Erforscht: Spezielle Falten können auf Herzkrankheiten hindeuten

Volker Blasek

Tiefe Falten auf der Stirn sind ein Hinweis auf Herzerkrankungen

Menschen, deren Stirn von mehreren tiefen Falten gezeichnet ist, haben ein erhöhtes Risiko auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies sind die Ergebnisse einer kürzlich erschienenen französischen Studie. Anhand der Falten könnten schnell und kostengünstig Personengruppen identifiziert werden, die einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, an einer Herzkrankheit zu sterben.


Dr. Yolande Esquirol stellte auf der Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) 2018 die Studienergebnisse ihres Teams vor. Die Kernaussage: Menschen, die mehr tiefe Stirnfalten haben, als für ihr Alter typisch ist, haben auch ein höheres Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem schlägt das Forscherteam vor, die Begutachtung von Falten im Augenbrauen-Bereich in die Diagnose von Herzkrankheiten als kostengünstige Methode mitaufzunehmen.

Ein französisches Forscherteam fand heraus, dass Personen mit tiefen Stirnfalten ein deutlich erhöhtes Risiko haben, eine Herz-Kreislauferkrankung zu entwickeln. (Bild: Valua Vitaly/fotolia.com)

Visuelle Marker für Herz-Kreislauferkrankungen

„Sie können keine Risikofaktoren wie einen hohen Cholesterinspiegel oder Bluthochdruck sehen oder fühlen“, berichtet Professorin Dr. Yolande Esquirol vom Centre Hospitalier Universitaire de Toulouse in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Ihr Team untersuchte, ob Stirnfalten als visueller Marker zur Erkennung von Herzkrankheiten geeignet sind. „Wenn man sich nur das Gesicht einer Person ansieht, können die Falten alarmierende Hinweise geben“, so die Expertin.

Änderungen im Lebensstil können helfen

Menschen mit mehr tiefen Stirnfalten, als für das Alter üblich, sollten ihren Lebensstil ändern, rät die Professorin. Diese Änderungen würden insbesondere mehr Bewegung und gesündere Ernährung beinhalten. „Natürlich müssen die Personen zusätzlich auf klassische Risikofaktoren wie Bluthochdruck sowie hohe Lipid- und Blutzuckerspiegel überprüft werden“, erläutert Dr. Esquirol.

Frühe Identifizierung von Risikogruppen kann Leben retten

Wie die Forschenden berichten, steigt das Risiko von Herzerkrankungen mit zunehmendem Alter. Der Lebensstil und medizinische Interventionen seien die effektivsten Methoden, um diese Gefahr zu mindern. Die Herausforderung bestehe darin, Hochrisikopatienten schnell und früh genug zu identifizieren, um etwas bewirken zu können.

Was haben Stirnfalten mit Herzerkrankungen zu tun?

Die genauen Gründe für die Beziehung zwischen tiefen horizontalen Stirnfalten und einem erhöhten Risiko eine Herz-Kreislaufkrankheit zu entwickeln sind derzeit noch nicht bekannt. Die Forschenden gehen allerdings davon aus, dass die verfrühten Falten Anzeichen einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose) sein könnten.

Wie ist das Forscherteam auf diesen Zusammenhang gestoßen?

Das Team um Professorin Esquirol begutachtete eine Gruppe von 3.200 Berufstätigen über einen Zeitraum von 20 Jahren. Die Probandinnen und Probanden waren zu Beginn der Studie alle gesund. Teilnehmende erhielten eine Punktzahl zwischen null und drei, welche die Intensität der Stirnfalten abbildet. Null bedeutete dabei „keine Falten“ und drei „zahlreiche tiefe Falten“. Innerhalb der Studienlaufzeit wurden die Teilnehmenden regelmäßig gesundheitlich untersucht.

Was passierte in den 20 Jahren?

Während der 20 Jahre starben 233 Teilnehmende an verschiedenen Ursachen. Wie die Forschenden herausfanden, hatten Menschen ohne Falten (also mit dem Faltenwert null) das geringste Risiko an einer Herz-Kreiserkrankung zu sterben. Diejenigen mit einer Faltenbewertung von eins hatten nur ein leicht erhöhtes Sterberisiko. Die Personengruppen, deren Faltenwert zwei oder drei betrug, hatte ein fast zehnmal höheres Sterblichkeitsrisiko gegenüber faltenfreien Menschen.

Tiefe Stirnfalten deuten auf ein höheres Sterberisiko hin

„Je höher der Falten-Score ist, desto höher steigt das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko“, resümiert Dr. Esquirol. Auch wenn die Gründe hierfür noch nicht genau identifiziert sind, sieht die Expertin einen Zusammenhang. „Veränderungen im Kollagen-Protein und im oxidativen Stress scheinen sowohl bei Atherosklerose als auch bei Falten eine Rolle zu spielen“, fasst die Professorin zusammen. Außerdem seien die Blutgefäße in der Stirn so klein, dass sie für eine Plaque-Ansammlung empfindlicher seien. Dies bedeute, dass Falten eines der ersten Anzeichen einer Gefäßalterung sein können.

Stirnfalten als Anzeichen für Atherosklerose

„Stirnfalten können ein Zeichen für Atherosklerose sein“, so Esquirol. Dies müsse aber noch durch zukünftige Studien bestätigt werden. Dennoch könnten auch jetzt schon Arztpraxen und Kliniken darauf achten, denn es sei ein kostenloser Hinweis auf mögliche schwere Erkrankungen. (vb)