Warme Badeseen: Hitze für Menschen und Fische ein Gesundheitsrisiko

Der Baggersee steht hoch im Kurs – hohe Temperaturen stressen Menschen und Fische

Bei der schweißtreibenden Hitzewelle gibt es kaum etwas Schöneres, als sich in einem Badesee abzukühlen. Allerdings sorgen die extremen Temperaturen häufig für eine relativ hohe Wassertemperatur. Das beeinträchtigt nicht nur die Erfrischung für uns Menschen, sondern macht auch den Fischen zu schaffen.


Erfrischung im Badesee

Um bei der aktuellen Hitze cool zu bleiben, bietet es sich an, den nächstgelegenen Badesee aufzusuchen. Doch mancherorts sind die Baggerseen und andere Binnengewässer aufgrund der hohen Temperaturen so warm, dass sie kaum noch Erfrischung bringen. Und selbst Wassertemperaturen, die wir als angenehm empfinden, können für Fische tödlich enden, weil mit steigenden Temperaturen der Sauerstoffgehalt im Wasser abnimmt. Darauf weist das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in einer Mitteilung hin.

Zwar gibt es im Sommer kaum etwas Schöneres, als sich im Badesee zu erfrischen, doch die hohen Wassertemperaturen sorgen manchmal kaum für Abkühlung. Für Fische hat die Hitze aber wesentlich dramatischere Auswirkungen. (Bild: mmphoto/fotolia.com)

Binnengewässer für die Erholung wichtiger als das Meer

In der Natur kann sich der Mensch am besten erholen. Vor allem das Wasser übt eine starke Anziehung auf uns aus. Dies gilt auch für Seen und Flüsse.

Laut IGB zeigte eine Umfrage, die gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) durchgeführt wurde, dass sich zwei Drittel der Deutschen mindestens einmal im Jahr an einem Binnengewässer aufhalten, um zu joggen oder spazieren zu gehen.

Rund die Hälfte schwimmt oder badet regelmäßig in einem See oder Fluss oder nutzt das Ufer zum Sonnenbaden.

„Und rund ein Drittel der Bevölkerung in Deutschland hält sich an Gewässern auf, um sich an den Tieren und Pflanzen zu erfreuen“, erläutert Studienleiter Prof. Dr. Robert Arlinghaus vom IGB und der HU einen Grund für die Bedeutung von Binnengewässern für die Erholung des Menschen.

Nach einer aktuellen Befragung in Niedersachsen von der Technischen Universität Berlin (TU) sind Binnengewässer für die Naherholung insgesamt sogar bedeutsamer als das Meer.

Über die Freizeitbedeutung von kleineren Baggerseen ist jedoch wenig bekannt. Das ändert sich nun durch die Forschungsarbeiten im Projekt BAGGERSEE, das von WissenschaftlerInnen von IGB, HU, TU und dem Anglerverband Niedersachsen bearbeitet wird.

Erste Ergebnisse zeigen, wie weitverbreitet der Gewässertyp Baggersee ist. Flächenmäßig sind rund 70 Prozent aller Seen in Niedersachsen Abgrabungsgewässer beziehungsweise Baggerseen. Allein in Niedersachsen befinden sich über 30.000 künstliche Standgewässer.

„Baggerseen haben alleine aufgrund ihrer weiten Verbreitung eine große soziale Bedeutung für die Naherholung“, so BAGGERSEE-Koordinator Prof. Dr. Robert Arlinghaus.

Naherholungswert von Baggerseen optimieren

Allerdings gibt es bei der aktuellen Rekordhitze auch Verlierer am Baggersee:

In Gewässern, die stark von landwirtschaftlichen und sonstigen Nährstoffeinträgen belastet sind, kann es zu hohen Algenmengen kommen. Diese machen den Aufenthalt im Wasser für Menschen mitunter zum gefährlichen Badespaß, da Hautreaktionen drohen.

Für Fische und andere Wasserbewohner können die hohen Algenmengen, die dazu führen, dass der Sauerstoff im Wasser weniger wird, lebensbedrohlich werden.

Das Projekt BAGGERSEE will nun die biologische Vielfalt – und somit auch den gepriesenen Naherholungswert – von Baggerseen optimieren.

So soll beispielsweise durch das Einbringen von Totholz und die Schaffung von Flachwasserzonen in den steil abfallenden Baggerseen das Aufkommen von Fischen, Amphibien und Libellen gesteigert werden.

Auch der Mensch profitiert von einer guten Strukturvielfalt am Gewässer und davon, die Baggerseen naturnah zu entwickeln. (ad)