Schweres Abnehmen: Welche Rolle spielen Gene bezüglich Fettzellen und Übergewicht?

Einfluss der Gene auf Übergewicht und Adipositas ist fraglich

Immer mehr Menschen auf der Welt sind zu dick. Meist ist Übergewicht auf einen Lebensstil mit wenig körperlicher Aktivität und viel energiereichem Essen zurückzuführen. In wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass manche Menschen auch aufgrund ihrer Gene Übergewicht und Fettleibigkeit entwickeln. Doch laut einer neuen Studie ist der Einfluss genetischer Faktoren auf die Ernährung fraglich.


Jeder zweite Deutsche ist zu dick

Übergewicht und Fettleibigkeit sind zu einem weltweiten Gesundheitsproblem geworden. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge haben 39 Prozent der Erwachsenen in Europa Übergewicht. In Deutschland leiden mehr als 50 Prozent der Erwachsenen an Übergewicht, etwa ein Fünftel ist laut Robert Koch-Institut (RKI) fettleibig. Dies ist hauptsächlich auf den modernen Lebensstil zurückzuführen, der sich durch geringe körperliche Aktivität und zu viel energiereiches Essen auszeichnet.

Übergewicht wird vor allem durch geringe körperliche Aktivität und zu viel energiereiches Essen begünstigt. Doch auch genetische Faktoren spielen eine Rolle beim Entstehen von Adipositas. Die Funktionen der Gene sowie die biologischen Mechanismen dahinter sind jedoch weitgehend unbekannt. (Bild: MartesiaBezuidenhout/fotolia.com)

Genetische Faktoren für die Entstehung von Fettleibigkeit

Aber auch genetische Faktoren spielen eine Rolle beim Entstehen von Adipositas.

So fand etwa ein internationales Forscherteam ein Gen, dass maßgeblich für die Entwicklung von Fettleibigkeit verantwortlich ist und japanische Wissenschaftler berichteten, dass sie ein Fett verbrennendes Gen entdeckten.

Bis heute wurden etwa hundert Gene identifiziert, die mit dem Body-Mass-Index (BMI) in Zusammenhang stehen. Die Funktionen der Gene sowie die biologischen Mechanismen dahinter sind jedoch weitgehend unbekannt.

Sinnhaftigkeit von Gen-Diäten ist nicht bewiesen

Nichtsdestotrotz sind individuelle Verzehrempfehlungen, die auf einer Genanalyse beruhen, derzeit in Mode.

Ein Forscherteam an der Technischen Universität München (TUM) hat nun Fachartikel systematisch analysiert und kommt zu dem Schluss:

Es gibt keinen eindeutigen Beleg für die Einflussnahme genetischer Faktoren auf den Verzehr von Kalorien, Kohlenhydraten und Fett. Die Sinnhaftigkeit von Gen-Diäten ist nach heutigem Kenntnisstand nicht bewiesen.

Momentaner Wissensstand ist begrenzt

Die erste Datenbankrecherche des Teams der TUM ergab mehr als 10.000 Fachartikel, die für das Thema in Betracht kamen. Davon drehten sich 39 Artikel um den Zusammenhang zwischen genetischen Faktoren und der Gesamtenergie-, Kohlenhydrat- oder Fettaufnahme.

„In all den Studien sind wir am häufigsten auf das Gen für Fettmasse und Fettleibigkeit (FTO) als auch auf das Melanocortin-4-Rezeptor-Gen (MC4R) gestoßen. Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang dieser beiden Gene mit der Gesamtenergieaufnahme“, erklärt Dr. Christina Holzapfel vom Institut für Ernährungsmedizin der TUM in einer Mitteilung.

Jedoch habe die Studienauswertung kein einheitliches Bild erbracht: „Wir können lediglich in geringem Umfang einen Zusammenhang zwischen dem FTO-Gen und niedriger Energiezufuhr sowie dem MC4R-Gen und erhöhter Energiezufuhr ausmachen.“

Somit gibt es bislang keine Anhaltspunkte dafür, dass bestimmte genetische Faktoren mit der Gesamtzufuhr von Kalorien, Kohlenhydraten und Fett im Zusammenhang stehen.

Der momentane Wissensstand sei noch zu begrenzt, um aufgrund genetischer Informationen individuelle Ernährungsempfehlungen etwa fürs Gewichtsmanagement abzuleiten, erklärt die Wissenschaftlerin. Letzterem schließen sich auch die einschlägigen Fachgesellschaften an.

Die Studienergebnisse wurden vor kurzem im Fachmagazin „Advances in Nutrition“ veröffentlicht. (ad)