Zahnfleischrückgang – Ursachen und Therapie

Ein Rückgang des Zahnfleischs kann die Stabilität des Zahnhalteapparats deutlich beeinträchtigen. (Bild: K.-U. Häßler/fotolia.com)
Susanne Waschke
Das Zahnfleisch zieht sich zurück, verliert an Volumen und legt die darunterliegenden Zahnhälse frei. Dieser Prozess wird Zahnfleischrückgang oder auch Zahnfleischschwund genannt. Die Wurzeln halten die Zähne im Knochen fest. Zwischen den Wurzeln und dem herausragenden Teil, der Krone, befinden sich die Zahnhälse. Diese sind normalerweise mit Zahnfleisch bedeckt. Zieht sich dieses jedoch zurück, werden die Zahnhälse sichtbar. Das ist nicht nur unschön, sondern kann ziemlich unangenehm sein und noch dazu das Eindringen von Bakterien bedingen. Hinzu kommt, dass die Zähne an Stabilität verlieren, wenn das Zahnfleisch schwindet.

Ursachen für Zahnfleischschwund

Ganz gleich, welche Ursachen dem Zahnfleischrückgang zu Grunde liegen, ein Zahnarztbesuch ist dringend nötig. Um Schlimmeres zu verhindern, sollte rechtzeitig medizinischer Rat eingeholt werden.

Ein Rückgang des Zahnfleischs kann die Stabilität des Zahnhalteapparats deutlich beeinträchtigen. (Bild: K.-U. Häßler/fotolia.com)
Ein Rückgang des Zahnfleischs kann die Stabilität des Zahnhalteapparats deutlich beeinträchtigen. (Bild: K.-U. Häßler/fotolia.com)

Zahnfleischentzündung (Gingivitis)
Geschwollenes, gerötetes Zahnfleisch und Zahnfleischbluten – all das weist auf eine Zahnfleischentzündung hin. Im Mund befinden sich eine Vielzahl von Bakterien, was völlig normal ist. Wenn jedoch Bakterien an der Zahnoberfläche hängen bleiben, diese sich dort auch noch vermehren, entsteht Plaque. Das passiert innerhalb von einigen Tagen. Plaque lässt sich aus den Zahnzwischenräumen nur mit Hilfe einer Interdentalbürste oder Zahnseide beseitigen. So ein Belag entsteht, wenn zu wenig Speichel vorhanden ist, die Zahnzwischenräume zu eng sind oder zu wenig „gekaut“ wird. Das Auftreten einer Zahnfleischentzündung ist häufig die Folge.

Weitere Ursachen für die Plaque-Bildung sind kariöse Defekte und auch die Art der Keime, aus denen sich der Zahnbelag zusammensetzt, hat Auswirkung auf dessen Entstehung. Nicht selten gelangen die Bakterien in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch, was zur Zahnfleischentzündung führen kann.

Bei einer Parodontitis ist der Zahnfleischrückgang irreversibel und es droht schlimmstenfalls der Zahnverlust. (Bild: Henrie/fotolia.com)
Bei einer Parodontitis ist der Zahnfleischrückgang irreversibel und es droht schlimmstenfalls der Zahnverlust. (Bild: Henrie/fotolia.com)

Parodontitis – Zahnfleischtaschen sind entstanden
Wird Plaque nicht ordentlich weggeputzt, verfestigt sich dieser. Daraus entsteht Zahnstein, welcher in regelmäßigen Abständen vom Zahnarzt entfernt werden sollte. Zahnstein besitzt eine raue Oberfläche, auf der weitere Bakterien hängen bleiben können. Vergrößert sich dann der Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch, bilden sich sogenannte Zahnfleischtaschen, besser bekannt als Parodontitis. Im schlimmsten Fall führt dies zum Verlust der Zähne.

Die Symptome der Parodontitis umfassen, neben dem Zahnfleischrückgang auch Zahnfleischbluten, empfindliches und geschwollenes Zahnfleisch, Mundgeruch, Eiterbildung, lockere Zähne, Schmerzempfindlichkeit des Zahnfleisches und eventuell passen die Zähne nicht mehr richtig aufeinander.

Rauchen
Wissenschaftliche Studien belegen, dass durch Rauchen das Risiko steigt, Zahnfleischentzündungen zu bekommen. Nikotin lagert sich auf den Zähnen und der Mundschleimhaut ab. Dies begünstigt einen Zahnfleischrückgang.

Zähneknirschen (Bruxismus)
Zähneknirschen in der Nacht ist eine Dauerbelastung für den gesamten Zahnhalteapparat. Die Kiefergelenke, aber auch die Muskeln von Kiefer, Nacken und Rücken werden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wird das Zahnfleisch beim Knirschen ständig gereizt, was die Ursache für Zahnfleischrückgang sein kann. Eine individuell angepasste Beißschiene schützt die Zähne. Jedoch sind hier dringend die Ursachen für das Knirschen zu beheben. Ängste, Stress und seelische Belastungen zählen zu den häufigste Gründen für einen vorliegenden Bruxismus.

Richtiges Zähneputzen ist die Grundlage für ein gesundes Zahnfleisch und gesunde Zähne. (Bild: Peter Atkins/fotolia.com)
Richtiges Zähneputzen ist die Grundlage für ein gesundes Zahnfleisch und gesunde Zähne. (Bild: Peter Atkins/fotolia.com)

Falsche Mundpflege – Tipps für für die richtige Mundhygiene
Falsche, beziehungsweise ungenügende Mundhygiene, kann über kurz oder lang zu einem Zahnfleischrückgang führen. Seltenes Zähneputzen, falsche Technik, falsche Bürsten, das Vernachlässigen der Zahnzwischenräume – all das kann sich negativ auf das Zahnfleisch auswirken.

Mindestens zweimal täglich, morgens und abends, sollten die Zähne drei Minuten lang geputzt werden. Zahnarzt oder Zahnarzthelferin zeigen die richtige Putztechnik. Geputzt wird stets von rot nach weiß, also vom Zahnfleisch in Richtung Zahn. Die Regel lautet eigentlich: Sofort Zähneputzen nach dem Essen. Jedoch ist dies nicht immer wörtlich zu nehmen. Nach dem Genuss säurehaltiger Nahrung, wie zum Beispiel nach Fruchtsäften, Softdrinks, Äpfeln, Orangen und Kiwis wird am besten eine halbe bis eine ganze Stunde mit dem Zähneputzen gewartet. Die Säuren lösen Mineralien aus dem Zahnschmelz heraus und schwächen so die Schutzschicht. Wird jetzt gleich geputzt, wird der Zahnschmelz mit abgerubbelt. Dies ist leider irreversibel.

Zu jedem Putzvorgang gehört auch das Reinigen der Zwischenräume mit einer geeigneten Interdentalzahnbürste oder einer Zahnseide. Das Spülen mit der Munddusche reicht nicht aus. Für das Putzen werden am besten abgerundete Borsten aus Kunststoff verwendet. Naturborsten sind nicht geeignet, da sich hier die Bakterien so richtig wohlfühlen können. Spätestens nach zwei Monaten muss die Zahnbürste erneuert werden. Elektrische Zahnbürsten reinigen besser als die ganz normalen Handbürsten. Auch ist deren Handhabung einfacher.

Wichtig ist das Kauen, um den Speichelfluss anzuregen. Hier ist Rohkost zu empfehlen. Ist ein Putzen unterwegs nicht möglich, so hilft das Kauen eines Kaugummis ohne Zucker. Zur gesunden Mundhygiene gehört auch der regelmäßige Besuch beim Zahnarzt und zwar zweimal im Jahr.

Übersäuerung
Eine Übersäuerung in der Mundflora kann einen Zahnfleischrückgang begünstigen. Der Säuregehalt im Mund sollte demnach so gering wie möglich sein. Grüner Tee ist etwas sehr Gesundes für die Mundflora und hat dazu noch eine desinfizierende Wirkung. Käse, probiotische Joghurts, Kefir – all das ist gesund für den Darm, aber auch für die Mundflora, da ja die Verdauung bereits dort beginnt. Zuckerhaltige Getränke jedoch schaffen eine ungesundes Milieu. Mineralwasser ist hier auf jeden Fall die wesentlich bessere Wahl.

Die Darmflora
Im Darm tummelt sich eine große Anzahl von Bakterien. Das ist auch gut so. Diese physiologischen Bakterien leben in einer Symbiose miteinander und sorgen für ein intaktes Immunsystem. Ist die Darmflora durch ein Ungleichgewicht gestört, kann sich dies auch negativ auf die Mundflora auswirken. Eventuell sind zu wenig der „guten“ Bakterien vorhanden und „Schlechte“ haben sich eingenistet. Das Immunsystem leidet darunter und kann Entzündungsprozesse im Mund nicht mehr abwehren.

Piercings
Piercings im Mundbereich erfordern eine besondere Mundhygiene, damit keine Entzündungen und kein Zahnfleischrückgang entstehen. Regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind unerlässlich. Auf eine sorgfältige Mundhygiene ist unbedingt zu achten. Befindet sich ein Stab in der Zunge, wird dieser am besten regelmäßig entfernt und gesäubert, damit sich dort kein Zahnstein bildet.

Schlecht sitzende Prothesen, Zahnspangen
Sowohl schlecht sitzende Prothesen, als auch das Tragen von Zahnspangen können zu Zahnfleischrückgang führen. Hier sollten unbedingt ein Zahnarzt und/oder Kieferorthopäde aufgesucht werden, um dies zu verhindern.

Zahnfleischschwund rechtzeitig entdeckt

Um dem Zahnfleischschwund entgegenzuwirken, muss dieser rechtzeitig entdeckt werden. Folgende Symptome deuten darauf hin: Wiederkehrendes Zahnfleischbluten beim Zähneputzen oder auch beim Apfelessen, dunkelrotes Zahnfleisch, lockere Zähne, freiliegende Zahnhälse, plötzlich auftretender Mundgeruch, gelbliche Ablagerungen zwischen Zahnfleisch und Zahnhals, Rötungen und Schwellungen.

Erhöhtes Risiko für Plaquebildung und Entzündungen

Die Einen putzen mehrmals täglich die Zähne, benutzen regelmäßig die Zahnseide, aber bekommen trotzdem Entzündungen. Andere wiederum betreiben keine so gute Mundhygiene und bleiben entzündungsfrei – woran liegt das?

Folgende Faktoren erhöhen das Risiko, Zahnfleischentzündungen zu bekommen und daraufhin an Zahnfleischrückgang zu leiden: Zu geringer Speichelfluss, ungenügendes Kauen, ein geschwächtes Immunsystem, die Einnahme immunsupprimierender Medikamente, Diabetes mellitus, Rauchen, viel Stress und Schwangerschaft. Medikamente, die den Blutdruck senken, können ebenfalls zu einer Schwellung des Zahnfleisches führen, was wiederum eine Entzündung begünstigt.

Bildet sich Plaque auf den Zähnen, ist das Risiko für einen Rückgang des Zahnfleischs deutlich erhöht. (Bild: Zsolt Bota Finna/fotolia.com)
Bildet sich Plaque auf den Zähnen, ist das Risiko für einen Rückgang des Zahnfleischs deutlich erhöht. (Bild: Zsolt Bota Finna/fotolia.com)

Behandlung beim Zahnarzt

Je schneller der Zahnarzt aufgesucht und die Ursache bekämpft wird, desto schneller kann der Zahnfleischrückgang behandelt werden. Liegt dem Zahnfleischschwund eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) zu Grunde, so ist dieser in der Regel reversibel. Bei einer Parodonditis ist dies jedoch nicht mehr möglich.

Als Behandlungsmethoden dienen Verfahren, wie Lasertherapie, chirurgische Parodontalbehandlung, Ozontherapie und die Gabe von Antibiotika.

Ursachen, wie Diabetes, Medikamente, geschwächtes Immunsystem, Hormonstörungen werden abgeklärt und sind, wenn nötig durch die jeweiligen Fachärzte zu behandeln.

Zu Beginn einer Schwangerschaft sollte jede werdende Mutter ihren Zahnarzt aufsuchen. Dieser berät sie bezüglich der nötigen Mundhygiene und kann feststellen, ob eventuell bereits Entzündungen vorhanden sind. Gerade in der Schwangerschaft sind Entzündungen so schnell wie möglich zu behandeln, da eine Parodontitis im schlimmsten Fall dem Ungeborenen schaden kann. Durch die hormonelle Umstellung wird das Zahnfleisch wesentlich empfindlicher. Manche Frauenärzte raten deshalb zur zweimonatigen Kontrolle beim Zahnarzt.

Hausmittel

Hausmittel gegen Zahnfleischrückgang müssen regelmäßig und über einen längeren Zeitraum hinweg angewandt werden. Ein einziges richtiges Hausmittel existiert hier nicht! Eventuell müssen mehrere ausprobiert werden.

Öl ziehen
Öl ziehen hilft, um Bakterien aus dem Mundraum zu entfernen und sorgt somit für eine gesunde Mundflora. Dafür wird gleich nach dem Aufstehen, bevor etwas getrunken oder gegessen wird, mit einem Teelöffel voll hochwertigem Oliven,- Kokos- oder Sesamöl der Mund gespült, das heißt das Öl wird für circa drei Minuten gekaut und durch die Zähne gepresst, danach ausgespuckt und auf keinen Fall geschluckt. Das Öl färbt sich durch die Bakterien im Mundraum weißlich. Erst danach werden die Zähne geputzt. Tägliches Öl ziehen stärkt die Abwehr, unterstützt die physiologische Mundflora und schützt vor Entzündungen und Zahnfleischrückgang.

Nelke, Myrrhe, Teebaum
Nelken-, Myrrhe- und Teebaumöl, all diese drei ätherischen Öle zeigen ihre Wirkung bei Zahnfleischentzündungen. Das oder die Öle werden in ein Glas lauwarmes Wasser gegeben (max. 3 Tropfen pro 100 ml Wasser). Hiermit werden Mundspülungen durchgeführt oder auch die betroffenen Stellen damit abgetupft.

Salzsole
Spülungen mit Salzsole helfen bei Entzündungen, kräftigen das Zahnfleisch und wirken so einem Zahnfleischrückgang entgegen. Aus 125 g Himalaja Salz und einem halben Liter kochendem Wasser wird eine Lösung hergestellt. Ein Esslöffel davon wird in den Mund genommen, durch die Zähne gepresst und damit gespült. Der anfangs recht salzige Geschmack vergeht, je länger die Lösung im Mund verbleibt. Salz wirkt desinfizierend und heilend.

Grüner Tee
Täglich drei Tassen grüner Tee stärken das Immunsystem, wirken antientzündlich und helfen bei Übersäuerung. Um ein „krankes“ Zahnfleisch zu behandeln, kann noch zusätzlich mit dem grünen Tee der Mund gespült werden.

Kamille
Die Kamille, ein alt bekanntes Hausmittel, leistet auch hier gute Dienste. Bei bestehenden Entzündungen wird mehrmals am Tag mit frisch zubereitetem Kamillentee gespült.

Zitronensaft
Zitronensaft ist ein uraltes Hausmittel. Wird rgelmäßig damit der Mund gespült, wirkt dies gegen Zahnfleischbluten und festigt das Zahnfleisch.

Rathaniawurzel
Die Rathaniawurzel wirkt zusammenziehend durch ihre Gerbstoffe. Dies macht sich vor allem bei Zahnfleischbluten und -entzündungen bemerkbar. Die Apotheken halten fertige Mundspüllösungen mit der gesunden Wurzel parat.

Schwarzkümmelöl
Schwarzkümmelöl ist ein gutes Mittel, um das Zahnfleisch zu stärken und Entzündungen zu lindern. Geeignete Salben, die täglich ins Zahnfleisch einmassiert werden, sind in der Apotheke erhältlich.

Naturheilkunde

Die Naturheilkunde hat ebenso Therapiemöglichkeiten parat, die in der Zahnheilkunde anwendbar sind. Diese können zusammen mit der zahnärztlichen Behandlung angewandt werden.

Homöopathie
Beispiele aus der Homöopathie für die Behandlung von Zahnfleischerkrankungen sind Arnika, Apis, Calendula, Cantharis oder Phosphor. Um das richtige, passende Mittel zu finden, ist ein genaues Befragen der Patienten nötig.

Schüssler Salze
Aus dem Bereich der Schüssler Salze stärkt Nummer 1 Calcium fluoratum das Zahnfleisch, Nummer 3 Ferrum phosphoricum hilft gegen Entzündungen und Zahnfleischbluten, Nummer 11 Silicea kräftigt und Nummer 4 Kalium chloratum sorgt für ein gesundes Zahnfleisch.

Akupunktur
Akupunktur, ein Therapieverfahren aus der Traditionell Chinesischen Medizin, hat verschiedene Punkte parat, die – wenn sie genadelt werden – sich heilend auf den Zahnhalteapparat auswirken können.

Darmsanierung
Wie bereits erwähnt, ist eine intakte Darmflora auch wichtig für ein gesundes Klima im Mund. Betroffenen mit Zahnfleischrückgang wird deshalb eine Darmsanierung empfohlen. Dabei wird zuerst versucht, eventuell ansässige pathologische Keime zu eliminieren, um anschließend den Darm mit hochdosierten physiologischen Bakterien wieder aufzubauen. (sw)

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