Soziale Interaktion verbessert die Lebensqualität bei Demenzpatienten

Bei der Pflege von Demenzpatienten sollte die soziale Interaktion verbessert werden

Demenzerkrankungen sind weitverbreitet. Es gibt aus diesem Grund auch eine wachsende Notwendigkeit für eine verbesserte Pflege oder Betreuung von Menschen mit Demenz. Forscher fanden jetzt heraus, dass die Steigerung der sozialen Interaktion in Kombination mit einer personalisierten Pflege die Lebensqualität der Betroffenen verbessert.


Die Wissenschaftler der University of Exeter, des King’s College London und des Oxford Health NHS Foundation Trust stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass die Pflege von älteren Demenzkranken in Pflegeheimen erheblich verbessert werden kann, wenn die Soziale Interaktion mit den Betroffenen verstärkt wird. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „PLOS Medicine“.

Die richtige Pflege ist für Menschen mit Demenz sehr wichtig. Gerade die soziale Interaktion mit den Erkrankten hat einen großen Einfluss auf die Lebensqualität. (Bild: Robert Kneschke/fotolia.com)

Bereits eine Stunde soziale Interaktion pro Woche reicht aus

Die großangelegte Untersuchung hat ergeben, dass die Steigerung der sozialen Interaktion in Verbindung mit der personalisierter Pflege die Lebensqualität verbessert und zudem auch noch Kosten spart. Wenn ältere Menschen mit Demenz in einem Pflegeheim leben, würde bereits eine Stunde der sozialen Interaktion pro Woche ausreichen, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Frühere Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass die Bewohner in vielen Pflegeheimen nur etwa zwei Minuten soziale Interaktion pro Tag haben.

Das Programm reduziert Agitiertheit und Aggression

Die Autoren sorgten für ihre Studie dafür, dass bestimmte Schlüsselpersonen in Pflegeheimen eine Ausbildung erhielten, um einen personenzentrierten Ansatz der Versorgung zu gewährleisten. Dies geschah beispielsweise durch Gespräche mit den Anwohner über ihre Interessen. Schon eine Stunde der sozialen Interaktion pro Woche verbesserte bei dem Programm die Lebensqualität und reduzierte die Agitiertheit und die Aggression bei Menschen mit Demenz.

Die Qualität der Betreuung in Pflegeheimen variiert stark

Viele Pflegeheime leisten hervorragende Arbeit, allerdings unterscheiden sich die Standards immer noch sehr stark, erklärt der Studienautor Professor Clive Ballard von der University of Exeter Medical School. Da zuvor festgestellt wurde, dass die durchschnittliche Interaktion für Menschen mit Demenz nur zwei Minuten pro Tag beträgt, sind daraus resultierende Auswirkungen auf Lebensqualität und Agitation wohl kaum überraschend, fügt der Experte hinzu.

Mediziner müssen weitere Ansätze zur Verbesserung der Pflege entwickeln

Dieser Ansatz zum Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen verbessert die Pflege und spart zusätzlich Kosten ein. Es müssen mehr solche Ansätze entwickelt werden, welche den verletzlichsten Menschen in der Gesellschaft gerecht werden, erläutern die Mediziner. Von etwa 170 auf dem Markt erhältlichen Pflege-Handbüchern basieren nur vier auf dem Maßnahmen, die auch wirklich funktionieren, fügen die Forscher hinzu. Dies sei einfach nicht ausreichend und muss verbessert werden.

Forscher untersuchten bei ihrer Studie mehr als 800 Demenzkranke

An der Studie waren mehr als 800 Menschen mit Demenz in 69 Pflegeheimen in Süd-London, Nord-London und Buckinghamshire beteiligt. Zwei Mitarbeiter des Pflegepersonals wurden in jedem Heim in vier ganztägigen Sitzungen geschult, um beispielsweise mit den Bewohnern über ihre Interessen und Entscheidungen rund um ihre eigene Pflege zu sprechen. Die nächste wichtige Herausforderung besteht darin, dass das Programm auf die 28.000 Pflegeheime in Großbritannien ausgeweitet wird. So kann die Lebensqualität von etwa 300.000 Menschen mit Demenz in diesen Einrichtungen verbessert werden, betonen die Experten.

Soziale Interaktion hat einen signifikanten Einfluss auf das Wohlbefinden

Bei einem sogenannten personenzentrierten Ansatz geht es darum, jeden Bewohner als Individuum kennenzulernen, dazu gehören auch seine Interessen und Vorlieben. Diese können dann in allen Aspekten der Pflege widergespiegelt werden, erläutern die Mediziner. Dieser Ansatz der Behandlung könne die Agitation deutlich reduzieren und Kosten für das Gesundheitssystem einsparen. Die landesweite Schulung könnte in Zukunft vielen Menschen zugute kommen. Diese Studie zeigt, dass eine Schulung zur Bereitstellung dieser Art von individueller Betreuung und sozialer Interaktion einen signifikanten Einfluss auf das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen haben kann, so das Fazit der Experten. (as)