Weiße Flecken auf den Fingernägeln

Sebastian
Weiße Flecken auf den Nägeln sind unschön, und bisweilen nicht nur das. Sie können nämlich auf Verletzungen hinweisen. Meistens sind sie jedoch harmlos.

Was sind unsere Nägel?

Die Hornplatten der Nägel liegen über dem Nagelhäutchen und darunter befindet sich die Nagelmatrix, von der wir einen kleinen Teil als weißen Halbmond am unteren Rand der Nägel erkennen. Keratinozyten, Hautzellen, sterben im Nagelbett und verhärten. Unsere Nägeln bestehen aus über hundert Schichten solcher Keratinschuppen und bilden die Nagelplatte.
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Nägel bilden sich an der Nagelwurzel – und nur Primaten, also Menschen, Menschenaffen, Affen und Halbaffen weisen sie auf. Diese Nagelwurzel liegt an der Nageltasche. Ein Epithel liegt dorsal auf der Nagelplatte auf, es heißt Eponychium; ein anderes Epithel nennen wir Hyponychium. Darunter liegt das Nagelbett, ein Bindegewebe. Das Hyponychium geht in die Nagelmatrix über, den Sockel der Nagelplatte.

Nägel sind ein Schutz für die empfindlichen Fingerbeeren, dem menschlichen Äquivalent zu den Tastballen der Tiere. Die Nägel sind so fest mit dem Nagelbett verbunden, dass wir mit ihnen kratzen, ritzen oder zupfen können.

Die Nagelplatte selbst ist zwar taub, da sie aus toten Zellen bestellt, jedoch umgeben von hoch sensiblen Zellen, die dem Gehirn taktile Informationen in großer Dichte vermitteln. Ohne Nägel könnten wir zum Beispiel nicht bestimmen, wie hart ein Gegenstand ist. Fingernägel sind also ein ausgesprochen komplexes System.

Weiße Flecken

Wir polieren unsere Nägel, wir schneiden sie, wir lackieren sie, und manche geben viel Geld in einem Nagelstudio aus. Früher oder später entdecken wir kleine weiße Flecken. Erwin Schultz von der Hautklinik in Nürnberg hat dafür eine einfache Erklärung: Ihm zufolge entstehen diese Flecken durch Verletzungen der Nagelmatrix, zum Beispiel, wenn wir das Nagelhäutchen zurückschieben. Stöße und Stiche am Nagelansatz können die Nagelwurzel leicht beschädigen. Die Hornschichten wachsen dann nicht mehr zusammen, Luft wird eingeschlossen, das verändert den Lichteinfall, und dadurch sieht der Nagel weiß aus.

Fieber und Immunschwäche schädigen die Nagelmatrix ebenfalls. Die weißen Flecken gehen dann mit dem Abklingen des Fiebers zurück. Kalzium-, Magnesium- und Eisenmangel sind übliche Verdächtige für Probleme mit den Nägeln. Stimmt das?

Kalziummangel?

Nägel bestehen aus Kalzium, allerdings nur zu 0,03 Prozent, und das sitzt in der Oberfläche. Der wichtigste Stoff ist hingegen Keratin, ein Protein, das der Körper zwar selbst produziert, dessen Material er aber mit der Nahrung aufnimmt. Auch B-Vitamine wie Biotin sind notwendig, damit die Nägel gesund wachsen. Dafür empfiehlt es sich, Tomaten, Naturreis oder Nüsse zu essen.

Weiße Flecken entstehen indessen nicht wegen Kalziummangel, und das verbreitete Schlucken von (teuren) Kalziumpräparaten hat keinen Einfluss auf das Wachstum der Nägel. Lediglich subjektiv fanden Frauen, die in einer Studie der University of Auckland ein Jahr Kalziumtabletten oder ein Scheinpräparatzu sich nahmen, dass ihre Nägel glatter würden. Einen realen Effekt hatten die Kalziumtabletten nicht.

Weiße Flecken und brüchige Nägel entstehen in den entwickelten Kapitalstaaten vor allem durch zu häufiges Händewaschen, Reinigungsmittel oder Nagellackentferner; außerdem durch zu intensive Nagelpflege. Wer mit der Feile an das Nagelbett stößt, die Nägel stark bürstet, oder mit der Nagelschere abrutscht, verletzt leicht die Nagelmatrix und verursacht so die weißen Flecken.

Nagellack, Nagelkleber oder Kunstnägel rufen bisweilen Allergien auf den Plan, die zeigen sich unter anderem in Flecken auf den Nägeln. Durch exzessiven Gebrauch von Nagellackentfernern trocknen die Nägel aus, splittern und verfärben sich.

Ironie der Geschichte: Weiße Flecken an den Nägeln haben meist diejenigen, die der Maniküre besondere Aufmerksamkeit widmen.

Putzhandschuhe und Fingerbäder in Olivenöl helfen gegen solche Verletzungen, das Öl pflegt zudem die Nagelmatrix und beugt auch so weißen Flecken vor.

Das geht allerdings nicht über Nacht. Es dauert fast ein halbes Jahr, bis sich ein Fingernagel neu bildet, und bei Fußnägeln noch länger. Erst wenn die weißen Flecken trotz sorgsamer Nagelpflege, Handschutz und ausgewogener Ernährung bleiben, sollte man zum Arzt gehen.

Ein Symptom für Krankheiten?

Weiße Flecken auf den Nägeln allein sind also in aller Regel kein Anzeichen für Erkrankungen. Gehen sie aber mit anderen Veränderungen einher, wachsen Nägel zum Beispiel nach innen oder oben, bilden sie Beulen? Dann könnte das auf ernsthafte Probleme verweisen, auf Störungen der Schilddrüse, einUngleichgewicht der Hormone, auf Schuppenflechten, Nagelpilz oder Diabetes.

Nagelpilz

Nagelpilz oder Onchychomykose ist ein Pilz, der die Nägel befällt; diese verdicken sich und verfärben sich weiß bis gelblich. Verusacher sind meist Fadenplize, in der Fachsprache Dermatophyten.

Nagelpilz ist nicht nur ein ästhetisches Problem. Wenn der betroffene Nagel nämlich nicht behandelt wird, kann der Pilz auf die umliegenden Nägel übergreifen, was Schmerzen verursacht; sogar das Greifen und, bei Fußnägeln, das Gehen, fällt schwer.

Fadenpilze lieben Keratin, also Haut, Haare und Nägel. Wie die meisten Pilze gedeihen sie am besten dort, wo es feucht und warm ist. Schwitzige Handschuhe, die keine Luft durchlassen und ungewaschene Socken auf Schweißfüßen bieten ihnen paradiesische Bedingungen.

Nagelpilze übertragen sich direkt, bevorzugt in öffentlichen Bädern, Fitness-Studios und Umkleidekabinen. Der Erreger überdauert in Hautschuppen über Wochen hinweg.

Ältere Menschen sind besonders anfällig für solche Infektionen. Wenn die Gefäße „verkalken“, ist die Durchblutung schlecht, und viele Senioren leiden zudem unter einem schwachen Immunsystem.

Sportler und Bauarbeiter kommen mit den Erregern des Nagelpilzes häufig in Berührung, und außerdem gefällt den Pilzen die durch den Schweiß aufgeweichte Haut.

Der Pilz breitet sich in der Regel vom vorderen Rand des Nagels aus, befällt die Nagelplatte und löst das Keratin auf, so dass sich mit Luft gefüllte Hohlräume bilden, und die führen zu den weißen Flecken. Der Nagel wird zugleich dicklich, wie angeschwollen, und verfärbt sich zu einem schmutzigen Weiß. Außerdem entzündet sich das Nagelbett.

Nagelpilz schmerzt nicht nur und sieht hässlich aus, er ebnet auch ernsthaften Krankheiten den Weg, denn der Pilz verursacht winzige Verletzungen, die wiederum ein Tor für Infektionen aller Art öffnen.

Diagnose

Ein Hautarzt stellt die Diagnose; er trennt dazu ein Stück vom befallenen Nagel ab, präpariert diese mit Lösungen und untersucht sie unter dem Mikroskop. Er legt dann eine Kultur an und stellt so fest, um welchen Pilz es sich handelt.

Therapie

Gegen Pilze gibt es wirksame Antimykotika, die das Wachstum blockieren und die Infektionen abtöten. Wenn der Nagelpilz noch nicht um sich gegriffen hat, lassen sich die Medikamente als Tinktur und Nagellack auftragen.

Wenn die Pilze jedoch bereits das Nagelbett infiziert haben, bringt eine äußere Behandlungen mit Tinkturen wenig, denn der nachwachsende Nagel wird ständig von neuem infiziert. Dann folgt die innere Behandlung mit Tabletten: So lenkt das Blut den Pilzkiller in die Nagelmatrix.

Die Behandlung dauert lange. Zwischen den Schichten eines Nagels befinden sich nämlich mit Luft gefüllte Hohlräume. In denen nisten sich die Pilze ein und können Jahre überleben, geschützt vor jeder Tablette oder Tinktur.

Hilfe bieten Salben, die Kalium jodatum enthalten. Sie lösen die oberen Nagelschichten auf und legen so die Hohlräume frei, brechen also die Schutzhöhle der Sporen auf und töten diese ab. Ein Arzt kann auch die oberen Nagelschichten wegfräsen und dann die Tinktur auftragen.

Die Pilzkiller wirken jedoch nur, wenn sie regelmäßig über eine lange Zeit aufgetragen werden, also bis der Nagel nachgewachsen ist. Bei Nagellack heißt das: Ein halbes Jahr.

Eisenmangel

Bei Eisenmangel bilden sich weiße Flecken auf den Fingernägeln. Wer allerdings an Eisenmangel leidet, merkt das auch an weiteren Problemen: Er kann sich schlecht konzentrieren und fühlt sich chronisch müde, seine Haut trocknet und wird bleich, Haare fallen aus und Kopfschmerzen plagen den Betroffenen.

Eisenmangel mit der Kraft der Natur begegnen. Bild: Kitty - fotolia
Eisenmangel mit der Kraft der Natur begegnen. Bild: Kitty – fotolia

Eisenmangel beugen wir durch eisenreiche Lebensmittel vor. Dazu zählen Pfifferlinge, Petersilie, Cashewnüsse, Amarant, weiße Bohnen, Linsen, Kürbiskerne, Sesam, Hirse und, für Fleischesser, Blutwurst und Schweineleber. Vegetarier und Veganer sollten besonders auf ausreichend Eisen achten, da der Körper Eisen aus pflanzlichem Ursprung schlechter verarbeiten kann als Eisen aus Tierprodukten. Vitamin C fördert die Eisenaufnahme, ein Glas Orangensaft zum Bohnensalat stärkt also die Wirkung, Milchprodukte hemmen hingegen die Eisenzufuhr. Also lieber keine Sahnesauce zu den Pfifferlingen mit Petersilie reichen. Hausmittel bei Eisenmangel können ebenfalls helfen.

Weiße Flecken auf den Fingernägeln sind indessen in den meisten Fällen höchstens ein ästhetisches Problem. (Dr. Utz Anhalt)