Trommelfellentzündung – Symptome, Ursachen und Behandlung

Stechende Schmerzen im Ohr weisen auf Trommelfellentzündung hin

Fühlen Sie plötzlich einen stechenden Schmerz im Ohr? Kommt auch noch Fieber hinzu, hören Sie schwer? Dann könnten Sie an einer Trommelfellentzündung leiden – besonders, wenn zuvor schon ihr Mittelohr entzündet war. Eine solche Entzündung tut nicht nur sehr weh, sie kann auch sehr gefährlich werden und bis zur Taubheit führen.


Die wichtigsten Fakten im Überblick

  • Das Trommelfell schützt erstens die sensiblen Teile des Innenohrs und zweitens ermöglicht es das Hören, indem es Schall in Vibration verwandelt.
  • Auslöser eines entzündeten Trommelfells ist meist eine expandierende Mittelohrentzündung.
  • Der Fachausdruck lautet Myringitis.
  • Eine Myringitis zeigt sich durch extreme Ohrenschmerzen, Hörverlust, Fieber und Ohrenausfluss.
  • Da die Gefahr dauerhafter Taubheit besteht, müssen Sie sofort zum HNO-Arzt. Der setzt – je nach Bedarf – Antibiotika, Schmerz- und Entzündungshemmer ein.
  • Bei früher Behandlung ist eine Myringitis gut heilbar.
  • Bei zu später Behandlung drohen Hirnhautentzündung und Schwerhörigkeit, wenn sich Narben auf dem Trommelfell bilden.
  • Leiden Sie an einer Trommelfellentzündung? Eine solche Entzündung schmerzt nicht nur sehr, sie kann auch extrem gefährlich werden. (Bild: blackday/fotolia.com)

    Was ist das Trommelfell?

    Das Trommelfell sitzt am Ende des inneren Gehörgangs vor dem Mittelohr und trennt so den äußeren Gehörgang von der Paukenhöhle, wo die Gehörknöchelchen liegen. Es handelt sich um eine feine Membran von nur einem Zehntel Millimeter Dicke, die sich wie ein Trichter über den Ohrkanal spannt.

    Das Trommelfell schützt Mittel- und Innenohr vor Verschmutzung. Aber nicht nur das: Kommt Schall im Ohr an, vibriert die Membran, wandelt so Schallwellen in mechanische Vibrationen um, die über die Gehörknöchelchen ins Innenohr wandern. Kurz gesagt, das Trommelfell ermöglicht es uns, zu hören.

    Symptome

    Eine solche Entzündung zeigt sich mit Bläschenbildung an der Membran selbst – die können Sie aber von außen nicht sehen. Sehr sichtbar hingegen ist der eitrige Ausfluss, der aus dem Ohr tropft. Sie fühlen pochende, stechende und intensive Schmerzen im Ohr und hören „Geräusche“, bedingt durch die gestörte Hörfunktion. Sie bekommen Fieber, können sich kaum konzentrieren und verlieren die Orientierung. Sie werden schwerhörig. Vielen Betroffen wird zudem übel, und sie müssen sich erbrechen.

    Bei einer Trommelfellentzündung werden Signale an den fünften oder zehnten Hirnnerv geleitet, das löst heftige Schmerzen aus. (Bild: Racle Fotodesign/fotolia.com)

    Woher kommen die Schmerzen?

    Das Trommelfell ist hochsensibel. Zahlreiche Nervenäste durchziehen die Membran und leiten Signale an den fünften. oder zehnten. Hirnnerv weiter. Werden diese Nerven gereizt, löst das kaum erträgliche Schmerzen aus.

    Ursachen

    Die häufigste Ursache ist eine nicht ausgeheilte Mittelohrentzündung, ausgelöst durch Viren, Bakterien oder Pilze. Nicht, unzureichend oder falsch behandelt, greift diese jetzt auf das Trommelfell über. Diverse andere Auslöser sind möglich, dazu zählen:

    • Gesichtslähmung,
    • Innenohrentzündung,
    • Hirnhautentzündung,
    • Warzenfortsatzentzündung,
    • Abszesse,
    • Thrombosen
    • und Tinnitus.

    An einer Mittelohrentzündung erkranken Kleinkinder am häufigsten. Sie beginnt meist mit Schnupfen, Husten oder einer Grippe, bei der die Erreger auf das Ohr übergreifen. Viren und Bakterien nutzen die Ohrttrompete, also die Verbindung zwischen Nasen-Rachen-Raum und Ohr als Highway und setzen sich im Mittelohr fest. Durch die geschwollenen Schleimhäute wird das Innere des Ohres schlecht belüftet. Jetzt kann sich das Trommelfell erstens entzünden und zweitens aufreißen.

    Loch im Trommelfell?

    Ein Loch im Trommelfell ist keine Myringitis, doch lässt es sich damit leicht verwechseln, da manche Symptome sich ähneln. Das Trommelfell ist für seine ein Zehntel Millimeter Dicke verdammt hart im Nehmen. Es verträgt jedoch keine spitzen Gegenstände, die sich ins Ohr bohren – versuchen Sie also bitte nicht, Ohrenschmalz mit einer Nadel, Nagelschere oder einer feinen Pinzette zu entfernen. Hier entsteht schnell ein Loch.

    Auch zu große Druckunterschiede lassen das Trommelfell reißen, ebenso der Paukenerguss, bei dem sich die Paukenhöhle mit so viel Ausfluss aus dem Mittelohr füllt, dass die Membran perforiert.

    Im Unterschied zur Myringitis tritt hier der heftige Schmerz nur kurz auf und lässt dann nach. Auf dem in Mitleidenschaft gezogenem Ohr können Sie schlecht hören. Ein Trommelfellriss ist gewöhnlich kein Grund zur Panik, meist heilt er von selbst ab. Wenn nicht, kann ein HNO-Arzt den Riss in einer einfachen Operation schließen.

    Bei einem entzündetem Gehörgang kann sich die Entzündung auch auf das Trommelfell ausdehnen. (Bild: elvira gerecht/fotolia.com)

    Entzündung des Gehörgangs

    Auslöser für eine Myringitis kann auch ein entzündeter äußerer Gehörgang sein, im Fachjargon Ottis externa. Neben Haut und Unterhaut kann sich diese auch auf das Trommelfell ausdehnen. Im gesunden Zustand reinigt sich der Gehörgang von alleine. Sein Epithel wächst nach außen und transportiert dabei Hautfett wie Hautschuppen aus dem Gehörgang. Fehlt dieses schützende Hautfett, entzündet sich die Haut leicht. Besonders oft nisten sich Bakterien ein, seltener Pilze.

    Ein entzündeter äußerer Gehörgang äußert sich erst mit Jucken und Rötung. Der Gehörgang und die Ohrmuschel schwellen an. Ohrschmerzen treten vor allem beim Ziehen des Ohrläppchens auf. Schwillt der Gehörgang an, ist auch verminderte Hörleistung möglich. Eine solche Entzündung entsteht häufig nach dem Baden in gechlorten öffentlichen Schwimmbädern. Andere Ursachen sind Herumstochern mit Wattestäbchen, Ohrstöpsel, Kopfhörer oder Hörgeräte, die die Schutzschicht der Gehörgangswand beschädigen.

    Wichtigste Erreger einer Myringits

    Verschiedene Erreger können zu einer Trommelfellentzündung führen, von denen die wichtigsten hier kurz erläutert werden.

    1) Haemohilus influenze

    Diese Pfeiffer-Influenzabakterien sind hochinfektiös und Auslöser für Bronchitis, Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung. Greifen Sie auf das Trommelfell über, dann entsteht eine Myringitis.

    2) Mycoplasmen

    Diese Bakterien lösen häufig eine Myringitis aus. Sie breiten sich in Bronchien, Mittelohr und Rachen aus und dringen über den Rachen-Nasen-Raum zum Trommelfell vor.

    3) Kokken

    Pneumokokken ebenso wie Moraxella-Kokken lösen eine Myringits aus. Moraxella catarrhalis ist vor allem als Auslöser der chronischen Lungenkrankheit berüchtigt, wandert aber auch bis Mittelohr und Trommelfell. Eine Moraxella-Infektion ist eine unschöne Angelegenheit, denn manche der Stämme sind inzwischen gegen gängige Antibiotika resistent.

    Bei einer Trommelfellentzündung und allen weiteren Entzündungen im Ohrbereich sollten Sie umgehend zum Arzt gehen. (Bild: Racle Fotodesign/fotolia.com)

    Wann zum Arzt?

    Bei Entzündungen im Ohrbereich sollten Sie sofort zum Arzt, um diese behandeln zu lassen. Die Faustregel ist: Früh behandelte Entzündungen im Ohrbereich heilen problemlos ab, spät behandelte Infektionen in dieser sensiblen Körperregion können gefährliche Folgen haben – von Lähmungen bis zu Taubheit.

    Diagnose

    Ärztin oder Arzt fragen Sie erst einmal nach den spezifischen Schmerzen. Hier besteht nur die Möglichkeit, eine Myringitis mit anderen Ohrentzündungen zu verwechseln, besonders mit einer Mittelohrentzündung oder einer Entzündung des äußeren Gehörgangs. Fachleute erkennen die Unterschiede besonders am Ort und der Form der Schmerzen – eine Entzündung am äußeren Gehörgang schmerzt eher ziehend als stechend. Im Mittelohr kommt es selten zu Hörstörungen.

    Dann werden mit Labormitteln die Erreger identifiziert. Wichtig ist dies vor allem bei Moraxella-Kokken, bei den anderen auslösenden Bakterien helfen gängige Antibiotika. Hier gilt übrigens schon eine kleine Entwarnung: Selbst wenn fälschlich zum Beispiel eine Mittelohrentzündung festgestellt wird, aber stattdessen das Trommelfell betroffen ist, bekämpft das Antibiotikum den gleichen Erreger.

    Mit einem Röntgenbild lässt sich erkennen, ob die Paukenhöhle gefüllt ist und möglicherweise auf das Trommelfell drückt.

    Behandlung

    Nachdem ein bakterieller Erreger festgestellt wurde, wird unbedingt Antibiotikum verabreicht. Vertrauen Sie bitte nicht auf „Selbstheilung“. Eine Infektion mit Bakterien zeigt, dass das körpereigene Abwehrsystem bereits versagt hat. Ist der Erreger gegen Penicillin resistent, helfen Makrolid-Antibiotika, zum Beispiel Azithromycin oder Clarithromycin.

    Gegen die Schmerzen helfen Nasensprays und Ibuprofen.

    Heilpflanzen gegen eine Myringitis

    Bei einer Myringitis hilft ins Ohr geträufelter Aufguss aus Pflanzen, die eine antibiotische oder schmerzlindernde Wirkung haben, im Idealfall beides.

    Dazu zählen neben Anis und Bohnenkraut, Hauswurz, Kamille, Huflattich, Lavendel, Kapuzinerkresse, Knoblauch und Zwiebeln, Schafgarbe, Ysop und Spitzwegerich sowie Salbei. Um den infizierten Bereich zu reinigen, können Sie den Kräutersud auch ins Badewasser geben und ein warmes Kräuterbad nehmen.

    Zum Aufstechen von infektiösen Bläschen immer eine HNO-Ärztin bzw. einen HNO-Arzt aufsuchen. (Bild: Kadmy/fotolia.com)

    Chirurgische Behandlung

    Bei extremen Schmerzen empfiehlt die HNO-Ärztin bisweilen, die infektiösen Bläschen an der Membran aufzustechen. Kommen Sie niemals auf die Idee, das selbst zu tun. Einmal daneben zu stechen, kann zu lebenslanger Taubheit führen.

    Wie lange dauert eine Myringitis?

    Je früher Sie zum Arzt gehen, umso schneller klingt die Entzündung ab. Mindestens zwei Wochen dauert eine Heilung immer. Ist die Myringitis bereits fortgeschritten, kann die Heilung bis zu sechs Wochen dauern.

    Komplikationen

    Komplikationen entstehen bei einer Myringitis erst , wenn die Entzündung sich ausweitet und auch die Hirnhaut oder das Schläfenbein angreift. Werden die Nerven des Trommelfells beschädigt, können Gesichts- oder sogar Hirnlähmungen die Folge sein. Da es sich um eine eitrige Entzündung handelt, kann sich eine Sepsis bilden oder ein Abszess. Auch Thrombosen sind möglich und bedeuten schließlich den dauerhaften Hörverlust, wenn sich im Trommelfell Narben gebildet haben.

    Einer Myringitis vorbeugen

    Einer Myringitis können Sie schwer absolut vorbeugen, da es sich ebenso um eine Entzündung handelt wie bei einem grippalen Infekt. Wenn Sie sich im Ohrbereich besonders leicht infizieren, könnten Sie sich gegen Pneumokokken impfen lassen und ebenso gegen Haemophilus influenzae. Damit setzen Sie schon zwei Hauterreger schachmatt. Sie können sich auch regelmäßig die Hände waschen und im Schwimmbad eine Badekappe aufsetzen.

    Myringitis ist gewöhnlich eine Folgeerkrankung. Da das Trommelfell nicht am Ohreingang sitzt, geht ihr in der Regel eine Entzündung des Außen-, dann des Mittelohrs, des Rachens oder der Nase voraus. Die beste Vorbeugung ist folglich, beim Entstehen einer Hals-Nasen-Ohreninfektion unverzüglich dafür zu sorgen, dass diese ausheilt. Vor allem, wenn sich bereits eine Mittelohrentzündung gebildet hat, achten Sie unbedingt darauf, dass diese vollständig ausheilt. (Dr. Utz Anhalt)

    Quellen

    • https://www.gesundheits-fakten.de/trommelfellentzuendung-myringitis-ursachen-symptome-und-therapie/
    • https://www.hno-sperschneider.de/patienteninfo/otitis-externa-entzundung-des-gehorgangs/
    • http://www.ohrenkrankheiten.net/trommelfellentzuendung.shtml
    • https://unbeschwert-hoeren.de/hoeren/trommelfellentzuendung/