Wasser im Bauch – Ursachen, Symptome und Therapie

Dr. Utz Anhalt

Bauchwassersucht; Aszites

Nimmt ihr Bauchumfang immer weiter zu, ohne, dass Sie mehr Kalorien zu sich nehmen als zuvor? Spüren Sie unangenehmen Druck von innen im Bauch und leiden Sie an Bauchschmerzen? Bilden sich ständig Blähungen, ohne dass Sie blähende Speisen wie Bohnen oder Zwiebeln gegessen haben? Kommen sogar Atemprobleme und Kreislaufbeschwerden hinzu? Dann ist es möglich, dass Sie die Wassersucht plagt, im Fachjargon Aszites. Dabei handelt es sich um eine pathologische Ansammlung von Flüssigkeit im Bauchraum.

Ursache ist in 80 % der Fälle ein Leberschaden, besonders die Leberzirrhose. Wir sprechen dann von einer portalen Aszites. Andere Ursachen sind Tumore, Entzündungen an den inneren Organen oder ein gestörter Abfluss der Lymphflüssigkeit. Es handelt sich also fast immer um ernsthafte Probleme mit der Gesundheit. Krankheiten, die zu Wassersucht im Bauch führen können, sind unter anderem: Herzinsuffizienz, Leberversagen, Leberzirrhose, Leberkrebs, Lebermetastasen, Magenkrebs, Entzündungen der Bauchspeicheldrüse, Bauchfellentzündung und Eierstockkrebs.

Die Bauchwassersucht macht sich in fortgeschrittenem Stadium durch einen extrem aufgeblähten Bauch bemerkbar. Ursache können neben Lebererkrankungen zum Beispiel eine Herzschwäche, Bauchfellentzündungen oder auch die Einnahme bestimmter Arzneimittel sein. (Bild: fizkes/fotolia.com)

Die Balance der Körperflüssigkeit

Der größte Teil unseres Körpers besteht aus Wasser, dass sich auf die Zellen verteilt, die Räume zwischen den Organen und die Blutgefäße. Ins Gewebe gelangt in einem funktionierenden Organismus nur ein kleiner Teil der Flüssigkeit, diesen absorbieren die Lymphbahnen und bringen das Wasser zurück in die Venen.

Wasser, das sich im Bauchraum oder anderem Körpergewebe sammelt, zeigt, dass das Gleichgewicht gestört ist. Zum Beispiel drückt mehr Flüssigkeit in das umliegende Gewebe, wenn die Adern gepresst sind. Außer einer Wassersucht im Bauch können sich auch Ödeme in den Beinen oder im Gesicht bilden. Letzteres empfinden die meisten Menschen zudem als besonders unästhetisch.

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Warum sammelt sich Wasser im Bauch?

Eine häufige Ursache für eine abnormale Ansammlung von Wasser ist ein erhöhter Druck innerhalb der Blutgefäße, der besonders bei einer Leberzirrhose auftritt aber auch bei Herzschwäche.

Eine zweite Ursache ist Eiweißmangel. Bei Hunger kommt es zum berüchtigten Wasserbauch, wie er von Dokumentationen über Hungerkatastrophen in Äthiopien oder Indien bekannt ist. Dieser liegt nicht primär an fehlenden Kalorien, sondern an einem außerordentlichen Mangel an Proteinen. So bildet sich der Wasserbauch auch bei Menschen, die zwar genug Kalorien zu sich nehmen oder sogar übergewichtig sind, deren einseitige Ernährung aber zu wenig Eiweiß enthält. Beispiele hierfür sind die Menschen in Asien, die sich nahezu ausschließlich von Reis ernähren, oder Indigene am Amazonas, die fast nur von Maniok zu sich nehmen.

Eine dritte Ursache sind schwache Zellwände. Diese werden durchlässig, und die Flüssigkeit tritt in das umliegende Gewebe. Dies geschieht besonders bei Entzündungen, die die Zellstruktur schädigen, vor allem durch Viren und Bakterien.

Die vierte Ursache ist eine Störung des Lymphabflusses. Dies liegt insbesondere an Vernarbungen oder Tumoren, die die Lymphbahnen blockieren.

Welche Rolle spielt die Niere?

Ein Wasserbauch verstärkt sich oft durch Fehlinformationen, die die Niere aufnimmt. Tritt nämlich Flüssigkeit in den Bauch ein, melden die Rezeptoren in den Gefäßen, dass ein Flüssigkeitsmangel vorliegt, weil der Pegel innerhalb der Gefäße durch das in den Bauchraum dringende Wasser sinkt. Dadurch sinkt auch der Blutdruck. Die Niere reagiert darauf, indem sie weniger Urin ausscheidet und Hormone freisetzt, die den Blutdruck anheben. Das führt dann dazu, dass noch mehr Flüssigkeit in den Bauchraum gelangt.

Vielerlei Wassersucht

Wassersucht kennt verschiedene Formen. Wir unterscheiden sie je nachdem, wie sich die Flüssigkeit zusammensetzt, die in den Bauchraum dringt.

1) Der nicht-entzündliche Aszites: Funktioniert der Blutabfluss nicht zum Beispiel bei einer Leberzirrhose oder einer Schwäche der rechten Herzkammer, dann tritt Flüssigkeit in den Bauch ein, ohne dass Zellen entzündet sind. Das gilt auch bei Eiweißmangel oder Tumoren. Allerdings kann eine solch nicht entzündliche Wassersucht das Bauchfell reizen und so im Ernstfall zu einer Entzündung des Bauchfells führen. Eine solche Entzündung wiederum kann tödlich enden.

2) Der entzündliche Aszites: Hier ist die Entzündung keine Folge, sondern Ursache der Ansammlung von Flüssigkeit. Hat sich die Bauchhöhle nämlich entzündet, werden die Organe und Gefäße durchlässig und Flüssigkeit kann passieren. Die Ansammlung von Flüssigkeit ist hier trüb, und der Arzt kann in ihr Erreger nachweisen.

3) Der chylöse Aszites: Bei einem gestörten Lymphabfluss sammelt sich in der Bauchhöhle eine milchige Flüssigkeit.

4) Hämorrhagischer Aszites: Bei dieser Ansammlung handelt es sich genau genommen nicht um eine Ansammlung von Wasser, sondern von Blut. Innere Verletzungen, Blutungen an inneren Organen, kleine Wunden im Bauchraum, die sich wegen Gerinnungshemmern nicht schließen, führen zu einem Anschwellen des Bauchraums. Sie müssen in diesem Fall unbedingt zu einem Arzt, bzw. sofort ins Krankenhaus. Es besteht Lebensgefahr durch Verbluten.

Ist die Leberfunktion beispielsweise infolge von Leberkrebs oder einer Leberzirrhose beeinträchtigt, sind vermehrte Flüssigkeitansammlungen im Bauchraum eine typische Folge. (Bild: magicmine/fotolia.com)

Mögliche Erkrankungen

Erkrankungen der Leber sind die häufigste Ursache für nicht entzündliche Wassersucht im Bauch. So sammelt die Pfortader das verbrauchte Blut und bringt es in die Leber, wo es entgiftet und wieder in den Stoffwechsel gebracht wird. Eine Leberzirrhose ebenso wie eine Thrombose verursachen jetzt extremen Druck auf diese Ader.

Medusenhaupt und Leberstauung

Ein solcher Blutstau lässt sich auch äußerlich erkennen. Die Flüssigkeit sammelt sich nicht nur im Bauchraum, sondern das Blut sucht sich auch andere Abflüsse. Diese lassen sich als „Medusenhaupt“ auf der Bauchoberfläche erkennen.

Eine Schwäche im rechten Teil des Herzens sorgt dafür, dass sich das Blut zurück in die Leber staut und dort die Zellen zerstört. Dies führt neben Gelbsucht zu einer Störung der Blutgerinnung und auch zur Bauchwassersucht.

Alkoholismus und eine virale Hepatitis sind die Hauptursachen für eine Leberzirrhose. Bei dieser Erkrankung tritt nutzloses knotiges Gewebe an die Stelle des gesunden Lungengewebes. Die Leber fühlt sich hart an und wird klein.

Leberkoma und Nierenversagen

Kann die Leber ihre Funktionen nicht mehr erfüllen, entsteht Hochdruck in der Portader. Am Ende steht das Leberkoma, durch die Wassereinlagerungen laufen die Nieren auf Hochtouren, die das in den Bauchraum dringende Wasser fälschlich als Flüssigkeitsmangel einschätzen und weniger Urin produzieren. Versagen die Nieren jetzt zusätzlich zur Leber lässt sich die Krankheit nicht mehr heilen und führt ziemlich sicher zum Tod.

Rechtsherzschwäche

Bei einer Rechtsherzschwäche kann das Herz das verbrauchte Blut nicht mehr in die rechte Herzkammer und von da in die Lunge weiterleiten. Statt das Blut mit Sauerstoff anzureichern und wieder in den Blutkreislauf zu bringen, staut sich das Blut bis in die Leber zurück. Neben einer Wassersucht im Bauch sammelt sich die Flüssigkeit jetzt auch in den Beinen.

Der Aszites kann auch Folge einer sogenannten Rechtsherzschwäche sein, was dringend ärztlich abgeklärt werden sollte. (Bild: ag visuell/fotolia.com)

Eiweißmangel

Wenn das Eiweiß im Blutplasma sinkt, fällt der Druck in den Gefäßen. Diese werden durchlässig und Wasser lagert sich ein. Ursache ist Mangelernährung, die oft mit Unterernährung einhergeht. Es kommt zu dem „Hungerbauch“, der aus den Elendsgebieten der Dritten Welt bekannt ist. Hierzulande sind Magersüchtige häufig betroffen.

Hungerbauch

Allerdings leiden nicht nur Untergewichtige unter diesem Eiweißmangel. Auch und gerade Übergewichtige, die sich einseitig ernähren, nehmen zu wenig Eiweiß zu sich. So sind zum Beispiel aus Indien Wassereinlagerungen im Bauch bei übergewichtigen Kindern bekannt, die zwar viele Kalorien zu sich nehmen, die aber fast ausschließlich aus Kohlenhydraten bestehen.

Nierenerkrankungen

Erkranken die Nierenkörperchen und scheiden deshalb Proteine vermehrt über den Urin aus, kann auch dies zu einer Wassersucht führen. Bisweilen nimmt auch die Schleimhaut im Magen und Darm zu viel Proteine auf. Dann kommt es ebenfalls zu einer Wassersucht, außerdem zu starkem Durchfall und Gewichtsverlust.

Tumore

Bilden sich Krebstumore im Bauchraum, dann blockieren diese oft die Lymphabflüsse und verursachen so Wasser im Bauch. Leberkrebs löst die Wassersucht durch das geschädigte Organ aus und kann jede Art der Wasseransammlung verursachen: Entzündlich, nicht entzündlich, klar, blutig oder lymphatisch.

Folgende Krebsarten gehen oft mit Wassersucht einher: Magen-, Dickdarm- und Leberkrebs, Metastasen am Bauchfell und Eierstockkarzinome.

Wann geht es zum Arzt?

Sie haben meist keine Wassersucht, wenn ihr Bauchumfang zunimmt. Häufig sind Blähungen oder Verdauungsprobleme die Ursache. Diese gehen aber in der Regel nach einigen Tagen von selbst zurück. Eine echte Wassersucht im Bauchraum entwickeln vor allem Menschen, die bereits von Krankheiten der Leber und des Herzens betroffen sind. Das gilt auch für Menschen, die einen Aszites als Folge von Krebs oder eine Bauchfellentzündung entwickeln. Die Ansammlung von Wasser ist hier fast nie das erste auffällige Symptom.

Die Patienten wissen in der Regel um ihre Basiserkrankung, wenn sie den Arzt wegen ihrer Wassersucht aufsuchen. Allerdings bemerken auch sie das Wasser im Bauchraum erst, wenn das Bauchvolumen stetig größer wird – die kleinen Wassermengen am Anfang bleiben oft unbemerkt. Wenn Sie den Verdacht haben, an einer Wassersucht zu leiden, suchen Sie unbedingt einen Arzt auf. Bauchwassersucht kann dazu führen, dass das Bauchfell sich spontan entzündet. Steigt das Volumen der Flüssigkeit, kann der Atem unterbrochen werden.

Eine Ultraschalluntersuchung dient nicht nur zur Feststellung der Flüssigkeitsansammlung im Bauchraum, sondern es können auch mögliche Ursachen der Beschwerden mit Hilfe dieses Diagnoseverfahrens ermittelt werden. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Diagnose

Eine größere Ansammlung von Wasser erkennt der Arzt oft auf den ersten Blick. Berichten Sie von Druckgefühl im Bauch und weiß der Arzt um eine Vorgeschichte von Herz- wie Leberkrankheiten, wäre es fast ein Kunstfehler, nicht auf Wassersucht zu untersuchen. Der Arzt klopft und tastet jetzt den Bauch ab. Befinden sich dort größere Ansammlungen von Wasser, sind Wellenbewegungen zu spüren. Sicher ist die Diagnose nach einer Ultraschallanalyse. So lassen sich bereits kleine Mengen an Flüssigkeit von 50 Milliliter erkennen. Noch wichtiger: Der Arzt sieht so auch, welche organische Erkrankung die Ursache für die Wassersucht ist, weil er ein genaues Bild von Herz und Leber erhält.

Eine Blutuntersuchung klärt, welche Störungen von Herz, Leber oder Bauchspeicheldrüse vorliegen. Manchmal führt der Arzt auch eine Punktion durch: Er entnimmt eine Probe der Flüssigkeit und schließt aus der Farbe und Konsistenz des Sekretes, ob es sich um Leber- wie Herzbeschwerden handelt (klar), Störungen des Lymphflusses (milchig) oder innere Blutungen (blutig) handelt. Er kann zudem Bakterien identifizieren. Damit stellt er die Weichen für die anschließende Therapie.

Behandlung

Der Arzt behandelt vor allem die Grunderkrankung. Außerdem muss er aber das Wasservolumen im Bauch verringern. Bei Leberkrankheiten behandelt er die Betroffenen deshalb mit entwässernden Mitteln, den Diuretika, und die Patienten müssen Speisen ohne Kochsalz essen. Große Wassermengen erfordern eine kleine Operation, die Flüssigkeit wird hier durch einen Schnitt abgeführt. Dabei kann indessen eine Infektion oder Blutung entstehen. Allerdings enden die Beschwerden sofort.

Was können Sie selbst tun?

Leiden Sie unter Bauchwassersucht, dann reduzieren Sie ihren Kochsalzverbrauch auf weniger als 4,5 Gramm am Tag, bis die Probleme verschwunden sind. Trotzdem sollten Sie sich ausreichend Kalorien zuführen, obwohl Sie sich wegen des „vollen Bauches“ satt fühlen. Legen Sie sich so viel wie möglich hin. Im Ruhezustand sind die Gefäße im Bauchraum nämlich gepresster, und die Niere erhält so das Zeichen, Flüssigkeit auszuscheiden. (Dr. Utz Anhalt)