Immer mehr Antidepressiva-Verordnungen – Zahlen in zehn Jahren verdoppelt

Alfred Domke

Antidepressiva: Zahl der Verordnungen hat sich verdoppelt – Frauen besonders betroffen

In einer aktuellen Untersuchung hat sich gezeigt, dass sich die Verordnungen von Antidepressiva in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben. Frauen sind demnach besonders schwer von psychischen Erkrankungen betroffen.


Immer mehr Menschen schlucken Antidepressiva

In der Vergangenheit haben Untersuchungen gezeigt, dass weltweit immer mehr Patienten Antidepressiva schlucken. Auch der Verbrauch von Antidepressiva bei Kindern ist in manchen Ländern stark gestiegen. Hierzulande hat sich die Zahl der Verordnungen solcher Arzneimittel ebenfalls stark erhöht: Wie aus dem aktuellen Gesundheitsreport 2018 der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht, erhielten erwerbstätige Frauen und Männer im vergangenen Jahr durchschnittlich 13,5 Tagesdosen an Medikamenten gegen Depressionen. 2007 waren es nur 6,8 gewesen. Den Angaben zufolge lag das Arzneimittelvolumen der Frauen mit 16,9 Tagesdosen deutlich höher als das der Männer mit 10,6 Tagesdosen.

Wie aus dem aktuellen Gesundheitsreport 2018 der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht, haben sich die Verordnungen von Antidepressiva in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. (Bild: monropic/fotolia.com)

Psychische Erkrankungen häufiger Grund für Fehlzeiten

Wie die Kasse in einer Mitteilung schreibt, bestätigen auch die Zahlen zu den Fehlzeiten diesen Trend.

So fielen Frauen 2017 durchschnittlich 3,42 Tage im Jahr aufgrund von psychischen Beschwerden im Job aus, bei den Männern waren es 2,11 Tage.

„Der Report zeigt, dass psychische Erkrankungen bei den Frauen der Hauptgrund sind, warum sie krankheitsbedingt nicht zur Arbeit gehen können“, so Wiebke Arps, Expertin für Gesundheitsberichtserstattung bei der TK.

„Bei Männern sind psychische Beschwerden, nach den Krankheiten des Bewegungsapparats, die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit.“

Enorme Belastung bei der Arbeit

Die Gründe für psychische Erkrankungen sind vielfältig und individuell.

Stress am Arbeitsplatz kann ein Faktor sein, der eine psychische Erkrankung begünstigt. Hohes Arbeitspensum, Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit, eingeschränkter Entscheidungsspielraum und immer wieder die Anpassung an neue Abläufe und Prozesse:

Das alles kann, wenn es keinen Ausgleich gibt, zu einer psychischen Störung, einem Burnout oder einer Depression führen.

Mitarbeiter langfristig gesund erhalten

Damit es gar nicht erst soweit kommt, sind Arbeitgeber gefordert, Lösungen zu entwickeln, die Mitarbeiter langfristig gesund zu erhalten. Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) kann dabei unterstützen.

„Neben den klassischen Maßnahmen wie gesunde Arbeitsplatzgestaltung, Bewegungs- und Entspannungskurse kommt den Führungskräften in der Betrieblichen Gesundheitsförderung eine besondere Bedeutung zu“, erklärt Wiebke Arps.

„Führungskräfte haben eine wichtige Vorbildfunktion. Außerdem trägt ihr Führungsverhalten dazu bei, ob die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz und die stetigen Veränderungen als Herausforderung annehmen oder als Überforderung erleben“, so die Expertin. (ad)