärtungen beitragen. Auch Asymmetrien des Kiefergelenks, die beispielsweise durch Zahnfehlstellungen oder Zahnwachstum hervorgerufen werden, führen zu einer ungleiche Belastung der Muskulatur und könnten einseitige Beschwerden verursachen. Darüber hinaus können die Zähne selbst Beschwerden verursachen wie bei Entzündungsherden.

Wangenschmerzen bei Grunderkrankungen

Wangenschmerzen treten manchmal auch in Folge anderer Erkrankungen auf. Das betrifft beispielsweise Nasennebenhöhlenentzündungen, Zahn- und Kieferbeschwerden, Probleme an der Halswirbelsäule sowie Muskelverspannungen im Schulter- und Nackenbereich. In den meisten Fällen zeigen sich dabei vordergründig andere spezifische Symptome. Wangenschmerzen sind dann nur eine Begleiterscheinung.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche Erkrankungen, die den Kopf beziehungsweise das Schädelinnere betreffen. Schlaganfälle und Gehirntumore gehören beispielsweise dazu. Auch bei Migräne strahlen die Schmerzen zum Teil in die Wangen aus. Bei Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem betreffen wie Multiple Sklerose, können neben anderen Symptomen ebenfalls Wangenschmerzen auftreten.

Die hier genannten Ursachen für Wangenschmerzen stellen lediglich eine Auswahl dar und eignen sich nicht zur Selbstdiagnose. Bei Wangenschmerzen, die plötzlich und heftig, andauernd oder wiederkehrend oder nach Unfällen auftreten, sollte ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose

Wangenschmerzen können zahlreiche Ursachen zugrunde liegen. Um dem Auslöser der Beschwerden auf die Spur zu kommen, wird der Arzt zunächst abklären, wann und wo genau die Beschwerden auftreten. Dabei können auch andere Symptome einen Hinweis auf eine zugrundeliegende Erkrankung geben. Treten die Wangenschmerzen in Schüben plötzlich oder infolge eines bestimmten Reizes wie Zähneputzen oder Stresssituationen auf, kann das auf eine Trigeminusneuralgie hinweisen. Bei Beschwerden, die vor allem beim Kauen auftreten, liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ein Problem der Zähne oder des Kiefergelenks (handelt.

Neben dem Abtasten des Wangenbereichs können weitere Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen und MRT notwendig sein. Abhängig von der Ursache der Wangenschmerzen werden Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Zahnärzte, Kieferorthopäden, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Orthopäden, Neurologen sowie Internisten konsultiert.

Behandlungsoptionen bei Wangenschmerzen

Die Therapie von Wangenschmerzen richtet sich nach ihrer Ursache. Bei kleine Zahnkorrekturen bereits aus, um die Beschwerden zu lindern. Aufwändigere Eingriffe werden in der Regel nur dann durchgeführt, wenn alle anderen Maßnahmen ausgeschöpft wurden oder nur ein solcher Eingriff die Dysfunktion beheben kann.

Wenn Muskelverspannungen Auslöser der Wangenschmerzen sind, können Physiotherapie, manuelle Therapie und Verfahren zur Muskelentspannung Linderung verschaffen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer elektrischen Nervenstimulation über die Haut, um die Muskeln zu entspannen. Bei Nervenschmerzen wie der Trigeminusneuralgie wird meist auf Medikamente zurückgegriffen, sofern keine Grunderkrankung vorliegt. Da Schmerzmittel bei den schubartig auftretenden Schmerzattacken nicht wirksam sind, erhalten Betroffene oft sogenannte Antiepileptika, die vor allem bei der Behandlung von Epilepsie zum Einsatz kommen und Schmerzanfällen vorbeugen, indem sie die Erregbarkeit und Leitfähigkeit der Nervenbahnen beeinflussen. In schweren Fällen kann auch eine Operation sinnvoll sein, bei der die Entlastung des gereizten oder unter Druck stehenden Nerves oder die Unterbrechung der Schmerzbahn im Vordergrund steht. Operative Eingriffe können auch bei Tumoren, Brüchen oder manchmal bei Multiple Sklerose notwendig sein.

Naturheilverfahren bei Wangenschmerzen

Das Behandlungskonzept der , das von dem US-amerikanischen Arzt Arthur Taylor Still begründet wurde, bezieht weitere Faktoren und Zusammenhänge in die Diagnose ein, die Einfluss auf den Wangenbereich haben können, jedoch in der Schulmedizin häufig unberücksichtig bleiben. So werden im Rahmen der Erstuntersuchung auch Beschwerden wie Nackenverspannungen, Schläfenschmerzen, Stirnschmerzen oder Hüftschmerzen mit einbezogen und gegebenenfalls behandelt. Das ist sinnvoll, da sie die Gesamtstatik des Körpers beeinflussen.

Je nach Ursache können auch natürliche Heilmittel zum Einsatz kommen, die entweder ergänzend oder alternativ zur Schulmedizin eingesetzt werden. So werden Gewürznelken bereits seit Jahrhunderten bei Zahnschmerzen angewendet, da ihre Inhaltsstoffe schmerzstillend wirken. Zudem soll sie antiviral und im Besonderen gegen Herpesviren wirken.

Sind die Wangenschmerzen auf eine Entzündung im Mundraum zurückzuführen, kann mit Kamille oder Salbei gegurgelt werden, da beiden eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt wird. (nr)

Bild: Benjamin Thorn / pixelio.de