Spermienqualität: Boxer-Shorts oder besser Slips – Welche Unterhose sollte Mann idealerweise tragen?

Alexander Stindt

Schützen Boxer-Shorts die Fruchtbarkeit?

Unter Männern gibt es schon lange Zeit Diskussionen darüber, welche Art von Unterwäsche getragen werden sollte. Ein wichtiges Argument bei dieser Diskussion ist die Auswirkung der getragenen Unterwäsche auf die Fruchtbarkeit. Forscher untersuchten jetzt, welche Unterwäsche Sie tragen sollten, um die Produktion von gesunden Spermien zu unterstützen.


Die Wissenschaftler der Harvard TC Chan School of Public Health versuchten bei ihrer aktuellen Studie herauszufinden, welche Art von Unterwäsche Männer tragen sollten, um die Produktion von gesunden Spermien zu gewährleisten. Die Mediziner publizierten die Ergebnisse ihrer Studie in dem englischsprachigen Fachblatt „Human Reproduction“.

Die Spermien sind eine elementarer Faktor für die männliche Fruchtbarkeit. Wie wirkt sich die Wahl der Unterwäsche auf die Fruchtbarkeit und die Produktion von Spermien bei Männern aus? (Bild: Sebastian Kaulitzki/fotolia.com)

Unterwäsche sollte die Fruchtbarkeit nicht einschränken

Was ist wichtig bei der Wahl der Unterwäsche für Männer? Geht es darum, welche Unterwäsche am bequemsten ist oder welche Unterwäsche am besten aussieht? Mediziner sagen, dass Männer bei ihrer Unterwäsche vor allem darauf achten sollten, dass diese die Fruchtbarkeit nicht einschränkt oder reduziert. Lange Zeit hieß es zu diesem Thema, dass sogenannte Boxer-Shorts viel gesünder für die Hoden und die Herstellung von gesunden Spermien sind. Aber entspricht diese Aussage auch den Tatsachen?

Eng anliegende Unterwäsche schadet der Fruchtbarkeit

Die Mediziner der Harvard TC Chan School of Public Health stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass eng anliegende Unterwäsche in der Tat mit einer verminderten Spermienkonzentration assoziiert ist und zu niedrigeren Blutspiegeln des follikelstimulierenden Hormons (FSH) führen kann.

Forscher finden Kompensationsmechanismus

Eine wichtige Stärke der Studie ist, dass die mögliche Beziehung zwischen der Art der getragenen Unterwäsche und Indikatoren der Hodenfunktion untersucht wurden, wie beispielsweise dem reproduktiven Hormonspiegel und DNA-Schäden, die bei allen früheren Studien zu diesem Thema nicht berücksichtigt wurden, erklärt die Studienautorin Dr. Lidia Minguez-Alarcon von der Harvard TC Chan School of Public Health. So konnten die Mediziner auch einen potentiellen Kompensationsmechanismus finden, bei dem eine verminderte Spermienproduktion im Zusammenhang mit dem Typ der Unterwäsche dem Hypothalamus signalisiert, die Sekretion von Gonadotropin (auf die Hoden wirkende Hormone) zu verstärken, um die Spermienproduktion zu erhöhen.

656 Männer nahmen an der Studie teil

Für die Studie wurden 1.186 Spermaproben von 656 verschiedenen Männern analysierten, welche zwischen dem Jahr 2000 und dem Jahr 2017 eine Fruchtbarkeitsbehandlung am Massachusetts General Hospital durchführen lassen wollten. Bei diesen Teilnehmern wurde auch eine Blutprobe durchgeführt, so dass Ärzte das Niveau von FSH, Estradiol (eine Form von Östrogen) und dem luteinisierenden Hormon (ein Hormon, das in der Fortpflanzungszellenentwicklung verwendet wird) untersuchen konnten. Die Experten fanden heraus, dass die Männer, die Boxer-Shorts trugen (53 Prozent der Teilnehmer), eine höhere Spermienkonzentration (plus 25 Prozent), eine höhere Spermienanzahl (plus 25 Prozent) und niedrigere FSH-Spiegel (Minus 14 Prozent) aufwiesen. Faktoren, die das Sperma beeinflussen könnten, wie Alter, BMI, Rauchen und der Zeitraum zwischen der Probenahme und der letzten Ejakulation, wurden ebenfalls von den Wissenschaftlern berücksichtigt.

Welche Einschränkungen gab es bei der Studie?

Die Ergebnisse der Untersuchung könnten jedoch dadurch beeinträchtigt sein, dass 67 Prozent der Teilnehmer nur eine Probe einreichten. Außerdem sich die Qualität der Spermien auch mit dem Tagesrhythmus verändern, erklären die Autoren der Studie. Die sogenannte zirkadiane Variation könne die Hormonproduktion ebenso beeinflussen wie ein heißes Bad, sagen die Forscher. Die Wissenschaftler versuchten diese Faktoren bei ihrer Studie so weit wie möglich zu berücksichtigen.

Weitere Forschung ist nötig

Zukünftige Studien werden hoffentlich den molekularen Mechanismus der Hormonspiegelveränderungen und Schäden am Hoden durch die Unterwäsche genauer untersuchen, betont Dr. Lidia Minguez-Alarcon. So könne festgestellt werden, ob irgendwelche eindeutigen (Risiko-)Muster auftreten. (as)