Jodunverträglichkeit – Symptome, Ursachen und Behandlung

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Was tun bei einer Jodallergie?

Für den Stoffwechsel- und Hormonhaushalt ist eine regelmäßige Jodzufuhr unerlässlich. Umso problematischer ist es, wenn der Körper gegen das Spurenelement allergisch reagiert. Die hierdurch entstehenden Mangelerscheinungen können von Stoffwechselproblemen und Hormonstörungen bis hin zu mentalen Funktionseinbußen reichen. Darüber hinaus leidet insbesondere die Schilddrüse stark unter einer Jodunverträglichkeit. Im Folgenden informieren wir Sie darüber, woran Sie eine Unverträglichkeit gegenüber Jod erkennen und was Sie selbst tun können, um dieser entgegenzuwirken.


Was ist eine Jodunverträglichkeit?

Als Jodunverträglichkeit oder Jodallergie wird eine Fehlregulation des Immunsystems bezeichnet, die nach der gezielten Zufuhr von Jod entsteht und unnatürliche Abwehrreaktionen auf den Mineralstoff verursacht. Neben einer Reizreaktion durch den Verzehr kann dabei auch der bloße Hautkontakt mit dem Mineral zu Reizreaktionen führen. Entsprechende Symptome erinnern stark an Allergiebeschwerden bzw. Vergiftungssymptome und bestehen maßgeblich aus Haut- und Schleimhautreizungen, die in Folge zu Schnupfen, Hautausschlag und Verdauungsproblemen führen. Auch Bindehaut- und Magenschleimhautentzündungen sind nicht unüblich.

Die Schilddrüse benötigt Jod, um die wichtigen Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) zu produzieren. (Bild: Kateryna_Kon/fotolia.com)

Es muss erwähnt werden, dass eine Unverträglichkeit gegenüber Jod trotz ihrer an allergische Reaktionen erinnernden Symptome medizinisch noch nicht als Allergie bestätigt ist. Gesichert scheint bislang jedoch, dass eine Jodzufuhr bei Patienten mit bestehender Unverträglichkeit eine allergieähnliche Überreaktion der Schilddrüse (Glandula thyreoidea) auslöst. Diese ist im Körper Hauptbezugsquelle für das Spurenelement, das zur Produktion von Schilddrüsenhormonen dringend benötigt wird. Zu besagten Hormonen gehören insbesondere

  • Triiodthyronin (T3)
  • Thyroxin (T4)
  • und Thyronamine.

Jodmangel kann ernste Folgen für die Gesundheit haben

Gebildet werden die Hormone in den Follikelepithelzellen der Schilddrüse (Thyreozyten), wobei ihre Aufgaben im Körper äußerst vielseitig sind. So werden Schilddrüsenhormone zum Beispiel unter anderem für

  • Stoffwechselfunktionen,
  • die Insulinproduktion,
  • die Produktion von Sexualhormonen,
  • Zellfunktionen,
  • die Nierenfunktion,
  • die Funktion der Bauchspeicheldrüse,
  • Muskelfunktionen
  • und das Körperwachstum

benötigt. Dies zeigt, wie wichtig eine geregelte Jodzufuhr eigentlich für die Körpergesundheit ist, da bei Jodmangel schnell essenzielle Körperfunktionen ins Ungleichgewicht geraten.

Wer nun aber glaubt, man könne Jod im Überfluss konsumieren, der irrt. Denn auch eine Jodüberdosis kann sich gefährlich auf die Gesundheit auswirken. Zum einen kann es hierdurch zu einer Überproduktion von Schilddrüsenhormonen kommen, die im schlimmsten Fall ähnlich schwere Funktionsstörungen hervorruft wie ein Jodmangel. Zum anderen birgt ein Übermaß auch die Gefahr einer Jodvergiftung.

Für gesunde Menschen wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) deshalb eine limitierte Tageszufuhr von 180 bis 200 µg Jod für Erwachsene sowie 40–200 µg Jod für Kinder empfohlen, um die Funktionalität der Schilddrüse sowie deren Hormonproduktion im Gleichgewicht zu halten.

Unverträglichkeit gegenüber Jod – eine echte Allergie?

Ungeachtet der Unklarheiten zur Entstehung der Jodunverträglichkeit als allergische Reaktion, gibt es zumindest Anhaltspunkte dafür, dass es sich um eine Krankheit mit autoimmunbasiertem Hintergrund handelt. Der japanische Pathologe Hakaru Hashimoto beschrieb im Jahre 1912 erstmals eine jodassoziierte Gesundheitsbeschwerde, bei der es aufgrund von Autoimmunreaktionen zu einer chronischen Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis) kommt.

Inzwischen ist bekannt, dass es zu einer Manifestierung dieser nach dem Mediziner benannten Hashimoto-Thyreoiditis in der Regel nach übermäßigem Jodkonsum kommt. Man vermutet deshalb, dass die Entzündung mit einer allergischen Reaktion auf das Spurenelement in Verbindung steht. Auch verschiedene Studien zum Thema Jodkonsum und autoimmune Schilddrüsenentzündung vertreten eine ähnliche Auffassung.

Bei der Autoimmunkrankheit Morbus Basedow kommt es durch die erhöhte Aktivität von Autoantikörpern zu einer Kropfbildung. (Bild: chatuphot/fotolia.com)

Die Autoimmunkrankheit Morbus Basedow deutet ebenfalls auf einen Zusammenhang zwischen Jodunverträglichkeit und allergischer Reaktion hin. Das Krankheitsbild beschreibt eine autoimmunologisch bedingte Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), die gemeinhin mit einer erhöhten Jodaufnahme des Organs einhergeht. Zusätzlich tritt bei Morbus Basedow aufgrund der erhöhten Aktivität von Autoantikörpern eine geschwollene Schilddrüse bzw. Schilddrüsenvergrößerung (auch „Struma“ oder „Kropf“ genannt) auf.

Jod als Allergen ist erklärbar

Ein weiterer Beleg, der auf Unverträglichkeit gegenüber Jod als allergische oder zumindest allergieähnliche Reaktion hindeutet, ist der Umstand, dass die krankheitsbedingte Reizreaktion nicht von der eingenommenen Menge des Spurenelements abhängig ist. Auch bei Allergikern reichen bereits geringe Mengen eines Allergens aus, um entsprechende Autoimmunreaktionen in Gang zu setzen.

Darüber hinaus handelt es sich bei Jod eigentlich um einen für den Körper natürlichen Nährstoff, weshalb Unverträglichkeiten dieses Minerals stark an eine Lebensmittelallergie erinnern. Wie für Allergien dieser Art üblich, lassen sich die Beschwerden laut Patientenangaben ferner gut durch eine Meidung des Allergens reduzieren, wohingegen eine unverändert jodhaltige Ernährung gemeinhin zur Verschlechterung des Krankheitsbildes beiträgt. Kritische Lebensmittel sind in diesem Zusammenhang vor allem

  • Fisch,
  • Getreide,
  • jodiertes Speisesalz,
  • Meeresfrüchte
  • und Milch.

Daneben können auch jodhaltige Lebensmittelzusätze (z.B. Binde- und Geliermittel), Nahrungsergänzungsmittel und Medikamente eine Jodunverträglichkeit befördern.

Der Charakter einer Kontaktallergie wird der Unverträglichkeit gegenüber dem Mineralstoff wiederum durch die Tatsache verliehen, dass selbst die bloße Berührung mit dem Mineralstoff zu Reizreaktionen führt. Belegt sind diesbezüglich bereits allergische Reaktionen nach dem Kontakt mit jodhaltigen Röntgenkontrastmitteln. Theoretisch können zudem auch mit Jod angereicherte Desinfektionsmittel und Jodbelastungen in der Luft eine Reizreaktionen auslösen.

Antioxidantien senken Allergierisiko

Einen Erklärungsansatz für die allergische Reaktion auf Jod gibt es. Sie stammt aus einer weiteren japanischen Studie, die 2004 von dem Wissenschaftler Hiroshi Shionoya und seinem Team durchgeführt wurde. Die Forscher kamen damals zu dem Schluss, dass Jod bei mangelndem Antioxidationsschutz des Körpers zur Entstehung jodhaltiger Eiweißverbindungen mit allergenem Potential beiträgt.

Normalerweise fangen Antioxidantien aggressive Stoffwechselverbindungen ab, die gemeinhin auch als freie Radikale bezeichnet werden. Offensichtlich trägt ein Mangel an Antioxidantien also dazu bei, dass bei der Verwertung von Jod im Organismus vermehrt freie Radikale freigesetzt werden, die dann in jodhaltige Stoffverbindungen übergehen und dort Autoimmunreaktionen auslösen.

Typische Symptome bei einer Unverträglichkeit gegen Jod sind z.B. Rötungen und Juckreiz. (Bild: juefraphoto/fotolia.com)

Symptome und Komplikationen bei Jodunverträglichkeit

Die Beschwerden einer Unverträglichkeit gegen Jod werden in der Medizin als Iodismus bezeichnet. Sie sind teilweise auch für Allergievarianten wie Nesselfieber (Nesselsucht) oder Pollenallergie und Heuschnupfen typisch, was abermals Ähnlichkeiten zu allergischen Autoimmunreaktionen aufwirft. Mögliche Symptome einer Jodunverträglichkeit sind zum Beispiel:

  • Rötungen
  • Juckreiz
  • Schwellungen
  • Ödeme
  • Ekzeme
  • Bildung von Papeln und Pusteln (sog. Jodakne)
  • Hautausschlag
  • Bindehautentzündung
  • Schleimhautentzündungen
  • asthmatischen Beschwerden
  • Schnupfen
  • Husten
  • Bronchialbeschwerden

Erschwerend hinzu kommt das für Allergien typische das Risiko eines anaphylaktischen Schocks, der im Ernstfall tödlich enden kann. Weitere Symptome sind Vergiftungserscheinungen, die sich vor allem auf den Verdauungstrakt konzentrieren. Auch unspezifische, allgemeine Krankheitssymptome sind denkbar. Insgesamt sollten Patienten neben Anzeichen eines Iodismus vor allem auf folgende Beschwerden achten:

Achtung: Gerade Atemwegssymptome lassen bei Jodunverträglichkeit fälschlicher Weise oft an eine Erkältung oder Pollenallergie denken, weshalb die Erkrankung zu Beginn nicht selten fehlgedeutet wird. Außerdem können anhaltende Krankheitsbeschwerden langfristig zur Manifestierung weiterer Folgeerkrankungen beitragen, darunter psychische Probleme wie Depressionen und chronische Entzündungsherde im Körper.

Diagnose

In der Regel bemerken Patienten mit Jodunverträglichkeit von selbst, dass etwas nicht stimmt. Um die Unverträglichkeit jedoch zweifelsfrei bestätigen zu können, sind fachärztliche Untersuchungen notwendig. Nach einer ausführlichen Patientenbefragung zu bestehenden Symptomen, möglichen Triggersituationen und der Krankengeschichte des Betroffenen werden im Rahmen der Diagnose vor allem verschiedene Allergietests durchgeführt.

Ein gängiges Verfahren ist hier der sogenannte Select-181-Test, bei dem der Arzt eine Blutprobe des Patienten nimmt und diese auf die Aktivität bestimmter Antigene hin untersucht. Weitere Allergietests, etwa durch einen Provokationstest der Haut, sind ebenfalls denkbar.

Behandlung bei Unverträglichkeit gegen Jod

Entgegenwirken lässt sich einer Jodunverträglichkeit nur durch die Meidung entsprechender Triggerfaktoren. Dies Bedeutet in erster Linie, dass jodhaltige Medikamente und Lebensmittel (v.a. Fisch-, Milch- und Getreideprodukte) gemieden werden müssen. Da entsprechende Nahrungsmittel häufig auch für die Proteinzufuhr des Körpers wichtig sind, ist ggf. die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln erforderlich. In akuten Fällen hilft bei bestehender Unverträglichkeit von Jod die Gabe geeigneter Antiallergika. Hierzu zählen Antihistaminika und Stresshormone wie Epinephrin.

Auf jodreiche Nahrungsmittel, wie z.B. Fisch, Algen, Feldsalat und weiße Bohnen, sollte besser verzichtet werden. (Bild: 13smile/fotolia.com)

Stärkung des körpereigenen Antioxidationsschutzes

Da Antioxidantien gemäß Studienergebnissen offenbar die Schadwirkung von jodhaltigen Allergenen reduzieren, ist es ratsam, reichlich Lebensmittel mit antioxidativem Effekt zu verzehren. Ideal sind hierzu Beerenfrüchte wie

  • Heidelbeeren,
  • Blaubeeren,
  • Brombeeren,
  • Apfelbeeren
  • und Cranberries

geeignet. Die Beerensorten sind für ihren hohen Gehalt an Anthocyanen bekannt. Dabei handelt es sich um Pflanzenfarbstoffe, die zu den effizientesten Antioxidantien der Welt gezählt werden.

Auch im Bereich der Kräuter gibt es zahlreiche Gewächse mit antioxidativer Wirkung, die, als Tee zubereitet, Reizreaktionen auf Jod eindämmen können. zu nennen sind hier vor allem mediterrane Gewürzkräuter wie

  • Salbei,
  • Oregano,
  • Thymian
  • und Rosmarin.

Komplikationen

Nun lassen sich die Symptome durch eine angemessene Ernährungsumstellung auf jodfreie Lebensmittel durchaus vermeiden und bestehende Beschwerden binnen weniger Tage bis Wochen lindern. Allerdings kommt es durch die so entstehende Unterversorgung mit Jod zu einem anderen Problem: Jodmangel.

Die Folgen dieser Mangelerscheinung bestehen zum einen aus Funktionseinbußen der Schilddrüse sowie einer unzureichenden Produktion von Schilddrüsenhormonen. Dies so entstehende Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) verursacht eine chronische Unterversorgung des Körpers mit Schilddrüsenhormonen, was wiederum gravierende Auswirkungen auf den Stoffwechsel, die Organfunktion und den Hormonhaushalt hat. Die Gesundheitsbeschwerden, sie hierdurch provoziert werden können, sind sehr vielseitig und umfassen:

  • Herzprobleme
    (z.B. verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck, Herzrhythmusstörungen)
  • Verdauungsstörungen
    (z.B. gestörte Fettverdauung, Gelbsucht, Verstopfung und Gewichtszunahme)
  • Hautprobleme
    (z.B. trockene, unterkühlte, blasse oder teigig-verdickte Haut)
  • Fruchtbarkeitsprobleme
    (z.B. Zyklusstörungen oder Erektionsstörungen)
  • Abfall der Gehirnleistung
    (z.B. verlangsamte Sprechfunktion, Depressionen, Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme)
  • sonstige Komplikationen
    (z.B. besondere Kältesensibilität, verminderte Leistungsfähigkeit und Augenschwellungen)

Warnung: Bei Kleinkindern kann ein Jodmangel in Sachen geistiger Leistungsfähigkeit bis hin zu mentalen Entwicklungsstörungen, schweren geistigen Behinderungen (z.B. Kretinismus) und Lernbehinderungen führen! Auch Wachstumsstörungen im Kindesalter sind nicht ausgeschlossen! Bei älteren Patienten hingegen soll ein Mangel an Jod die Entstehung von neurologischen Erkrankungen wie Alzheimer begünstigen.

Um entsprechenden Komplikationen vorzubeugen, sind eine sorgfältige Absprache mit dem Arzt sowie regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig. Einen Ernährungsexperten zu Rate zu ziehen, wird ebenfalls wärmstens empfohlen. Auf diese Weise lassen sich bei Bedarf auf den Patienten zugeschnittene Ernährungsalternativen zur Kompensation etwaiger Mangelerscheinungen finden. Sehr häufig wird dabei auf Nahrungsergänzungsmittel zurückgegriffen, die einzelne Körperfunktionen verbessern und so den Jodmangel kompensieren können. (ma)
Fachliche Aufsicht: Barbara Schindewolf-Lensch (Ärztin)