Gegen die Glatze: Ekzem-Medikament lässt verlorene Haarpracht neu wachsen

Fabian Peters

Haarwachstum nach vollständigem Haarverlust erreicht

Viele Menschen leiden im Laufe ihres Lebens an Haarverlust, womit nicht selten ein beeinträchtigtes Selbstwertgefühl und psychische Probleme einhergehen. Dies gilt in besonderem Maße für Frauen, die unter Haarausfall leiden. Manche trifft es dabei schon in jungen Jahren. Ein zur Behandlung von Ekzemen zugelassenes Medikament konnte bei einer Betroffenen die Haare jedoch wieder wachsen lassen – obwohl bereits seit Jahren eine komplette Glatze vorlag.


In dem Fachmagazin „JAMA Dermatology“ berichten Mediziner aktuell von dem Fall einer 13-jährigen Patientin, bei der eine Alopecia totalis (vollständiger Haarausfall) vorlag und bei der mit dem Medikament Dupilumab neues Haarwachstum erreicht wurde. Erstmals sei es mit Hilfe des Medikamentes, das eigentlich zur Behandlung von Ekzemen zugelassen ist, gelungen, bei Alopecia totalis wieder einen vollen Haarwuchs zu erreichen, schreiben die Forschenden des Massachusetts General Hospital (MGH) und der Harvard Medical School.

Durch das Ekzem-Medikament Dupilumab konnte bei einer Patientin mit vollständiger Glatze neues Haarwachstum initiert werden. (Bild: American Medical Association/eigene Bearbeitung)

Patientin bekam bereits mit zwei Jahren eine Glatze

Der Patientin waren laut Angaben der Ärzte bereits im Alter von zwei Jahren alle Kopfhaare ausgefallen. Neben der Alopecia totalis seien zudem Ekzeme auf der Kopfhaut aufgetreten, die die Mediziner zu einer Behandlung mit Dupilumab veranlassten. Dupilumab ist von der US-Arzneimittelbehörde FDA zur Behandlung von mittelschwerem bis schwerem Ekzem (auch atopische Dermatitis) zugelassen. Während der Behandlung mit Duplilumab habe die Patientin ein signifikantes Haarwachstum entwickelt.

Behandlung mit Dupilumab-Injektionen

Die Patientin litt seit ihrem siebten Lebensmonat an einem ausgedehnten, behandlungsresistenten Ekzem, berichten die Forscher. Die Behandlung mit Medikamenten wie mit Prednison und Methotrexat, die das überaktive Immunsystem unterdrücken können, habe zwar zu einer begrenzten Verbesserung des Ekzems geführt, aber kein Nachwachsen der Haare erreicht und wurde schließlich abgebrochen. Ab dem Juli 2017 sei die Patientin wöchentlich mit Injektionen von Dupilumab behandelt worden, das kurz zuvor von der FDA zugelassen wurde.

Neues Haarwachstum erreicht

Nach sechs Wochen der Dupilumab-Behandlung zeigte sich nicht nur eine signifikante Verbesserung der Ekzemsymptome, sondern die Mediziner bemerkten auch, dass feine helle Haare, die Vellushaare, auf der Kopfhaut wuchsen. Nach sieben Monaten hatte die Patientin eine signifikante Menge des pigmentierten Haares, das typischerweise auf der Kopfhaut wächst. Wegen einer Änderung in ihrem Versicherungsschutz musste die Patientin Dupilumab für zwei Monate absetzen und währenddessen bemerkte sie, dass das kürzlich nachgewachsene Haar verschwand. Aber nachdem sie die Behandlung im April 2018 wieder aufnehmen konnte, nahm das Haarwachstum erneut zu und setzte sich fort.

„Wir waren ziemlich überrascht, da diese Patientin seit ihrem zweiten Lebensjahr kein Kopfhaar mehr hatte und andere Behandlungen, die bei Haarausfall helfen können, in ihrem Fall nicht erfolgreich waren“, berichtet Studienleiterin Maryanne Makredes Senna, Dermatologin am MGH. „Soweit wir wissen, ist dies der erste Bericht über Haarwachstum mit Dupilumab bei einem Patienten mit Alopecia areata“, so die Expertin weiter.

Weitere Studien bereits geplant

Eine mögliche Erklärung für den Effekt sieht Senna darin, dass Dupilumab auf einen Schlüsselweg des Immunsystems abzielt, der bekanntermaßen bei Ekzemen überaktiv ist. Neuere Studien hätten gezeigt, dass andere Elemente des gleichen Weges einen Autoimmun-Haarausfall induzieren können. Zwar sei es im Moment noch schwer zu sagen, „ob Dupilumab das Haarwachstum bei anderen Alopeziepatienten auslösen könnte, aber ich vermute, dass es bei Patienten mit ausgedehntem aktiven Ekzem und aktiver Alopecia areata hilfreich sein könnte“, so die Studienleiterin. Weitere Studien zur Wirkung der Dupilumab-Behandlung bei dieser Patientengruppe seien bereits geplant. (fp)