Glückliche Beschäftigte sind seltener krank – was Angestellten bei der Arbeit wichtig ist

Alfred Domke

Gutes Betriebsklima und sinnvolle Arbeit wirken sich positiv auf die Gesundheit aus

Ein gutes Betriebsklima und sinnstiftende Arbeit wirken sich offenbar positiv auf die Gesundheit aus. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle „Fehlzeiten-Report“ der AOK. Laut der Krankenkasse ist es fast allen Arbeitnehmern wichtig, sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen. Auch eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen und die Loyalität des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern wird von den meisten als bedeutsam empfunden.


Arbeit kann krank machen

Stress am Arbeitsplatz kann krank machen. Denn ständiger Druck, Überforderung und Konflikte mit Vorgesetzten oder Kollegen können zu psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Ängsten oder Schlafstörungen führen. Dies zeigt sich auch anhand der Fehltage aufgrund psychischer Krankheiten, die seit Jahren zunehmen. Viele Angestellte müssen sich zudem immer wieder wegen körperlicher Beschwerden krankmelden. Der aktuelle „Fehlzeiten-Report“ der AOK zeigt nun, was helfen kann, damit Arbeitnehmer seltener krank werden: ein gutes Betriebsklima und sinnstiftende Arbeit.

Stress im Job kann krank machen. Ein gutes Betriebsklima und sinnstiftende Arbeit hingegen können sich positiv auf die Gesundheit auswirken. Dies zeigt der aktuelle Fehlzeiten-Report der AOK. (Bild: Rido/fotolia.com)

Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen

Wenn Beschäftigte ihre Arbeit als sinnstiftend erleben, so wirkt sich das positiv auf ihre Gesundheit aus:

Sie fehlen seltener am Arbeitsplatz, haben deutlich weniger arbeitsbedingte gesundheitliche Beschwerden und halten sich im Krankheitsfall öfter an die ärztlich verordnete Krankschreibung.

Zu diesem Ergebnis kommt das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) in einer Repräsentativbefragung von mehr als 2.000 Erwerbstätigen, die exklusiv im Fehlzeiten-Report 2018 mit dem Schwerpunkt „Sinn erleben – Arbeit und Gesundheit“ erschienen ist.

Dafür hat das Institut auch erfragt, was den Menschen am Arbeitsplatz besonders wichtig ist.

„Sichere und gesunde Arbeitsbedingungen sowie das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, sind Beschäftigten deutlich wichtiger als ein hohes Einkommen“, erklärte Helmut Schröder, stellvertretender Geschäftsführer des WIdO und Mitherausgeber des Fehlzeiten-Reports, in einer Mitteilung.

Was Angestellten am Arbeitsplatz am wichtigsten ist

Laut der repräsentativen Umfrage des WIdO, für die 2.030 Personen zwischen 16 und 65 Jahren befragt wurden, ist 98,4 Prozent der Befragten im Job am wichtigsten, sich am Arbeitsplatz wohlzufühlen.

Eine gute Zusammenarbeit mit den Kollegen (97,9 Prozent), ein gutes Betriebsklima (96,8 Prozent), die Loyalität des Unternehmens gegenüber den Mitarbeitern (96,8 Prozent) sowie ein gutes Verhältnis zum Vorgesetzten (92,4 Prozent) empfinden sie ebenfalls als bedeutsam.

„Für das Sinnerleben sind den meisten Beschäftigten vor allem persönlich und sozial motivierte Aspekte ihrer Arbeit wichtig“, sagte Schröder. „Leider stimmen gerade hier Wunsch und Wirklichkeit oft nicht überein.“

So äußerten lediglich 69,3 Prozent der Befragten, dass sich ihr Arbeitgeber ihnen gegenüber loyal verhält. Und ein positives Betriebsklima erleben nur 78 Prozent der Beschäftigten.

Arbeitnehmer fehlten durchschnittlich 12 Tage im Jahr

Die Befragten haben nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr durchschnittlich 12,1 Tage krankheitsbedingt am Arbeitsplatz gefehlt.

Passen der eigene Anspruch an das Sinnerleben im Beruf und die Wirklichkeit in der Wahrnehmung des Arbeitnehmers gut zueinander, berichten sie nur von 9,4 krankheitsbedingten Fehltagen.

Unterscheiden sich Wunsch und Wirklichkeit stark voneinander, liegen die Zeiten jedoch mit 19,6 Fehltagen mehr als doppelt so hoch.

Den Angaben zufolge zeigt sich dieser Zusammenhang auch bei den jobbedingten körperlichen und psychischen Beschwerden.

Im Durchschnitt berichten 38,1 Prozent der Befragten über Gelenk- und Rückenschmerzen, 35,9 Prozent über Erschöpfung.

Gesundheit der Mitarbeiter fördern

Empfinden Beschäftigte ihre Arbeit jedoch als sinnstiftend, werden die aufgeführten Beschwerden seltener genannt (Rücken- und Gelenkschmerzen: 34 Prozent; Erschöpfung: 33,2 Prozent).

Ist dies nicht der Fall, berichten 54,1 Prozent über Rücken- und Gelenkschmerzen und 56,5 Prozent über Erschöpfung.

Unterschiede gibt es laut der WIdO-Befragung auch bei der Anwesenheit am Arbeitsplatz trotz Krankheit, dem sogenannten Präsentismus: Mehr als jeder fünfte Befragte (21,1 Prozent) war entgegen dem Rat des Arztes im letzten Jahr krank zur Arbeit gegangen.

Wer seine Arbeit sinnstiftend findet, ist jedoch seltener betroffen (18,5 Prozent) als Beschäftigte, bei denen das nicht der Fall ist (24,8 Prozent).

„Wenn Unternehmen die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern und als Arbeitgeber attraktiv bleiben möchten, sollten sie gegenüber ihren Beschäftigten mehr Loyalität vermitteln und die vertrauensvolle Zusammenarbeit quer durch die Hierarchieebenen gezielt fördern“, so Schröder.

Krankenstand in den vergangenen Jahren konstant geblieben

Der Fehlzeiten-Report 2018 enthält detaillierte Arbeitsunfähigkeitsanalysen auf der Grundlage der Daten von 13,2 Millionen AOK-versicherten Arbeitnehmern, die 2017 in mehr als 1,6 Millionen Betrieben beschäftigt waren.

Entsprechend dieser Daten ist der Krankenstand bei den erwerbstätigen Mitgliedern der AOK 2017 wie in den beiden Vorjahren mit 5,3 Prozent konstant geblieben. Dabei bezeichnet der Krankenstand den Anteil der im gesamten Jahr 2017 angefallenen Arbeitsunfähigkeitstage am Kalenderjahr.

Damit hat jeder AOK-versicherte Beschäftigte im Durchschnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung am Arbeitsplatz gefehlt.

Am häufigsten waren Atemwegserkrankungen (49,9 Fälle je 100 AOK-Mitglieder) und Muskel-Skelett-Erkrankungen (34,1 Fälle je 100 AOK-Mitglieder). Psychische Erkrankungen traten bei 11,2 Fällen je 100 AOK-Mitglieder auf.

Allerdings ist die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen in den letzten zehn Jahren konstant angestiegen, zwischen 2007 und 2017 um 67,5 Prozent.

Außerdem führen diese Erkrankungen zu langen Ausfallzeiten. Mit 26,1 Tagen je Fall dauerten sie 2017 mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,8 Tagen je Fall. (ad)