Zehenschmerzen – Ursachen, Behandlung und Vorbeugung

Dr. Utz Anhalt

Schmerzen in den Zehen – Wenn das Gehen zur Qual wird

Schmerzende Zehen kennen wir alle, und meist ist die Ursache harmlos: Unsere Schuhe drücken, besonders auf den großen oder kleinen Zehen, und bei langen Wanderungen beanspruchen wir die Zehen stark. Noch bevor uns der Rest des Fußes weh tut, merken wir die Beschwerden im Zehenbereich.

Ursachen von Zehenschmerzen

Zehenschmerzen haben meist eine harmlose Ursache, die wir auch selbst kennen, nämlich zu enge oder schlecht geschnittene Schuhe. Je nachdem, wie stark der Schuh drückt, tun uns die Zehen schon nach wenigen hundert Metern weh oder aber nach einer langen Wanderung. Der Schuh kann generell zu klein sein, wenn wir zum Beispiel Schuhgröße 40 tragen, obwohl wir 42 haben. Oder er hat zwar die richtige Größe, doch im Vorderbereich ist keine Freiheit für die Zehen.

Oft sind zu kleine Schuhe der Grund, warum es schon nach kurzen Strecken in den Zehen schmerzt. (Bild: cunaplus/fotolia.com)

Das kann an der schlechten Qualität der Schuhe liegen, aber auch an unseren Füßen. Wer Senkspreizfüße hat, für den sind spitze italienische Lackschuhe ungeeignet.

Ein Klassiker für Zehen- und Fußschmerzen sind Frauenschuhe mit hohen Absätzen. Die sehen zwar gut aus, knicken den Fuß aber in einem Winkel, der nicht der natürlichen Stellung entspricht. Das Gefälle belastet die Zehen extrem – aus dem Sohlengänger Mensch wird zwangsweise ein Zehengänger.

Mit diesen Schmerzen ist nicht zu spaßen – anders als Schuhe, die nur zu eng sind, können Stöckelschuhe auf Dauer die Zehen verformen. Eine solche Fehlstellung aber sorgt dafür, dass die Schmerzen chronisch werden.

Die Reibung reizt die Haut, die Enge quetscht insbesondere den kleinen Zeh ein und schürft die Haut auf. Blasen schmerzen ebenfalls.

Auch ein eingewachsener Zehennagel, Hornhaut, Arthrose und Gicht verursachen Schmerzen.

Unfälle

Ernster als enge Schuhe sind Unfälle, sei es ein umgeknickter Fuß beim Sport oder ein Balken, der auf den großen Zeh fällt: Prellungen, Quetschungen und Verstauchungen sind die Folge, im schlimmeren Fall brechen Zehenknochen.

Während ein überlasteter Fuß in einem engen Schuh sich schnell entspannt, wenn wir das drückende Gefängnis ausziehen, können Verstauchungen und Brüche erst heilen, wenn wir den Fuß über längere Zeit schonen.

Schmerzende Zehen durch Warzen

Warzen an den Zehen lösen Schmerzen aus, insbesondere, wenn sie sich an den Übergängen zwischen Fußballen und Zehen bilden. Dann drücken sie beim Laufen automatisch. Eine solche Warze sollten die Betroffenen behandeln oder sie sich vom Arzt entfernen lassen. Insbesondere kleinere Warzen lassen sich durch Anti-Warzen-Mittel, vor allem Säuren, effektiv bekämpfen. Ein Arzt kann die Warze ausschneiden.

Durch Warzen im Bereich der Zehen können starke Schmerzen entstehen. (Bild: AB Photography/fotolia.com)

Bei Warzen muss zupfen, kratzen, pulen oder reiben tabu sein, damit sich diese nicht auf andere Körperstellen ausbreiten. Die Betroffenen sollten zudem nicht barfuß laufen, denn die kleinen Hautwucherungen sind sehr ansteckend.

Ursache Gicht

Wenn ihre Zehen ständig weh tun, ohne dass ihre Schuhe zu eng sind, Sie sich weder die Zehen gestoßen haben noch sonstige Auslöser erkennbar sind, könnte Gicht die Ursache sein. In den Gelenken sammelt sich dann zu viel Harnsäure.

Typisch ist Gicht im Gelenk im großen Zeh. Das Gelenk entzündet sich und schwillt an, so baut sich zusätzlich Druck an der Innenseite des Schuhs auf, der die Schmerzen verstärkt.

Risikofaktoren

Ein besonderes Risiko für schmerzende Zehen haben Sie, wenn Sie an Arthritis leiden, stark übergewichtig sind und so viel Gewicht auf den Zehen lastet, Sie häufig springen und laufen, sie sehr alt oder sehr jung sind, oder sie viel stehen müssen.

Behandlung von Zehenschmerzen

Wenn unsere Schuhe zu eng sind, brauchen wir keinen Arzt, sondern andere Schuhe. Anders sieht es aus, wenn uns Schmerzen peinigen, ohne, dass wir den Auslöser kennen und ohne äußere Schäden zu bemerken.

Ist kein Auslöser für die Schmerzen in den Zehen erkennbar, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann die Ursache klären und den Fuß entsprechend behandeln. (Bild: Lovrencg/fotolia.com)

Ein Arzt kann den Fuß röntgen und so feststellen, ob eine Zehe gebrochen ist. Bei einem Bruch, einer Verstauchung oder Prellung bandagiert der Mediziner den Zeh oder gipst ihn ein. Der Zeh soll so lange ruhig bleiben, bis die Verletzung ausgeheilt ist.

Sie selbst können die schmerzende Zehe in jedem Fall kühlen. Das fördert die Heilung und lindert die Beschwerden.

Liegt eine Infektion vor, helfen Antibiotika, die die Entzündung abklingen lassen.

Warzen lassen sich vereisen oder verätzen, dann können Sie diese mit der Oberhaut abziehen. Solche Tinkturen gibt es auch ohne ärztliches Rezept. Allerdings empfiehlt es sich, vorher einen Arzt aufzusuchen, um Risiken zu vermeiden.

Bei Gicht ist der Facharzt gefragt. Die Patienten sollten zum Beispiel eine Diät einhalten, die die Harnsäure reduziert und zusätzlich entsprechende Medikamente nehmen. Gicht im Frühstadium lässt sich gut behandeln.

Prävention von Schmerzen an den Zehen

Die meisten Probleme lassen sich durch gute Schuhe vermeiden. Wenn die Schuhe nicht drücken, ein bequeme Sohle haben und die Zehen sich bewegen lassen, beugen wir Schmerzen in diesem Bereich vor. Sie können neue Schuhe überprüfen, indem Sie testen, ob sich alle Zehen nach oben, unten und seitlich bewegen lassen. Ist das der Fall, treten vermutlich auch nach langen Wanderungen keine Beschwerden auf.

Für Sport, der die Zehen besonders beansprucht wie Joggen, Sprinten, Fuß- oder Handball, aber auch für Outdoor-Trekking, gibt es spezielle Schuhe mit idealer Passform, Luftpolstern in den Sohlen und extra Fütterung. Ohne solche speziellen Jogging-, Lauf- oder Wanderschuhe sollten Sie den jeweiligen Sport nicht betreiben. Oder umgekehrt: Wenn Sie durch die schottischen Highlands wandern und dazu spitze Pumps anziehen, schürfen Sie sich mit Sicherheit die Zehen auf – wenn Sie mit Stöckelschuhen die Nacht durch tanzen, können Sie froh sein, wenn „nur“ die Zehen schmerzen.

Um Zehenschmerzen vorzubeugen, sollte z.B. beim Wandern oder Joggen immer auf perfekt passende und speziell für die jeweilige Aktivität ausgestattete Schuhe geachtet werden. (Bild: YariK/fotolia.com)

Ein guter Schuh lässt nicht nur genug Platz für Ferse und Zehen, er fängt auch starke Stöße ab und schont so die Zehengelenke.

Zehenschmerzen durch eingewachsenen Nagel

Meist wächst der Nagel des großen Zehs ein. Der Nagel drückt sich in das sensible Nagelbett, welches sich daraufhin entzündet. Wir verursachen das oft selbst, wenn wir auf Dauer drückende Schuhe tragen, in denen die Nägel nicht normal wachsen können oder die Nägel falsch einschneiden.

Die Infektion verschlimmert sich oft noch, weil das beschädigte Gewebe Bakterien die Tür öffnet. Wildes Fleisch wuchert zudem, wenn die Wunde heilt.

Zusätzliche Probleme entstehen, wenn die Patienten den eingewachsenen Nagel noch kürzer schneiden. Staat Schmerzen zu vermeiden sorgen sie so dafür, dass sich der Nagelrand immer weiter in das Gewebe schiebt.

Selbstbehandlung?

Eine Selbstbehandlung bringt hier wenig. In der Regel muss ein Arzt den eingewachsenen Nagel mit einer Operation entfernen. Die Betäubungsspritze tut zwar weh, da der Mediziner sie meist in die empfindliche Haut zwischen großer Zehe und Nachbarzehe injiziert, aber der neu gebildete Nagel wächst wahrscheinlich normal nach.

In jedem Fall sollten die Patienten nach einer solche Operation Sandalen ohne Strümpfe tragen, damit kein Druck auf dem Gewebe lastet. Ist der Zeh eitrig entzündet, bedarf es außerdem Antibiotika, die die verantwortlichen Bakterien abtöten.

Einwachsen der Zehennägel verhindern

Eingewachsenen Zehennägeln beugen Sie vor, indem Sie regelmäßig die Fußnägel schneiden. Die Nägel wachsen nämlich insbesondere ein, weil sie zu lang sind. Die eingewachsenen Nägel entzünden sich und verursachen starke Schmerzen.

Häufig werden die Zehennägel auch falsch geschnitten. Falsch bedeutet, dass an den Rändern zu stark nach unten geschnitten wird. Dadurch wachsen die Nägel leicht ein.

Oft führt zu starkes Kürzen der Nägel dazu, dass diese einwachsen und in der Folge die Zehen schmerzen. (Bild: Dan Race/fotolia.com)

Enge Schuhe drücken die Haut gegen den Nagel, so kann der Nagel schnell einwachsen. Auch starke Schweißfüße fördern das Einwachsen, weil dadurch die Haut um den Nagel aufweicht. Achten Sie also auf bequeme Schuhe und lüften Sie ihre Füße regelmäßig. Noch wichtiger als die Füße zu waschen ist es, öfter barfuß oder in Sandalen zu gehen.

Besonders auf solche Maßnahmen sollten sie achten, wenn sie anatomisch zu eingewachsenen Zehennägeln neigen. Das passiert immer dann, wenn Sie ein breiteres Nagelbett als der Durchschnitt haben.

Diagnose und konservative Therapie

Die Diagnose ist einfach, weil die Betroffenen fast immer selbst wissen, dass ein eingewachsener Nagel die Schmerzen verursacht.

Im Rahmen der Behandlung sollte der betroffene Nagel zuerst „getapt“ werden. Dazu legen Sie wattiertes Pflaster zwischen Nagel und Nagelbett, um dem Zeh mehr Luft zwischen haut und Nagel zu geben. Die Schmerzen gehen sofort zurück, weil der Druck nachlässt.

Ein Fußbad weicht die Haut auf, so lassen sich danach besser Salben und Pflaster auftragen. Nagelkorrekturspangen geben eine Wachstumsform, wenn der Nagel an den Seiten zu rund ist. Solche Spangen sind aus Kunststoff oder Draht. Der Patient nutzt sie ein halbes Jahr oder länger und zieht mit ihr den eingewachsenen Nagel aus dem Nagelbett. Ohne zu operieren, wächst der Nagel neu. Der Nachteil dieser Methode ist, dass der Prozess lange dauert.

Operation bei eingewachsenem Zehennagel

Schmerzhafter, aber dafür kürzer geht es bei einer Operation. Nach der örtlichen Betäubung entfernt der Arzt die eingewachsenen Nagelecken und das wilde Fleisch. Dann legt er einen einen Verband um die Zehe. Der Patient muss regelmäßig in die Nachuntersuchung, um zu sehen, ob der Nagel normal wächst und die Entzündung verschwindet.

Nach der Operation ist das Gewebe erst einmal sehr empfindlich. Die Betroffenen sollten jeden Druck auf die Stelle verhindern und den Verband alle drei Tage wechseln.

Bei später Behandlung ist eine Operation fast immer die erste Wahl. (Dr. Utz Anhalt)