Wasser im Ohr – So kommt es wieder raus

Wasser im Ohr: Wenn das Wasser nicht mehr aus dem Ohr kommt. Diese Mittel können helfen. Bild: D.R. - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Wasser im Ohr kennt jeder: In der Badewanne, im Schwimmbad oder unter der Dusche läuft es in den Gehörgang, wir fühlen ein Knacken und können nur gedämpft hören. Das nervt und ist zudem nicht ganz harmlos: Bakterien, Keime und Schmutz können so hinein gelangen und eine Entzündung hervorrufen. Deshalb entfernen wir das Wasser so schnell wie möglich – nicht alle populären Methoden sind jedoch dafür geeignet.

Ein Labyrinth

Wir sprechen von Gehörgang, und doch bezeichnen damit zwei verschiedene Wege: Der innere Gehörgang ist vollständig durch den Ohrkanal geschützt, der äußere teilweise. Diese Gänge sind verwinkelt, und beim Trommelfell befindet sich eine kleine Senke. Ein gesundes Trommelfell lässt kein Wasser durch, und die Flüssigkeit sammelt sich davor.

Wasser im Ohr: Wenn das Wasser nicht mehr aus dem Ohr kommt. Diese Mittel können helfen. Bild: D.R. - fotolia
Wasser im Ohr: Wenn das Wasser nicht mehr aus dem Ohr kommt. Diese Mittel können helfen. Bild: D.R. – fotolia

Hat sich viel Ohrenschmalz gebildet, dann entstehen zusätzliche „Tümpel“. Das Schmalz verhindert, dass das Wasser abläuft, kann sogar durch die Flüssigkeit aufquellen und den Hörgang verstopfen.

Wie das Wasser entfernen?

Ist unser Ohr verstopft, greifen die meisten von uns zu Wattestäbchen. Die gelten aber unter Hals-Nasen-Ohren Ärzten als No-Go: Die Watte bleibt schnell im Gehörgang stecken und verschlimmert so das Problem. Gerade, wenn sie durch das Wasser feucht wird, löst sich sich leicht von Stäbchen ab, und der zusätzliche Reiz der Wattepartikel vergrößert das Risiko einer Infektion.

Auch Bleistifte, Büroklammern oder Kugelschreiberminen sollten wir unbedingt vermeiden. Wir können die empfindlichen Gehörgänge damit verletzen.

Sinnvoller ist eine erst einmal merkwürdig anmutende Methode: Wir ziehen unser Ohr nach hinten und oben, stellen einen Föhn auf niedrige Stufe und pusten warme Luft hinein. So trocknet das Wasser aus.

Wie bekomme ich mein Gehör zurück?

Wasser im Ohr führt oft dazu, dass wir Geräusche mit dem betroffenen Ohr nur noch gedämpft hören. Das verschwindet meist von selbst. Wenn jedoch dieses Gefühl andauert, können wir mit einfachen Mitteln das Gehör wieder erlangen.

Das sieht zwar komisch aus, hilft aber: Wir springen, wir drehen uns und wir schütteln den Kopf. Das führt zwar in der Regel nicht sofort zum Erfolg, nach einigen Stunden ist das Wasser aber meist draußen. Wenn wir die „Übungen“ wiederholen müssen, liegt das an den komplizierten Gehörgängen. Die haben nämlich mehrere Windungen, die das Wasser überwinden muss.

Falls das Wasser aber partout nicht entweicht, sollten wir zum HNO-Spezialisten gehen. Dann hat sich vermutlich Ohrenschmalz angesammelt, das durch das Wasser noch zusätzlich aufquillt.

Vorbeugung

Um Wasser überhaupt nicht erst ins Ohr kommen zu lassen, können wir wieder verwendbare Stöpsel aus Kunststoff hinein stecken. Allerdings sollten wir von Stöpseln aus Schaumgummi die Finger lassen. Die dämpfen zwar den Lärm zum Beispiel bei Konzerten, saugen sich aber mit Wasser voll. Sinnvoller sind Stöpsel aus Silikon.

Vorbeugend können Ohrstöpsel sein. Bild: Robert Przybysz - fotolia
Vorbeugend können Ohrstöpsel sein. Bild: Robert Przybysz – fotolia

Wir können die Ohren nach dem Schwimmen mit einem flauschigen Handtuch trocknen, damit sich erst gar kein Wasser sammeln kann. Wir beugen dabei den Kopf zur Seite und schütteln das überschüssige Wasser hinaus.

Hausmittel bei Wasser im Ohr

Gegen Wasser im Ohr und gegen eine Infektion hilft eine Lösung aus Reinigungsalkohol und weißem Essig im Verhältnis 1 zu 1. Mit einer Pipette tropfen wir die Lösung in das betroffene Ohr und lassen die Flüssigkeit dann ablaufen.

Die Säure bricht das Ohrenschmalz auf und entfernt so die Hindernisse, an denen sich das Wasser staut. Der Alkohol trocknet das Wasser aus und hilft, es schneller verdunsten zu lassen.

Wir können auch ein Vakuum herstellen, indem wir eine Hand auf das entsprechende Ohr drücken. Wir drücken und lösen den Druck im Wechsel, bis das Wasser abläuft. Das Ohr sollte dabei nach unten zeigen. Durch Ansaugen entsteht ein Vakuum.

Wir tupfen das Ohr vorsichtig mit einem trockenen Tuch ab. Dieses nimmt Wasser auf. Wir sollten das Tuch aber nicht wie ein Wattestäbchen in das Ohr hinein drücken, denn damit pressen wir das Wasser vielleicht sogar noch in das Ohr hinein.

Wir können auch den Kopf zur Seite beugen, damit das Wasser ausläuft, am Ohrläppchen ziehen, um das Ohr zu öffnen oder uns mit dem Ohr nach unten auf das Bett zu legen, damit die Erdanziehung das Wasser auf natürliche Art abfließen lässt.

Kauen hilft, das Wasser zu lösen, wenn es in den eustachischen Röhren eingeschlossen ist. Gähnen bewegt ebenfalls die Gesichtsmuskeln und kann so das Wasser abfließen lassen.

Kräftiges Gähnen kann helfen. Bild:  pathdoc - fotolia
Kräftiges Gähnen kann helfen. Bild: pathdoc – fotolia

Oft hilft es, sich die Nase zu putzen. Der dabei entstehende Druck reicht dann schon aus, dass Wasser aus dem gehörgang zu drücken.

Ohrschnupfen

Eine Mittelohrentzündung betrifft den Bereich zwischen Trommelfell und Innenohr, das Trommelfell, die Paukenhöhle, die drei Gehörknöchelchen und die eustachische Röhre. Ist die eustachische Röhre beschädigt, dann kommt es zu einem Unterdruck, der führt zu einem Vakuum und die Schleimhaut reagiert darauf, indem sie ein Sekret absondert. Die Folge ist Flüssigkeit im Ohr.

Eine akute Mittelohrentzündung wird durch Viren oder Bakterien ausgelöst. Kritischer ist ein Paukenerguss, die seröse Mittelohrentzündung. Betroffene sind häufig Kinder, deshalb sprechen wir auch von Leimohr. Diese Form kann sogar chronisch werden, also mehr als sechs Wochen anhalten. Flüssigkeit bildet sich im Mittelohr immer wieder von neuem und wird nach einer Weile zu einem zähen Schleim – dem „Leim“.

Die akute Mittelohrentzündung folgt meist auf eine Erkältung. Das Ohr fühlt sich an, als wäre es verstopft, oder als hätten wir enormen Druck auf dem Ohr wie im Flugzeug oder beim Tauchen. Ist die Erkältung aber vorüber, klingen auch die Beschwerden im Ohr ab.

Doch Hörverlust, Ohrenschmerzen, Fieber, Übelkeit, Tinnitus und vor allem Nässe im Ohr gehören zu den Symptomen.

Kleinkinder zeigen, dass sie an einer Mittelohrentzündung leiden, indem sie sich am Ohr ziehen, schreien, den Appetit verlieren, hohes Fieber haben, Flüssigkeit aus dem Ohr sickert, ihr Gleichgewicht gestört ist, und sie schlecht hören.

Fast 9 von 10 Kindern leiden mindestens einmal an dieser Krankheit. Ihre Ohren und ihr Immunsystem wachsen noch, ihre eustachischen Röhren sind kürzer, und deshalb kann die Flüssigkeit nicht abfließen. Zugleich leiden sie häufiger an Entzündungen als Erwachsene.

Die Eltern können eine Mittelohrentzündung nicht gänzlich verhindern, aber bestimmte Reize verringern: Sie sollten das Rauchen in Gegenwart des Kindes einstellen, sich häufig die Hände waschen, wenn sie das Kind anfassen und vermeiden, dass das Kind mit Kranken in Kontakt kommt. Antibiotika verhindern, dass aus der akuten eine chronische Entzündung wird.

Für gewöhnlich ist eine Mittelohrentzündung nicht dramatisch. Das Mittelohr heilt sich ausgezeichnet selbst, und selbst ein beschädigtes Trommelfell heilt wieder.

Selbstschutz

Der äußere Gehörgang schützt sich selbst gegen Krankheitserreger. Das Ohrenschmalz weist Wasser in Maßen ab und fängt Schmutz auf. Bakterien können sich durch das saure Milieu im Ohr kaum ausbreiten.

Halten wir uns aber lange im Wasser auf, wird die Haut des äußeren Gehörgangs durchlässig, und der Fettschutz löst sich auf. Chlor im Schwimmbad und Salz im Meerwasser beschleunigen diese Auflösung. Außerdem sind viele Bakterien gegen gechlortes Wasser resistent und treten besonders häufig in Schwimmbädern auf.

Wenn der Schutz in den Gehörgängen sich auflöst, haben Krankheitserreger ein leichtes Spiel. Schwimmer, Surfer und Badeurlauber leiden deshalb besonders häufig an einer Außenohrentzündung, Ärzte bezeichnen diese Erkrankung deshalb auch als „Taucherohr“.

Bei einer solchen Ottis externa fühlen die Betroffenen einen Juckreiz und reagieren sensibel auf Berührungen, dann folgen starke Schmerzen, begleitet von einem Zug an der Ohrmuschel und einem drückenden Gefühl auf dem Knorpel vor dem Gehörgang. Die dortige haut rätet sich und schwillt an und ein trübes Sekret bedeckt das Außenohr.

Diese Infektion ist zwar nicht gefährlich, tut aber außerordentlich weh. Angesagt sind deshalb Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol. Außerdem hilft es, das Ohr zu kühlen, zum Beispiel mit feuchten Lappen oder Eiswürfeln.

Ein HNO-Arzt reinigt das betroffene Ohr mit einem speziellen Absaugegerät, niemals aber mit Fremdkörpern wie einem Wattestab.

Stattdessen legt er einen Streifen Gaze mit Medikamenten in den Gehörgang und erneuert ihn regelmäßig. Geht die Schwellung zurück, dann folgen Ohrentropfen. Antibiotika wie Ciproflaxacin, Bacitracin und Polymyxin-B helfen dem Gehörgang beim Abschwellen. Ist das Trommelfell beschädigt, empfehlen sich Gazestreifen mit Alkohol.

Die einfachste Vorbeugung sowohl gegen eine Ohrenentzündung wie auch gegen Wasser, das von außen ins Ohr eindringt, ist eine Badekappe. (Dr. Utz Anhalt) 

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