Neue Therapie-Option: Ist braunes Fettgewebe zum gezielten Abnehmen nutzbar?

Franziska Schreiber
Eine der Ursachen von Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs ist, wie bereits erwiesen, bestehendes Übergewicht. Als neue therapeutische Option könnte in Zukunft das braune Fettgewebe eine besondere Rolle spielen, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung.


Um die genannten und weitere Krankheiten zu vermeiden, wäre eine Reduzierung des Übergewichtes anzustreben. Das Kölner Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung, die Medizinische Universität in Wien sowie die Syddansk Universität in Odense, Dänemark, forschen an braunen Fettzellen, deren Funktion und Regulation durch einen hohen Energieeinsatz körpereigener Zellen sehr gut für Therapiemöglichkeiten zur Gewichtsreduktion geeignet sind. Ihre aktuellen Ergebnisse haben die Forscher in dem Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.

Adipositas führt zu Diabetes, Herzleiden und Schlaganfall. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Weißes und braunes Fettgewebe

Fettdepottypen klassifiziert man bei Menschen und Säugetieren in zumindest zwei Kategorien, das braune und das weiße Fettgewebe. Weißes Fettgewebe, der weitaus größere Anteil, speichert Fett und setzt sich vorzugsweise an den bekannten Stellen wie Bauch, Beinen und Po an. Benötigt der Körper zusätzliche Energie, bedient er sich an diesen Depotpolstern. Bei braunem Fett wird dagegen beim Verbrennen Wärme freigesetzt. Neugeborene haben deshalb recht viel davon. Mit zunehmendem Alter und bei Übergewicht nimmt dieses braune Fett stetig ab.

Braunes Fett verbrennnt große Kalorienmengen

„Das braune Fettgewebe wurde als Möglichkeit identifiziert, beim Abnehmen zu helfen, weil es große Mengen an Kalorien verbrennen kann“, erklärt Elena Schmidt, Doktorandin der Forschungsgruppe von Jan-Wilhelm Kornfeld in Köln. Schon 40 bis 50 Gramm braune Fettzellen sind in der Lage 20 Prozent mehr Kalorien zu verbrennen. Somit bietet eine Aktivierung dieser Fettzellen eine gut Möglichkeit abzunehmen.

Kälte oder Medikamente könnte eine solche Aktivierung einleiten, wobei Medikamente starke Nebenwirkungen aufweisen und selten für das spezifische Gewebe ausgerichtet sind.

Die Arbeitsgruppe Martin Bilban vom Klinischen Institut für Labormedizin der Medizinischen Universität in Wien sowie Schmidt und Kornfeld konzentrieren sich deshalb auf einen bisher wenig erforschten Aspekt dieser braunen Fettzellen. Man entdeckte vor kurzem sogenannte lange, nicht kodierende RNAs (LncRNAs), die ein sehr hohes Potential zum Einsatz für Therapien haben, da sie in den Zellen sehr gewebespezifisch agieren.

Schutz vor Übergewicht

Eine wichtige Rolle bei der Ausbildung und Funktion von braunen Fettzellen übernimmt dabei das von den Forschern entdeckte LncRNAs, H19. Anhand von Mäuseversuchen konnte nachgewiesen werden, dass eine hohe Aktivität von H19 die Mäuse vor Übergewicht schützte. „Wir waren überrascht zu sehen, dass die Tiere mit hoher H19 Aktivität selbst mit einer fettreichen Ernährung kaum stärker zunahmen als ihre gesunden Artgenossen“, berichtet Bilban.

Machen väterliche Gene dick?

Eine weitere Besonderheit wurde darüber hinaus bei der Analyse des H19 entdeckt. H19 überwacht eine sehr selten Klasse von Genen, die nur ein Elternteil (entweder Mutter oder Vater) vererbt. „Ein Resultat unserer Forschung war, dass wir beobachten konnten, dass väterliche Gene eher zu Fettleibigkeit führen, während ihre mütterlichen Gegenspieler dafür sorgen, dass die Nachkommen schlank bleiben“, erklärt Kornfeld und fügt hinzu: „Wir glauben hier einem grundsätzlichen Mechanismus auf der Spur zu sein, bei dem Gene des Vaters und der Mutter eine Art Tauziehen im Erbgut der Nachkommen austragen. Unsere Arbeit fängt hier jetzt erst an!“ (fs)