Unfruchtbare Töchter durch die Einnahme von Ibuprofen in der Schwangerschaft?

Experten untersuchen die Auswirkungen der Einnahme von Ibuprofen in der Schwangerschaft

Ibuprofen ist ein Schmerzmittel, welches allgemein weitverbreitet ist. In der Schwangerschaft sollten werdende Mütter aber eher auf Ibuprofen verzichten. Es reduziert bei den schwangeren Frauen nicht nur die Schmerzen, es scheint sich auch negativ auf die Fruchtbarkeit von ungeborenen Töchtern auszuwirken. Ein französisches Forscherteam fand jetzt heraus, dass die Einnahme von Ibuprofen in der Schwangerschaft dazu führen kann, dass weiblicher Nachwuchs unfruchtbar wird.


Die Reproduktionsmediziner von INSERM stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass die Einnahme von Ibuprofen während der Schwangerschaft zur Unfruchtbarkeit der Tochter führen kann. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Human Reproduktion“.

Die Einnahme von Schmerzmitteln kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Besonders in der Schwangerschaft sollte auf die Einnahme von Schmerzmitteln verzichtet werden. (Bild: Sherry Young/fotolia.com)

Viele Frauen nehmen Ibuprofen während der Schwangerschaft ein

Bei der Untersuchung des menschlichen Ovarialgewebes konnten die Wissenschaftler den ersten Beweis dafür finden, dass die Exposition gegenüber Ibuprofen die Fruchtbarkeit zukünftiger Nachkommen schädigen könnte. Das Schmerzmittel ist weitverbreitet und wird von einer von drei Frauen während der Schwangerschaft eingenommen.

Bereits zwei Tage der Einnahme scheinen Fruchtbarkeitsprobleme auszulösen

Wenn Föten dem Medikament ausgesetzt wurden, entwickelten diese einen dramatischen Verlust der Keimzellen, welche Follikel bilden und bestimmen, wie viele Eier eine Frau in ihrer Lebenszeit freisetzen kann. Die Einnahme der Tabletten für nur zwei Tage während der Schwangerschaft reichte bereits aus, um gegebenenfalls Fruchtbarkeitsprobleme bei nachfolgenden weiblichen Kindern zu verursachen, erläutern die Mediziner. Es gab außerdem bereits frühere Studien, welche ergeben hatten, dass das Schmerzmittel Ibuprofen möglicherweise zu Unfruchtbarkeit bei Männern führen kann.

Ibuprofen gelangt ungehindert in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes

Die sogenannte Plazentabarriere scheint das Ibuprofen offenbar nicht aufzuhalten. Wenn Frauen das Medikament während der Schwangerschaft einnahmen, konnte Ibuprofen auch im Nabelschnurblut mit der gleichen Konzentration gefunden werden, wie im Blut der werdenden Mutter selbst. Mit anderen Worten: Das Ibuprofen ist nach der Einnahme auch in der gleichen Konzentration im Blutkreislauf des Kindes zu finden.

Die Auswirkungen der Einnahme von Ibuprofen auf die Kinder

Die negative Auswirkung auf die ungeborenen Kinder tritt schon zwei bis sieben Tage nach der Einnahme der üblichen Tagesdosis ein, sagen die Autoren. So werden dann embryonale Vorläufer von Eizellen in einer sehr großen Anzahl vernichtet. Auch die Teilung vieler Zellen war stark eingeschränkt. Die Wissenschaftler stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass abhängig von der Dosis und der Dauer der Einnahme bis zur Hälfte der sogenannten Urkeimzellen zerstört werden. Ein weiterer Nachteil der Einnahme des Schmerzmittels war, dass auch nach dem Absetzen von Ibuprofen sich die geschädigten Zellen in nur geringer Anzahl wieder erholten.

Wie wirkt sich die reduzierte Anzahl von Eizellen auf den Körper aus?

Mädchen werden mit einer endlichen Anzahl von Follikeln in ihren Eierstöcken geboren und diese Anzahl definiert ihre zukünftige Reproduktionskapazität als Erwachsene, erklärt Studienautorin Dr. Séverine Mazaud-Guittot von INSERM in einer Pressemitteilung. Die Einnahme des Mittels zur Schmerzlinderung in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft scheine den Vorrat an Eiern in den Eierstöcken zukünftiger Töchter stark zu reduzieren. Die Menge der Eizellen nimmt auch im Laufe des Lebens auf ganz natürliche Weise ab. Aber normalerweise ist bis zum Einsetzen der Menopause ein ausreichender Vorrat an Eizellen vorhanden. Eine geringere Anzahl von Eizellen kann eine frühe Menopause oder Unfruchtbarkeit bewirken.

Bereits ein kurze Einnahme von Ibuprofen kann weitreichende Folgen haben

Die Exposition gegenüber Ibuprofen für einen Zeitraum von nur zwei bis sieben Tagen reduziert den Keimzellenvorrat in menschlichen fötalen Ovarien während des ersten Trimesters der Schwangerschaft drastisch, erläutern die Mediziner. Und die Eierstöcke scheinen sich nicht vollständig von diesem Schaden zu erholen. Dies deutet darauf hin, dass eine verlängerte Ibuprofen-Exposition während des Lebens des Fötus zu langfristigen Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit führen kann, so die Experten. Dies gibt Anlass zur Sorge über den Konsum von Ibuprofen bei Frauen in den ersten 24 Schwangerschaftswochen. Kürzere Behandlungszyklen von weniger als zwei Tagen würden wahrscheinlich zu einer geringeren Schädigung der Eierstockreserve führen, vermuten die Forscher.

Ibuprofen in der späteren Schwangerschaft einnehmen?

Der NHS rät schwangeren Frauen beispielsweise das Medikament in den ersten sechs Monaten nicht einzunehmen, da die Einnahme bereits mit einem erhöhten Risiko für Fehlgeburten in Verbindung gebracht wurde. Wenn in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft eine Schmerzlinderung erforderlich ist, wird stattdessn zur Einnahme von Paracetamol geraten. Wobei die niedrigste wirksame Dosis für die kürzest mögliche Zeit empfohlen wird. Schwangeren Frauen wird kategorisch dazu geraten, Ibuprofen auch in der späten Schwangerschaft wegen eines erhöhten Risikos von Komplikationen nicht einzunehmen. Auch in Deutschland warnen Beipackzettel, Hebammen und Ärzte schwangere Frauen, dass das wirksame Schmerzmittel in späteren Schwangerschaftsphasen durchaus zu Missbildungen führen kann. Im besten Fall nehmen werdende Mütter kein Schmerzmittel während der Schwangerschaft ein.

Für die Versuche wurden 185 abgetötete menschlichen Föten genutzt

Die Studie, an der auch Forscher der Universitäten Edinburgh und Kopenhagen beteiligt waren, umfasste Proben von insgesamt 185 toten menschlichen Föten im Alter von sieben bis zwölf Wochen. Bei diesen kultivierten die Mediziner das Ovargewebe im Labor und setzten einen Teil des Gewebes Ibuprofen aus. Dies ist die erste Studie, die sich mit den Auswirkungen von Ibuprofen auf das Ovargewebe von Mädchen befasst und die erste Untersuchung die zeigt, dass Ibuprofen die Plazentaschranke während des ersten Trimesters der Schwangerschaft überwinden und den Fötus dem Medikament aussetzen kann, erklären die Autoren.

Weitere Forschung ist nötig

Natürlich gibt es auch einige Experten, welche nicht an der Studie beteiligt waren, die der Meinung sind, dass die Ergebnisse der Untersuchung durch weitere Forschungsarbeiten bestätigt werden müssen, um die Langzeitfolgen der Einnahme von Ibuprofen zu analysieren. Schwangere Frauen sollten generell die Einnahme von Arzneimitteln idealerweise mit einem ihrem Arzt besprechen, um die persönlichen Risiken und Vorteile zu ermitteln, raten die Mediziner. (as)